Loewe CONNECT 55 UHD (Test)

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Loewe-Fernseher waren schon immer besonders – früher wegen Innovationen wie dem Stereoton (1981), heute primär wegen ihrer optischen Exklusivität und teils einzigartigen Komfort-Features. Daran hat sich trotz der finanziellen Turbulenzen in den letzten Monaten nichts geändert; außer beim Preis: Denn mit 3.400 Euro ist der neue Connect 55 im Vergleich zu den Vorgängern ein Schnäppchen, zumal er die gleichen Premium-Features bietet und als erstes Modell des Hauses die 4K-Auflösung beherrscht. Unser Testgerät bringt es mit Standfuß und der Sonderfarbe Petrolblau auf 3.680 Euro (siehe Kasten „Typisch Loewe“).

Ausstattung und Praxis

loewe-pcEines muss man den Kronachern lassen: Der Connect 55 UHD sieht schmuck aus. Während vorn die (auf Wunsch) farblich abgesetzte Lautsprecherleiste mit zentralem Steuerelement die Blicke auf sich zieht, macht er dank des akzentuierten Alu-Rahmens sowie der blitzblanken Rückseite auch frei im Raum stehend eine tolle Figur. Bei der Verarbeitungsqualität ist hingegen noch Luft nach oben. Doch wer den Fernseher einschaltet, kommt in den Genuss erstklassiger TV-Funktionen (siehe folgenden Kasten „Auf TV-Genuss getrimmt“).

Obwohl alle aktuellen Fernseher eigene Tuner besitzen, können oder wollen sich viele TV-Freunde nicht von ihrer Settop-Box trennen. Das liegt unter anderem daran, dass externe Receiver häufig einfacher bedienbar sind, vor allem im Hinblick auf die Sender­sortierung, oder schlichtweg eine umfangreichere Ausstattung bieten.

Der Loewe Connect 55 UHD ist erfreulicherweise anders: Er bringt die Kanäle direkt nach dem Suchlauf in eine sinnvolle Reihenfolge, die mithilfe der Favoritenliste nach Belieben personalisiert werden kann, und besticht darüber hinaus durch kurze Umschaltzeiten von durchschnittlich zwei Sekunden. Die „Instant Channel Zapping“-Funktion beschleunigt den Programmwechsel nochmals, indem sie den Twin-Tuner nutzt, um während der Wiedergabe eines Senders den nächsten im Hintergrund zu laden – unsere Stoppuhr zeigte hier lediglich 0,9 Sekunden an.

Alternativ lassen sich mithilfe der doppelten Empfangseinheit mehrere TV-Programme gleichzeitig wiedergeben und aufzeichnen. Der Mitschnitt erfolgt über den „DR+“-Recorder auf die interne Festplatte mit 1.000 Gigabyte Speicherkapazität; um Platz zu schaffen, unterstützt das Gerät die USB-Archivierung. Praktisch ist auch die „DR+ Streaming“-Funktion: Sie erlaubt den Zugriff auf das DR+ Archiv über einen anderen kompatiblen Loewe-Fernseher. Dank „DR+ Follow Me“ kann der Zuschauer sogar eine Sendung im Wohnzimmer pausieren und im Schlafzimmer weiterverfolgen (Time-Shifting). Die Aufnahme-Programmierung gelingt über mehrere Jahre im Voraus – mit Loewes „Smart Assist App“ für Android- (ab „Jelly Bean“ 4.1.1) und iOS-Geräte (ab Version 7) auch von unterwegs aus. Der Timer reicht übrigens bis zum 31. Dezember 2099 – vorbildlich!

Der Twin-Tuner eröffnet ambitionierten TV-Freunden praktische Optionen wie die parallele Wiedergabe und Aufnahme zweier Sendungen oder schnelleres Zappen.

Der Twin-Tuner eröffnet ambitionierten TV-Freunden praktische Optionen wie die parallele Wiedergabe und Aufnahme zweier Sendungen oder schnelleres Zappen.

