Teufel Definion 3-Set (Test)

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Seit einiger Zeit nimmt Teufel neben den Heimkino-Fans auch die Freunde hochwertiger Musik ins Visier. Der Berliner Boxenbauer brachte jüngst einige Lautsprecher-Serien auf den Markt, deren Entwicklungsschwerpunkt genau hier lag: in einer verfärbungsarmen und homogenen Wiedergabe Stimmen und Musikinstrumente also möglichst naturgetreu zu reproduzieren.

Solche Schallwandler sind im Heimkino natürlich auch nicht zu verachten, solange sie die dort unabdingbaren Tugenden wie gute Dynamik, hohe Pegel und geringe Verzerrungen mitbringen. Mit dem 3.000 Euro teuren Definion 3-Set will Teufel den Beweis antreten, dass es keineswegs unmöglich ist, alle diese Anforderungen unter einen Hut zu bekommen.

Technik

Teufel_Definion3-Set-pcSchon die edlen, dezenten Schleiflack-Oberflächen der Definions lassen auf die Umgebung schließen, für die sie entwickelt wurden: Das moderne Wohnzimmer, wo simple schwarze XXL-Kisten mit Folien-Beschichtung keinen Platz mehr finden. Wirklich klein fallen die Boxen zwar nicht aus, doch lassen die Maße auf eine voluminöse und ausgedehnte Basswiedergabe hoffen. Zudem verschleiert das Design mit schmalen Fronten, aber vergleichsweise großer Gehäusetiefe gekonnt die wahre Größe.

Ein zentrales Stück Technik bei der Definion-Serie ist das Koax-Chassis für den Mittel- und Hochtonbereich (siehe Kasten „Teuflische Mitteltonmembran“), der mit seiner ringförmigen Mittelton-Flachmembran und seinem zentral angeordneten Hochtöner die Übertragung des gesamten Bereichs ab 400 Hertz übernimmt. Um die Frequenzen darunter kümmert sich ein Tiefton-chassis mit 16 Zentimetern Durchmesser. Die Entwickler verpassten der Schwingeinheit dieses Chassis den interessanten Namen „Wok-Membran“, was weniger auf ihre fernöstliche Herkunft, sondern mehr auf die Formgebung hinweisen soll: Sie ist wie ein Kugelabschnitt geformt, was eben an das asiatische Kochgerät erinnert. Diese Bau-weise ist im Grunde nicht weniger resonanzanfällig als ein normaler Konus, verzichtet aber völlig auf eine Staubschutzkalotte – und genau diese führt häufig ein unerwünschtes schwingungstechnisches Eigenleben.

Die aus Kohlefaser-Strängen gewobenen Tieftöner-Membranen des Definion-3-Sets sollen besonders resistent gegen Resonanzen sein.

Die aus Kohlefaser-Strängen gewobenen Tieftöner-Membranen des Definion-3-Sets sollen besonders resistent gegen Resonanzen sein.

Als Material für die Wok-Membran setzt Teufel recht kleinteilig verwebte, mit Kunstharz imprägnierte Kohle-faser-Stränge ein, was für hohe Steifigkeit und hohe innere Dämpfung – und damit für geringe Resonanzen im Arbeitsbereich – sorgen soll.

In den Frontlautsprechern DEF 3 F verbaut Teufel drei dieser Chassis, im Center DER 3 C zwei. Die Surround-boxen DEF 3S FCR müssen sich mit einem Tief-töner begnügen.

Der im Subwoofer US 4110/1 SW integrierte Digitalverstärker mit 180 Watt treibt das auf der Front montierte 25-Zentimeter-Chassis an. Die beiden schlitzförmigen Bassreflexöffnungen sind in der Gehäuse-Unterseite montiert. Diese hält ihren Abstand zum Fußboden mit vier resonanzdämpfenden Füßen.

Auch Teufel setzt, wie einige andere Hersteller, auf die Koaxialbauart, bei der ein Hochtöner im Zentrum eines größeren, meist für den Tief- und Mittelton bestimmten Chassis integriert wird. So strahlen beide Chassis vom selben Ort aus in den Raum, was Vorteile für das Rundstrahl- und das Zeitverhalten hat. Die Berliner nutzen zudem eine Eigenentwicklung, die etliche Besonderheiten aufweist: So arbeitet das hauseigene SCA-Chassis erst ab 400 Hertz und überlässt tiefe Frequenzen dafür spezialisierten Chassis. Seine Membran ist zudem nicht als Konus geformt, sondern flach. Damit muss der zentral angeordnete Hochtöner nicht, wie bei anderen Konstruktionen, in einen Konus hinein arbeiten, was für ihn wie eine Schallführung wirkt und meist zu Verfärbungen und Diffraktionsproblemen führt.
Für den Mitteltonbereich ist eine Flachmembran aber eine echte Herausforderung, da diese Geometrie besonders stark zu störenden Partialschwingungen neigt. Teufel hat dieses Problem mit einer besonders stabilen Konstruktion in der Form von Bienenwaben geformtem Kevlar, die vorn und hinten mit Deckschichten aus Aluminiumfolie abgeschlossen sind, gelöst. Diese Schwingeinheit ist derart steif, dass in ihrem Arbeitsbereich keine nennenswerten Resonanzen mehr auftreten. Der konnte sogar bis 3,6 Kilohertz ausgeweitet werden, so dass die Gewebekalotte in der Mitte des Chassis mit dem Rest des Frequenzbereichs leichtes Spiel hat.

