BenQ W8000 (Test)

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BenQ liefert den Full-HD-Projektor W 8000 ohne Objektiv aus und ruft dafür nicht gerade günstige 3.600 Euro auf. Die professionelle Chassis-Konstruktion mit Bajonettanschluss ist entsprechend aufwändig. Damit lassen sich aber auch von der starken Weitwinkel-Linse bis zum langen Tele-Zoom alle Installationsaufgaben meistern. Eine Leinwand mit 2,5 Meter Bilddiagonale kann der DLP-Beamer wahlweise aus extrem kurzem Abstand von 1,7 oder extra langen 11,1 Metern ausleuchten. Je nach Objektiv kommen 600 Euro für die Standard-Optik oder bis zu 1.680 Euro für das lichtstarke Long-Zoom dazu. Zum Vergleich: BenQs ausgezeichneter Einsteiger-DLP W 2000 kostet nur 1.300 Euro (Test in audiovision 3-2016).

Ausstattung und Praxis

benq-w8000_proconMit seiner 280 Watt starken Lampe will der W 8000 laut Hersteller ein Kontrastverhältnis von 50.000:1 sowie eine Helligkeit von bis zu 2.000 Lumen erreichen. Je nach Optik und Zoomeinstellung variieren die Resultate allerdings. Unserem Testgerät lag die Semi-Long-Optik mit 1,5-fachem Telezoom bei (Brennweite 28,5 bis 42,75 Millimeter), deren Blendenöffnung zum Telebereich hin leicht abnimmt (F2,5 bis F3,1). Im Labordurchgang wird ein Projektor stets in der lichtstarken Weitwinkel-Stellung gemessen. Noch mehr Helligkeit verspricht die Wide-Zoom-Optik (Blendenöffnung F2,05 bis F2,27). Das Projektionsverhältnis multipliziert mit der gewünschten Bildbreite ergibt den Projektionsabstand. Mit diesen Informationen auf BenQs Webseite können Laien wie Profis die ideale Optik-Kombination für ihr Heimkino auswählen. Ein interessantes Extra ist das optionale Wireless-HD-Kit (WDP01 und WDP02; rund 450 Euro). Es überträgt in Echtzeit Full-HD-Signale in 2D und 3D dank vier Antennen bis zu 30 Meter weit und löst so alle Verkabelungsprobleme.

Praktisch: Die Tasten der handlichen Fernbedienung leuchten bei jeder Betätigung rot auf und sind gut ablesbar. Dank kompakter Maße und der Griffmulde liegt der Geber angenehm in der Hand.

Praktisch: Die Tasten der handlichen Fernbedienung leuchten bei jeder Betätigung rot auf und sind gut ablesbar. Dank kompakter Maße und der Griffmulde liegt der Geber angenehm in der Hand.

Die Abbildungseigenschaften der Semi-Long-Optik von BenQ gehen über die Qualität der meisten fest verbauten Standardobjektive hinaus: Ein Schärfeabfall lässt sich auch bis in die äußersten Bildecken nicht erkennen. In Kombination mit der scharfen Ein-Chip-DLP-Technik werden native Linienpaare im RP-133-Testbild mit vollem Kontrast und frei von Farbsäumen oder Konvergenzfehlern auf die Leinwand gemeißelt. Gerade bei der Projektion von stehenden Bildern respektive Fotos macht der BenQ eine bestechende Figur. Schade ist nur, dass wir auf DLP-Panels mit Ultra-HD-Auflösung noch warten müssen.

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Anschlüsse für HDMI und analoge Quellen: Der zweite HDMI-Eingang ist MHL-kompatibel, daneben stehen analoge Schnittstellen für FBAS, YUV und VGA-Signale bereit. Sogar ein Netzschalter ist vorhanden.

Auch die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung überzeugt, insbesondere bei einer geraden Projektion. Wenn nötig, lässt sich das Bild per 2D-Lens-Shift versetzen: Unter einer Klappe auf der Oberseite verschieben zwei manuelle Drehregler das Bild horizontal leicht (plus/minus fünf Prozent) und vertikal weit (minus 15 bis plus 55 Prozent). Die volle Ausstattung mit motorgesteuertem Zoom oder Bildpositionsspeichern bleibt aber ein Wunschtraum. Mehr stört uns der anfangs strenge Geruch der 280-Watt-Lampe, der auch nach mehreren Tagen sowie im Sparmodus nicht völlig verschwindet. Das Geräuschspektrum der großen Lüfter geht in Ordnung, allerdings hatten wir in dieser Preisklasse auch schon leisere Projektoren in unseren Testfingern. Sehr gut gefällt uns die handliche Fernbedienung: Sie ist nicht zu groß und die rot leuchtenden Tasten lassen sich problemlos ablesen.

Licht und Farbe

Natürliche Farben verspricht der Bildmodus „THX“, der ab Werk ohne Brilliant-Color-Schaltung agiert und nicht auf volle Helligkeit getrimmt ist. Maximal 853 Lumen sind aber keine angemessene Ausbeute für so eine starke Lampe. Schließlich schafft der kleine Bruder BenQ W 2000 mit 1.172 Lumen deutlich mehr und Epsons neuer LCD-Projektor EH-TW 9300 W schickt mit seiner 250-Watt-Lampe gar 2.064 Lumen auf die Leinwand! Auch das hellste Preset des BenQ, der grünstichige und farblich unbrauchbare Bildmodus „Bright“, bleibt mit 1.750 Lumen unter der Herstellerangabe. Ein Trost sind die sehr natürlichen Farben des THX-Presets, das allerdings Graustufen und Weiß mit 5.800 Kelvin etwas zu warm darstellt. Das Preset „Vivid“ liefert deshalb trotz weniger perfekter Farben eine interessante Alternative: Es liegt mit 6.800 Kelvin näher am D65-Punkt, liefert leicht erweiterte Farben und ist bei aktivierter Brilliant-Color-Schaltung mit 1.320 Lumen gut 1,5 mal heller (siehe Kasten „Alternative Bildmodi für hellere Bilder“).

