KEF R-Set (Test)

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Das britische Traditionsunternehmen KEF nimmt seit seiner Gründung 1961 in Sachen Entwicklungs-Know-how und Technik eine Spitzenstellung ein. Als die meisten Hersteller sich noch auf Papier beschränkten, benutzte KEF bereits Kunststoff als Membranmaterial. Auch Computer setzten die Engländer als einer der ersten bei der Lautsprecherentwicklung ein.

Als einer der wenigen Boxenbauer hat sich KEF seit Jahren der Koaxial-Technik verschrieben – und das mit der für die Engländer üblichen Akribie sowie Simulations- und Messtechnik. Da wird nicht irgendein Kalotten-Hochtöner ins Zentrum eines Basschassis geschraubt. KEF ging den harten Weg, entwickelte ein eigenes Koaxial-Konzept und stimmte sämtliche Komponenten für die geplante Verwendung ab.

Technik

KEF_R-Set_PCFür die neue R-Serie setzt KEF zudem eine nochmals verfeinerte Version des hauseigenen, „Uni-Q“-Koaxialtreibers (siehe Kasten „Verbesserungen beim Uni-Q-Treiber“) ein, der auf dem des KEF-Flaggschiffs Blade basiert. Er findet sich sowohl in der R700, die in unserem Test-Set vorne und hinten spielt, als auch im Center R600c. Das 13 Zentimeter große Chassis strahlt Frequenzen zwischen 500 Hertz und drei Kiloherz mit seiner Membran aus einer Aluminium-Mangan-Legierung ab. Die Frequenzen ab drei Kiloherz übernimmt die konzentrisch angeordnete Hochtonkalotte aus Aluminium. Sie besteht aus zwei übereinander geklebten, leicht unterschiedlich geformten Einzelkalotten. Diese Bauart soll die Steifigkeit erhöhen und Resonanzen in den Bereich weit oberhalb von 20 Kilohertz schieben. Einen ähnlichen Effekt für die Tiefmitteltonmembran hat deren deutlich sichtbare Prägung, die die Folie aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung so weit versteift, dass sie bis weit über ihren Übertragungsbereich hinaus keine Resonanzen aufweist. Zusätzlich dämpft ein Kunststoffring, der die Verklebung der Membran mit der Schwingspule verstärkt.

Den Tieftonbereich unter 500 Hertz bearbeiten sowohl bei den R700 als auch beim R600c je zwei Tieftöner mit 17 Zentimetern Durchmesser, die gleichfalls mit dem Verlauf der Membranen angepassten Aluminium-Blendenringen eingefasst und ebenso sauber in die Fronten integriert sind wie die Uni-Q-Chassis. Die in Bassreflextechnik ausgeführten Gehäuse weisen ein für ihre Größe respektables Gewicht auf, da sie innen aufwändig versteift sind, um Gehäuseschwingungen keine Chance zu geben. Die Entwickler haben sogar Größe und Position der Versteifungen per Simulationsprogramm optimiert.

Brückenlos: Mit Hilfe der beiden Drehknöpfe lassen sich die Terminals für Tief- und Hochtonbereich zwecks Bi-Wiring oder -Amping auftrennen. Blech- oder Drahtbrücken sind unnötig.

Brückenlos: Mit Hilfe der beiden Drehknöpfe lassen sich die Terminals für Tief- und Hochtonbereich zwecks Bi-Wiring oder -Amping auftrennen. Blech- oder Drahtbrücken sind unnötig.

Das R-Testset wird durch den geschlossen aufgebauten Subwoofer R400b komplettiert. Dessen beiden 20-Zentimeter-Chassis sitzen auf gegenüberliegenden Seiten des nahezu würfelförmigen Gehäuses. Damit kompensiert KEF einen oft unterschätzten Effekt: Sich bewegende Bassmembranen üben auf das Gehäuse einen Impuls aus, der dieses in die der Bewegung entgegengesetzte Richtung drückt. Arbeiten die Chassis wie bei KEF exakt gegensinnig, gleichen sich ihre Impulse aus. Um gegenläufige Bewegungen der Chassis durch Gehäuseschwingungen zuverlässig zu verhindern, sind die Rückseiten beider Chassis per Eisenstange miteinander verbunden.