Mit Aluminium-Oberfläche: Die Fernbedienung des Loewe Connect 55 UHD besitzt zwar keine Sonderfunktionen wie Tastenbeleuchtung, Touchpad oder Bewegungssensor, sieht dafür aber sehr edel aus.

Mit Aluminium-Oberfläche: Die Fernbedienung des Loewe Connect 55 UHD besitzt zwar keine Sonderfunktionen wie Tastenbeleuchtung, Touchpad oder Bewegungssensor, sieht dafür aber sehr edel aus.

Wie beim Reference ID 55 (audiovision 5-2014) stammt das Smart-TV-Portal „MediaNet“ nicht aus eigener Entwicklung, sondern von der Hamburger Firma NetRange MMH. Das Angebot erscheint zunächst üppig, besteht jedoch überwiegend aus eher unbekannten Apps. Die Auswahl an Online-Video-theken beschränkt sich auf Maxdome und auch sonstige Videodienste sind rar gesät. Immerhin steht jetzt YouTube zur Verfügung, allerdings nur in 720p-Qualität.

loewe-ideal

Generell ist der Lieferumfang nicht sonderlich üppig: Außer einer Wandhalterung und der Fernbedienung liegt nichts bei. Der Standfuß, die 3D-Brillen sowie der „Assist Easy“-Signalgeber kosten extra.

Aufgeräumt: Die Anschlussfelder lassen sich komplett abdecken, so dass der Loewe Connect 55 UHD auch mitten im Zimmer eine gute Figur macht. Allerdings ist die Rückseite kunststofflastig.

Aufgeräumt: Die Anschlussfelder lassen sich komplett abdecken, so dass der Loewe Connect 55 UHD auch mitten im Zimmer eine gute Figur macht. Allerdings
ist die Rückseite
kunststofflastig.

Die Steuerung geht nach dem 20-sekündigen Startvorgang (bei aktiviertem Schnellstartmodus klappt es deutlich flotter) und einer kurzen Eingewöhnung relativ einfach von der Hand. Allerdings lässt das Cursorfeld der Fernbedienung eine gewisse Befehlsgewalt vermissen, da die Menü-Navigation hauptsächlich über die Vorspul- und Back-Taste erfolgt. Ferner räumt Loewe dem Nutzer keine tiefreichenden Einstellmöglichkeiten wie ein Farbmanagement ein. Laut der Loewe-Webseite verlässt aber jeder Connect-Fernseher das Werk „perfekt kalibriert“. Die Hintergrundbeleuchtung übernehmen LEDs im linken und rechten Displayrahmen.

Unterhalb des Bildschirms verrichten zwei nach vorne abstrahlende Lautsprecher ihren Dienst – mit Bravour! Ihre angenehm satten Bässe, ausgewogenen Mitten und transparenten Höhen machen sowohl in Filmen als auch bei Musikstücken ordentlich Laune, doch erreichen die Boxen nicht ganz das Klangniveau des wuchtigen Loewe Reference ID 55 – für eine knappe Höchstwertung beim Ton reicht es aber.

B-Ware: Das MediaNet-Portal aus dem Hause NetRange (MMH) hat einige Apps im Gepäck, von denen wir noch nie gehört haben. Wichtige Online-Videotheken fehlen.

B-Ware: Das MediaNet-Portal aus dem Hause NetRange (MMH) hat einige Apps im Gepäck, von denen wir noch nie gehört haben. Wichtige Online-Videotheken fehlen.

Bild-in-Bild-Funktion: Auf Knopfdruck stellt der Loewe zwei Quellen gleichzeitig dar, so dass man beispielsweise das TV-Programm in Werbepausen ruhig wechseln kann.

Bild-in-Bild-Funktion: Auf Knopfdruck stellt der Loewe zwei Quellen gleichzeitig dar, so dass man beispielsweise das TV-Programm in Werbepausen ruhig wechseln kann.

