Samsung HW-K950 (Test)

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3D-Sound lässt sich selbst in Heimkino-Räumen nur mit großem Aufwand verwirklichen. Noch schwieriger wird es im Wohnzimmer, wo neben Platzproblemen auch auf das Ambiente Rücksicht genommen werden muss – da machen sich ein Dutzend Boxen eher schlecht, besonders bei der Dame des Hauses. Soundbars erfreuen sich daher großer Beliebtheit, spielen aber meist nur bedingt räumlich auf.

Atmos aus vier Boxen

Samsung_HW-K950_ProConSamsung geht daher andere Wege und stellt seinem 1.500 Euro teuren HW-K950-Klangriegel einen Subwoofer sowie zwei kleine Surround-Boxen mit Wireless-Signalübertragung zur Seite, die unauffällig im Raum untergebracht werden können. Der Clou dabei: Für Amos-Ton schuften in der Bar und den Rear-Boxen auch schräg nach oben strahlende Treiber, die Schall zur Decke werfen, der via Reflexionen zum Hörplatz gelangt. So wird Ton von oben hörbar, auch ohne physische Deckenboxen (siehe Kasten rechte Seite). Insgesamt 16 Chassis simulieren auf diese Weise ein 5.1.4-Boxensystem. Allein im Klangbalken arbeiten neun nach vorn angeordnete Treiber, die zu 3er-Einheiten zusammengefasst die Kanäle Center, Front Links und Front Rechts bilden. Zwei weitere Treiber auf der Oberseite zeigen schräg nach vorn zur Decke. Die Rears sind mit zwei Hoch/Mitteltönern für horizontalen und vertikalen Sound bestückt, der 162 Watt starke Subwoofer PS-KW1-1 bewegt eine 20-Zentimeter-Membran. Soundbar, Rear-Boxen und Woofer arbeiten per Funk zusammen, Lautsprecher-Strippen braucht man daher keine. Ganz drahtlos geht es dennoch nicht, denn die Boxen benötigen Saft aus möglichst nahen Steckdosen – die mitgelieferten Stromkabel sind gerade mal 1,4 Meter lang.

Die Fernbedienung liegt gut in der Hand und besitzt separate Volume-Tasten für Soundbar und Subwoofer.

Die Fernbedienung liegt gut in der Hand und besitzt separate Volume-Tasten für Soundbar und Subwoofer.

Ausstattung & Praxis

Trotz einer stattlichen Breite von 121 Zentimetern wirkt die Soundbar elegant und macht sich bei Wandmontage (Halterungen liegen bei) aufgrund ihrer geringen Höhe von 8,2 Zentimetern unter einem Fernseher beinahe unsichtbar. Das Gehäuse besteht aus gebürstetem Aluminium, die robusten Gitterfronten vorne und oben schützen die Chassis vor Beschädigungen. Gleiches gilt für die Rear-Lautsprecher PS-KS2-1/2, die mit 12 x 21 x 14 Zentimetern Größe (B/H/T) kompakt ausfallen und sich entsprechend unauffällig im Raum verteilen lassen. Das relativ kleine Subwoofer-Gehäuse (20 x 40 x 41 cm) muss sich dagegen mit viel Kunststoff zufrieden geben. An Anschlüssen offeriert das Terminal an der Unterseite der Soundbar zwei HDMI-Eingänge sowie einen HDMI-Ausgang, an den der Fernseher angeschlossen wird; dank ARC-Funktion gelangt so auch der TV-Ton via HDMI in den Klang-riegel. Alternativ kann er auch via Toslink- oder Klinkenkabel zur Soundbar geführt werden. Die Ausbuchtung der am Gehäuseboden platzierten Anschlüsse fällt etwas klein aus, sodass besonders steife HDMI-Kabel nur mit einem Knick in die Buchsen passen (siehe Bild unten).

