Marantz SR7010 (Test)

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Auch bei Marantz herrscht Zugzwang, denn mit Einführung der Ultra-HD-Blu-ray im Frühjahr 2016 müssen alle Hersteller von AV-Receivern für die UHD-Zukunft gerüstet sein. Im Falle des neuen Flaggschiffs SR7010 bedeutet dies ein Upgrade der Videosektion samt Integration des HDCP2.2-Kopierschutzes  der HDR-Funktionalität, sowie die Vorbereitung auf das 3D-Tonformat DTS:X, das Anfang nächsten Jahres zum Update bereitstehen soll. Für denselben Zeitpunkt plant Marantz das Upgrade für Auro-3D (siehe Kasten „Auro 3D per Update“).

Ausstattung und Praxis

Marantz-pcIm Vergleich zum Vorgänger SR7009 (Test in audio-vision 12-2014) hat sich weder beim Preis noch der Anzahl der Anschlüsse etwas getan. Auch die optische Erscheinung mit bulliger Front und dem markanten, mittig sitzenden Display-Auge ist vertraut; das Display lässt sich dimmen oder ganz ausschalten, der blau leuchtende Ring drumherum nur an- oder abschalten. Wie gehabt sitzt unter der Klappe ein zweites Display mit höherem Informationsgehalt, bei der Kanalmatrix-Anzeige kann man sogar zwischen Signaleingang oder aktiven Boxen wählen. Hinter der dicken Metallblende verbergen sich zudem ein HDMI-, FBAS- und ein Stereo-Cinch-Eingang sowie die Buchsen für Kopfhörer, Messmikro und den USB-Stick. Nicht wirklich überzeugen konnten uns die beiden großen Drehregler für Lautstärke und Quellenwahl, die bei unserem Testmuster etwas runder hätten laufen können.

Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, ist übersichtlich gestaltet und auf Knopfdruck sogar beleuchtbar. Das Display oben zeigt an, ob man gerade den Hauptraum oder einen der beiden Nebenräume (Zone 2/3) steuert.

Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, ist übersichtlich gestaltet und auf Knopfdruck sogar beleuchtbar. Das Display oben zeigt an, ob man gerade den Hauptraum oder einen der beiden Nebenräume (Zone 2/3) steuert.

Besser gefällt uns die Bedienung des Geräts, die dank des informativen und übersichtlichen Onscreen-Menüs komfortabel gelingt. Marantz‘ intuitive Remote App sowie das umfangreiche Web-Inter-face – aufzurufen über die Netzwerk-IP-Adresse des Receivers – erleichtern die Fernsteuerung etwa von anderen Räumen aus.

Die Info-Taste zeigt die Kanäle des Eingangssignals sowie die gerade aktiven Lautsprecher an.

Die Info-Taste zeigt die Kanäle des Eingangssignals sowie die gerade aktiven Lautsprecher an.

Praktisch: Für die Stereo-Wiedergabe kann man ein eigenes Lautsprecher-Setup definieren.

Praktisch: Für die Stereo-Wiedergabe kann man ein eigenes Lautsprecher-Setup definieren.

Beim Marantz SR7010 lässt sich das Lautsprecher-Setup für Dolby Atmos vielfältig anpassen. Bis zu 9.2-Lautsprecher versorgt das Flaggschiff allein, mit Hilfe eines zusätzlichen Stereo-Verstärkers spielen sogar bis zu 11.2-Boxen zeitgleich auf.

Die Terminal-Ansicht informiert darüber, welche Box an welcher Klemme anzuschließen ist und welche Kanäle am Pre-out anliegen.

Die Terminal-Ansicht informiert darüber, welche Box an welcher Klemme anzuschließen ist und welche Kanäle am Pre-out anliegen.

Man kann unter zahlreichen Boxen-Anordnungen wählen. Bei Einsatz von nur zwei Dolby-Lautsprechern finden diese sogar auf den Back-Rears Platz.

Man kann unter zahlreichen Boxen-Anordnungen wählen. Bei Einsatz von nur zwei Dolby-Lautsprechern finden diese sogar auf den Back-Rears Platz.