Bildqualität Fernsehen

Von der angeblich perfekten Kalibrierung sieht man auf den ersten Blick wenig: Die drei auswählbaren Modi „Home“, „Premium“ und „Shop“ sind allesamt zu kühl abgestimmt – klassische, auf Kino-filme angepasste Presets gibt es nicht, doch ließe sich solch ein Preset mittels eines Firmware-Updates integrieren – wir würden es begrüßen. Die beste Ausgangsbasis bildet dennoch der Premium-Modus, der nach Einstellen der Farbtemperatur auf „Soft“, leichtem Herunter-regeln der Schärfe und Ausschalten des Rauschfilters ein natürliches, sauberes Bild mit perfekten 6.500 Kelvin erzeugt. Im dunklen Raum beschränkt der werksseitig aktive Lichtsensor die Leuchtkraft auf Werte um 100 Candela. Schaltet ihn der Nutzer ab, erhöhen sich die Helligkeitsreserven auf bis zu 351 Candela. Aller-dings steigt auch der Energiebedarf von 124 auf 191 Watt. Aus seitlicher Perspek-tive halbiert sich die Lichtaus-beute leider. Etwas unglücklich finden wir, dass Loewe zwei Regler in einem zusammenfasst: Unter „Kontrast“ regelt man bis Stufe 18 die Intensität der Hintergrundbeleuchtung, darüber (bis Stufe 20) den Video-kontrast, wobei hier die kleinste Justage zum Clipping führt. Dafür punktet der 55-Zöller ab Werk mit einer exzellenten Kon-trastwiedergabe – sei es unter Auflicht oder bei der Im-Bild-Messung. Da der Bildbeschnitt (Overscan) im Tuner-Betrieb ausschließlich bei HD-Signalen abschaltbar ist, verlieren SDTV-Kanäle ein wenig an Feinzeichnung.

Männer kennen das Problem: Viele Frauen lehnen den Kauf eines neuen Fernsehers strikt ab, weil zum Beispiel der Alu-Rahmen, der Standsockel in Chromoptik oder die allgemeine Farbgebung nicht zum Mobiliar des Wohnzimmers passt – und sei es nur die terrakotta­farbene Vase neben dem TV-Tisch. Als einer der wenigen Hersteller hat Loewe hier eine stilvolle Lösung in Form verschiedener Designvariationen parat. Der Connect 55 kann nämlich sowohl komplett in Schwarz als auch mit silbergrauer oder cappuccinobrauner Boxenabdeckung und Gehäuseumrandung geordert werden. Per „Color Kit“ lässt sich die Akzentfarbe einfach ändern; wahlweise sogar in Petrolblau. Preis für jedes Kit: 100 Euro.

Wem die beiliegende Wandhalterung zu starr ist, der kann zur auszieh- und schwenkbaren „Wall Mount Isoflex“ für 400 Euro oder zum senkrecht beweglichen „Screen Lift Plus“ für 700 Euro greifen. Ein Standfuß gehört nicht zum Lieferumfang und kostet je nach Ausführung zwischen 150 und 450 Euro. Das Zubehör wie der Montage-Adapter oder eine kleine Ablagefläche für die Settop-Box wird mit 50 respektive 100 Euro in Rechnung gestellt. Zudem bietet Loewe eigene Racks beziehungsweise Lowboards für 900 und 1.100 Euro an – plus 180 Euro für den Tischsockel (Table Stand Connect 55/65). Als Farbvarianten stehen Schwarz, Weiß und Chromsilber zur Auswahl.

Weitere Kostenpunkte stellen die 3D-Shutter-Brille mit einem Stückpreis von 80 Euro, die kompakte, Apple-TV-kompatible „Assist Easy“-Fernbedienung für 40 Euro sowie diverse Adapter- und Verlängerungskabel von 20 bis 80 Euro dar. Unterm Strich kann also (immer noch) eine happige Summe zusammenkommen.

Je nach Wohneinrichtung kann der Connect 55 UHD in verschiedenen Farbvarianten geordert werden, wobei man das Erscheinungsbild dank des „Color Kits“ (Boxenabdeckung und Gummilippe für Außenseite) auch nachträglich ändern kann.

