Hisense LTDN 50 K 321 UWTSEU (Test)

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Fernseher aus dem Reich der Mitte genießen bei Cineasten nicht gerade einen guten Ruf. Der chinesische TV-Gigant Hisense möchte das mit einer Qualitätsoffensive ändern. So verspricht die neue K321-Serie ein „kristallklares UHD-Erlebnis für Zuhause“. Wir haben den 50-Zöller getestet.

Ausstattung und Praxis

hinsense_pcFast zwei Jahre ist es her, als Hisense mit dem LTDN 58 XT 880 XWSEU 3D sein Debüt in der audiovision gab – und nur knapp an einem „Ausreichend“ vorbeischrammte. Der Nachkomme mit der ebenfalls zungenbrecherischen Modellbezeichnung LTDN 50 K 321 UWTSEU macht aber einiges besser. So verfügt er über vier HDMI-Eingänge, von denen immerhin zwei die 4K-60p-Zuspielung (HDMI 2.0) sowie den HDCP-2.2-Kopierschutz beherrschen. Zudem wurde die Bildwiederholfrequenz beziehungsweise „Smooth Motion Rate“ von 600 auf 800 Hertz erhöht. Die 3D-Funktion fiel zwar dem Rotstift zum Opfer, was einige Punkte kostet. Dafür kommen nun aber Bildtüftler in den Genuss detaillierterer Einstellmöglichkeiten zur Anpassung der Farbe und des Weißabgleichs.

Online-Zugang: Die Internet-Dienste Netflix und YouTube sind direkt über Tasten auf der Fernbedienung abrufbar. Ansonsten bietet sie aber keine Extras wie Bewegungs- oder Sprachsteuerung.

Online-Zugang: Die Internet-Dienste Netflix und YouTube sind direkt über Tasten auf der Fernbedienung abrufbar. Ansonsten bietet sie aber keine Extras wie Bewegungs- oder Sprachsteuerung.

Auch optisch hat Hisense die Menüs überarbeitet, wobei uns das alte Registerkarten-Design eigentlich besser gefällt – zumal die Navigation in Anbetracht der gestrichenen Grafiken nicht spürbar flüssiger vonstatten geht. Erfreulicherweise präsentiert sich der Startbildschirm etwas aufgeräumter und moderner als bisher. Hier prangt endlich das YouTube-Symbol, welches jedoch offenbar nicht mit der App verknüpft ist. Diese kann man nämlich bloß über die Direkttaste der Fernbedienung öffnen, nur um anschließend Videos in 720p-Qualität serviert zu bekommen. Darüber tröstet allerdings der 4K-fähige Mediaplayer hinweg: Er spielt über USB und Netzwerk nahezu alle UHD-Clips respektive Dateiformate inklusive HEVC korrekt ab; bravo! Die Auflösung mancher Fotos wiederum wird aus unerklärlichem Grund reduziert.

Echte Kritik gibt es für den Tuner: Zum einen gestalten sich die Konfiguration und der Suchlauf unnötig kompliziert, zum anderen spuckt er eine praktisch unbrauchbare, weil alphabetisch sortierte Senderliste aus. Zudem fanden wir keine Möglichkeit, die Reihenfolge der Sender individuell festzulegen – außer mit Hilfe eines PC. Zudem lässt der USB-Recorder einen flexiblen Aufnahme-Timer vermissen; die Planung gelingt ausschließlich über den elektronischen Programmführer und nur sieben Tage im Voraus. Wer angesichts dieser Unzulänglichkeiten Filme und Serien lieber online streamen möchte, muss übrigens mit Netflix vorliebnehmen.

Die Zehn-Watt-Lautsprecher punkten mit guter Sprachverständlichkeit sowie hoher Maximallautstärke. Nichtsdestotrotz verfärben sie ziemlich schnell und klingen bei Musik blechern.

Halb und halb: Zwei von vier HDMI-Eingängen beherrschen den aktuellen 2.0-Standard. Die Rückseite an sich wirkt aufgeräumt und lässt keine wichtigen Anschlüsse vermissen.