Fantastisch: Der Regler „Pixel Enhancer“ holt erstaun­liche Details heraus. In Kombination mit der hochkarätigen Optik ist die Schärfewirkung phänomenal.

Fantastisch: Der Regler „Pixel Enhancer“ holt erstaun­liche Details heraus. In Kombination mit der hochkarätigen Optik ist die Schärfewirkung phänomenal.

Weniger genau, aber intensiver: Das Vivid-Preset wirkt sehr satt, jedoch keineswegs unnatürlich. Brilliant Color steigert zudem die Lichtausbeute deutlich.

Weniger genau, aber intensiver: Das Vivid-Preset wirkt sehr satt, jedoch keineswegs unnatürlich. Brilliant Color steigert zudem die Lichtausbeute deutlich.

Für den Labordurchgang bewerten wir immer den farblich besten und ab Werk neutralsten Bildmodus. Beim W 8000 hält sich das THX-Preset sehr genau an den HDTV-Standard BT.709, ist aber recht dunkel. Im Bildmodus „Vivid“ erweitert der Benq den Farbraum hingegen in Richtung Grün, Gelb und vor allem Rot deutlich, was aber nur zu leicht erhöhten Delta-E-Abweichungen führt. Subjektiv gefallen die Farben deshalb immer noch sehr gut, da sie reiner und intensiver, aber keineswegs unnatürlich wirken. Auch die etwas kühleren, kaum eingefärbten Graustufen und das satte Weiß (maximal 1.320 Lumen bei 6.800 Kelvin) lassen die Bilder frischer rüberkommen. Dazu trägt selbstverständlich auch der mit deutlich erhöhter Lichtausbeute einhergehende Anstieg des Kontrastumfangs bei.

Naturgetreuer wirkt das Vivid-Preset bei abgeschalteter Brilliant-Color-Schaltung: Nun erscheinen Graustufen und Weiß mit 6.590 Kelvin noch neutraler sowie Farben akkurat und intensiv (siehe CIE-Diagramm). Dabei werden immer noch 1.060 Lumen erreicht – deutlich mehr als im zu warm abgestimmten THX-Modus. Die Abweichungen bei Farben und Graustufen sind in der Summe besser, doch leider ist die Kombination „Vivid“ mit abgeschalteter Brilliant-Color-Schaltung nicht ab Werk hinterlegt. Sie taugt deshalb nur als unsere Tuning-Empfehlung für den BenQ W 8000.

Gegen die etwas warme THX-Abstimmung hilft versuchsweise auch das Aktivieren der Brilliant-Color-Schaltung: Die Farbtemperatur nähert sich dem D65-Punkt besser an (6.000 Kelvin bei voller Leistng, 6.320 Kelvin im Eco-Modus) und die Lichtausbeute erhöht sich auf bis zu 1.040 Lumen, diesmal ohne erweiterte Farben im HDTV-konformen Bildmodus „THX“.

Bildmodus „Vivid“: Hier liefert der Benq erweiterte Farben und die Projektionshelligkeit steigt von 953 auf 1.320 Lumen an. Ohne Brilliant-Color-Schaltung sind es noch 1.060 Lumen, nun aber zeigt der W 8000 zugleich tolle Farben und absolut neutrale Graustufen.

Bildmodus „Vivid“: Hier liefert der Benq erweiterte Farben und die Projektionshelligkeit steigt von 953 auf 1.320 Lumen an. Ohne Brilliant-Color-Schaltung sind es noch 1.060 Lumen, nun aber zeigt der W 8000 zugleich tolle Farben und absolut neutrale Graustufen.

Aus der geringen Lichtausbeute und dem schon mit bloßem Auge sichtbaren Restlicht in schwarzen Testbildern resultiert leider ein schwacher nativer Kontrastumfang von 1.050:1. Auch der Im-Bild-Kontrast (ANSI und EBU) fällt unterdurchschnittlich aus.

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Schärfe und Videoverarbeitung

Halbbilder (576i/1080i) flimmern zunächst. Erst nach erneutem Einschalten des „Filmmode“ passt alles. Einwandfrei funktioniert die „Vollbildinterpolation“, die zwar Filme, allerdings kein TV-Material glättet. Dank Sechs-Segment-Farbrad verschmieren schnelle Sportmotive kaum und Farbblitzer stören nur in kritischen Szenen.

Was uns beim W 8000 am meisten beeindruckt, ist seine fantastische Bildschärfe. Im Menü „CineMaster“ holt der Regler „Pixel Enhancer“ unfassbare Details heraus, etwa die feinen Muster auf James Bonds Krawatte in „Casino Royale“. Auch die Farbwirkung überzeugt, solange kein Restlicht sie in düsteren Szenen ausgraut. ur

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Der Testbericht BenQ W8000 (Gesamtwertung: 76, Preis/UVP: 3600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

76 gut

Besondere Situationen erfordern flexible Technik, die der BenQ W8000 mit seinen fünf zur Auswahl stehenden Wechseloptiken liefert. Einmalig sind die Abbildungsschärfe und das Detail-Enhancement. Doch beim Kontrastumfang und den Lichtreserven schneidet er trotz guter Farben schlechter ab als der deutlich günstigere Bruder W 2000.

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