Tonqualität Surround

Erste Messungen des Subwoofers verwunderten uns, denn der zeigte das Verhalten eines Bandpasses: Auch bei auf Maximum eingestellten Frequenzweichen (Trennfrequenz 140 Hertz) steigt sein Frequenzgang bis 90 Hertz steil an und fällt gleich darüber ebenso steil ab. Erst als die Tester den Schalter für die Bassanhebung bei 40 Hertz auf +6 dB stellten, spielte der R400C bis eben zu diesen 40 Hertz linear. Im Messdiagramm wurde diese Einstellung nicht berücksichtigt. Die Frequenzgänge von R700 und R600c zeigten einen zu hohen Frequenzen hin leicht fallenden Verlauf, was ein eher warmes Klangbild vermuten lässt.

Bei der neuen Generation der Uni-Q-Treiber haben die Entwickler das Koinzidenzprinzip beibehalten. Dabei ist der Hochtöner so ins Zentrum des Tiefmitteltöners integriert, dass sein Schall zur gleichen Zeit beim Zuhörer ankommt wie der der ihn umgebenden Membran. Auch setzen die Engländer auf ein kontrolliertes Rundstrahlverhalten. Dieses ist bei Koaxialchassis immer problematisch, da nicht nur Hochton-Kalotte und Gehäuse, sondern auch die Tiefmittelton-Membran einen starken Einfluss auf die Abstrahlung haben. KEF macht aus dieser Not eine Tugend und formt die Membran so, dass sie ein sogenanntes Waveguide bildet. Dieses vereinheitlicht das Rundstrahlverhalten über nahezu den gesamten Übertragungsbereich des Hochtöners und sorgt für einen möglichst bruchlosen Übergang zur Richtcharakterisitk der Tiefmittelton-Membran.

Als störend hat sich in der Vergangenheit aber nicht nur die Form dieser Abstrahlfläche erwiesen, sondern vor allem Unterbrechungen in ihrem Verlauf wie zum Beispiel die Sicke der Tiefmittelton-Membran oder der Übergang des Chassis zum Gehäuse. Beide Punkte hat KEF in der neuen Uni-Q-Generation nochmals verbessert: Ein Blendenring sorgt zum Einen für einen kontinuierlichen Übergang zum Gehäuse. Durch die schmale Sicke des Tiefmitteltöners ist der Schlitz zwischen Membran und Blendenring nur einen Millimeter breit, ebenso wie der Spalt zwischen Hochtoneinheit und innerem Rand der Tiefmitteltonmembran. Dadurch sind Reflexionen und Diffraktion (Schallbeugung, durch die störende virtuelle Schallquellen entstehen), die Verfärbungen und Verzerrungen verursachen können, auf ein Minimum reduziert. Ein Übriges tut der „Tangerine“ genannte Vorsatz vor der Hochtonkalotte, der die empfindliche Membran nicht nur schützt, sondern durch seine spezielle Formgebung den Wirkungsgrad des Hochtöners sowie sein Rundstrahlverhalten im Brillianzbereich verbessert.

Das neue Uni-Q-Koaxialchassis weist keinerlei störende Kanten auf, die die saubere Abstrahlung hoher Töne behindern könnte. Selbst der Übergang zur Gehäusefront wurde äußerst glattflächig gestaltet.

Das neue Uni-Q-Koaxialchassis weist keinerlei störende Kanten auf, die die saubere Abstrahlung hoher Töne behindern könnte. Selbst der Übergang zur Gehäusefront wurde äußerst glattflächig gestaltet.

