Hisense H55M7000 (Test)

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Fernseher von chinesischen Herstellern haben vor allem einen Vorteil: Sie sind günstig.
Mit den Top-TVs der M7000er-Serie möchte Hisense weg vom Billig-Image und stattet sie mit elitärer Technik à la ULED aus, setzte die Preise zum Marktstart aber auch recht hoch an. Der 55-Zöller im Test.

Ausstattung und Praxis

hisense_h55m7000_proconSchon wieder eine neue TV-Technik? Nicht wirklich! Denn obwohl Hisense mit der Abkürzung bewusst auf OLED anspielt, handelt es sich beim M 7000 im Prinzip um einen klassischen LCD-Fernseher. Einzig die Nanokristalle beziehungsweise Quantum Dots sind eine Besonderheit, sorgen sie doch für einen besonders großen Farbraum – die Konkurrenz setzt diese bereits seit einiger Zeit unter klangvollen Namen wie „Triluminos-Display“ (Sony) oder „Color Prime“ (LG) ein. Darüber hinaus verfügt das China-Flaggschiff über eine Local-Dimming-Schaltung mit angeblich 240 Zonen, die exzellente Kontrastwerte sowie tiefes Schwarz verspricht. Jedoch kommt nur ein Edge-LED-Backlight zum Einsatz. Der HDR-Unterstützung tut das keinen Abbruch, mehr dazu erfahren Sie im Kasten auf der nächsten Seite.

Schneller Zugriff: Netflix, YouTube und Wuaki.tv lassen sich direkt über die Fernbedienung aufrufen. Auch sonst vermissen wir keinerlei Tasten. Extras wie eine Bewegungssteuerung gibt es nicht.

Schneller Zugriff: Netflix, YouTube und Wuaki.tv lassen sich direkt über die Fernbedienung aufrufen. Auch sonst vermissen wir keinerlei Tasten. Extras wie eine Bewegungssteuerung gibt es nicht.

Freie Fahrt: Grüne Mischfarben stellt der Hisense H 55 M 7000 nahezu perfekt dar; Orange tanzt allerdings aus der Reihe. Graustufen erscheinen im SDR-Betrieb neutral.

Freie Fahrt: Grüne Mischfarben stellt der Hisense H 55 M 7000 nahezu perfekt dar; Orange tanzt allerdings aus der Reihe. Graustufen erscheinen im SDR-Betrieb neutral.

Von alt bis neu: Unterhalb der beiden HDMI-2.0-Eingänge mit HDR-Unterstützung finden sich analoge Schnittstellen. Leider verzichtet Hisense beim M 7000 auf einen Twin-Tuner.

Von alt bis neu: Unterhalb der beiden HDMI-2.0-Eingänge mit HDR-Unterstützung finden sich analoge Schnittstellen. Leider verzichtet Hisense beim M 7000 auf einen Twin-Tuner.

Auf 3D muss man hingegen ebenso verzichten wie auf erweiterte TV-Funktionen. So gibt es weder eine doppelte Empfangseinheit (Twin-Tuner) noch eine Streaming-Funktion für Mobilgeräte à la Panasonic (siehe Seite 36).  Immerhin werden die Sender in eine praxisgerechte Reihenfolge gebracht; eine eigene Sortierung ist nur über die Favoritenliste möglich. Der USB-Recorder lässt sich nach wie vor maximal eine Woche im Voraus programmieren. Beim Smart-TV-Angebot vertraut Hi-sense auf den Portal-Betreiber Foxxum, der eine breite Palette an Apps offeriert – inklusive Amazon Instant Video und Netflix in Ultra-HD-Qualität. YouTube-Clips gehen leider nicht über 1080p hinaus.

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Ungeachtet ihrer niedrigen Leistung spielen die beiden Zehn-Watt-Lautsprecher recht laut, jedoch verfärben sie schnell und klingen etwas blechern.

