Onkyo TX-NR 646 (Test)

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Onkyos Entwickler sind auf Zack, wenn es um Innovationen geht: Sie offerierten die ersten AV-Receiver mit dem UHD-Kopierschutz HDCP 2.2 und Dolby Atmos und bringen mit dem 630 Euro günstigen TX-NR 646 auch den 3D-Ton DTS:X ins Heimkino. Auf den 3D-Sound von Auro verzichtet Onkyo hingegen, wie fast alle anderen Hersteller auch. 

Ausstattung und Technik

onkyo-pcOptisch macht der neue 7.2-Verstärker einen hochwertigen Eindruck. Nur am leichtgängigen Lautstärke-Drehrad und den scharfkantigen Ecken der Frontblende stören wir uns ein wenig. Während das Design dem des Vorgängers TX-NR 636 (Test in 8-2014) entspricht, wartet das Innenleben auch abseits von DTS:X mit etlichen Neuerungen auf. Der Verstärker ist mit acht statt sieben HDMI-Eingängen ausgerüstet, von denen drei statt nur einem HDCP-2.2-tauglich sind. Die außen angebrachten Antennen dürften die WLAN- und Bluetooth-Reichweite verbessern. Neu ist zudem AirPlay als dritte kabellose Musik-Einspeisemöglichkeit nach Bluetooth und DLNA. Für besseren Ton sorgt ein 32-Bit-D/A-Wandler vom Typ AK4458 von Asahi-Kasei, vorher zuständig war dafür nur ein 24-Bit-Chip. Unschön finden wir hingegen, dass der vordere USB-Eingang, die HDMI-MHL-Schnittstelle sowie der FBAS-Ausgang gestrichen wurden.

Onkyo TX-NR 646: Für alle wichtigen Funktionen gibt es eine eigene Taste, allerdings ist die Beschriftung etwas klein.

Onkyo TX-NR 646: Für alle wichtigen Funktionen gibt es eine eigene Taste, allerdings ist die Beschriftung etwas klein.

Die sieben diskret aufgebauten Endstufen lassen sich flexibel zuweisen, etwa um zwei Höhenboxen oder Stereolautsprecher im Nebenraum zu befeuern. Aufgewertet wurde zudem die Einmess-Automatik AccuEQ, die auf Wunsch jetzt auch die Frontboxen per Equalizer entzerrt – hier hat man sich offensichtlich unsere Kritik diesbezüglich zu Herzen genommen. Nach wie vor gibt es aber nur eine Zielkurve und Messposition. Dafür bringt der Receiver nun einen von Hand einstellbaren Equalizer mit: Besonders der 5-Band-Grafik-EQ für den Subwoofer ist praktisch, weil nur wenige Subs über eine Klangregelung verfügen. Der separat für jede Lautsprecher-Gruppe justierbare EQ überzeugt uns nur zum Teil, weil sich von den 15 Frequenzschiebern nur fünf verändern lassen, was die Möglichkeiten einschränkt.

Am Bildschirmmenü haben die Japaner ebenfalls gearbeitet: Zwar ist das Grafikdesign mit kleiner, pixeliger Schrift alles andere als ein Fortschritt, dafür lässt es sich dank entrümpelter Struktur besser handhaben. Die „Setup“-Taste der Fernbedienung ruft das Einrichtungsmenü auf, während man mit der „Home“-Taste ins Funktionsmenü gelangt – bei früheren Onkyos war es umgekehrt, was zumindest unserer Intuition widersprach.      

Video und Multimedia

Mit seinen HDCP-2.2-fähigen HDMI-Eingängen ist der Onkyo für die UHD-Blu-ray gerüstet; gemäß HDMI 2.0 unterstützt er 21:9- sowie 4K-Auflösungen bis 60 Hertz. Das automatisch und manuell einstellbare Lip-Sync-Delay verfügt über einen großen Regelbereich, der sich von -100 bis +500 Millisekunden erstreckt. Die Videosektion beschränkt sich auf die Wandlung eingehender FBAS- und YPbPr-576i-Signale und macht daraus ein HDMI-Signal gleicher Auflösung – das kostet Punkte.

In Sachen Multimedia bleiben hingegen kaum Wünsche offen: Neben dem Internetradio sind die Streaming-Dienste Spotify und Deezer integriert, während Smartphone und Co. via AirPlay, Bluetooth und DLNA andocken. Der USB-Audioplayer akzeptiert FAT- und NTFS-formatierte Datenträger.   

Das Setup-Menü ist übersichtlich strukturiert, auch wenn die Buchstaben etwas besser lesbar sein könnten.

Das Setup-Menü ist übersichtlich strukturiert, auch wenn die Buchstaben etwas besser lesbar sein könnten.

Sinnvoll: Die Grafik zeigt auf einen Blick, welche Boxen-Konfiguration der Nutzer eingestellt hat.

