Nubert NuBox-Set (Test)

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Wenn schon Heimkino, dann richtig, hat sich das Entwicklerteam um Günter Nubert beim Entwurf des brandneuen nuBox-Sets offensichtlich gedacht: Zwei Standlautsprecher (nuBox 683) mit je drei 22-Zentimeter-Bässen und zwei Subwoofer AW-993 mit je einem 33-Zentimeter-Chassis – das sollte selbst höchste Heimkino-Basswünsche erfüllen. Dass der Center CS 413 und die Surrounds 303 etwas zierlicher daherkommen, fällt kaum ins Gewicht: Den Frequenzbereich, den diese Kanäle erfordern, schaffen sie allemal.

Technik

Nubert_NuBox-Set_PCBemerkenswert an den Frontboxen ist, dass sie auch für den Mitteltonbereich ein Chassis mit 22 Zentimetern Durchmesser verwenden. Das kommt nicht von ungefähr. Boxen-Experten wissen, dass dieses Format in aller Regel eine hervorragende Mittelton-Wiedergabe bietet, die kleineren Membrandurchmessern häufig überlegen ist. Früher hatte so gut wie jeder Lautsprecher-Hersteller Zwei-Wege-Lautsprecher mit einem Zwanziger als Tiefmitteltöner im Programm. Heutzutage ist das wegen der damit einhergehenden Gehäusegröße etwas aus der Mode gekommen.

Besagtes Chassis sitzt in der nuBox 683 direkt unter dem Hochtöner und ist zum Bassbereich nicht begrenzt, sondern läuft zu den beiden unteren, als reine Tieftöner arbeitenden Chassis parallel. Von den Membranen ins Gehäuse hinein strahlende Tieftonenergie macht die Frontbox – wie übrigens auch Center und Surrounds – über Bassreflex-Öffnungen nutzbar, hier drei Stück am unteren Ende der Rückseite.

Bei Front und Center kommt ein neu entwickelter Hochtöner mit Seidenkalotten-Membran zum Einsatz, dessen Schwingspule per Ferrofluid gekühlt wird und dessen Volumen hinter der Membran aufwändig gedämmt wurde. Beim Center wurde die Kalotte etwas aus der Mitte versetzt. Damit lässt er sich auf eine Positionierung unter (Hochtöner oben) beziehungsweise über Ohrhöhe (Hochtöner unten) anpassen.

Mit 10-Zentimeter-Bass und 19-Millimeter-Kalotte sind die Surrounds in Gestalt der nuBox 303 ausgestattet. Letztere verbaute der Hersteller auf der Rückseite ein zweites Mal. Sie lässt sich per Schalter aktivieren und erlaubt so Dipol-Betrieb zumindest für hohe Frequenzen.

Die Subwoofer bringen für ihre 33-Zentimeter-Treiber jeweils satte 90 Liter Volumen mit, was eine leistungsfressende Tiefbass-Entzerrung weitgehend verzichtbar werden lässt. Trotzdem ist die integrierte Endstufe mit 310 Watt Leistung üppig dimensioniert. Sämtliche Funktionen der Subs, wie beispielsweise die Trennfrequenz, der Pegel und die Phase, lassen sich per Fernbedienung bequem vom Sessel aus einstellen. Von den beiden Bassreflexöffnungen im Boden der Subs lässt sich eine per mitgeliefertem Stopfen verschließen, was für eine tiefere untere Grenzfrequenz sorgt. So haben wir auch gemessen und gehört.

Auf der Unterseite eingelassen sind die beiden Bassreflexöffnungen der nuBox AW-993. Die nötige Distanz zur Standfläche stellen vier Füße sicher.

Auf der Unterseite eingelassen sind die beiden Bassreflexöffnungen der nuBox AW-993. Die nötige Distanz zur Standfläche stellen vier Füße sicher.

Tonqualität

Mit gewohnten Nubert-Qualitäten, nämlich tiefer unterer Grenzfrequenz (24 Hertz) und mit 110 dB Maximalpegel punkten die Subwoofer bei den Messwerten. Auch der Rest des Sets zeigt mit sauber verlaufenden Frequenzgängen eine gute Messperformance. Das Rundstrahlverhalten des Centers zeigt zwar unter extremen Winkeln im Mitteltonbereich Einbrüche, bis 15 Grad halten sich diese allerdings in engen Grenzen, was auch die Sofa-Plätze neben dem „Sweet Spot“ attraktiv werden lässt. Für Messungen und Hörtest stellten sich bei den Frontlautsprechern die Schalter-Einstellungen „Neutral“ sowohl im Bass als auch in den Höhen als optimal heraus, beim Center ebenfalls die Einstellung „Neutral“ (siehe Kasten „Klang-Umschaltung“).

Die Rückseite der Subwoofers bietet neben den Line- und Hochpegel-Eingängen mit einem Hochpassfilter versehene entsprechende Ausgänge.

Die Rückseite der Subwoofers bietet neben den Line- und Hochpegel-Eingängen mit einem Hochpassfilter versehene entsprechende Ausgänge.

Lautsprecher von Nubert haben häufig einen kleinen Umschalter an ihrem Anschlussterminal, über den sich der Klang an Raum oder Geschmack anpassen lässt. Die Frontbox des aktuellen Sets, die nuBox 683, trägt sogar deren zwei: Der für den Bassbereich schaltet zwischen „Neutral“ und „Angehoben“ um, für den Fall, dass die Lautsprecher in einem Raum eingesetzt werden, der viel Tieftonenergie schluckt oder dem Besitzer der an sich schon mächtige Bass immer noch zu schmalbrüstig ist. Im Test beließen wir es auf „Neutral“.