Für HDR hat Hisense die HDMI-Eingänge drei und vier vorbereitet. Ausgehend vom besten SDR-Preset „Kino“ steigert der ansonsten ausgegraute Bildmodus „HDR“ die Displayhelligkeit in Spitzlichtern von 180 auf 280 Candela (APL zehn Prozent) beziehungsweise im Vollbild von 229 auf 387 Candela (APL 100 Prozent). Das ist insofern erstaunlich, da der Stromverbrauch nur um rund fünf Watt zunimmt und die Farbtemperatur mit 6.700 Kelvin immer noch dicht am idealen D65-Punkt liegt. Die 1.000-Candela-Messlatte für eine Ultra-HD-Premium-Zertifizierung der UHD Alliance verfehlt der LCD-TV aus China dennoch deutlich.

Gut zu HDR-Anforderungen passt der stark erweiterte Farbraum, den der 55-Zöller automatisch aktiviert. Er übertrifft den HDTV-Standard BT.709 klar und deckt in etwa den DCI-Farbraum ab (siehe Diagramm unten). Doch von ausgewogenen Primär- und Sekundärfarben kann im HDR-Modus leider keine Rede mehr sein: Alle Farben außer Cyan erscheinen zu dunkel und zu schwach gesättigt, starke Kontraste und helle Graustufen clippen. Das Absenken des Kontrast-Presets von 40 auf 33 und des Helligkeitsreglers von 50 auf 49 hilft zwar gegen übersteuerte Spitzlichter oder suboptimale Schwarzwerte, ändert aber nichts an den flauen Farben.
Leider ist der Farbsättigungsregler keine Lösung, sondern führt zu weiteren Problemen: Der Videoprozessor des Hisense hebt verschiedene Farben nämlich nicht gleichwertig stark an und vernachlässigt insbesondere gelbe Töne. Sie erscheinen zu düster sowie deutlich nach Grün verschoben. Auch bei erhöhter Farbsättigung (45 statt 40) wirken Hautnuancen ungesund oder eine reife Banane grünlich. Rot und Magenta sowie die noch stärker betonten Farben Blau und Cyan leuchten hingegen übermäßig intensiv. Bildtüftler können zwar im HDR-Modus das Farbmanagement des Hisense aufsuchen, die Probleme allerdings nicht ganz beseitigen. Denn während der Einstellbereich des Reglers „Sättigung“ fast zu klein ausfällt, steuert „Farbton“ ziemlich grobe sowie bei „Gelb“ irreguläre Farbverschiebungen nach: Schwach gesättigte Gelbtöne werden schon in minimaler Stufe „-1“ stark in Richtung Rot verschoben, während hoch gesättigte Gelbtöne kaum betroffen sind. Hier sollte Hisense die offensichtlich noch nicht ganz ausgereifte HDR-Farbabstimming noch etwas nachbessern und künftig ein Firmware-Update mit besseren Farb- und Kontrastvoreinstellungen beisteuern.

Schwache HDR-Farben: Die Farben passen grundsätzlich gut zum DCI-Standard, sind ab Werk aber unausgewogen und zu dunkel justiert. Insbesondere Gelb, Cyan und Magenta driften spürbar ab.

Schwache HDR-Farben: Die Farben passen grundsätzlich gut zum DCI-Standard, sind ab Werk aber unausgewogen und zu dunkel justiert. Insbesondere Gelb, Cyan und Magenta driften spürbar ab.

HDR-Farbmanagement: Unterschiedlich gesättigte Farben lassen sich korrigieren. Leider wirkt der Regler „Farbort“ je nach Intensität zu grob, speziell bei Gelb.

HDR-Farbmanagement: Unterschiedlich gesättigte Farben lassen sich korrigieren. Leider wirkt der Regler „Farbort“ je nach Intensität zu grob, speziell bei Gelb.

