SaxxTec CoolSound-Set (Test)

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Im deutschen Lautsprechermarkt eine Marktlücke zu finden ist alles andere als einfach. Denn da ist es ziemlich voll: Weit mehr als 100 Hersteller buhlen um möglichst kaufkräftige Kunden. Die neu gegründete Firma Saxx aus dem niedersächsischen Neustadt am Rübenberge glaubt trotzdem, eine solche Lücke erspäht zu haben, die sie für sich nutzen will. Saxx steht laut den hiesigen Marketing-Strategen übrigens für „Superb Audio Experience“.

Zum einen nutzt das deutsch-chinesische Joint Venture konsequent den Direktvertrieb und vertraut dabei zunächst einmal auf eine modern gemachte, übersichtliche Internetpräsenz, um Interesse – und damit Verkäufe – zu generieren. Das kann so falsch nicht sein, wenn man den Erfolg von Nubert und Teufel betrachtet. Zum anderen will Saxx nicht nur mit akustischen Qualitäten auf sich aufmerksam machen, sondern auch mit modernem Design und hervorragender Verarbeitung.

Technik

saxxtec-pcLetzteres ist den Niedersachsen schon mal gelungen, wie das zum Test angelieferte CoolSOUND-Set eindrucksvoll unter Beweis stellt: Die 2.500 Euro teure 5.1-Kombi besteht aus erkennbar routiniert gefertigten Lautsprechern, die mit sauberen Hochglanz-Oberflächen und interessanten Design-Ideen zu gefallen wissen. So sind zum Beispiel sämtliche Chassis von hinten auf die Schallwand montiert, was die Befestigungsschrauben auf einfachste Weise optisch verschwinden lässt. So wirken die Gehäuse wie aus einem Guss, weil bei den Frontplatten keinerlei Trennfugen oder Nahtstellen sichtbar sind. Zur eleganten Erscheinung tragen die großzügigen Abrundungen, mit denen die Chassis-Öffnungen versehen sind, ebenfalls ihren Teil bei.

Die CX 90 von Saxx lässt sich dank des doppelten Terminals auch per Bi-Wiring und Bi-Amping betreiben.

Die CX 90 von Saxx lässt sich dank des doppelten Terminals auch per Bi-Wiring und Bi-Amping betreiben.

Die Tieftöner – bei sämtlichen Boxen verwendet Saxx hier solche mit beschichteter Papiermembran – unterstützt das im Grunde nur optisch. Anders beim Hoch-töner: Hier nutzt der Hersteller die Ausfräsung als Waveguide und kontrolliert somit das Rundstrahlverhalten gleich mit. Und nutzt zudem eine besondere Treiber-Technik, die immer noch ein wenig außergewöhnlich wirkt, obwohl sie mittlerweile von einer ganzen Anzahl Hersteller eingesetzt wird: den Air Motion-Transformer, kurz AMT, nämlich, dessen Entwicklung und Fertigung deutlich teurer ist als beispielsweise die eines Kalotten-Hoch-töners, der aber auch eine deutlich bessere Qualität verspricht (siehe Kasten „AMT-Hochtöner“).

Die Surroundboxen CX 30 und die Frontlautsprecher CX 90 sind mit 16-Zentimeter-Tieftönern bestückt, Erstere mit einem, Letztere mit zwei dieser Chassis. Bei diesen übernimmt ein gleich großes drittes Chassis auch noch den Mitteltonbereich. Für den Center CX 50 Face sahen die Saxx-Entwickler zwei kleinere Chassis mit 13 Zentimetern Durchmesser vor, zwischen denen wie üblich der Hochtöner angeordnet ist. Der 30-Zentimeter-Treiber des Subwoofers DS 12 arbeitet auf ein geschlossenes Gehäuse, was eine saubere Impulswiedergabe erwarten lässt. Angetrieben wird das Chassis von einem Digitalverstärker mit 250 Watt Leistung.

In den 1960er-Jahren erfand der nach Amerika ausgewanderte deutsche Physiker Oskar Heil den sogenannten „Air Motion Transformer“: Eine mit Leiterbahnen versehene Kunststoff-Folie wird vielfach gefaltet und in ein starkes Magnetfeld gebracht. Wenn ein Wechselstrom (beispielsweise ein Musiksignal) die Leiterbahnen auf der Folie durchfließt, bewegen sich die Membranfalten wie bei einer Ziehharmonika gegen­einander und quetschen dabei die Luft zwischen sich heraus.

Das hört sich kompliziert an, hat aber mehrere unschätzbare Vorteile: Die Luft wird mit einer im Vergleich zur Bewegung der Falten mehrfach höheren Geschwindigkeit bewegt, was für einen hohen Wirkungsgrad und große Maximalpegel sorgt. Zudem lässt sich durch die Faltung eine große Membranfläche auf kleinem Raum unterbringen, was Bündelungs-Effekte deutlich verringert und das Rundstrahlverhalten verbessert. Zudem ist die eingesetzte Folie recht dünn und damit leicht, was wiederum eine saubere Impulswiedergabe verspricht.