In Ermangelung eines Onscreen-Menüs ist man auf das einzeilige Front-Display angewiesen, das groß und gut sichtbar durch das Frontgitter leuchtet. Die Bedienung erfolgt über die seitlich positionierten Knöpfe an der Soundbar, mehr Optionen offeriert jedoch die gut in der Hand liegende Fernbedienung, die zudem getrennte „Volume“-Tasten für Bar und Woofer bereit hält. Die Inbetriebnahme aller Lautsprecher gelang im Test problemlos, beim Einschalten verbinden sich alle Komponenten automatisch miteinander. Sollte dies einmal nicht funktionieren, hilft die Bedienungsanleitung weiter, die unserem Testgerät jedoch nur auf Englisch beilag. Selbst auf der Webseite von Samsung konnten wir zum Testzeitpunkt kein deutsches Exemplar finden.

Dolby bevorzugt

Die Einrichtung aller Lautsprecher ist schnell erledigt, denn übermäßig viel kann man nicht einstellen – weder Distanzen noch Crossover-Frequenzen. Während Letzteres bei einem in sich abgestimmten Boxen-System überflüssig erscheint, wiegt das Fehlen der Eingabe von Lautsprecherabständen schwerer: Gerade bei Atmos-Ton mit Dolby-Enabled-Speakern ist das zeitlich korrekte Zusammenspiel und Auftreffen der Signale am Hörplatz für eine präzise Dreidimensionälität entscheidend. Zumindest kann man bei allen Boxen die Pegel separat justieren – am besten mit einem Schallpegelmesser. Leider fehlt der Bar ein Rauschton-Generator, weshalb man zu externen Testsignalen greifen muss. Diskrete Atmos-Rauschtöne mit 5.1.4-Kanälen dürfte jedoch nicht jeder zur Hand haben. Zur Klangjustage stehen elektronische Regler für Bass und Höhen bereit, aber kein Equalizer. Das justierbare Lip-Synch verzögert den Ton um bis zu 300 Millisekunden.

Die Rear-Boxen besitzen Top-Firing-Module, die ausgewählte Signale von Atmos-Tonspuren nach oben abstrahlen und damit Deckenboxen simulieren.

Die Rear-Boxen
besitzen Top-Firing-Module,
die ausgewählte Signale von
Atmos-Tonspuren nach oben abstrahlen
und damit Deckenboxen simulieren.

Auf Dekoderseite trumpft die HW-K950 wie erwähnt mit Dolby Atmos auf; der auf Blu-rays meist vorhandene 7.1.4-Atmos-Ton wird ohne Verlust von Toninformationen auf die 5.1.4-Kanäle der HW-K950 heruntergerechnet; Gleiches gilt für Dolby-7.1-Ton auf 5.1. Via zuschaltbarem Surround-Upmixer lassen sich Dolby-, DTS- und PCM-Signale auch auf 5.1.4 aufblasen. Von DTS bekam die HW-K950 allerdings nur einen 2.0-Dekoder spendiert. Auf DTS:X muss man gleichfalls verzichten, unter den Soundbars beherrscht dies derzeit nur Yamahas 2.000 Euro teurer YSP-5600 (Test in Ausgabe 5-2016).

Die Anschlüsse befinden sich an der Unterseite: Zu einer 3,5-mm-Klinken- und einer Toslink-Buchse gesellen sich zwei HDMI-Eingänge sowie ein HDMI-Ausgang.

Die Anschlüsse befinden sich an der Unterseite: Zu einer 3,5-mm-Klinken- und einer Toslink-Buchse gesellen sich zwei HDMI-Eingänge sowie ein HDMI-Ausgang.

Optimierer finden zudem fünf Klangprogramme, die Modi „Sports“ und „Movie“ lassen auch die Atmos-Module für einen 5.1.4-Upmix mitlaufen. Zudem gibt es einen „Night Mode“ zur Dynamik-reduktion. Zu guter Letzt ist Dolbys eigene Dynamik-Kompression DRC an Bord.

Gewöhnliche Soundbars erzeugen virtuellen Surroundklang meist dadurch, dass sie die Audiosignale manipulieren, so dass sich der Schall für das Ohr anhört, als käme er von hinten. Samsung folgt dagegen dem klassischen Boxen-Ansatz mit 5.1.4 diskreten Kanälen: Die Soundbar HW-K950 verfügt über 11 Chassis, die in gruppierter Form die Kanäle Center, Links, Rechts sowie Top Front links und rechts bilden. Die Höhenboxen werden dabei von zwei schräg nach oben strahlenden Treibern simuliert – der von der Decke reflektierte Schall lässt den Zuschauer Töne von oben wahrnehmen. Nach dem gleichen „Dolby Atmos enabled“-Prinzip arbeiten auch die beiden Rear-Boxen, die für beste Ergebnisse Richtung Hörplatz angewinkelt sein sollten. Ob und wie es von oben klingt, hängt auch von der Deckenbeschaffenheit ab, so mindern schallabsorbierende Decken oder Schrägen den Atmos-Effekt.