Bildqualität

Anders als die Bildmodi „Dynamisch“ sowie „Standard“ liefert das Preset „Kino“ ausgewogene Grund- und Mischfarben. Doch bei der Gesamt-messung sämtlicher Farbnuancen leistet er sich einzelne Delta-E-Fehler von bis zu 8,5 (Hauttöne). Zudem wirken Rot und Grün aufgrund des leicht eingeschränkten Farbraums etwas blass – dies verstärkt sich aus seitlicher Perspektive zusätzlich. Wer einen knalligen Look bevorzugt, kann statt des Farbraum-Presets „BT709“ nur auf „Nativ“ wechseln: Dieser liefert stark erweiterte, aber überzogen intensive Farben. Hier fehlen uns dezentere Zwischenstufen. Die Graustufen erscheinen etwas warm, wandert die Farbtemperatur doch von 6.290 Kelvin (Weiß) auf 5.870 Kelvin (Dunkelgrau).

Alles auf dem Schirm: Der Hisense besticht nicht nur durch eine praxisgerecht vorsortierte Senderliste, sondern auch durch einen übersichtlichen Programmführer.

Alles auf dem Schirm: Der Hisense besticht nicht nur durch eine praxisgerecht vorsortierte Senderliste, sondern auch durch einen übersichtlichen Programmführer.

Neben den Premium-Diensten Amazon Instant Video, Netflix und YouTube hält der Hisense auch ein Download-Portal für weitere Apps bereit. Die Auswahl ist großzügig.

Neben den Premium-Diensten Amazon Instant Video, Netflix und YouTube hält der Hisense auch ein Download-Portal für weitere Apps bereit. Die Auswahl ist großzügig.

Keine reife Leistung: Die Ähren im Kornfeld wirken nicht originalgetreu, weil der Hisense gelbe Farbtöne von HDR-Clips zu schwach gesättigt und leicht grünlich zeigt.

Keine reife Leistung: Die Ähren im Kornfeld wirken nicht originalgetreu, weil der Hisense gelbe Farbtöne von HDR-Clips zu schwach gesättigt und leicht grünlich zeigt.

Die Local-Dimming-Schaltung verhilft dem M 7000 zu den mit Abstand besten Kontrastwerten im Testfeld: Im ANSI-Schachbrettmuster messen wir 1.604:1 sowie einen Hellraumkontrast von 1.041:1. Auch der Schwarzwert von 0,06 Candela liegt auf einem für LCD-TVs sehr gutem Niveau. Lediglich die maximale Leuchtdichte ist mit SDR-Inhalten auf 229 Candela begrenzt, steigert sich bei HDR-Zuspielung allerdings deutlich. Dann sind aber die Farben schwächer (siehe Kasten).

Ab Werk überzeugt die mittlere Stufe der Bewegungsglättung bei Sportsendungen, glättet Kino-filme jedoch recht stark. Cineasten, denen es auf den 24p-Look ankommt, wechseln auf die Stufe „Niedrig“ oder schalten die Funktion ab. Leider verschmieren infolgedessen schnelle Motive in TV-Material; eine getrennte Einstellmöglichkeit fehlt. Der De-Interlace leistet saubere Arbeit, 1080i-Filmstreifen erscheinen flimmerfrei.

2.000 Euro: Der Preis unterstreicht den Premium-Anspruch des Hisense H 55 M 7000. Das auch in 65 Zoll erhältliche Top-Modell brilliert mit einer schicken Optik, könnte für unseren Geschmack jedoch noch besser ausgestattet sein.

2.000 Euro: Der Preis unterstreicht den Premium-Anspruch des Hisense H 55 M 7000. Das auch in 65 Zoll erhältliche Top-Modell brilliert mit einer schicken Optik, könnte für unseren Geschmack jedoch noch besser ausgestattet sein.

hisense_h55m7000_wertung

Stromsparer-2016

Der Testbericht Hisense H55M7000 (Gesamtwertung: gut, Preis/UVP: 2000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Der Hisense H55M7000 steigert im HDR-Modus Helligkeit und Farbumfang deutlich, hat allerdings mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Dazu gehören teils kräftige Farbabweichungen, die er mit SDR-Signalen nicht zeigt. Der hohe Kontrast gefällt.

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