Sony KD-65SD8505 (Test)

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Ein Buchstabe macht den Unterschied: Hat Sony den KD-65 XD 8505 der Mittelklasse zugeordnet, schafft sein gebogener Bruder SD 8505 den Sprung in die Premium-Liga und rangiert damit direkt unterhalb der 93er-Modelle (Tests in audiovision 5-2016). Kann er ihnen das Wasser reichen?

Ausstattung und Praxis

Sony_KD-65SD8505_PCVerglichen mit Sonys erstem Curved-Fernseher KD-65 S 9005 B (audiovision 12-2014) wirkt der neue geradezu zierlich. Der elegant geschwungene Bildschirm misst zwar ebenfalls 164 Zentimeter in der Diagonale, steckt nun allerdings in einem deutlich schlankeren und obendrein edler anmutenden Gehäuse aus Metall; außenrum verläuft eine gold- beziehungsweise champagnerfarbene Zierleiste. Die Rückseite hat etwas Martialisches an sich, springen hier doch unzählige Verschraubungen ins Auge. Anschlussfeld-Abdeckungen wie beim XD93 sucht man dabei vergeblich. Ferner liegt dem gebogenen Modell keine Wandhalterung bei, Vesa-Gewindebohrungen sind aber vorhanden.

Sony_KD-65SD8505_Ideal

Auch technisch steht der KD-65 SD 8505 seinen teureren Brüdern leider in einigen Punkten nach. So wurde die 3D-Kompatibilität gestrichen und statt des „Slim Backlight Drive“ besitzt er ein konventionelles Edge-LED-Backlight. Ungeachtet dessen und trotz fehlender „X-tended Dynamic Range Pro“-Schaltung bereiten ihm HDR-Inhalte keine Probleme. Diese können über Streaming-Dienste (u.a. „Amazon Instant Video“, „Netflix“), dem via USB und Netzwerk fütterbaren Mediaplayer oder die vier HDMI-Eingänge zugespielt werden – nähere Infos finden Sie im Kasten auf Seite 40. Den erweiterten Farbraum („BT.2020“) stellt das Triluminos-Display zur Verfügung, wobei sich die Brillanz über das Bildmenü in drei Stufen anpassen lässt. Die Motionflow-XR-Technologie mit 1.000 Hertz Bildwiederholrate, der X1-Prozessor und der Twin-Tuner für alle gängigen Empfangswege runden die Ausstattung ab.

Riegel vorgeschoben: Die neue Sony-Fernbedienung präsentiert sich geradlinig und schnörkellos. Einen Gyrosensor zur Bewegungssteuerung gibt es leider nicht.

Riegel vorgeschoben: Die neue Sony-Fernbedienung präsentiert sich geradlinig und schnörkellos. Einen Gyrosensor zur Bewegungssteuerung gibt es leider nicht.

Endlich ist die doppelte Empfangseinheit auch im vollen Umfang nutzbar; sie erlaubt die gleichzeitige Wiedergabe und Aufnahme zweier TV-Programme. Das scheiterte bislang am deaktivierten USB-Recorder, der offensichtlich erst vor Kurzem freigeschaltet wurde – zumindest zeigten die in den letzten Ausgaben getesteten Sony-Fernseher auf Android-Basis noch eine Fehlermeldung an. Übrige Schwachstellen sind jedoch geblieben. Am meisten stört uns die etwas hakelige Bedienung in Verbindung mit trägen Reaktionszeiten; vor allem die Indexierung der abspielbaren Multimedia-Dateien dauert gelegentlich etwas länger. Dafür besticht das Betriebssystem durch eine aufgeräumte Benutzeroberfläche und ein umfangreiches App-Angebot im Google Play Store.

Klanglich legt der SD85 einen mittelprächtigen Auftritt hin: Die zwei Zehn-Watt-Lautsprecher bringen Stimmen sauber zu Gehör, stoßen bei Dynamik und Basswiedergabe aber schnell an ihre Grenzen.

Ressourcenhungrig: Es dauert oft ein wenig, bis das Android-Betriebssystem bestimmte Funktionen geladen hat. Das liegt sicherlich auch an den zahlreichen Bildern.

Ressourcenhungrig: Es dauert oft ein wenig, bis das Android-Betriebssystem bestimmte Funktionen geladen hat. Das liegt sicherlich auch an den zahlreichen Bildern.

Lasst die Aufnahme beginnen: Anders als die Sony-TVs in den letzten Ausgaben unterstützt der KD-65 SD 8505 das (seit Sommer 2015 überfällige) USB-Recording.

Lasst die Aufnahme beginnen: Anders als die Sony-TVs in den letzten Ausgaben unterstützt der KD-65 SD 8505 das (seit Sommer 2015 überfällige) USB-Recording.

Zockerparadies: Der Google Play Store stellt nicht nur zahlreiche Internet-Dienste zum Download bereit, sondern auch Minispiele – hier kommt keine Langeweile auf.

Zockerparadies: Der Google Play Store stellt nicht nur zahlreiche Internet-Dienste zum Download bereit, sondern auch Minispiele – hier kommt keine Langeweile auf.