Halb und halb: Zwei von vier HDMI-Eingängen beherrschen den aktuellen 2.0-Standard. Die Rückseite an sich wirkt aufgeräumt und lässt keine wichtigen Anschlüsse vermissen.

Bildqualität

Auf den ersten Blick liefert der 50-Zöller knackige Bilder. Zu verdanken hat er das nicht zuletzt seinem Hochglanz-Finish: Bei geschickter Aufstellung wirkt das relativ stark spiegelnde, allerdings recht dunkel eingefärbte Panel mit einem Hellraumkontrast von 626:1 gleichermaßen plastisch und brillant. Auch die Bildhomogenität und die allgemeinen Kontrastwerte überzeugen: Im Preset „Kino“, das einzige mit nahezu neutraler Farbtemperatur, steigern sie sich von 443:1 (ANSI-Kontrast im Schachbrett) über 1.165:1 (EBU) bis auf satte 2.748:1 in einem kleinen Weißfeld vor schwarzem Hintergrund. Hinzu kommt eine geringe Blickwinkelabhängigkeit, wie sie bei derart kontraststarken Displays eher selten vorzufinden ist.

Was soll das? Die alphabetische Sendersortierung des Hisense-Tuners ist alles andere als praxisgerecht. Ferner sind TV-Aufnahmen nur über den EPG programmierbar.

Was soll das? Die alphabetische Sendersortierung des Hisense-Tuners ist alles andere als praxisgerecht. Ferner sind TV-Aufnahmen nur über den EPG programmierbar.

Befremdlich: Die Anzahl an namhaften Smart-TV-Apps wie Netflix ist überschaubar. Dafür gibt es etliche Dienste, von denen wir noch nie gehört haben.

Befremdlich: Die Anzahl an namhaften Smart-TV-Apps wie Netflix ist überschaubar. Dafür gibt es etliche Dienste, von denen wir noch nie gehört haben.

Ungeahnte Fähigkeiten: Der Mediaplayer des Hisense LTDN 50 K 321 überrascht mit einer breiten Formatunterstützung, auch Ultra-HD-Videos stellen kein Problem dar.

Ungeahnte Fähigkeiten: Der Mediaplayer des Hisense LTDN 50 K 321 überrascht mit einer breiten Formatunterstützung, auch Ultra-HD-Videos stellen kein Problem dar.

Auf den zweiten Blick leistet sich der LTDN 50K 321 leider einige Farbabweichungen bei Rot sowie bei blaugrünen Mischfarben. Gegenüber dem eingangs erwähnten Bruder der XT880-Serie schneidet er zwar deutlich besser ab, dennoch verschenkt Hisense aufgrund ungenauer Voreinstellungen das eigentlich vorhandene Potenzial für natürlichere und intensivere Farben (Näheres im Kasten oben). Die dynamische Steuerung des Edge-LED-Backlights wirkt in düsteren Filmszenen mit kleinräumigen Spitzlichtern wie eine Stromsparschaltung. Infolgedessen geht die maximale Leuchtkraft von 411 Candela im Bildmodus „Sport“ beziehungsweise 245 Candela in „Kino“ auf knapp ein Drittel zurück.

Beim letzten Test in audiovision 1-2014 verfehlte der Hisense LTDN 58 XT 880 vor allem rote Farben deutlich und machte einen insgesamt unausgereiften Eindruck: Durchschnittliche Delta-E-Abweichungen von 9,3 und 9,0 bei Farben beziehungsweise Graustufen bescherten ihm null Punkte im Labortest. Im Vergleich hat der LTDN 50 K 321 UWTSEU aufgeholt und trifft die Farbnorm im Bildmodus „Kino“ jetzt besser. Wenn wir uns dennoch etwas von Hisense wünschen dürften, wären es kürzere Modellnamen und eine Überarbeitung der voreingestellten Presets.

