Marantz AV 7702 / MM 8077 (Test)

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Kombinationen aus Vor- und Leistungsverstärker gelten als der Königsweg. Nicht nur wenn es um den bestmöglichen Klang, sondern auch um die maximale Zukunftssicherheit geht. Denn wenn technische Neuerungen anstehen, kann man die Endstufe behalten – es genügt, die Vorstufe auf den neuesten Stand zu bringen. Dies hat Marantz nun getan: Mit der AV 7702 präsentiert der Hersteller den Nachfolger der in audiovision 12-2012 getesteten AV 7701.

Obwohl der Preis mit 2.000 Euro unverändert blieb, wartet der nur in Schwarz erhältliche Vorverstärker mit etlichen neuen Finessen auf: So decodiert er ab Werk das 3D-Tonformat Dolby Atmos und per Update auch die Konkurrenz Auro 3D (Kasten Seite 70). Mit Cinch- und den im Profi-Sektor beliebten XLR-Ausgängen bestückt, lässt sich die AV 7702 mit verschiedenen Endstufen kombinieren. Optisch wie klanglich dürften jedoch die hauseigenen Modelle die bevorzugte Wahl sein: Wie in Ausgabe 8-2013 stellten wir ihr deshalb den 2.000 Euro teuren Marantz-Siebenkanäler MM 8077 zur Seite. Für die Erweiterungen auf neun oder elf Kanäle bieten sich die Zwei- und Fünf-Kanal-Endverstärker MM 7025 und MM 7055 für 1.000 bzw. 1.400 Euro an.

Ausstattung und Praxis

marantz-pcDas elegante Design mit gebürsteter Aluminium-Front und separatem, blau leuchtendem Bull-
Augen-Display, das Quelle und Lautstärke anzeigt, ist noch immer ein Hingucker. Lediglich die geschwungenen, offenbar aus Kunststoff gefertigten  Wangen passen nicht perfekt zum gediegenen Auftritt des 4.000-Euro-Duos.

Die Vorstufe verwaltet elf Audiokanäle sowie zwei unabhängig einstellbare Subwoofer-kanäle, die an 13 XLR-Ausgängen bereitstehen. Die Pre-Out-Sektion im Cinch-Format umfasst sogar 19 Buchsen, weil sie zusätzlich über Ausgänge für zwei weitere Räume (Zone 2/3) und separate Front-Wide-Ausgänge verfügt. Ebenso lassen sich Lautsprecher-Konfigurationen im Bi-Amping- oder Front-B-Format einrichten. Zudem unterstützt die AV 7702 sämtliche Lautsprecher-Konfigurationen für Dolby Atmos. Upmix-Decoder von Dolby, DTS und Audyssey sorgen für Töne von oben, wenn die Blu-ray ohne Atmos-Spur daherkommt. Wie in Marantz` Receiver-Flaggschiff SR 7009 (Test in audiovision 12-2014) optimiert die Audyssey-Einmess-Automatik MultEQ XT32 Pro den Klang. Der Zusatz „Pro“ bedeutet, dass man die Einmessung alternativ zum mitgelieferten Mikro mit Profi-Ausrüstung („Mult EQ Pro Calibration Kit“) von Audyssey-zertifizierten Fach-händlern durchführen lassen kann. Audiotechnisch hebt sich die Vorstufe vom Receiver-Flagschiff SR 7009 (Test in audiovision 12-2014) durch ihren aufwän-digeren Aufbau mit XXL-Ringkerntrafo ab.   

Die Fernbedienung verwöhnt mit einem Display, orange beleuchteten Tasten und ist für zahlreiche Settopboxen und DVD-/Blu-ray-Player vorprogrammiert.

Die Fernbedienung verwöhnt mit einem Display, orange beleuchteten Tasten und ist für zahlreiche Settopboxen und DVD-/Blu-ray-Player vorprogrammiert.

Im Menü „Lautsprecher/Endstufe-Zuweisung“ legt man Art und Anzahl der angeschlossenen Boxen fest. Die Vorstufe gibt maximal 11 Audio- und 2 Subwoofer-Kanäle aus. Da Dolby Atmos verschiedene Boxen-Anordnungen erlaubt, ist der Anschluss aufwändiger und damit komplizierter als bei einem klassischen 5.1/7.1-Setup. Die folgenden Menü-Einstellungen zeigen beispielhaft verschiedene Aufbau-Möglichkeiten für Dolby Atmos.

Im „11.1-Kanal“-Setup steuert die Vorstufe abhängig vom Tonformat vier Deckenlautsprecher oder zwei Deckenlautsprecher und Front-Wide-Boxen an.

Im „11.1-Kanal“-Setup steuert die Vorstufe abhängig vom Tonformat vier Deckenlautsprecher oder zwei Deckenlautsprecher und Front-Wide-Boxen an.

