Marantz SR6010 (Test)

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Neue Geräte-Generationen machen mal mehr, mal weniger Sinn. Ersteres trifft auf den SR6010 von Marantz zu. Nicht nur videoseitig wurde der in Schwarz oder Silber-Gold erhältliche Receiver mit HDMI 2.0, HDCP 2.2 und HDR für die UHD-Zukunft aufgerüstet. Neu an Bord sind auch die 3D-Ton-Dekoder für Dolby Atmos und – nach einem Anfang März erscheinenden Update – DTS:X. Die lang erwartete Dolby-Atmos-Konkurrenz war für unser Test-modell vorab verfügbar, so dass wir diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit widmen. Das dritte Höhentonformat Auro 3D bleibt dem Receiver-Flaggschiff SR7010 sowie den Vorstufen von Marantz vorbehalten.

Dolby Atmos und DTS:X

Marantz_SR6010_PCDoch der 1.200 Euro teure Bolide hat weit mehr zu bieten als 3D-Ton: Entgegen dem Vorgänger bekam der SR6010 erstmals Audysseys hochwertigste Einmessautomatik „MultEQ XT 32 Pro“ spendiert, die bisher nur in den Topmodellen anzutreffen war und für akkuratere Ergebnisse mit engmaschigeren Filtern arbeitet als die „MultEQ XT“-Automatik. Erweitert wurde der 7-Kanal-Receiver auch um zwei Boxenterminals für maximal vier Höhenlautsprecher sowie um Vorverstärkerausgänge für „Front Wide“, „Height 1“ und „Height 2“. Wer jedoch angesichts der insgesamt 17 Pre-outs und elf Paar Boxenklemmen auf die volle Dolby-Atmos-Funktionalität für 7.2.4-Setups hofft, wird enttäuscht, denn das Signal-Processing des SR 6010 macht bei 9.2-Kanälen Schluss. Unter Zuhilfenahme externer Verstärker sind daher maximal 5.2.4- oder 7.2.2-Konfigurationen für Dolby Atmos und DTS:X möglich (siehe Kasten „Die Einstellungen für DTS:X“).

Die Fernbedienung ist handlich, übersichtlich und sinnvoll untergliedert. Die Tasten leuchten im Dunkeln nach, sind aber nicht beleuchtet.

Die Fernbedienung ist handlich, übersichtlich und sinnvoll untergliedert. Die Tasten leuchten im Dunkeln nach, sind aber nicht beleuchtet.

Apropos 3D-Sound: Dolby Atmos und DTS:X können ohne Änderungen im Boxen-Konfigurationsmenü parallel betrieben werden. So findet man im Menüpunkt „Endstufen-Zuweis.“ nur eine Einstellungsoption („9.1-Kanal“). Neben Decken- und Height-Boxen lässt sich DTS:X auch beim Einsatz von Aufsatz-Lautsprechern (Dolby Enabled Speaker) aktivieren, die Audyssey-Einmess-Automatik greift ebenfalls bei beiden Formaten. Die jeweiligen Upmixer sind dagegen auf ihr natives Tonformat beschränkt: Dolbys Surround-Upmixer lässt sich nur bei Dolby-Signalen zuschalten, DTS‘ Neural:X-Mixer nur bei DTS-Quellen – bei PCM greifen hingegen beide. Diese Einschränkung kann von Hersteller zu Hersteller variieren. Die „Dialog Control“-Funktion bei DTS:X unterstützt der Marantz SR6010 ebenfalls, allerdings taucht sie nur bei entsprechend codiertem Material auf – und das lässt bis dato auf sich warten. Den DTS:X-Upmixer kann man übrigens auch bei DTS:X-Filmen aktivieren – für den Fall, dass einem die vom Sound-Designer in den Höhenkanälen platzierten Effekte nicht ausreichen. An weiteren Tondecodern ist Audysseys DSX an Bord, das jedoch nur bei aktivierten Wide- bzw. Front-Height-Boxen und Mehrkanal-Sig-nalen funktioniert.

Videoverarbeitung: Der SR 6010 rechnet digitale und analoge Videosignale bis auf 4K/60p-Auflösung hoch.

Videoverarbeitung: Der SR 6010 rechnet digitale und analoge Videosignale bis auf 4K/60p-Auflösung hoch.

Klang-Tuning: Der grafische 9-Band-Equalizer regelt alle Lautsprecher bis auf die beiden Subwoofer.

Klang-Tuning: Der grafische 9-Band-Equalizer regelt alle Lautsprecher bis auf die beiden Subwoofer.