Für Atmos-Ton strahlen zwei Chassis auf der Oberseite Schall in Richtung Decke ab.

Für Atmos-Ton
strahlen zwei Chassis auf der
Oberseite Schall in Richtung Decke ab.

Der Schall der zur Decke abstrahlenden Chassis wird via Reflexion zum Hörplatz geworfen.

Der Schall der zur Decke abstrahlenden
Chassis wird via Reflexion zum Hörplatz geworfen.

Video & Multimedia

Alle HDMI-Terminals schleifen 4K/60p-Signale durch und beherrschen den HDR-Standard für erhöhten Kontrast und erweiterte Farben von der Ultra-HD-Blu-ray. Einen Video-EQ oder Scaler besitzt die Soundbar nicht. Gleiches gilt für einen Media-Player, die Mini-USB-Buchse an der Unterseite dient nur Wartungszwecken. Musik gelangt jedoch drahtlos über Bluetooth und WLAN in den Riegel; AirPlay wird nicht unterstützt. Mit Samsungs dazugehöriger App kann man die HW-K950 in ein Multiroom-System integrieren, zudem stehen zahlreiche Musik-Dienste wie Spotify bereit. 

Der 40 x 20,4 x 41,5 cm (H/B/T) große Subwoofer PS-KW1-1 gehört zum Set und erweitert den Sound mit einem kräftigen Bassfundament.

Der 40 x 20,4 x 41,5 cm (H/B/T) große Subwoofer PS-KW1-1 gehört zum Set und erweitert den Sound mit einem kräftigen Bassfundament.

Tonqualität

Mit insgesamt 500 Watt beschallt Samsungs Klang-riegel auch mittelgroße Räume lautstark; Verzerrungen konnten wir selbst in der maximalen Volume-Einstellung „50“ nicht wahrnehmen. Allerdings waren XXL-Pegel der Bar zumindest im Stereo-Betrieb nicht zu entlocken. Bei der Sprachwiedergabe schallte die HW-K950 tonal gut ausgewogen und bestens verständlich, selbst bei seit-lichen Betrachtungswinkeln änderte sich der Klang kaum. Die „Clear Voice“-Funktion fokussierte den Sound für beste Klarheit mittig, tönte aber unnatürlich und greller. Stereo-Musik spielte anspringend, allerdings offenbarten sich hier auch einige Probleme der kompakten Bauart, zum Beispiel der schmale Grundton und die leicht verfärbten Mitten. Zudem fehlte uns etwas Brillanz und Geschmeidigkeit. Doch all das ist Jammern auf hohem Soundbar-Niveau. Der Subwoofer integrierte sich perfekt ins Set und sorgte für ein erstaunlich kräftiges Bassfundament.

Besonders gespannt waren wir auf den Atmos-Sound: Die Eröffnungsszene aus „The Expendables 3“ donnerte äußerst erwachsen sowie räumlich groß und lückenlos. Alles wirkte wie aus einem Guss. Effekte waren rundum präzise ortbar und der Score schwebte luftig im Raum. Bei Dolbys „Leaf“-Trailer stieß das Prinzip der Schallreflexionen – zumindest in unserem Hörraum – an seine Grenzen und reproduzierte die Höheneffekte zwar hörbar von oben, meist aber relativ diffus. Für eine Soundbar/Boxen-Kombi verblüfft das Ergebnis dennoch und verdient sich unsere Highlight-Auszeichnung. ao

Samsung-HW-K950-SB-solo-entzerrt

Samsung_HW-K950_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

AuVi_AWARD-Innovation

Der Testbericht Samsung HW-K950 (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 1500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

81 sehr gut

Wer Atmos-Sound im kompakten Wohnzimmer möchte, liegt mit Samsungs HW-K950 goldrichtig. Lediglich eine bessere DTS-Unterstützung wäre wünschenswert.

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