LG 65 UF 850 V (Test)

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Ein aufgefrischtes Design sowie ein verbessertes webOS-Betriebssystem, welches nun die Versionsnummer 2.0 im Namen trägt: Das sind die augenscheinlichsten Unterschiede des brandneuen UHD-Mittelklässlers gegenüber der 2014er-Generation. Viel mehr interessiert uns jedoch, ob sich LG auch den bisherigen Kritikpunkten wie der eingeschränkten 4K-Formatunterstützung oder – nach Vorbild von Philips – der verhältnismäßig mageren TV-Ausstattung angenommen hat.

Ausstattung und Praxis

lg-pcDie Holländer haben es mit dem 55 PUS 7909 (Test in audiovision 2-2015) vorgemacht: Eine Sendung wiedergeben, während eine andere via USB aufgezeichnet wird – was der Vorgänger nicht konnte, erledigt das neue Modell problemlos. Beim LG muss sich der Zuschauer leider nach wie vor für eines von beiden entscheiden. Angesichts der Auswahl an guten und preiswerten Settop-Boxen sollte der Verzicht auf einen Twin-Tuner zwar verschmerzbar sein, nicht aber, wenn HDMI-Anschlüsse Mangelware sind. Denn der bisher vorhandene vierte Eingang wurde ersatzlos gestrichen. An den ana-logen Schnittstellen hält LG hingegen fest.

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Lob verdient die neue Fernbedienung: Sie vereint den konventionellen Drücker und die berüh-rungssensitive Magic Remote, so dass man sämtliche Funktionen jetzt bequem über einen Signalgeber kontrolliert. Ebenfalls an Bord ist ein Mikrofon zur Sprachsteuerung. Details zum überarbeiteten webOS finden Sie im Kasten unten. Zu guter Letzt erhalten Bildtüftler vollen Zugriff auf ein isf-zertifiziertes Farbmanagement, über das sich sowohl RGB- und CMY-Anpassungen als auch der Weißabgleich vornehmen lassen.

Aus zwei mach eins: LG kombiniert die Magic Remote und den klassischen Signalgeber in einem Gehäuse. Das Steuerkreuz mit dem Scrollrad sitzt etwas tief.

Aus zwei mach eins: LG kombiniert die Magic Remote und den klassischen Signalgeber in einem Gehäuse. Das Steuerkreuz mit dem Scrollrad sitzt etwas tief.

Im Gegensatz zu den Spitzenreitern aus gleichem Hause besitzt der UF 850 V keinen Subwoofer. Folglich legen die nach unten abstrahlenden Lautsprecher einen etwas schwachbrüstgen Auftritt hin, wobei Dialoge stets sauber zu Gehör kommen.

Neben Online-Videotheken und anderen populären Internet-Diensten hält der UF 850 V in seinem Smart-TV-Portal auch Minispiele sowie eine Karaoke-App bereit.

Neben Online-Videotheken und anderen populären Internet-Diensten hält der UF 850 V in seinem Smart-TV-Portal auch Minispiele sowie eine Karaoke-App bereit.

Fast wie am Computer: Der interne Web-Browser des UF 850 V lässt sich intuitiv bedienen und reagiert relativ flott – perfekt zum Internet-Surfen zwischendurch.

Fast wie am Computer: Der interne Web-Browser des UF 850 V lässt sich intuitiv bedienen und reagiert relativ flott – perfekt zum Internet-Surfen zwischendurch.

Bildqualität Fernsehen

Von den neun Bildmodi kann uns auf Anhieb keiner überzeugen, zumal sechs zu kühl abgestimmt sind. Die besten Resultate liefern wieder einmal die isf-Expert-Presets, worauf wir später näher eingehen. Nachgebessert hat LG offensichtlich bei der Bewegungsdarstellung: Das Gerät liegt jetzt auf Augenhöhe mit den früher überlegenen Samsung-Fernsehern. So glättet die TruMotion-Schaltung in Stellung „Klar Plus“ sowohl 50- als auch 60-Hertz-Material ohne zu flackern – die Artefakte halten sich in Grenzen. Problematischer ist der Helligkeitsverlust von fast 50 Prozent, was das Einsatzgebiet in diesem Modus auf dunkle Räume beschränkt. Aus seitlicher Perspektive nimmt die Leuchtkraft weiter ab, wenn auch weniger stark als bei der Konkurrenz. Wer ein blaustichiges Bild in Kauf nimmt, kann das Edge-LED-Backlight auf bis zu 442 Candela hochregeln.