Boxen-Setup & Ton-Dekoder

Mit neun integrierten Endstufen befeuert das Marantz-Flaggschiff 5.1.4- oder 7.1.2-Setups, dank 11.2-Processing bei Anschluss von zwei zusätz-lichen Endstufen auch 7.2.4- oder 9.2.2-Konfigurationen. Die Höhenboxen für Atmos-Ton können an der Decke, an den Front/Back-Height-Positionen oder als Dolby Enabled Speaker eingestellt und miteinander kombiniert werden; bei nur zwei aktiven Dolby-Speakern lassen sich diese sogar auf die Back-Surround-Boxen setzen. Ungenutzte Endstufen können für Bi-Amping oder die Beschallung von zwei Nebenräumen verwendet werden, in Hörzone 2 stehen auch HDMI-Signale zur Verfügung.

Die Einstellung der Boxen-Parameter gelingt mit 0,5-Dezibel-Schritten und Distanzen von einem Zentimeter vorbildlich, die Pegel für alle Kanäle werden zudem separat für jeden Quelleneingang gespeichert – aufrufen lässt sich das entsprechende Konfigurationsmenü über die „Option“-Taste der Fernbedienung. Sehr schön: Unabhängig vom Mehrkanal-Setup kann man ein eigenes Boxen-Setup für die Stereo-Wiedergabe einrichten, das greift, sobald der Amp im Stereo-Modus spielt.

Gut bestückt: Der Marantz verfügt sogar über einen Phono-Eingang, eine komplette Vorverstärker-Ausgangsgruppe und einen analogen 7.1-Eingang. Zwei aufschraubbare Antennen verbessern den Empfang von WiFi und Bluetooth.

Gut bestückt: Der Marantz verfügt sogar über einen Phono-Eingang, eine komplette Vorverstärker-Ausgangsgruppe und einen analogen 7.1-Eingang. Zwei aufschraubbare Antennen verbessern den Empfang von WiFi und Bluetooth.

Sound-Manipulationen nimmt Audysseys bestes Einmess-System MultEQ XT32 (Pro) vor und stellt dabei drei unterschiedliche Klangkurven (Flat, Reference, L/R Bypass) zur Wahl, „Flat“ und „Reference“ kann man sich als Grafiken anzeigen lassen. Die „Flat“-Kurve lässt sich bei Deaktivierung von Audyssey auch auf den Equalizer kopieren, allerdings verändert sich dabei der Klang. Der 9-Band-Equalizer regelt die meisten Lautsprecher zwischen zu hohen 63 Hertz und 16 Kilohertz, Dolby Enabled Speaker können jedoch nur bis 1 Kilohertz eingestellt werden; die zwei Subwoofer überhaupt nicht. 

Als unglücklich stellt sich das Fehlen des DTS Neo:6-Dekoders heraus, so lässt sich bis zur Integration des Neural:X-Upmixers über das kommende DTS:X-Update vorerst kein DTS-2.0-Ton auf Mehrkanalton vernünftig hochrechnen. Marantz‘„Multi Channel Stereo“ vermag dies zwar, nur tönt dann aus allen Boxen mehr oder weniger dasselbe. Audysseys DSX-Encoder greift dagegen nur bei 5.1-Mehrkanal-Signalen und hievt diese in die Höhen-Dimension, sofern im Konfigurationsmenü Front-Wide- und/oder Front-Height-Boxen eingestellt sind.

Video und Multimedia

Die verbesserte Videoverarbeitung unterstützt nun HDMI 2.0a samt HDR-Übertragung und verlust-freier 4:4:4-Farbauflösung, den HDCP-2.2-Kopierschutz und ist zudem konform zum BT.2020-Standard für die UHD-TV-Signalübertragung. Digitale wie analoge Bildsignale skaliert der SR7010 auf UHD-Auflösung oder schleift sie durch. Die Video-Sektion wurde ferner von der Imaging Science Foundation (ISF) zertifiziert und bietet die beiden konformen Bildmodi „ISF Day“ und „ISF Night“.

Wer lieber selbst Hand anlegt, kann dies in Form feinfühliger Videoregler für Kontrast, Helligkeit, Sättigung, Rauschunterdrückung und Konturenschärfe tun. Auf Tonseite nimmt der Marantz Signale via AirPlay, Bluetooth, DLNA, iPod und USB-Stick (nur FAT32) entgegen, der interne Media-Player spielt die meisten Dateiformate wie AAC, ALAC, AIFF, DSD, FLAC, MP3 und WAV, jedoch keine 5.1-Mehrkanal-Dateien. Zudem gelangt Musik online über das gut funktionierende vTuner-Webradio sowie den Steaming-Dienst „Spotify“ in die Heimkino-Zentrale.

