Adam Artist-Set (Test)

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ADAM Audio ist in Sachen Heimkino noch ein eher unbeschriebenes Blatt. Das lässt sich für die Studio-Szene wahrlich nicht sagen, hier ist der Hersteller aus Berlin seit vielen Jahren überaus erfolgreich. Erheblich dazu beigetragen hat, dass viele Musiker ihre Stücke nicht mehr in großen Studios produzieren, deren Miete oft mit mehreren tausend Euro am Tag zu Buche schlägt. Stattdessen haben sie sich ein Heimstudio aufgebaut, was mit den heute erhältlichen digitalen Aufnahme- und Produktionswerkzeugen nicht nur erschwinglich ist, sondern sich qualitativ nicht unbedingt vor einem der klassischen Studios verstecken muss. Und für ein derartiges Heimstudio benötigt man natürlich eine „Abhöre“, die je nach Raumgröße und Budget durchaus kompakt und preisgünstig ausfallen soll. Genau für diese Anwendung hat ADAM ein umfangreiches Programm und ist damit äußerst erfolgreich.

Technik

Adam-PCDie Boxen des Testsystems sind mehr oder weniger direkte Abkömmlinge der Studio-Versionen, was auf eine neutrale Klangabstimmung hoffen lässt. Interessanterweise hat der Hersteller die ARTist genannte Baureihe unter der Rubrik „Multimedia“ einsortiert, was erst einmal nicht unbedingt für eine Heimkino-Anwendung spricht. Zu dieser Reihe gehören aber auch der Center ARTist 6H und der Subwoofer ARTist Sub. Also ließen wir es uns nicht nehmen, ein Set aus den genannten Boxen sowie zwei Standboxen ARTist 6 für die Front und zwei Regallautspechern ARTist 5 als Surrounds zum Test zu bitten. Kostenpunkt des Aktiv-Ensembles: 3.300 Euro.

Fast noch interessanter wird das Set durch seine rundum aktive Bauweise mit integrierten Verstärkern, was im Heimkino eher selten ist (siehe Kasten „Warum Aktivlautsprecher?“). Sie verfügen alle-samt über Cinch- und symmetrische XLR-Eingänge. Letztere machen insbesondere bei langen Kabeln Sinn, da die symmetrische Verbindungsart Brummeinstreuungen wirkungsvoll unterdrückt.

Alle Boxen außer dem Sub sind nicht nur mit Pegelstellern versehen, sondern tragen auch Bass- und Höhenregler sowie einen Regler für den Gesamtpegel des Hochtöners auf ihrer Rückseite. Sie lassen sich nur mit einem Schraubendreher bewegen und sind so gegen unabsichtliches Verstellen geschützt. Damit die Position der Regler nachvollziehbar bleibt, sind sie mit einer Rasterung versehen.

Als Hochtöner setzen die Berliner beim ARTist-Set sogenannte Air Motion Transformer ein, die über ihre gefaltete Membran besonders verzerrungsarm und dynamisch spielen sollen. Bei den Tiefton-Treibern ist ebenfalls High Tech im Einsatz, so bestehen deren Membranen aus einem Komposit aus Kohle-faser, Rohacell und Glasfaser, das gegen Resonanzen besonders unempfindlich sein soll. Front und Center besitzen je zwei Chassis mit 12 Zentimetern Durchmesser, die Surrounds je einen mit 15 Zentimetern. Der kompakte Sub arbeitet mit einem 18-Zentimeter-Chassis, trägt die Regler für Trennfrequenz und Pegel auf der Front und bringt zudem eine Fernbedienung für beides mit.

Als Hochtöner setzt ADAM einen Air Motion Transformer mit zieharmonikaartig gefalteter Membran ein.

Als Hochtöner setzt ADAM einen Air Motion Transformer mit zieharmonikaartig gefalteter Membran ein.

Im Studio werden heutzutage nahezu ausschließlich Aktivlautsprecher eingesetzt. Die Toningenieure wollen das Signal direkt aus Mischpult oder Computer in die Lautsprecher einspielen, ohne mühsam platzfressende und Wärme entwickelnde Endstufen dazwischen schalten zu müssen.

