Teufel Theater 6 Hybrid (Test)

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Die Hybrid-Bauweise – im Prinzip ein in eine normale passive Standbox integrierter Subwoofer – wurde bei Lautsprecher Teufel schon häufiger eingesetzt. Zum Beispiel beim Vorläufer des Theater 6 Hybrid, dem Theater 4 Hybrid. Reines Marketing als Grund für den Einsatz dieser Bauweise scheidet aus, denn sie ist im Vergleich zu normalen Standboxen relativ teuer.

Technik

Teufel_TheaterHybrid6_PCDie Hybrid-Bauweise hat eine Reihe von Vorteilen: So reagieren Basschassis nicht nur auf den angeschlossenen Verstärker und seinen Dämpfungsfaktor sensibel, auch ist die Verkabelung nicht unkritisch, da deren Länge bis zum Verstärker verschlechternd in den Dämpfungsfaktor und damit die Kontrolle des Verstärkers über die Bewegungen des Basschassis eingeht. Zudem kann man auf Spulen, die in den Frequenzweichen von Passivlautsprechern sitzen und den Dämpfungsfaktor verschlechtern, ebenfalls verzichten. Nicht zuletzt kann der Entwickler mit Elektronik in der Box den Frequenzgang des Basschassis per Aktivfilter auf das gewünschte Verhalten trimmen.

In den Teufel-Frontboxen H 600 F sorgt ein Schaltverstärker (oft etwas unpräzise „Digitalverstärker“ genannt) mit 150 Watt für ausreichend Leistung. Das 25-Zentimeter-Bass-chassis ist seitlich unten im – geschlossen aufgebauten – Gehäuse montiert. Die Teufel-Entwickler haben zwei unterschiedliche Betriebsarten für die Bassabteilung der H 600 F vorgesehen: Bei der einen ist sie integraler Bestandteil der Standbox und bezieht die Signale vom Lautsprecher-terminal, an die auch der passive Mittel-Hochtonbereich angeschlossen ist. Die Trennung per Tiefpassfilter ist nicht justierbar. Sein Pegel lässt sich um sechs Dezibel anheben oder absenken, um den Klang an die Raumakustik anpassen zu können. Per Schiebe-schalter lässt sich die Tiefton-Sektion zum Subwoofer umfunktio-nieren, der seine Signale über den Cincheingang von einem AV-Receiver erhält. Die Trennfrequenz muss dann am Receiver eingestellt werden. Dank seitlichem Tieftöner konnte die Front der Teufel-Frontboxen schmal gestaltet werden. Oben auf der Front wird der Hochtöner von zwei 13-Zentimeter-Tiefmitteltönern eingerahmt. Er ist um einige Millimeter nach hinten versetzt, damit sein Schall zur gleichen Zeit die Ohren erreicht wie der Tiefmitteltöner. Diese Bauweise ist unter dem Begriff „Time Alignment“ (siehe Kasten „Pünktlicher Schall mit Time Alignment“) bekannt.

Der Center H 600 C konnte durch den Verzicht auf den großen Tieftöner kompakter gestaltet werden, ist ansonsten aber identisch bestückt wie die Frontlautsprecher. Bei den Surrounds setzt Teufel einmal mehr auf echte Dipole. Die H 600 D sind wiederum mit je einem der 13-Zentimeter-Tiefmitteltöner und einer Hochtonkalotte auf Vorder- und Rückseite bestückt. Die Box lässt sich im Anschlussterminal auch auf „Monopol“ umschalten, dann spielen nur die jeweils vorderen Chassis.

Sitzen in einem Lautsprecher Mittel- und Hochtöner auf einer glattflächigen Schallwand, kommt der Schall des Hochtöners immer ein wenig früher beim Hörer an als der der anderen Lautsprecher. Das kann sich durch Verfärbungen bemerkbar machen.
Entwickler versuchten diesen Effekt zu vermeiden, indem sie den Hochtöner auf der Schallwand ein Stück zurückversetzten. Damit kam dessen Schall gleichzeitig mit dem seiner Mitspieler an. Allerdings hat dieses sogenannte Time Alignment auch Nachteile: Meist wurde das Zurücksetzen des Hoch­töners durch eine scharfkantige, gerade Stufe in der Schallwand erreicht. Und an der beugt sich leider ab einer bestimmten Wellenlänge, die immer in den Arbeitsbereich des Hochtöners fällt, der Schall. Dadurch werden virtuelle Schallquellen – die Kanten – erzeugt, deren Schall später den Hörer erreicht und den Klang verschlechtert. Außerdem gibt es Wechselwirkungen – sogenannte Interferenzen – mit dem Direktschall, der zu Welligkeiten im Frequenzgang und damit zu Verfärbungen führt.