Diese Einstellung ist korrekt, wenn vorne Dolby-Lautsprecher schräg zur Decke strahlen und in den hinteren Raumecken „Rear Height“-Boxen hängen.

Diese Einstellung ist korrekt, wenn vorne Dolby-Lautsprecher schräg zur Decke strahlen und in den hinteren Raumecken „Rear Height“-Boxen hängen.

So wird der Klang für zwei mittige Deckenlautsprecher optimiert. Die zwei übrigen Vorverstärker-Kanäle könnte man zur Beschallung des Nebenraums (Zone 2) nutzen.

So wird der Klang für zwei mittige Deckenlautsprecher optimiert. Die zwei übrigen Vorverstärker-Kanäle könnte man zur Beschallung des Nebenraums (Zone 2) nutzen.

Die Terminal-Ansicht zeigt anschaulich, mit welchen Kanälen die Vorverstärker-Ausgänge belegt sind. Cinchbuchsen (RCA) und XLR erhalten das gleiche Signal.

Die Terminal-Ansicht zeigt anschaulich, mit welchen Kanälen die Vorverstärker-Ausgänge belegt sind. Cinchbuchsen (RCA) und XLR erhalten das gleiche Signal.

Video & Multimedia

Im Vergleich zum Vorgänger bietet die AV 7702 auch in Sachen Multi-media einiges mehr: So gelingt der Anschluss ans Internet und heimische Netzwerk per WLAN. PCs und Smartphone docken via AirPlay und Bluetooth ebenfalls kabellos an der Vorstufe an. Der USB/DLNA-Audioplayer versteht sich auf zahlreiche Dateiformate, die er teils sogar unterbrechungsfrei (gapless play) wiedergibt. Die Waffen streckt er allerdings bei NTFS-formatierten USB-Speichern und Musikdateien im 5.1-Format. Das Internet-Radio überzeugt, weil die Senderlisten vernünftig sortiert sind, sich flott durchsuchen und Lieblingssender/Sendungen unkompliziert speichern lassen.

Obwohl die Vorstufe keine Leistungsverstärker beherbergt, ist ihr großzügiges Gehäuse randvoll mit Komponenten: Dies liegt vor allem am riesigen Ringkern-Transformator, der stets eine stabile Spannungsversorgung garantiert. Außerdem beansprucht die diskret aufgebaute Elf-Kanal-HDAM-Vorstufe mit Cinch- und symmetrischem XLR-Ausgängen viel Platz. Ganz oben thront die Hauptplatine, die unter anderem mit vier 32-Bit-Sharc-Signalprozessoren bestückt ist.

Obwohl die Vorstufe keine Leistungsverstärker beherbergt, ist ihr großzügiges Gehäuse randvoll mit Komponenten: Dies liegt vor allem am riesigen Ringkern-Transformator, der stets eine stabile Spannungsversorgung garantiert. Außerdem beansprucht die diskret aufgebaute Elf-Kanal-HDAM-Vorstufe mit Cinch- und symmetrischem XLR-Ausgängen viel Platz. Ganz oben thront die Hauptplatine, die unter anderem mit vier 32-Bit-Sharc-Signalprozessoren bestückt ist.

Neu in puncto Video ist die Fähigkeit, 4K-Signale bis 60 Hertz Bildwiederholrate in Empfang nehmen und hochskalieren zu können. Wegen der fehlenden Unterstützung des Ultra-HD-Kopierschutzstandards HDCP 2.2 müssen wir aber einen Punkt abziehen.

Schöne Rücken, die entzücken: Die Vorstufe (oben) wartet mit zahlreichen vergoldeten Anschlüssen auf. Ihre Vorverstärker-Ausgangssektion ist mit 19 Cinch- und 13 XLR-Anschlüssen bestückt. Ein analoger 7.1-Eingang ist ebenso vorhanden wie ein Phono-Eingang. Links und rechts oben finden die Antennen für WLAN und Bluetooth Halt.

Schöne Rücken, die entzücken: Die Vorstufe (oben) wartet mit zahlreichen vergoldeten Anschlüssen auf. Ihre Vorverstärker-Ausgangssektion ist mit 19 Cinch- und 13 XLR-Anschlüssen bestückt. Ein analoger 7.1-Eingang ist ebenso vorhanden wie ein Phono-Eingang. Links und rechts oben finden die Antennen für WLAN und Bluetooth Halt.