Bildqualität

Die übermäßig vielen Bildmodi – im HDMI-Betrieb sind es ganze 13 Stück – verwirren nicht nur Laien, sondern sorgen auch bei ambitionierten Cineasten für Stirnrunzeln. So warten zwar einige davon mit brauchbaren Voreinstellungen auf, die allerdings keine Rückschlüsse auf den Einsatzzweck geben. Allein für Fotos zum Beispiel stehen drei komplett verschiedene Presets sowie ein separater „Grafik“-Modus zur Auswahl. Für TV- und Filmfreunde empfiehlt sich eher „Anwender“ oder „Cinema pro“, wobei wir wegen der etwas neutraleren Mischfarben sowie gleichmäßigeren Graustufen (Weißpunkt von 6.300 Kelvin) zu Letzterem raten. Der leichte Grünstich kann über das Menü „Erw. Farbtemperatur“ beseitigt werden. Auf ein detailliertes Farbmanagement verzichtet Sony, was angesichts der durchschnittlichen Delta-E-Abweichungen von 2,6 aber kein großes Manko darstellt. Dafür lässt sich die Intensität beziehungsweise Brillanz in drei Stufen erhöhen, um etwa Zeichentrick- und Animationsfilmen einen knalligen Look zu verpassen. HDR-Inhalte profitieren außerdem von erweiterten Farbräumen (siehe Kasten „10-Bit-HDR: Knackig, aber nicht heller“).

Reservebank: Einer der vier HDMI-Eingänge wurde auf die Rückseite verlegt; abgesehen davon unterscheidet er sich aber nicht von den anderen. Analoge Audio- und Videoquellen sind ohne Adapter am TV-Gerät anschließbar.

Reservebank: Einer der vier HDMI-Eingänge wurde auf die Rückseite verlegt; abgesehen davon unterscheidet er sich aber nicht von den anderen. Analoge Audio- und Videoquellen sind ohne Adapter am TV-Gerät anschließbar.

Von vorne unsichtbar: Ganz so elegant wie beim Top-Modell ist das Kabelmanagement des Curved-Fernsehers zwar nicht, jedoch lassen sich die Strippen beispielsweise durch ein Loch in der Tischplatte führen.

Von vorne unsichtbar: Ganz so elegant wie beim Top-Modell ist das Kabelmanagement des Curved-Fernsehers zwar nicht, jedoch lassen sich die Strippen beispielsweise durch ein Loch in der Tischplatte führen.

Gezähmte Ausreißer: Ein paar Mischfarben tanzen leicht aus der Reihe, doch fallen die Abweichungen in der Praxis kaum auf. Der Gelbstich in den Graustufen lässt sich über das Menü „Erw. Farbtemperatur“ beseitigen.

Gezähmte Ausreißer: Ein paar Mischfarben tanzen leicht aus der Reihe, doch fallen die Abweichungen in der Praxis kaum auf. Der Gelbstich in den Graustufen lässt sich über das Menü „Erw. Farbtemperatur“ beseitigen.

Sony scheint das Thema HDR etwas stiefmütterlich zu behandeln. Ab Werk sind nämlich alle vier HDMI-Quellen nur für SDR-Videos vorbereitet und signalisieren diese Einschränkung auch an die Bildquelle. Ein HDR-UHD-Player wie der Samsung UBD-K 8500 gibt aus diesem Grund keine HDR-Signale aus. Ergo: Der TV bleibt in der zuletzt vorgenommenen Bildeinstellung und wechselt nicht in den designierten Modus „HDR-Video“. Das gleichnamige Preset lässt sich im Menü zwar manuell auswählen, doch die Qualität der Bildquelle verharrt weiterhin auf SDR-Niveau.
Wie beim Top-Modell Sony XD 9305 müssen die HDMI-Eingänge erst im Home-Menü von Hand freigeschaltet werden. Unter „Externe Eingänge“ – „HDMI-Signalformat“ lassen sich die vier HDMI-Ports einzeln von „Standardformat“ auf den für HDR benötigten Modus „Optimiertes Format“ umstellen; danach erfolgt jeweils ein Neustart des Fernsehers. Auch der Zuspieler, in unserem Fall der eben genannte Samsung-Player, muss einmal aus- und eingeschaltet werden, damit er die Änderung der HDR-Fähigkeit über erneut abgefragte Metadaten erkennt. Via USB wertet er sie automatisch aus. Leider meldet Sonys Info-Taste nur die UHD-Bildauflösung und nicht den HDR-Status zurück. Den korrekten Betriebszustand erkennt man deshalb nur am ausgegrauten Bildmodus „HDR-Video“, während im SDR-Betrieb alle Bildmodi frei wählbar sind.