Von solchen Vermutungen will das KEF-Set aber nicht das Geringste wissen, es beeindruckt vielmehr durch ein keinesfalls gemütliches und fein aufgelöstes Klangbild. „Away from the Sun“ von 3 Doors Down kommt mit genau dem Schuss Aggressivität und Druck, den die famose Rockband bei ihrem Konzert in Texas auf DVD gebannt hat. Auch bei krachenden Lautstärken – und nur so macht 3 Doors Down wirklich Spaß – behält das KEF-Set seinen Klangcharakter. Nur der Subwoofer wirkt bei extremen Bass-Schlägen manchmal etwas überfordert. Das aber wohlgemerkt bei Lautstärken, die sofortigen Ärger mit den Nachbarn nach sich ziehen. Bei normalen Pegeln spielt er sauber und kann mit beachtlichem Tiefgang aufwarten.

Macht sich breit: Dank der mitgelieferten Ausstellfüße, in die sich von oben einstellbare Spikes eindrehen lassen, steht die R700 extrem stabil.

Macht sich breit: Dank der mitgelieferten Ausstellfüße, in die sich von oben einstellbare Spikes eindrehen lassen, steht die R700 extrem stabil.

So glaubwürdig brachial die Engländer bei Rockmusik zu Werke gehen, so intensiv hängen sie sich rein, wenn es leiser und detaillierter zugeht. Al Jarreau und George Benson stehen bei „Givin‘ it Up“ fast körperlich im Raum und überzeugen mit teils halsbrecherischer Gesangs- und Gitarrentechnik, die das KEF-Set in allen Feinheiten genießen lässt. Vor allem beeindruckt die Mühelosigkeit, mit der den Lautsprechern die Darstellung gelingt, das klingt kaum einmal nach Lautsprecher, sondern wirkt eher wie ein normales Schallereignis direkt im Hörraum. Dieses Verhalten legte das Set auch bei Filmton an den Tag. Egal ob beim Einzug ins Auenland im ersten Teil von „Der Herr der Ringe“ mit einer Fülle an Details und verblüffender Räumlichkeit oder bei krachender „Terminator“-Action, das Set macht immer unglaublich Spaß und zieht einen sofort ins Geschehen. Angenehm dabei ist, dass die hervorragende Sprachverständlichkeit des Centers dank seines vorbildlichen Rundstrahl-verhaltens nicht nur der Zuhörer in der Mitte genießen kann, sondern auch die weiter seitlich sitzenden Filmfans.

Tonqualität Stereo

Auch Stereo-Fans seien die R700 von KEF ans Herz gelegt. Mit sauberen Aufnahmen schließen sie nahtlos an ihre Heimkino-Vorstellung an und spannen ein exzellentes Klangbild zwischen sich auf. „Jazz at the Pawnshop“ beispielsweise bringen sie so räumlich, exakt ortbar und doch entspannt, dass man zumindest zeitweise auf Mehrkanal getrost verzichten kann. Auch ohne Subwoofer spielen sie übrigens absolut erwachsen und haben dann vor hohen Pegeln keine Angst. mino

Elegant: Sämtliche Chassis sind ohne vorspringende Kanten und extrem sauber in die Fronten der Gehäuse integriert. Noch nicht einmal die Befestigungsschrauben sind sichtbar.

Elegant: Sämtliche Chassis sind ohne vorspringende Kanten und extrem sauber in die Fronten der Gehäuse integriert. Noch nicht einmal die Befestigungsschrauben sind sichtbar.

KEF_R-Set_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht KEF R-Set (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 7600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2014 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

90 sehr gut

Dass ausgefeilte, aufwändige Technik ihren Sinn hat, beweist das KEF-Set auf grandiose Weise:
Dieser lockere, präzise und räumliche Klang fasziniert, lässt das Set in die Referenzklasse aufrücken und ist für uns ein echtes Highlight.

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