Beide Effekte versucht Teufel-Entwickler Christoph Winklmeier zu vermeiden oder zumindest zu minimieren. Zunächst verpasste er der Hochtonkalotte eine kurze Schallführung, damit ihre Abstrahlung zur Seite – und damit auch etwaige Beugungen an Kanten – verringert wird. Zweitens ersann er ein spezielles geschwungenes Profil, dessen Form die Beugung möglichst unterdrückt und sie über einen weiten Frequenzbereich verteilt. Dadurch werden die negativen Effekte weniger hörbar. Unser Test­ergebnis beweist den Erfolg dieser Entwicklungsarbeit.

Durch die spezielle Form der Boxen-Fronten hat das Time Alignment keine negativen Auswirkungen auf den Frequenzgang.

Durch die spezielle Form der Boxen-Fronten hat das Time Alignment keine negativen Auswirkungen auf den Frequenzgang.

Tonqualität Surround

Für Boxen mit Time Alignment zeigen die Fronts und der Center erstaunlich wenig Frequenzgang-Welligkeit im Mitteltonbereich. Ähnliches ist auch von herkömmlich aufgebauten Boxen zu sehen und wird nicht als Verfärbung hörbar. Beide lassen den Hochtonbereich ab etwa sechs kHz leicht ansteigen. Die Surroundbox betont den Hochtonbereich mehr, was aber so gewollt ist, denn sie wird durch ihre Dipol-Bauweise nie direkt auf den Hörplatz ausgerichtet, sondern strahlt nach vorn und hinten in den Raum. Die zu den Hörern reflektierten Schallwellen weisen dann eine Dämpfung des Hochtonbereichs auf, die Balance stimmt wieder.

Die Basssektion enttäuscht mit einer unteren Grenzfrequenz von 50 Hertz auf den ersten Blick, der zweite offenbart einen für geschlossene Gehäuse typischen Effekt: Der Frequenzgang fällt nicht sehr steil ab und zeigt im Tiefbass immer noch Pegel, wo sich Bassreflexkonstruktionen schon lange verabschiedet haben.

Aktiv: Der Bassbereich verfügt bei den Teufel-Frontlautsprechern über einen Verstärker.

Aktiv: Der Bassbereich verfügt bei den
Teufel-Frontlautsprechern über einen Verstärker.

Den Beweis dafür tritt das Set an, wenn es mit Nachdruck die „Minenfeld“-Szene aus „Ice Age – Jetzt taut‘s“ zum Besten gibt: Die Dampf-Geysire explodieren knochentrocken, die Trümmer des teilweise einstürzenden Eisdamms rumpeln bis in die Magenwände – so macht Heimkino Spaß. Und das erst recht, wenn die Darstellung feiner Details und der Räumlichkeit so perfekt gelingt wie bei beim Teufel Theater 6 Hybrid: Egal ob Omar Hakim mit seiner Band bei „Listen Up“ Virtuosität pur beweist oder Jane Monheit mit John Pizzarelli „They Can‘t Take That Away From Me“ unglaublich entspannt zum Besten gibt. Instrumente und Stimmen stehen selbstverständlich im Raum, nie muss man sich anstrengen, um herauszuhören, wo sie sich gerade befinden. Zudem ist das Theater 6 Hybrid ein Set, bei dem man förmlich in die Wiedergabe hineingezogen wird.

Tonqualität Stereo

Mit Stereo-Musik beschickt knüpfen die Teufel-Hauptlautsprecher nahtlos an das tolle Heimkino-Erlebnis an: Ob die viel zu früh aufgelöste Little River Band ihr „Lonesome Loser“ mehrstimmig zelebriert oder Bette Midler in „Wind beneath My Wings“ Emotion pur zur Schau stellt, es machte immer einen Riesenspaß, mit diesen Lautsprechern Musik zu hören: Die ansatzlose Dynamik, die bei aller Detailauflösung ungemein musikalische Spielweise und die fantastisch selbstverständliche Raumabbildung haben echten Suchtfaktor. mino

Der zurückversetzte Hochtöner verleiht dem Teufel-Set ein markantes Gesicht. Dank der in die Frontlautsprecher integrierten Aktivbässe braucht das Set keinen Subwoofer. Alle Tiefmitteltöner – und auch die Tieftöner – haben je eine eigene, mit Magnetkraft fixierte Abdeckung (kleines Bild).

Der zurückversetzte Hochtöner verleiht dem Teufel-Set ein markantes Gesicht. Dank der in die Frontlautsprecher integrierten Aktivbässe braucht das Set keinen Subwoofer. Alle Tiefmitteltöner – und auch die Tieftöner – haben je eine eigene, mit Magnetkraft fixierte Abdeckung (kleines Bild unten).

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Teufel_TheaterHybrid6_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Teufel Theater 6 Hybrid (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 1700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2014 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Unglaublich, was das Teufel-Entwicklerteam für 1.700 Euro auf die Beine gestellt hat. Ob Stereo, Mehrkanal-Musik oder Film, dieses Set begeistert auf ganzer Linie. Ein echtes Boxenset-Highlight.

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