Via HDMI zugespielte HDR-Testbilder erscheinen mit erweiterten Farben (DCI oder BT.2020) sowie in feiner 10-Bit-Quantisierung. Den HDR-Clipping-Test meistert der SD 8505 gleichmäßig bei allen Farben ohne Übersteuerung und zeigt feinste Linienpaare artefaktfrei, sofern die Schärfefilterung „Reality Creation“ ausgeschaltet ist. Graustufen werden zwischen 0,1 und 1.000 Candela differenziert. Die dunklere Gamma-Charakteristik und die intensiveren Farben lassen HDR-Clips deutlich knackiger wirken.

Doch mit rund 465 Candela bleibt Sonys Curved-TV bei vollflächigen Weißbildern ebenso wie bei Spitzlichtern recht dunkel. Zum Vergleich: Der 3.500 Euro teure Bruder KD-65 XD 9305 schafft 535 (APL 100 Prozent) beziehungsweise 933 Candela (APL 10 Prozent), lässt ein zehnprozentiges Weißfenster also doppelt so hell strahlen. In noch kleineren Spitzlichtern knackt er sogar die 1.000-Candela-Marke. Beim täglichen Fernsehen mit SDR-Quellen im farbneutralen Bildmodus „Cinema pro“ ist der SD 8505 hingegen kaum dunkler (362 statt 423 Candela). Wechselt man manuell auf den neuen Bildmodus „HDR-Video“, sind es 475 Candela bei immer noch sehr neutralen, nur leicht erweiterten Farben.

HDR freischalten: Ab Werk sind alle vier HDMI-Eingänge nur für SDR vorbereitet. Erst nach dem Wechsel auf den Modus „Optimiertes Format“ wird die HDR-Fähigkeit aktiviert und an die Quelle zurückgemeldet.

HDR freischalten: Ab Werk sind alle vier HDMI-Eingänge nur für SDR vorbereitet. Erst nach dem Wechsel auf den Modus „Optimiertes Format“ wird die HDR-Fähigkeit aktiviert und an die Quelle zurückgemeldet.

Eingeschränkte Helligkeit: HDR-Quellen erscheinen nicht heller als SDR-Quellen im manuell ausgewählten Bildmodus „HDR-Video“. Spitzlichter und vollflächige Weißbilder bleiben mit rund 465 Candela zu dunkel.

Eingeschränkte Helligkeit: HDR-Quellen erscheinen nicht heller als SDR-Quellen im manuell ausgewählten Bildmodus „HDR-Video“. Spitzlichter und vollflächige Weißbilder bleiben mit rund 465 Candela zu dunkel.

Ein detailliertes Farbmanagement sucht man beim KD-65 SD 8505 leider vergeblich. Die Korrekturmöglichkeiten beschränken sich lediglich auf den Weißabgleich.

Ein detailliertes Farbmanagement sucht man beim KD-65 SD 8505 leider vergeblich. Die Korrekturmöglichkeiten beschränken sich lediglich auf den Weißabgleich.

Im Zusammenspiel mit SDR-Signalen wie beim Fernsehen oder von klassischen Full-HD-Blu-rays macht der KD-65 SD 8505 natürlich ebenfalls eine gute Figur. Mit Kontrastverhältnissen von 1.265:1 (ANSI-Schachbrett) und 653:1 (Hellraum) bleibt er zwar hinter seinem teureren Bruder der XD93-Serie zurück, schließt jedoch locker zur Konkurernz auf. Die Helligkeitsreserven liegen mit maximal 362 Candela im besten Bildmodus „Cinema pro“ auf (für SDR-Signale) ordentlichem Niveau. Unter ungünstigen Lichtverhältnissen erweist sich „HDR-Video“ als hervorragender Kompromiss zwischen einer höheren Leuchtkraft von bis zu 475 Candela und weitgehend neutralen Farben – das deutlich zu kühl abgestimmte Preset „Brillant“ schafft gerade einmal 50 Candela mehr.

Mit Local-Dimming hat Sonys „dynamische Hintergrundbeleuchtung“ leider wenig zu tun. Ein vollflächiges Weißbild erscheint nämlich genauso hell wie ein Zwei- oder Zehn-Prozent-Fenster; um die Felder herum treten dabei Lichthöfe auf. Das führt auch in der Praxis zu Problemen: Die Letterbox-Balken zu Beginn von „Gravity“ oder im Abspann des Fantasy-Abenteuers „Pan“ (Ultra-HD-Blu-ray) zeigen sichtbare Aufhellungen, obgleich das Backlight einen passablen Schwarzwert von rund 0,09 Candela erreicht. mr/ur/ff

TV_SON_KD-65SD8505_front

Sony_KD-65SD8505_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

Stromsparer-2016

Der Testbericht Sony KD 65 SD 8505 (Gesamtwertung: 75, Preis/UVP: 3000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

75 gut

Der Sony KD-65 SD 8505 tritt in die Fußstapfen seiner teureren Brüder, füllt diese aber leider nicht aus. Dazu fehlt es ihm vor allem an Helligkeit und Kontrast. Doch auch wenn er nicht ganz Premium-Ansprüchen gerecht wird, können die Bildschärfe und Farbdarstellung überzeugen. Schade, dass das Android-Betriebssystem nicht ganz rund läuft.

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