Andere Bildmodi – von „Standard“ (10.400 Kelvin) bis „Dynamisch“ (13.000 Kelvin) – wirken recht unterkühlt und zeigen Blau, Cyan sowie Magenta mit starkem Farbstich. Der neutralste Bildmodus „Kino“ bildet zwar Graustufen recht neutral (6.660 Kelvin) und mit guten Delta-E-Werten ab, leistet sich aber ausgerechnet bei Rot wieder größere Abweichungen. Die Farbe wirkt zu dunkel sowie zu schwach gesättigt und liegt mit einem Delta-E von 10,5 weit daneben. In der ausführlichen Messung aller Farben weichen zudem auch blaue und blaugrüne Zwischentöne stark ab.

Mit größerer Sorgfalt könnten die Entwickler mehr aus dem Display herausholen. Denn im blaustichigen Bildmodus „Spiel“ trifft der Hisense die Farben Grün und vor allem Rot (Delta-E liegt jetzt bei 2,9) weitaus besser; nun aber verfehlen Gelb sowie blaue Grund- und Mischfarben das Ziel. Separate Regler für die Farbtemperatur und das Farbmanagement helfen hier Bildtüftlern, um im Team mit digitalen Farbmesssystemen natürlichere Farben einzustellen. Im Preset „Kino“ hebt man Helligkeit und Sättigung von Rot an, im Modus „Spiel“ korrigiert man den Farbton von Gelb und Cyan.

Die Blickwinkelabhängigkeit zählt hingegen zu den Stärken des UHD-Displays von Hisense. Aus seitlicher Perspektive von 45 Grad verliert es nur rund 35 Prozent an Helligkeit und auch die Farben bleichen kaum aus.

Ausführliche Farbmessung: Im Bildmodus „Kino“ weichen blaugrüne Mischfarben und Rot immer noch deutlich von der HDTV-Farbnorm BT.709 ab.

Ausführliche Farbmessung: Im Bildmodus „Kino“ weichen blaugrüne Mischfarben und Rot immer noch deutlich von der HDTV-Farbnorm BT.709 ab.

Bildregler für Tüftler: Im Menü „Farbtoner“ lassen sich die Farben im Bildmodus „Kino“ optimieren und etwa Rot deutlich besser als ab Werk einstellen.

Bildregler für Tüftler: Im Menü „Farbtoner“ lassen sich die Farben im Bildmodus „Kino“ optimieren und etwa Rot deutlich besser als ab Werk einstellen.

Die Bewegungsschärfe bei Sportübertragungen lässt zu wünschen übrig und verschmiert. Hier zeigt die dreistufige Glättungsschaltung „Gleichmäßige Bewegung“ – anders als bei Kinostreifen – keine Wirkung. Unabhängig davon werden dank des abschaltbaren Overscans sowohl SD- als auch HD-Sender scharf durchgezeichnet. Bei 24p-Material muss man sich zwischen einer ruckelnden Wiedergabe und einem flüssigen Videolook entscheiden.

1.200 Euro: Hisense offeriert mit dem LTN 50 K 321 (UWTSEU) einen gut ausgestatteten UHD-Fernseher für relativ wenig Geld. Die Preisdifferenz zum kleinen und großen Bruder mit 40 bzw. 55 Zoll Diagonale beträgt jeweils 300 Euro.

1.200 Euro: Hisense offeriert mit dem LTN 50 K 321 (UWTSEU) einen gut ausgestatteten UHD-Fernseher für relativ wenig Geld. Die Preisdifferenz zum kleinen und großen Bruder mit 40 bzw. 55 Zoll Diagonale beträgt jeweils 300 Euro.

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Der Testbericht Hisense LTDN50K321 (Gesamtwertung: 64, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

64 befriedigend

Profis können aus dem LTDN 50 K 321 einiges an Bildqualität herauskitzeln. Lobenswert sind der satte Kontrast und die hohen Helligkeitsreserven. Leider verschenkt Hisense aufgrund der dürftigen Werkseinstellungen und dem fehlenden 3D wertvolle Punkte.

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