Da waren es nur noch drei: Der vierte HDMI-Eingang fiel – im Gegensatz zu den analogen AV-Anschlüssen – dem Rotstift zum Opfer; auf einen Twin-Tuner muss man ebenfalls verzichten. Das Gehäuse ist angenehm flach.

Da waren es nur noch drei: Der vierte HDMI-Eingang fiel – im Gegensatz zu den analogen AV-Anschlüssen – dem Rotstift zum Opfer; auf einen Twin-Tuner muss man ebenfalls verzichten. Das Gehäuse ist angenehm flach.

LG hat mit webOS letztes Jahr einen Coup gelandet. Für die 2015er-Fernseher wurde das Betriebssystem weiter optimiert, wenn auch hauptsächlich hinter der Fassade: Die Benutzeroberfläche ist (abgesehen von den neuen Schnellauswahl-Menüs, die beim Betätigen der Zahnrad-Taste am rechten Bildrand erscheinen) unverändert geblieben. Schnell fällt aber auf, dass nun alles noch flüssiger und runder läuft als bisher. Löblich sind vor allem die verkürzten Ladezeiten. Die YouTube-App beispielsweise startet innerhalb von fünf Sekunden und wird beim Wechsel zu einer anderen Anwendung automatisch pausiert. Leider geht die Videoqualität nach wie vor nicht über 720p hinaus, während Netflix zum Teil mit der vierfachen Full-HD-Auflösung brilliert (siehe Seite 54 in audiovision 3-2015).

Auf Wunsch bündelt die „My Program“-Funktion in der Hauptmenüleiste die favorisierten TV-Sender und gestattet so ein schnelleres, komfortables Umschalten. Der knuffige Comic-Vogel „BeanBird“ lässt sich übrigens nach wie vor bloß bei der Erstinstallation blicken.

Lieblingssender lassen sich bequem im webOS-Launcher verknüpfen. Daneben erhält man direkten Zugriff auf alle wichtigen Online-Videoportale.

Lieblingssender lassen sich bequem im webOS-Launcher verknüpfen. Daneben erhält man direkten Zugriff auf alle wichtigen Online-Videoportale.

Kein verdecktes Bild: Über die neuen Schnellauswahl-Punkte am rechten Displayrand können diverse Einstellungen ohne Umwege angepasst werden.

Kein verdecktes Bild: Über die neuen Schnellauswahl-Punkte am rechten Displayrand können diverse Einstellungen ohne Umwege angepasst werden.

Bildqualität Blu-ray

Einen guten Kompromiss bei der Bewegungsdarstellung im Zusammenspiel mit Blu-rays schafft der benutzerdefinierte „TruMotion“-Modus: Reduziert man „Entruckeln“ auf null und stellt den Punkt „Schärfen“ auf Stufe zehn, huschen Actionhelden deutlich schärfer über den Bildschirm, während der Kinolook weitgehend erhalten bleibt. Düstere Weltraumszenen wie in „Gravity“ lassen aufgrund der mäßigen Kontrastwerte jedoch etwas Tiefe vermissen. Die Local-Dimming-Schaltung bringt hier nur bedingt Abhilfe (siehe Kasten „Local Dimming auf dem Prüfstand“). Außerdem kommen gelegentlich „Dirty-Screen“-Effekte zum Vorschein. Die Farbreproduktion gelingt gut, lässt aber Luft nach oben. Die drei neutralsten Bildmodi decken den Farbraum zwar perfekt ab, stellen Grün aber etwas zu dunkel dar. Stellt man den Farbumfang auf „Breit“, wirkt die Farbwiedergabe ein wenig ausgewogener – wenn auch auf Kosten von reinem Weiß.

Aus der passiven 3D-Technik holt LG das Maximum heraus und punktet mit sauberer Kanaltrennung, guter Tiefenstaffelung sowie Farbneutralität.