Neben den rein praktischen gibt es aber auch technische Gründe, warum der Einsatz von Aktivtechnik vorteilhaft sein kann: So hat jedes Chassis in der Box seinen eigenen Leistungsverstärker, der in seinen Eigenschaften auf das jeweilige Arbeitsgebiet optimiert werden kann. Die Aufteilung der Frequenzbereiche ist mit aktiven Filterschaltungen zudem präziser und feinteiliger möglich, als es mit einer aus großen Spulen, Kondensatoren und Widerständen arbeitenden Passivweiche möglich ist. Die frisst zudem in vielen Fällen einiges von der vorher von teuren Endstufen erzeugten Verstärkerleistung. Nicht zuletzt lassen sich in einer Aktivbox auch Klangregler unterbringen, mit denen man sie präzise auf die Raumakustik – und natürlich den Hörgeschmack – optimieren kann.

Da stellt sich die Frage, warum Aktivboxen im Heimkino- und Stereosektor bisher kaum verbreitet sind. Darauf gibt es keine wirklich befriedigende Antwort, eines lässt sich aber feststellen: Hifi- und Heimkino-Fans sind ein sehr konservativer Haufen.

Tonqualität Surround

Der Parcours durch unser Testlabor machte schnell deutlich, dass hier Profis am Werk waren: Die Frequenzgänge verlaufen vorbildlich linear und zeigen nur eine minimale breitbandige Anhebung im Hochtonbereich. Zudem stellt der Subwoofer mit 104 Dezibel Maximalpegel und 34 Hertz unterer Grenzfrequenz für seine Größe überaus achtbare Ergebnisse bereit. Das Rundstrahlverhalten des Centers zeigt unter größeren Winkeln allerdings Einbrüche im Mitteltonbereich.

Im Hörraum gab es zuerst lange Gesichter: Musizierte das Set doch irgendwie gläsern und etwas aggressiv. Nach einigen Stunden Betrieb aber wurde deutlich, dass die ADAM-Lautsprecher lediglich Einspielzeit benötigen. Die Tester ließen sie über Nacht musizieren und am nächsten Morgen war der Klang erheblich angenehmer und homogener. So ist mit „Listen Up!“ von Omar Hakim beispielsweise alles im Lot, Beckenschläge kommen dynamisch, aber nicht verzischelt. Das Set stellt die Instrumente fein säuberlich und unverrückbar fest im Raum auf und bietet Details ohne Ende. Auch Heimkino-Sound macht richtig Spaß, die Atmosphäre, welche die ADAMs bei der Eingangsszene im Auenland aus „Der Herr der Ringe“ zaubern, ist wirklich hörenswert. Auch Dia-loge bleiben immer mühelos verständlich. Kleine Einschränkungen gibt es beim Maximalpegel, einen zu optimistischen Rechtsdreh am Lautstärkeregler quittiert das Set bei „Terminator – die Erlösung“ mit Kompression und Strömungsgeräuschen aus dem Bassreflexkanal des Woofers. Pegel, die auf jeden Fall die Nachbarn ärgern, sind auch mit dem ARTist-Set drin.

Auf der Rückseite bieten die ADAM-Boxen drei Klangregler, je einen für Bässe und Höhen und einen für den Hochtöner-Gesamtpegel. Der USB-Anschluss ist zur Verbindung mit einem Computer gedacht.

Auf der Rückseite bieten die ADAM-Boxen drei Klangregler, je einen für Bässe und Höhen und einen für den Hochtöner-Gesamtpegel. Der USB-Anschluss ist zur Verbindung mit einem Computer gedacht.

Tonqualität Stereo

Im Stereo-Betrieb merkt man dem Set seine Studio-Wurzeln noch mehr an, es spielt ausnehmend natürlich und bringt beispielsweise die Stimme von Marc Cohn bei seinem Klassiker „Walking in Memphis“ mit überzeugender, echt wirkender Klangfarbe. Auch seine Raumabbildung fasziniert, es stellt Stimmen und Instrumente in Breite und Tiefe mühe-los und punktgenau auf. mino

Sauber verarbeitete Hochglanz-Oberflächen zeichnen das ARTist-Set von ADAM aus. Front- und Centerlautsprecher fallen schlank aus.

Sauber verarbeitete Hochglanz-Oberflächen zeichnen das ARTist-Set von ADAM aus. Front- und Centerlautsprecher fallen schlank aus.

AdamArtist-Wertung

Der Testbericht Adam Artist-Set (Gesamtwertung: 82, Preis/UVP: 3300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

82 sehr gut

Trotz schlanker Abmessungen spielt das Set von ADAM durchaus erwachsen und überzeugt zudem durch seine natürliche, detailreiche Wiedergabe. Dank Aktivtechnik ist für den Betrieb nur eine Heimkino-Vorstufe nötig.

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