Tonqualität Surround

Im Labor zeigt sich, dass die MM 8077 der optimale Spielpartner für die Vorstufe ist: Stand bereits das Testmuster aus Ausgabe 8-2013 gut im Futter, hat das aktuelle im Schnitt rund 20 Watt pro Kanal zugelegt. Die absoluten Zahlen beeindruckten uns ebenso, denn mit einer Gesamtleistung von 1.100 Watt, gemessen mit sieben Kanälen an vier Ohm, zählt die 8077 zu den kräftigsten von uns getesteten AV-Verstärkern. Wo viel Power ist, entsteht auch viel Wärme, die in diesem Fall ein Lüfter effizient über einen Kühltunnel abführt. Wenn Ersterer loslegt, ist er zwar hörbar, doch schaltet er sich immer nur kurz und ausschließlich bei extremen Lastanforderungen zu, so dass er praktisch nicht stört. Der Ventilator saugt kühle Luft über die
obere Gehäuseöffnung an, weshalb die End-stufe am besten frei stehend oder auf der Vorstufe platziert werden sollte. Marantz empfiehlt, zu den Seiten, nach hinten und oben mindestens 30 Zentimeter Platz zu lassen.

Im Hörtest geht die Kombi mit einer fantastischen Leichtigkeit zu Werke, wie es kaum einem AV-Receiver gelingt: Mühelos löst sie feinste Details wie leise Hallfahnen auf den Surround-Kanälen im Stück „Gaslighting Abbie“ der Pop-Band Steely Dan auf. Den Bassbereich gibt sie dabei kraftvoll, stets nuanciert und differenziert wieder. Mit der Live-Konzert-DVD „Away from the sun“ der US-Rocker 3 Doors Down zeigt das Verstärkerduo, dass es rauen Gitarrenrock mit hohen Lautstärken ebenfalls beherrscht: Der präsent aufgenommene Gesang von Frontmann Brad Arnold steht stabil im Raum, während die Kickdrum schnell und druckvoll knallt. Obwohl die THX-zertifizierte Mischung laut, dicht und präsent daherkommt, offenbart die Marantz-Kombi keine Spur von Stress. Stets spielt sie unangestrengt und neutral auf, weshalb wir ins-tinktiv versucht waren, noch ein wenig lauter zu hören. Heftige Bassattacken wie im Dolby-Trailer „Spheres“ gibt sie bar jeder Kompression an die Lautsprecher weiter. Im Hörtest entschieden wir uns übrigens für die Vor-End-Verbindung via Cinchstrippen. Die XLR-Variante ist kein Muss, sie kann aber sinnvoll sein, wenn lange Kabelwege zwischen den Komponenten zu überbrücken sind.

Im zweiten Hördurchgang ließen wir die Audyssey-Einmess-Automatik ans Ruder und überprüften außerdem das Klangbild mit Aktiv-Subwoofer: Neben der korrekten Einstellung von Pegel, Distanz und Bassfiltern sorgte Audyssey für einen homogeneren Klang, indem es die leichten Timbre-Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Boxen per Equalizer minimierte, ohne dass es zu einem unnatürlichen Klang kam. Vor allem über die drei Frontboxen wandernde Dialoge lösen sich besser von den Lautsprechern. Für unseren Geschmack könnte aber auch die sanftere der beiden Audyssey-Zielkurven „Reference“ einen Tick bassfülliger und weniger höhenbetont aufspielen – aber das ist Jammern auf höchstem Niveau. Gut gelungen finden wir die Schaltungen Dynamic EQ und Dynamic Volume, die den Klang bei leiser Wiedergabe durch lautstärkeabhängiges Anheben der Bässe und Höhen sowie passende Dynamikreduktion verbessern. Die Audyssey-LFC-Schaltung, die das Durchdringen wummernder Bässe zum Nachbarn minimieren soll, kann erwartungsgemäß keine Wunder vollbringen: Denn in dem Maß, wie die Bässe im Nachbarraum leiser werden, scheinen sie auch im Hörraum zu fehlen.    

Tonqualität Stereo

Nach der Korrektur der leicht abweichenden Distanzwerte für linken und rechten Lautsprecher verwöhnt uns das Duo mit einem Stereo-Sound, wie er besser nicht sein könnte: Insbesondere Besitzer großer Standboxen kommen im Pure-Direct-Modus, bei dem alle DSP-Schaltungen inklusive Bassmanagement inaktiv sind, in den Genuss eines so kristallklaren  Klangs, wie ihn reinrassige Stereo-Verstärker nicht besser zaubern können. Der sparsam mit Gesang und Akustikgitarre instrumentierte Song „Birds“ von Emiliana Torrini baut dann eine fantastische Nähe auf, egal ob die Zuspielung über HDMI oder den optischen Eingang erfolgt. (fg)

MarantzAV7702Front2x

marantz-wertung

AuVi_AWARD-Referenz

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Marantz AV 7702 / MM 8077 (Gesamtwertung: 93, Preis/UVP: 4000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

93 sehr gut

Die Kombination aus der Vorstufe AV 7702 und den hauseigenen Endstufen ist aufgrund ihrer Leistung und den unzähligen Einstellmöglichkeiten kaum zu toppen. Mühelos spielt sie sich mit ihrem kraftvoll-nuancierten Klang in unsere Referenz-Liga.

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