Für unseren Test bekamen wir eine Vorab-Version der Anfang März erscheinenden DTS:X-Firmware (siehe auch Seite 54). DTS:X und Dolby Atmos lassen sich ohne Abstriche parallel betreiben, hierfür muss man die Einstellung „9.1-Kanal“ bei der Endstufenzuweisung wählen. Kompromisse muss man beim SR6010 allerdings aufgrund des limitierten 9.2-Kanal-Processings machen, das 7.2.4-Setups verweigert.

Endstufenzuweisung: Mit seinen sieben Endstufen befeuert der SR6010 standardmäßig zwei Höhenkanäle.

Endstufenzuweisung: Mit seinen sieben Endstufen befeuert der SR6010 standardmäßig zwei Höhenkanäle.

Auch Aufsatz-Boxen für Dolby Atmos und Height-Boxen lassen sich für DTS:X-Ton nutzen.

Auch Aufsatz-Boxen für Dolby Atmos und Height-Boxen lassen sich für DTS:X-Ton nutzen.

Zwar kann man 11.2-Boxen verkabeln und aktivieren, maximal laufen aber nur 9.2-Kanäle gleichzeitig.

Zwar kann man 11.2-Boxen verkabeln und aktivieren, maximal laufen aber nur 9.2-Kanäle gleichzeitig.

Die Terminal-Ansicht verrät, welche Box an welche Klemme bzw. welchen Pre-out gehört.

Die Terminal-Ansicht verrät, welche Box an welche Klemme bzw. welchen Pre-out gehört.

5.2.4-Sound: Bei DTS:X-Ton werden die verkabelten Back-Rears zugunsten der vier Höhenboxen deaktiviert.

5.2.4-Sound: Bei DTS:X-Ton werden die verkabelten Back-Rears zugunsten der vier Höhenboxen deaktiviert.

Der DTS Neural:X-Upmixer lässt sich bei DTS- und PCM-Signalen aktivieren, aber nicht bei Dolby-Ton.

Der DTS Neural:X-Upmixer lässt sich bei DTS- und PCM-Signalen aktivieren, aber nicht bei Dolby-Ton.

Ausstattung und Praxis

Dank seiner elf Schraubterminals kann man alle Lautsprecher anschließen, je nach aktiviertem Decoder wird automatisch zwischen den möglichen Kanal-Konfigurationen (7.2 und 5.2.2 bzw. 7.2.2 und 5.2.4 bei Verwendung der Pre-outs) umgeschaltet. Wer mit Höhen-Sound nichts am Hut hat, darf zum 5.1-Setup zusätzliche Back-Surround-Boxen betreiben oder die verbleibenden beiden Endstufen für Bi-Amping bzw. die Beschallung eines Nebenraumes verwenden.

Der 9-Band-Equalizer regelt alle Boxen bis auf die beiden Subwoofer ab für unserer Meinung nach zu hohen 63 Hertz. Optimal fallen dagegen die Distanz- und Pegelschritte mit 1-Zentimeter- bzw. 0,5-dB-Werten aus. Die Bass-Trennfrequenzen im Sub-Sat-Betrieb sind für jedes Boxenpaar einzeln einstellbar. Eine Besonderheit ist die doppelte Pegelregelung der Lautsprecher, die sich im Lautsprecher-Menü und für jede Tonquelle im „Options“-Menü vornehmen lässt.

In Sachen Bedienungskomfort punktet der Marantz durch seine optisch ansprechenden, wenn auch gelegentlich leicht verzögert reagierenden Menüs. Alternativ lässt er sich via Smartphone-App und Web-Browser steuern. Rein optisch unterscheidet sich der Nachfolger nicht von seinem Vorgänger, das bullaugenförmige Display gibt sich mit der Anzeige von Informationen so sparsam wie eh und je. Auch scheinen die  geschwungenen Seiten-blenden konträr zur Metallfront nach wie vor aus Kunststoff zu sein.

Randvoll: Der Marantz klotzt mit einem 7.1-Eingang, 17 Pre-outs, Phono-Buchsen und elf Paar Boxen-Terminals. Dank sieben HDMI-Eingängen (plus einem vorn) und zwei HDMI-Ausgängen, je zwei optischen und koaxialen Digitalbuchsen sowie sechs (eine vorn) analogen Cinch-Schnittstellen ist der Marantz auch für ganz große Heimkinos gewappnet.

Randvoll: Der Marantz klotzt mit einem 7.1-Eingang, 17 Pre-outs, Phono-Buchsen und elf Paar Boxen-Terminals. Dank sieben HDMI-Eingängen (plus einem vorn) und zwei HDMI-Ausgängen, je zwei optischen und koaxialen Digitalbuchsen sowie sechs (eine vorn) analogen Cinch-Schnittstellen ist der Marantz auch für ganz große Heimkinos gewappnet.