Unter „Bildoptionen“ variiert die Funktion „LED Lok. Dimming“ die dynamische Hintergrundbeleuchtung des LG. Diesmal fällt der Effekt vergleichsweise bescheiden aus und steigert den Kontrast kleinräumiger Spitzlichter lokal unterschiedlich stark: In einem schwarzen Testbild mit zweiprozentigem Weißfeld in der Bildmitte wächst der Im-Bild-Kontrast zum schwarzen oberen Bildrand von durchschnittlichen 980:1 nur leicht auf maximal 1.200:1. Zum Vergleich: Samsungs Top-Modell UE 65 JS 9590 katapultierte den Im-Bild-Kontrast im gleichen Testbild von 2.425:1 (Smart LED: Aus) auf 14.000:1. Während seine Smart-LED-Funktion die Helligkeit von Spitzlichtern steigert, reduziert Local Dimming beim LG die Leuchtdichte kleinräumiger Weiß­felder von 240 Candela auf der höchsten Stufe auf rund 150 Candela pro Quadratmeter (siehe Grafik).

Bescheidener Effekt: Beim neuen LG 65 UF 850 V reduziert die lokale LED-Ansteuerung die Helligkeit von Spitzlichtern leicht. Den Kontrast steigert sie aufgrund der begrenzten Zonenzahl nur in größerem Abstand zu hellen Objekten sichtbar.

Bescheidener Effekt: Beim neuen LG 65 UF 850 V reduziert die lokale LED-Ansteuerung die Helligkeit von Spitzlichtern leicht. Den Kontrast steigert sie aufgrund der begrenzten Zonenzahl nur in größerem Abstand zu hellen Objekten sichtbar.

Deutlich besser wirkt die Schaltung zum weiter vom zentralen Weißfeld entfernten linken und rechten Testbildrand: Hier steigert sich der Im-Bild-Kontrast von 900:1 auf maximal 2.400:1. Offenbar nutzt der LG nur eine kleine Zahl von Zonen für seine dynamische LED-Ansteuerung und kann deshalb in der Nähe heller Bildpartien auch keine nennenswerte Kontraststeigerung bewirken. Das zeigt auch ein Test mit einem auf 25 Prozent Bildfläche vergrößerten Weißfeld: Helligkeit wie Kontrast bleiben praktisch unverändert. In solchen Szenen liefern viele Mitbewerber auch ohne Local-Dimming-Technik knackigere Hell-Dunkel-Kontraste.

Sprachsteuerung: Auf Wunsch führt der LG UF 850 V bestimmte Funktionen per Stimmbefehl aus. Das Mikrofon befindet sich im oberen Teil der Fernbedienung.

Sprachsteuerung: Auf Wunsch führt der LG UF 850 V bestimmte Funktionen per Stimmbefehl aus. Das
Mikrofon befindet sich im oberen Teil der Fernbedienung.

Spielerei in Werbepausen: Über die Bildbearbeitungs-App lassen sich Fotos aus der Galerie oder der optionalen TV-Kamera mit unterschiedlichen Effekten versehen.

Spielerei in Werbepausen: Über die Bildbearbeitungs-App lassen sich Fotos aus der Galerie oder der optionalen TV-Kamera mit unterschiedlichen Effekten versehen.

4K-Wiedergabe

Scheiterte LG bislang an unserem UHD-Formattest, gehört die Inkompatibilität beim UF 850 V der Vergangenheit an. Sein Mediaplayer spielt fast alle wichtigen Dateitypen inklusive Fotos ab; lediglich Clips mit 4.096 statt 3.840 horizontalen Bildpunkten sowie ein paar Aufnahmen der Sony-Camcorder FDR-AX 1 und -AX 100 bleiben auf der Strecke. Zudem ruckeln kurze Videos (unter einer Minute) massiv. 4K-Signale bis 60p geben auch alle drei HDMI-Eingänge problemlos wieder. (mr/ur/ff)

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Der Testbericht LG 65 UF 850 V (Gesamtwertung: 76, Preis/UVP: 2800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

76 gut

Mit vielen Detailverbesserungen hebt sich der neue 65 UF 850 V von früheren LG-Modellen ab: Er zeigt ein ausgewogeneres, bewegungsschärferes Bild und kommt mit mehr 4K-Formaten zurecht; an den Farben sowie dem Kontrast könnte man allerdings noch feilen. Dafür sorgen webOS 2.0 und die neue Fernbedienung für erstklassigen Bedienkomfort.

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