Panasonic TX-65 CRW 854 (Test)

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Der TX-65 CRW 854 bildet die Speerspitze von Panasonics aktueller LCD-Generation. Zwar muss man gegenüber den Top-Serien AXW 904 und XW 944 (Test in audiovision 4-2015 bzw. 3-2015) einige Abstriche hinnehmen, doch spielt das Curved-Flaggschiff seine Trümpfe besser aus.

Ausstattung und Praxis

PAN-pcPrahlten die Japaner bei ihrer bisherigen TV-Elite mit einer utopischen Bildwiederholfrequenz jenseits von 2.000 Hertz, die sich letztendlich als Farce entpuppte, geht es der CRW 854 mit 1.600 Hertz („Backlight Motion Rate“) etwas ruhiger an. Leider gilt das auch für die THX-Zertifizierung sowie die isf-Kalibrieroption, denn diese Features wurden gestrichen, während sie der günstigere CXW 804 (mit Ausnahme des 40-Zöllers) behält. Immerhin können Cineasten nach wie vor auf das vorbildliche

Der Alu-Fernbedienung mit beleuchtete Tasten legt Panasonic den handlichen Touchpad-Controller zur Seite. Die Oberfläche in Leder­optik sieht edel aus, fühlt sich aber wie Gummi an.

Der Alu-Fernbedienung mit beleuchtete Tasten legt Panasonic den handlichen Touchpad-Controller zur Seite. Die Oberfläche in Leder­optik sieht edel aus, fühlt sich aber wie Gummi an.

Farbmanagement zurückgreifen, obgleich für unseren Geschmack fast schon zu viele Einstellmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Außerdem sind einige Regler in Untermenüs verborgen. Im Gegensatz zu den anderen Testkandidaten kommt der Panasonic ohne Nanokristalle respektive Quantum Dots aus und setzt statt­dessen auf „Studio Master Colour“. Dahinter steckt die „Wide Colour Phosphor“-Technologie, die in Verbindung mit dem Full-LED-Backlight über 90 Prozent des DCI-Farbspektrums abdeckt. Der „4K Studio Master“-Bildprozessor gewährleistet dabei die Verarbeitung von HDR-Inhalten, was allerdings ein Firmware-Update erfordert.

Das Firefox-Betriebssystem selbst lässt keine Wünsche offen: Die Oberfläche besticht mit einem übersichtlichen Aufbau samt hübschen Grafiken und dank des „Quad-Core Pro“-Prozessors durch eine flüssige Navigation. Sie kann sogar individualisiert werden, indem man seine Lieblingssender oder -Apps per „Option“-Taste an die Startseite pinnt („my Home Screen 2.0“). Smart-TV-Freunde kommen in den Genuss unzähliger Internet-Anwendungen. Neben Online-Videotheken à la Netflix, Maxdome und Amazon Instant Video gehören auch Nachrichten-Portale, soziale Netzwerke, Musik­dienste, Spiele und der Firefox-Web-Browser zum Angebot. Den „4K Channel“ gibt es leider nicht mehr, dafür streamen nun aber YouTube und Co. in Ultra-HD-Qualität. Ferner spielt der über USB, SD-Karte und DLNA fütterbare Mediaplayer bis auf unseren HEVC-Democlip alle wichtigen 4K-Formate.

Firefox sei Dank: Das neue Betriebssystem brilliert mit einfacher Bedienung und praktischen Smart-TV-Features. Im Market stehen zahlreiche Apps zum Download bereit.

Firefox sei Dank: Das neue Betriebssystem brilliert mit einfacher Bedienung und praktischen Smart-TV-Features. Im Market stehen zahlreiche Apps zum Download bereit.

Vorbildlich: In Panasonics Geräteübersicht erscheinen nicht nur die Video- respektive HDMI-Quellen, sondern auch die verbundenen Speichermedien und Mobilgeräte.

Vorbildlich: In Panasonics Geräteübersicht erscheinen nicht nur die Video- respektive HDMI-Quellen, sondern auch die verbundenen Speichermedien und Mobilgeräte.

Die YouTube-App zeigt Ultra-HD-Videos auf Anhieb in entsprechender Qualität – eine flotte Internetverbindung vorausgesetzt. Panasonics 4K Channel wurde gestrichen.