Video und Multimedia

Die Videoverarbeitung holt sich mit voller 4K/60p-Unterstützung samt HDR und HDCP 2.2 an allen HDMI-Buchsen, 4K-Videoscaler sowie feinfühligen Bildreglern die Höchstwertung. Zu den zahlreichen Vernetzungsfunktionen gehören AirPlay, Blue-tooth, DLNA/UPnP sowie das vTuner-Webradio und Spotify. Der Media-Player spielt auch hochauflösende Dateien im DSD-, FLAC-, WAV- und ALAC-Format. Die aufschraubbaren Antennen sorgen für einen optimalen WLAN- und Bluetooth-Empfang.

Tonqualität Surround

Mit über 80 Watt im 7-Kanal- und stolzen 176 Watt im Stereo-Betrieb besitzt der SR 6010 in etwa die gleichen Leistungsreserven wie sein Vorgänger und beschallt damit auch richtig große Heimkinos problemlos. Die effektive Eco-Schaltung reduziert die Leistungsaufnahme von hohen 327 Watt im Normalbetrieb auf gute 148 Watt.

Im Hörtest musizierte der Marantz ausgesprochen gelassen, musikalisch und trotzdem feinauflösend – egal ob mit unserem Dauergast Steely Dan („Gaslighting Abbie“) oder Silje Nergaards „If you love somebody, set them free“ von der „Live in Köln“-DVD; nur im Bass fehlte uns bei deaktiviertem Subwoofer etwas Druck. Die Einmessung erledigte Audyssey fast einwandfrei, bei unseren kleinen Rear-Boxen war die Crossover-Frequenz mit 40 Hertz aber zu niedrig gesetzt. Die Filterkurve „Reference“ passt das Timbre aller Boxen einander an, ohne den Klang aufzuhellen, „Flat“ tönte uns besonders bei hohen Pegeln aber zu spitz.

Trotz relativ geräumigem Gehäuse wurde der Trafo – erkennbar an der großen Kupferspule – des Marantz SR 6010 teils unter die anderen Komponenten verfrachtet. Das Board mit der Leistungselektronik befindet sich stehend hinter dem großen Kühlkörper, der die erwärmte Luft ohne Ventilatoren an die Umgebung abgibt.

Trotz relativ geräumigem Gehäuse wurde der Trafo – erkennbar an der großen Kupferspule – des Marantz SR 6010 teils unter die anderen Komponenten verfrachtet. Das Board mit der Leistungselektronik befindet sich stehend hinter dem großen Kühlkörper, der die erwärmte Luft ohne Ventilatoren an die Umgebung abgibt.

Als Nächstes rotierte die „DTS Demo Disc 2015“ im Player: Hier verblüffte das mit DTS:X-Ton abgemischte Musikvideo „Against The World“ mit fantastischer Räumlichkeit und Transparenz, die Musik füllte selbst bei einem 5.1.2-Setup den gesamten Hörraum lückenlos aus. Nicht minder eindrucksvoll schallte der DTS:X-Democlip zum SciFi-Actioner „Divergent“,  in dem das langsam in eine Glaskammer strömende Wasser plastisch und einhüllend aus allen Boxen sprudelte, als säße man selbst in dem tödlichen Gefängnis. Der DTS:X-Upmixer erweiterte Stereo-Material glaubwürdig auf unser 5.1.2-Setup und verkniff sich die Halligkeit des Dolby-Surround-Upmixers.

Sowohl DTS als auch Dolby-Material profitierten von Audysseys „Dynamic EQ“-Schaltung, die den Sound in Abhängigkeit von der Lautstärke mit dem richtigen Maß an Volumen und Bassdruck anreicherte. Das zuschaltbare „Cinema EQ“-Filter reduziert zu spitze Höhen, womit langen und lauten Filmabenden nur noch genervte Nachbarn im Weg stehen könnten.

Tonqualität Stereo

Auch bei Stereo-Musik überzeugte der Marantz durch seinen ausgewogenen, feinen und zugleich zupackenden Klang. Im „Direct“- und „Pure-Direct“-Modus umgeht der SR6010 für die höchste Signalreinheit alle Klangregler und das Bassmanagement. Das dreistufige „M-DAX“-Filter versucht dagegen die Obertöne schlecht codierter Dateien zu rekonstruieren, was sich in einem besseren, aber auch etwas dumpferen Klang bemerkbar macht.    ao

Marantz-SR6010

Marantz_SR6010_Wertung

Der Testbericht Marantz SR6010 (Gesamtwertung: 87, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

87 sehr gut

Der SR6010 bietet mit tollem Klang, voller Videoausstattung, Dolby Atmos- und DTS:X-Decodern sowie dickem Multimedia-Paket viel Receiver fürs Geld. Lediglich das fehlende 11.2-Kanal-Processing für ganz große Heimkinos ist zu bemängeln.

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