Trotz großem Gehäuse musste der Trafo teils unter der Hauptplatine Platz nehmen und sitzt links neben den beiden großen Kondensatoren in der Mitte. Die Kabel sind kurz gehalten und wurden sauber verlegt. Der große Lüfter vorne links über dem Kühlkörper war im Test nicht hörbar.

Trotz großem Gehäuse musste der Trafo teils unter der Hauptplatine Platz nehmen und sitzt links neben den beiden großen Kondensatoren in der Mitte. Die Kabel sind kurz gehalten und wurden sauber verlegt. Der große Lüfter vorne links über dem Kühlkörper war im Test nicht hörbar.

Tonqualität Surround

Mit 211 Watt pro Kanal bei Stereo und 88 Watt im 7.1-Betrieb (4-Ohm-Last) verfügt der SR7010 über ausreichend Power auch für richtig große Heimkinos. Dank ausgeklügeltem Eco-Modus sinkt die Leistungsaufnahme im Betrieb von durchschnittlich 350 Watt auf gute 160 Watt, aber selbst das reicht im Alltag allemal. Der Frequenzgang fiel bei unserem Testgerät zu höchsten Frequenzen hin um rund zwei Dezibel ab, was einen Punkt kostet, in der Praxis aber keine Rolle spielen dürfte.

Wie jeder AV-Receiver musste auch der SR7010 zunächst den fantastischen Mehrkanalmix von Steely Dans DVD „Two against nature“ meistern und überzeugte auf Anhieb mit seinem aufgeräumten, stressfreien und verfärbungsfreien Klang, der selbst bei XXL-Lautstärken nicht aneckte. Beim Dolby Atmos Trailer „Amaze“ ließ es der Marantz ordentlich krachen und platzierte die Naturgeräusche wunderbar luftig, groß und plastisch im Raum. Vor dem zweiten Hördurchgang führten wir die Einmessung durch, wobei Audyssey alle Pegel, Distanzen und Übernahmefrequenzen plausibel ermittelte.

Von den drei optionalen Klangkurven empfanden wir „Flat“ als zu hell, „Reference“ bot dagegen die richtige Balance aus Tonalität und Durchzeichnung, nur der Bass erschien uns etwas drucklos. Nach Aktivierung von Audysseys „Dynamic EQ“-Schaltung war die Bassschwäche aber verflogen. Dolbys „Amaze“-Trailer hievte der Marantz nun noch räumlicher, präziser und wuchtiger in den Hörraum und verkniff sich auch bei hoher Lautstärke unangenehme Schärfen im Klang.

Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten kann der Marantz SR7010 auch fit für das 3D-Tonformat Auro gemacht werden. Das Firmware-Update wird wieder 149 Euro kosten, kann jedoch erst Anfang 2016 und nach dem Erscheinen des DTS:X-Updates von der Marantz-Webseite heruntergeladen werden. Der Grund: Marantz möchte die derzeit noch verschiedenen Boxen-Setups für Dolby Atmos, Auro 3D und DTS:X unter eine gemeinsame Lautsprecher-Konfiguration bringen.

Tonqualität Stereo

Im Stereo-Betrieb musizierte der Marantz mit viel Feingeist und verzückte dank seines seidigen und dennoch lebendigen Klangs, wobei der SR7010 – wie schon sein Vorgänger – bei HDMI-Zuspielung einen Tick höhenreicher spielte als über den optischen S/PDIF-Eingang. ao

sr-7010-2-gerae-klappe-offen

marantz-wertung

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Marantz SR7010 (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 1700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

89 sehr gut

Das neue Marantz-Flaggschiff SR7010 ist dank HDMI 2.0 mit HDCP 2.2 nicht nur fit für die Ultra-HD-Zukunft, sondern entschlüsselt als einer der wenigen alle 3D-Tonformate – wenn auch zum Teil nur gegen Aufpreis. Lediglich bei den Klangeinstellungen ist noch etwas Luft nach oben.

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  1. Pingback: Pioneer LX-SC59 czy Marantz SR700x - HDforum

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