Sony STR-DN1060 (Test)

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Im Gegensatz zu den klassischen Receiver-Herstellern hat Sony 2015 gerade mal zwei neue Modelle auf den Markt gebracht. Der STR-DN 1060 ist der größere der beiden und schlägt mit 700 Euro zu Buche, für 150 Euro weniger bekommt man den kleinen Bruder STR-DN860 (Test auf Seite 60). Auf wichtige Tugenden wie die 4K/60p-Wiedergabe, HDCP 2.2 und zeitgemäße Multimedia-Features muss man zwar nicht verzichten, allerdings sucht man vergebens nach Decodern für Dolby Atmos und DTS:X – das kostet Punkte bei der Ausstattung. 

Ausstattung und Technik

Sony_STR-DN1060-pc50 Euro mehr kostet der STR-DN1060 im Vergleich zum Vorgänger STR-DN1050 (Test in audiovision 8-2015), der noch kein HDCP 2.2 verstand. Allerdings wird der Kopierschutz beim Neuling nur an einem der sechs Eingänge und einem der beiden Ausgänge akzeptiert, HDR beherrscht der Amp gar nicht. Neu ist auch eine zweite Antenne für den Drahtlosempfang. Dem Rotstift fielen der dritte HDMI-Ausgang sowie ein YUV-Eingang zum Opfer.

Übersichtlich: Sonys Geber ist klar strukturiert. Einige Direkttasten mehr (zum Beispiel Pegel) könnten aber nicht schaden.

Übersichtlich: Sonys Geber ist klar strukturiert. Einige Direkttasten mehr (zum Beispiel Pegel) könnten aber nicht schaden.

Mit sieben integrierten Endstufen ist der Sony für 7.2- bzw. 5.2-Setups plus zwei Präsenzboxen gerüstet. Trotz zwei Subwoofer-Preouts lässt sich im Menü nur ein Krawallmacher konfigurieren. Bei einem 5.2-Betrieb können die verbliebenen zwei Endstufen für das Bi-Amping der Frontboxen oder eine weitere Hörzone genutzt werden, in den Hörzonen 2 (Cinch) und 3 (Boxenklemmen) ist man aber auf die analogen Eingänge sowie die Netzwerkquellen beschränkt. Die Lautstärkepegel und Distanzen aller Boxen sind mit 0,5-Dezibel- respektive 1-Zentimeter-Schritten optimal einstellbar, der rudimentäre Equalizer beschränkt sich dagegen auf „Bass“ und „Treble“, die für alle Boxengruppen justiert werden können (siehe Bild unten). Sehr gut: Der Rauschtongenerator springt nur auf Wunsch an. Die Crossover-Frequenzen kann man paar-weise zwischen 40 und 200 Hertz wählen, leider fehlt nach wie vor ein “Stereo Large plus Subwoofer“-Modus, so dass der Subwoofer bei 2-Kanal-Wiedergabe und bei groß definierten Frontboxen stumm bleibt. Neben acht Klangprogrammen verfügt der Sony über DTS Neo:6 und Dolby ProLogic 2x zur Erweiterung von 2.0- bzw. 5.1-Ton auf sieben Kanäle. Dazu kommt Sonys eigene Klangentwicklung „HD-D.C.S.“, welche die Akustik des „Cary Grant Theatre“ der Sony Filmstudios imitiert, das für die Abmischung von Filmton genutzt wird.

Hauptmenü: Über die Punkte „Watch“ und „Listen“ gelangt man zu den Video- bzw. Audio-Eingängen.

Hauptmenü: Über die Punkte „Watch“ und „Listen“ gelangt man zu den Video- bzw. Audio-Eingängen.

Der rudimentäre Equalizer umfasst Bass- und Höhenregler, die sich separat je Boxengruppe einstellen lassen.

Der rudimentäre Equalizer umfasst Bass- und Höhenregler, die sich separat je Boxengruppe einstellen lassen.