Teufel nutzt in Längsrichtung das besonders steife Bienenwaben-Bauprinzip für die Mitteltonmembran der hauseigenen Koaxial-Chassis.

Teufel nutzt in Längsrichtung das besonders steife Bienenwaben-Bauprinzip für die Mitteltonmembran der hauseigenen Koaxial-Chassis.

Tonqualität Surround

Mit nur 50 Hertz unterer Grenzfrequenz überzeugt der Tiefgang des Teufel-Subs auf den ersten Blick nicht wirklich. Allerdings fällt sein Frequenzgang in Richtung 20 Hertz nur recht flach ab, was die Aufstellung auf dem Boden in gewissem Maße wieder ausgleicht. Seine 107 Dezibel Maximalpegel lassen keine Kritik aufkommen. Kaum nennenswerte Welligkeiten weisen die Frequenzgänge von Front, Center und Surrounds auf. Alle drei zeigen einen ab 5 Kilohertz dezent ansteigenden Pegel, was ein tendenziell frisches Klangbild mit wahrnehmbarem Glanz erwarten lässt.

Diese Erwartung erfüllt das Teufel-Set auch, wie schon die ersten Takte von Omar Hakims „Listen Up!“ beweisen: Dabei übertreiben es die Definions aber keineswegs, sie bringen beispielsweise Schlagzeugbecken klar umrissen und mit feinen Obertönen, aber nie spitz oder unangenehm. Wem das trotzdem zu viel des Guten ist, der winkelt die Hauptlautsprecher nicht auf den Hörplatz ein, sondern stellt sie parallel zu den Seitenwänden auf. So kommen noch immer viele Details beim Hörer an, ganz hohe Frequenzen werden aber etwas leiser.

Der Teufel-Subwoofer bringt nur die notwendigsten Anschlüsse und Bedienelemente mit. Erwähnenswert ist das einstellbare Hochpassfilter, mit dem man Dröhn-Probleme in den Griff bekommen kann.

Der Teufel-Subwoofer bringt nur die notwendigsten Anschlüsse und Bedienelemente mit. Erwähnenswert ist das einstellbare Hochpassfilter, mit dem man Dröhn-Probleme in den Griff bekommen kann.

Auch sonst begeistert das Set aus Berlin auf der ganzen Linie: Es spielt ausnehmend geschlossen und homogen, dabei schön frei und unverfärbt. Es hat etwas wirklich Anrührendes, wenn die San Francisco Symphonie unter Michael Tylson Thomas den „Apalachian Spring“ von Aaron Copland intoniert, die Emotionen kommen direkt beim Zuhörer an, ohne dass sich, wie bei vielen anderen Schallwandlern, ein Schleier der Künstlichkeit darüber legt. Dafür sorgt unter anderem die außergewöhnlich schnelle, unverzögerte Ansprache des Sets, die für alle Frequenzbereiche gleichermaßen gilt.

Das macht auch mit Filmsoundtracks immensen Spaß, zumal ein knackiger, sauberer und auf Wunsch pegelstarker Bass hinzukommt. Bei unserer beliebten Abschleppwagenszene aus „Terminator – Die Erlösung“ rumst und wummert es derart aus den Lautsprechern, dass selbst die abgebrühten Tester immer mal wieder zusammenzucken. Dass im tiefsten Basskeller um 20 Hertz nicht allzu viel passiert, ist da fast schon egal.

Tonqualität Stereo

Mit Musik in Stereo knüpft das Teufel-Set nahtlos an die Mehrkanal-Leistungen an: Es arbeitet Details hervorragend heraus, sprüht dabei aber vor Emotionen. Zudem stellt es beispielsweise Adele bei Ihrem „Hello“ geradezu holografisch zwischen die Boxen und deutet Tiefe nicht nur an, sondern modelliert sie griffig und handfest. Die unmittelbare und impulsive Wiedergabe des Sets auch im Bassbereich tut ein Übriges, sich als echtes Oberklasse-Set zu qualifizieren. mino

Mit edlen, sehr sauber verarbeiteten Schleiflack-Oberflächen überzeugt das Definion-3-Set von Teufel. Der Center DEF 3 C erhielt einen Standfuß, der trotz sich verjüngendem Gehäuse für eine korrekte Aufstellung sorgt.

Mit edlen, sehr sauber verarbeiteten Schleiflack-Oberflächen überzeugt das Definion-3-Set von Teufel. Der Center DEF 3 C erhielt einen Standfuß, der trotz sich verjüngendem Gehäuse für eine korrekte Aufstellung sorgt.

Teufel_Definion3-Set_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Teufel Definion 3 (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 3040 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Wer feine Stereo-Musik wie krachigen Mehrkanal-Ton in Top-Qualität genießen will, trifft mit Teufels Definion-3-Set eine hervorragende Wahl – und das zu einem mehr als fairen Preis.

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