Dass Saxx einen solchen Hochtöner in Lautsprechern dieser Preisklasse einsetzt, ist durchaus bemerkenswert, denn Entwicklung und Fertigung eines AMT sind komplex und setzen einiges an Erfahrung voraus. Dadurch sind solche Chassis vergleichsweise hochpreisig, erheblich teurer beispielsweise als eine normale Hochtonkalotte.

Die zahlreichen Faltungen der AMT-Membran sind deutlich zu erkennen. Die Einfräsung vor dem Hochtöner dient als Waveguide und sorgt für ein kontrolliertes Abstrahlverhalten.

Die zahlreichen Faltungen der AMT-Membran sind deutlich zu erkennen. Die Einfräsung vor dem Hochtöner dient als Waveguide und sorgt für ein kontrolliertes Abstrahlverhalten.

Tonqualität Surround

Das reicht aus, um immerhin 106 Dezibel Maximalschalldruck auf die Beine zu stellen, für die Preis- und Größenklasse eine bemerkenswerte Leistung. Auch die 23 Hertz untere Grenzfrequenz sind nicht von schlechten Eltern. Leider ist die Kennzeichnung am Regler für die Trennfrequenz, zumindest bei unserem Testgerät, nicht sonderlich genau – diese sollte also ausschließlich nach Gehör eingestellt werden. Front, Center und Surround zeigen ausgeglichene Frequenzverläufe mit nur geringfügigen, unkritischen Welligkeiten, der Center ein prima Rundstrahlverhalten ohne zu starke Einbrüche bei großen Winkeln.

In unserem Hörtest hatten die Saxxen mit ihrem ausgeglichenen, dynamischen Auftritt von Anfang an unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Bei „Terminator – die Erlösung“ bringen sie die Hubschrauber erschreckend realistisch zu Gehör und verfolgen ihren Flug minutiös durch den Raum. Faszinierend dabei: Die Schläge der Rotoren gehen mit Druck in die Magengrube, bleiben aber fest konturiert und impulsiv. Beim Kampf in der Skynet-Zentrale sorgen die AMT-Hochtöner auch im größten Getümmel für feine Details.

Dank LFE-Anschluss kann der Saxx-Sub die Tiefton-Frequenzzuordnung dem Receiver überlassen. Sein eigener Trennfrequenzregler hat ungenaue Markierungen.

Dank LFE-Anschluss kann der Saxx-Sub die Tiefton-Frequenzzuordnung dem Receiver überlassen. Sein eigener Trennfrequenzregler hat ungenaue Markierungen.

Richtig Spaß macht das Saxx-Set auch bei „They Can´t Take That Away from Me“ aus „Legends of Jazz“, bei dem es die Stimme von Jane Monheit locker und mit Selbstverständlichkeit in den Raum stellt und die Instrumente glaubwürdig drumherum anordnet. Da wippt der Fuß sofort mit. Wenig Fragen kommen auch beim Song „Listen Up!“ von Omar Hakim auf, den das Set energisch und präzise zu Gehör bringt und deutlich vor Augen führt, was für eine illustre Runde an Musik-Könnern bei dieser Aufnahme beteiligt war.

Tonqualität Stereo

Bei Stereo-Wiedergabe sind die CX 90 auf die Unterstützung durch den Sub definitiv nicht angewiesen: Auch allein bringen sie den opulenten Bass von Adeles „Hello“ nachdrücklich und präzise zu Gehör. Scheinbar mühelos stellen sie zudem Stimme und Instrumente zwischen sich auf. Dass sie dabei die Tiefe ein wenig vernachlässigen, ist schon fast Geschmackssache und kommt auch bei deutlich teureren Lautsprechern vor. mino

Durch die Chassis-Montage der Rückseite fallen die Fronten des Saxx-Sets sehr glattflächig aus. Die mitgelieferten Frontbespannungen finden über unsichtbar in der Front versenkte Magnete Halt. Die Lautsprecher gibt es auch in Schwarz und den Subwoofer in Weiß.

Durch die Chassis-Montage der
Rückseite fallen die Fronten des Saxx-Sets sehr glattflächig aus. Die mitgelieferten Frontbespannungen finden über unsichtbar in der Front versenkte Magnete Halt. Die Lautsprecher gibt es auch in Schwarz und den Subwoofer in Weiß.

saxxtec-wertung

AuVi_AWARD-Preistipp

Der Testbericht SaxxTec CoolSound-Set (Gesamtwertung: 83, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

83 sehr gut

Premiere bestanden! Das erste Boxenset der Firma SaxxTec punktet mit einem dynamischen wie frischen Klangbild, einer schicken Optik und einer hervorragenden Verarbeitung. Mehr kann man für 2.500 Euro kaum verlangen.

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