Je nach Wohneinrichtung kann der Connect 55 UHD in verschiedenen Farbvarianten geordert werden, wobei man das Erscheinungsbild dank des „Color Kits“ (Boxenabdeckung und Gummilippe für Außenseite) auch nachträglich ändern kann.

Bildqualität Blu-ray

Blu-rays bringen den Connect 55 UHD richtig auf Touren: Sein Upscaler rechnet das Bild zuverlässig auf 4K-Qualität hoch und meißelt selbst feinste Details heraus; sogar finstere Szenen wie die Aufnahmen in der „Krabat“-Mühle werden sauber durchgezeichnet. Leider führen Spitzlichter aufgrund der Positionierung der Backlight-LEDs regelmäßig zu Nachleuchteffekten in benachbarten Bildbereichen.

Abgedriftet: In der Werkseinstellung tanzen die Misch­farben und Grautöne teilweise stark aus der Reihe. Das Problem lässt sich mit wenigen Handgriffen beheben.

Abgedriftet: In der Werkseinstellung tanzen die Misch­farben und Grautöne teilweise stark aus der Reihe. Das Problem lässt sich mit wenigen Handgriffen beheben.

Links und rechts eines weißen Feldes hellt sich der Hintergrund um den Faktor vier auf, so dass schwarz dort weniger intensiv erscheint. In unserer Kontrastmessung holt Loewe dennoch alle Punkte.

Abwertungen gibt es dagegen für die zu hoch eingestellte Farbtemperatur, welche in einem nicht nur messbaren Blaustich mündet. Außerdem empfehlen wir, die „Image+ Active“-Schaltung zu deaktivieren – ohne sie wirken Grauschattierungen natürlicher. Im animierten Intro von „Casino Ro-yale“ offenbart der Fernseher eine sehr gute 24p-Wiedergabe: Die Stege der Roulettekessel zeigen kein störendes Nachwischen. Ebenso zuverlässig gelingt die Bewegungsdarstellung, obgleich die Samsung-Modelle der 8590er-Serie hier immer noch die Nase vorn haben.

HDMI-Eingang Nummer vier hat mit 3D-Filmen noch Probleme: Entweder reduziert er die Bild-rate oder er erkennt kein Signal. Ein Firmware-Update soll dies beheben. Die rückseitigen Schnittstellen geben 3D wieder, neigen aber leicht zum Ruckeln, weshalb man die Glättungsschaltung „DMM“ zuschalten sollte. Außerdem hat der Connect 55 im dreidimensionalen Betrieb mit relativ hohem Lichtverlust zu kämpfen. Der Tiefeneffekt, die Detailschärfe und die Farben überzeugen dennoch.

4K-Wiedergabe

Die Lösung kam in Form eines USB-Sticks: Kaum hatte Produkt-Manager Bo Yuan die neue Firmware auf unserem Testgerät aufgespielt, erschienen Videos und Fotos in UHD. Einen Vorgeschmack gibt das auf der Festplatte gespeicherte „Ultra Defi-nition Showcase“ von AV-Redakteur Florian Friedrich. Was die 4K-Formatunterstützung betrifft, zeigt sich der Loewe wählerisch: Viele unserer Camcorder-Aufnahmen werden nur mit Ton wiedergegeben; der Schirm bleibt schwarz. Im Gegensatz zum H.264-Codec bereiten ihm HEVC-Clips keine Probleme. Von den vier HDMI-Eingängen nimmt nur einer (gemäß HDMI-2.0-Standard) 2160p-Signale mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde entgegen. Auch nur dieser kommt mit HDCP-2.2 zurecht. mr/ur/ff

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loewe-wertung

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Loewe CONNECT 55 UHD (Gesamtwertung: 73, Preis/UVP: 3680 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

73 gut

Auch wenn Loewes erster UHD-Fernseher bei der Bildqualität nicht ganz an die Top-Modelle von Samsung & Co. heranreicht, ist er aufgrund seiner hervorragenden TV-Funktionen, des tollen Tons und der Design-Vielfalt für uns ein Highlight.

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