Video und Multimedia

Das Videoboard des Sony versteht sich auf 4K-Sig-nale bis 60p und rechnet SD-/HD-Material auf UHD-Auflösung hoch, sofern dieses über HDMI zugespielt wird. Zwei der HDMI-Buchsen sind MHL-fähig, zudem beherrscht der Sony Miracast für die kabellose Spiegelung von Video-Inhalten via Smartphone und Tablet. Kontakt zu Musik nimmt der STR-DN1060 über WiFi-Direkt, DLNA, USB, iPod-Direktanschluss, NFC, AirPlay sowie Bluetooth auf; wobei der Receiver letztere Signale auch senden kann. Zudem empfängt der Receiver Streams von Spotify sowie Apps mit Google-Cast-Unterstützung; ein kostenloses Internet-Radio wie vTuner oder TuneIn fehlen. Zu guter Letzt  ist der Sony fit für Wiedergabe  von High-Resolution-Audio (siehe Kasten „Das verbirgt sich hinter „HI-Res-Audio“).

Die Steuerung gelingt intuitiv, sofern man die vielen englischen Begriffe im Menü trotz deutscher Sprachwahl versteht. Alternativ lässt sich der STR-DN 1060 auch über Sonys „SongPal“-App sowie per Internet-Browser steuern.

Das elegante „Custom Presets“-Menü erlaubt den schnellen Zugriff auf verschiedene Klang-Setups.

Das elegante „Custom Presets“-Menü erlaubt den schnellen Zugriff auf verschiedene Klang-Setups.

Zusammen mit Philips entwickelte Sony mit der SACD den ersten hochauflösenden Tonträger. Bis heute hat der japanische Konzern die audiophile Musikwiedergabe im Fokus. Das an Receivern unterschiedlicher Hersteller zu findende „Hi-Res Audio“-Logo steht beim STR-DN 1060 für folgende Extras:
High Resolution Audioplayer
Über USB und Netzwerk gibt der Sony alle gängigen, hochauflösenden Stereo- und Mehrkanal-Audioformate wie AIFF, ALAC, DSD, FLAC und WAV wieder.
DSD-Decoding via HDMI
Der Sony verarbeitet den rohen 1-Bit-Datenstrom einer SACD per HDMI, was nicht alle Receiver können.
Audio Upscaler und -Enhancer
Zur Klangverbesserung von CDs und MP3-Dateien verfügt der Receiver über die Schaltungen „D.L.L.“ (Digital Legato Linear) und „DSEE HX“ (Digital Sound Enhancement Engine). Zur genauen Arbeitsweise der zweistufigen Schaltung schweigt sich Sony aus, wahrscheinlich ist aber, dass sie die Abtastrate erhöht. DSEE HX versucht infolge von Datenreduktion verloren gegangene Obertöne anhand einer psychoakustischen Analyse zu rekonstruieren.
verlustfreie Bluetooth-Übertragung
Normalerweise werden Audiodaten bei der Übertragung per Bluetooth im verlustbehafteten Format SBC komprimiert. Der Sony dagegen beherrscht den eigens entwickelten Codec „LDAC“, der mit seiner rund dreimal so hohen Datenrate von 990 kbps die Qualität hochauflösender Audiodateien bewahrt. Der Receiver fungiert als Bluetooth-Empfänger und -Sender und ist damit ein idealer Spielpartner für Sonys LDAC-Produktprogramm, das aus diversen MP3-Playern, Kopfhörern und Aktivlautsprechern besteht.

Das „Hi-Res Audio“-Logo am Sony-Receiver steht für eine Reihe unterschiedlicher Funktionen.

Das „Hi-Res Audio“-Logo am Sony-Receiver steht für eine Reihe unterschiedlicher Funktionen.

Der Hörmodus Portable Audio verbessert mit dem „DSEE HX“-Verfahren den Klang schlecht codierter Musik.

Der Hörmodus Portable Audio verbessert mit dem „DSEE HX“-Verfahren den Klang schlecht codierter Musik.