Sinnvoll: Die Grafik zeigt auf einen Blick, welche Boxen-Konfiguration der Nutzer eingestellt hat.

Der neue Grafik-EQ hat 15 Bänder, von denen sich aber immer nur fünf nutzen lassen.

Der neue Grafik-EQ hat 15 Bänder, von denen sich aber immer nur fünf nutzen lassen.

Tonqualität

Im Messlabor wartet der Verstärker mit soliden Leistungen auf: Selbst bei sieben voll ausgelasteten Endstufen, was bei Filmton selten vorkommt, sinkt die Leistung nicht unter 75 Watt pro Kanal. Entsprechend seiner Gesamtpower von guten 500 Watt legt er im Hörtest los und reproduziert das tiefbassgeladene Gewittergrollen eines Dolby-Atmos-Trailers mit eindrucksvollen Pegeln. Der 120 Millimeter große Lüfter machte sich weder bei den Messungen noch im Hörtest bemerkbar, so dass wir auch leise Passagen störungsfrei genießen konnten. Bei Musik beeindruckt der musikalische und saubere Bass. Das Bassmanagement arbeitet sauber und sorgt bei subwooferlosen Sets für ein überdurchschnittlich sattes Fundament. Die „Phase Matching“-Bass-Funktion ließen wir abgeschaltet, da sie häufig den Oberbass ausdünnte, während sie den Tiefbass zu stark anreicherte. Im Mittel- und Hochtonbereich geht der Onyko ausgewogen zu Werke, wobei er bei hohen Pegeln naturgemäß nicht ganz so fein auflöst,  wie seine großen Brüder.

Das „Information“-Menü liefert Details zum Video und Audiosignal.

Das „Information“-Menü liefert Details zum Video und Audiosignal.

Im zweiten Hördurchgang durfte die Einmess-automatik ihr Können unter Beweis stellen. Sie fiel dadurch auf, dass sie die Boxen in 30-Zentimeter-Schritten vergleichsweise grob zu einem virtuellen Kreis um den Hörer verrückte, während sich die Lautsprecher von Hand auf drei Zentimeter genau einstellen lassen. Schön wäre es zudem, wenn man die Boxen auf ein halbes Dezibel in der Laut-stärke angleichen könnte. Dennoch verbessern sich gegenüber der Grundeinstellung ohne Justage Raumklang und Ortung spürbar. Das Equalizing ist Geschmackssache: Mit weniger Oberbass und Brustton klingen tendenziell brillant aufgenommene Stücke wie von Steely Dan blutleerer und dünner, während sich bei Filmton die Verständlichkeit brummiger O-Töne leicht verbessert.

In Sachen Anschlüsse macht dem Onkyo in unserem 7.1-Testfeld keiner was vor. Beachtung verdienen neben den drei HDCP-2.2-fähigen HDMI-Eingängen die acht analogen Audioeingänge inklusive Phono für den Schallplattenspieler. Die Antennen sorgen für besten Bluetooth- und WLAN-Empfang. Das fest montierte Stromkabel ist zwei Meter lang.

In Sachen Anschlüsse macht dem Onkyo in unserem 7.1-Testfeld keiner was vor. Beachtung verdienen neben den drei HDCP-2.2-fähigen HDMI-Eingängen die acht analogen Audioeingänge inklusive Phono für den Schallplattenspieler. Die Antennen sorgen für besten Bluetooth- und WLAN-Empfang. Das fest montierte Stromkabel ist zwei Meter lang.

Bei Stereo-Wiedergabe überzeugt der Onyko durch einen dynamischen und kraftvollen Klang, ganz gleich, ob man CDs analog, per S/PDIF oder HDMI einspeist. Der Analogeingang rauscht dabei prinzipiell etwas stärker, ist aber frei von Brumm- und Nebengeräuschen.

630 Euro: Der in Silber und Schwarz erhältliche Onkyo decodiert Dolby Atmos – und per Firmware-Update bald auch DTS:X. Die Frontplatte besteht aus Kunststoff, dennoch vermitteln Optik und Haptik einen edlen Eindruck.

630 Euro: Der in Silber und Schwarz erhältliche Onkyo decodiert Dolby Atmos und per kommendem Firmware-Update auch DTS:X. Die Frontplatte besteht aus Kunststoff, dennoch vermitteln Optik und Haptik einen edlen Eindruck.

onkyo-wertung

AuVi_AWARD-Innovation

Der Testbericht Onkyo TX-NR 646 (Gesamtwertung: 73, Preis/UVP: 630 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

73 gut

Neben Dolby Atmos und drei HDCP-2.2-Eingängen zeichnet den Onkyo seine DTS:X-Unterstützung aus, die in dieser Preisklasse kein Konkurrent bietet. Auch am ausgewogenen und kräftigen Klang gibt es nichts zu meckern. Bei der Einmess-Automatik gibt es allerdings noch Verbesserungspotenzial.

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