Für den Hochtonbereich bietet die nuBox 683 sogar drei Schaltmöglichkeiten, „Sanft“, „Neutral“ und „Angehoben“. In unserer Testumgebung kamen wir mit der Einstellung „Neutral“ am besten zurecht. Zwar zeigt ein Blick auf die Frequenzgänge der Modi im Vergleich, dass „Sanft“ den ausgeglichensten Verlauf bietet, allerdings mit etwas wenig Pegel im Hochtonbereich. „Neutral“ hebt die obersten Höhen etwas über das Niveau des Mitteltonbereichs, allerdings tönten die Lautsprecher im Test damit weitgehend neutral, während bei „Sanft“ etwas Glanz obenherum fehlte. Bei wenig gedämpften Räumen mit vielen glatten Flächen könnte das dann wiederum gerade richtig sein.

„Angehoben“ sorgte im Test für eine deutliche Überbetonung des Brillanzbereichs. Hilfreich könnte diese bei stark überdämpften Räumen mit schweren Gardinen und/oder Wandbehängen sein. Oder aber, wenn der Besitzer es einfach mag, wenn die Höhen etwas mehr glitzern. Hier sollte man sich keinesfalls mit der Frage, ob das denn noch neutral und damit Hifi-würdig ist, vom Ausprobieren abhalten lassen, denn auch hier ist erlaubt, was gefällt.

Optisch am ausgeglichensten ist der Frequenzgang in der „Sanft“-Schalterstellung des Frontbox-Höhenschalters (blaue Kurve). Bei „Neutral“ (schwarze Kurve) werden die höchsten Frequenzen etwas, bei „Angehoben“ (rote Kurve) deutlich lauter wiedergegeben als der Mitteltonbereich.

Optisch am ausgeglichensten ist der Frequenzgang in der „Sanft“-Schalterstellung des Frontbox-Höhenschalters (blaue Kurve). Bei „Neutral“ (schwarze Kurve) werden die höchsten Frequenzen etwas, bei „Angehoben“ (rote Kurve) deutlich lauter wiedergegeben als der Mitteltonbereich.

„Neutral“ im besten Sinne ist dann auch der erste Eindruck, den das Set im Klang hinterlässt. 3 Doors Down kommt mit ihrem „Away from the Sun“ treibend und kräftig rüber, wie es sich für ein ausgezeichnet aufgenommenes Live-Rockalbum gehört. Die Nuberts wägen sogar ab und hauchen dem Ganzen genau so viel Aggressivität ein wie‘s braucht, um richtig authentisch zu wirken. Im Bass deutet sich hier zumindest an, welche Fähigkeiten das Set hat, der kommt nämlich auch bei Life-Lautstärke mit Schmackes und dabei höchst präzise. So richtig legt das Set im Frequenzkeller aber erst los, wenn es mit entsprechenden Film-Soundtracks gefordert wird. Was da beispielsweise bei „Terminator – Die Erlösung“ an Bassenergie hör- beziehungsweise fühlbar wird, wenn der Abschleppwagen die anderen Fahrzeuge zu Schrott verarbeitet und vom Flugandroiden auf der Brücke eingeholt wird, sollte man erlebt haben: Da beben im wahrsten Sinne des Wortes die Wände. Besser man hat keine Glasvitrinen im Heimkino. Die Bass-Performance ist umso mehr ein Genuss, weil dabei nichts dröhnt, rappelt oder verzerrt – es sei denn, es ist im Original-signal enthalten. Zusammen mit der hervorragenden Sprachverständlichkeit des Centers und der einhüllenden Raumatmosphäre durch die Surrounds ist das ganz großes Kino. Wobei auch kleine Besetzungen vom nuBox-Set hervorragend in Szene gesetzt werden: Die Gershwin-Nummer „They can‘t take that away from Me“ von der „Legends of Jazz“-DVD bringt es trotz aller Neutralität schön musikalisch und stellt die Sängerin Jane Monheit und ihre Mit-Musikanten fein säuberlich in den Raum.

An den hervorragenden Surround-Sound knüpft das Klangbild bei Stereo nahtlos an. Bassschläge wie auf Michael Ruffs „Speaking in Melodies“ kamen sehr exakt, ultraschnell und mit Tiefgang – ein Subwoofer wird in dieser Betriebsart nicht gebraucht. Stimmen und Instrumente stellten die Frontboxen zudem in Breite und Tiefe an ihre fest umrissenen Positionen. Nicht zuletzt beeindruckte die Homogenität und Selbstverständlichkeit, mit der die nuBox 683 zu Werke gehen. mino

Hervorragende Verarbeitung, hoher Platzbedarf: Die Fronten des nuBox-Sets sind lackiert, Wangen und Rückseite per Folien-Oberfläche veredelt.

Hervorragende Verarbeitung, hoher Platzbedarf: Die Fronten des nuBox-Sets sind lackiert, Wangen und Rückseite per Folien-Oberfläche veredelt.

Nubert_NuBox-Set_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Nubert NUBOX-SET (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 3000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2014 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

86 sehr gut

Zugegeben, das nuBox-Set passt wegen seiner Abmessungen nicht in jedes Heimkino. Wer aber genügend Platz hat, sollte es unbedingt ausprobieren – denn es bietet ein Rundum-Sorglos-Paket, das man zu diesem Preis selten findet.

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