Tonqualität Surround

Mit 183 Watt bei Stereo (4 Ohm) und 86 (4 Ohm) bzw. 76 Watt (6 Ohm) im 7-Kanal-Betrieb liegt der  STR-DN 1060 vor allen Mitbewerbern, was sich in der Gesamtwertung widerspiegelt. Optimierungsbedarf sehen wir dagegen beim hohen Standby-Verbrauch mit aktivierter HDMI-Durchleitung von 28 Watt.

Beim Hörtest schallte Steely Dans „Janie Runaway“ im Direct-Modus lebendig, klar durchgezeichnet und dynamisch-spritzig in unserem Hörraum. Sonys HD-D.C.S-Klangprogramm sorgte in der „Studio“-Einstellung für eine veränderte Raum-Charakteristik, „Dynamic“ und „Theatre“ drückten dagegen mit Loudness-Effekt aus den Boxen und klangen hallig. Die Einmessung lieferte in weniger als einer Minute stimmige Ergebnisse für Pegel, Distanzen, Phase und Frequenzgänge, nur die Crossover-Grenze unseres mittelgroßen Centers lag mit 100 Hertz etwas hoch.

Reichhaltig: Zwei Antennen für Bluetooth und WLAN sorgen für sicheren Drahtlosempfang. Mit sechs HDMI-Eingängen und zwei HDMI-Ausgängen ist der Sony gut bestückt, den Kopierschutz HDCP 2.2 gibt es aber nur an jeweils einer der Buchsen. Ein Phono-Eingang fehlt, vier analoge Cinch- und drei S/PDIF-Eingänge reichen für die meisten Heimkinos.

Reichhaltig: Zwei Antennen für Bluetooth und WLAN sorgen für sicheren Drahtlosempfang. Mit sechs HDMI-Eingängen und zwei HDMI-Ausgängen ist der Sony gut bestückt, den Kopierschutz HDCP 2.2 gibt es aber nur an jeweils einer der Buchsen. Ein Phono-Eingang fehlt, vier analoge Cinch- und drei S/PDIF-Eingänge reichen für die meisten Heimkinos.

Die drei Klangkurven „Full Flat“, „Engineer“ und „Front Reference“ verliehen dem Sound minimal mehr Druck und senkten dezent die Höhen für etwas mehr Wärme im Klang. Auch bei Filmton spielte der Sony transparent, großräumig und verschmolz den Score mit den Soundeffekten in „X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“ zu einem glaubhaften Surround-Szenario. Die „Phase Matching Bass“-Schaltung sorgte in unserem Hörraum für etwas mehr Durchzeichnung und ein homogeneres Zusammenspiel aller Boxen.

Mit Stereo-Material von CD zeigt der Sony gleichfalls sein musikalisches wie anspringendes Temperament, das auch Räumlichkeit und Durchzeichnung nicht vernachlässigt. Die „Digital Legato Linear“-Schaltung wattiert die obersten Höhen für einen seidigeren Klang minimal ein, die Loudness-Schaltung „Sound Optimizer“ sorgt auch bei geringen Pegeln für einen angenehm satten Klang.         

700 Euro: Die bullige und aufgeräumte Optik des ausschließlich in Schwarz erhältlichen STR-DN1060 gefällt, auch wenn die Frontblende aus Plastik besteht. Der USB- und der MHL-HDMI-Eingang an der Vorderseite sind praktisch.

700 Euro: Die bullige und aufgeräumte Optik des ausschließlich in Schwarz erhältlichen STR-DN1060 gefällt, auch wenn die Frontblende aus Plastik besteht. Der USB- und der MHL-HDMI-Eingang an der Vorderseite sind praktisch.

Sony_STR-DN1060_Wertung

Der Testbericht Sony STR-DN1060 (Gesamtwertung: 76, Preis/UVP: 700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

76 gut

Sonys 700-Euro-Receiver lockt mit gutem Klang, ausgezeichneter Multimedia-Ausstattung samt High Res-Audio-Wiedergabe sowie viel Leistung. Weniger schön sind der fehlende 3D-Ton und die nicht komplett eingedeutschten Menüs.

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