Die YouTube-App zeigt Ultra-HD-Videos auf Anhieb in entsprechender Qualität – eine flotte Internetverbindung vorausgesetzt. Panasonics 4K Channel wurde gestrichen.

Wer neben Blu-ray-Player, Spielekonsole und Digi­cam ein viertes Gerät anschließen möchte, erlebt eine böse Überraschung: Die neuen Panasonic-Modelle besitzen bloß drei HDMI-Eingänge und haben sich zudem vom DisplayPort verabschiedet. Jedoch macht der Twin-Tuner die Settop-Box überflüssig, zumal er sämtliche Empfangswege beherrscht und die Signale mittels TV-over-IP-Technik auf Wunsch ins heimische Netzwerk einspeist.

Den Lautsprechern steht ein zusätzliches Woofer-Paar zur Seite, das dem bislang eher dürftigen Klang zu satterem Brustton verhilft. Dennoch klingen Mitten und Höhen ziemlich verwaschen.

Im Jahr 2013 hat das Auslaufen der lange von Panasonic unterstützten Plasmadisplay-Technologie noch leichte Phantomschmerzen hinterlassen. Schließlich übertrafen die letzten Plasma-TVs wie der TX-P 60 ZT 60 E (Test in audiovision 10-2013) in puncto Farbdarstellung die LCD-Modelle der WT-600-Serie aus dem gleichen Baujahr. Insbesondere rote und grüne Farben zeigten die LCD-TVs aufgrund des schmaleren Farbraums vergleichsweise flauer als ihre Plasma-Pendants mit bewährten Phosphor-Leuchtmitteln. Das änderte Panasonic aber schon bei den 2014er-Modellen durch eine neu entwickelte LED-Hintergrundbeleuchtung und die „Studio Master Colour-Technologie“. Seitdem decken die neuen LCD-Modelle im Vergleich sogar ein breiteres Farbspektrum ab (siehe CIE-Farbsegel unten).
Der Name „Studio Master Colour“-Technologie bezieht sich auf den neuen DCI-Kinostandard (Digital Cinema Initatives“), dessen erweiterten Farbraum auch der neue CRW 854 zu 98 Prozent darstellen soll. Von der ITU-R-Empfehlung für Ultra-HDTV, dem zu allen Farbachsen noch stärker erweiterten Modus BT.2020, ist bei Pana­sonic noch nicht die Rede. Im Gegensatz dazu stellt beispielsweise der Sony KD-65 X 9305 C beide Farbstandards DCI und BT.2020 sowie Adobe RGB zur Auswahl.

Vergleich mit Plasma-TVs: Panasonics 2013er LCD-TVs reichten nicht an das Farbspektrum der letzten Plasmas heran. Ab 2014 ändert das eine neue LED-Technik.

Vergleich mit Plasma-TVs: Panasonics 2013er LCD-TVs reichten nicht an das Farbspektrum der letzten Plasmas heran. Ab 2014 ändert das eine neue LED-Technik.

Akurate Farben für HDTV: Der neutralste Bildmodus „Professionell 1“ ist mit der HDTV-Farbnorm „Rec 709“ verknüpft. Er trifft die Farbmarken des CIE-Segels exakt und leistet sich nur minimale Farbabweichungen.

Akurate Farben für HDTV: Der neutralste Bildmodus „Professionell 1“ ist mit der HDTV-Farbnorm „Rec 709“ verknüpft. Er trifft die Farbmarken des CIE-Segels exakt und leistet sich nur minimale Farbabweichungen.

Die Bedienung und Aktivierung erweiterter Farbräume hat Panasonic aber nicht besonders übersichtlich gestaltet. Denn in den Bildmenüs oder den sieben vorjustierten Bildmodi (Dynamik, Normal, Kino, True Cinema, Benutzer, Professionell 1, Professionell 2) taucht der Farbstandard „DCI“ namentlich nicht auf. Die drei sehr farbneutralen Bildmodi „Professionell 1“, „Professionell 2“ und „True Cinema“ sind zunächst mit dem Farbskala-Preset „Rec. 709“ vorjustiert, passend für eine natürliche Farbdarstellung bei HDTV-Fernsehen und Blu-ray-Discs. Die Farben halten sich exakt an die heutigen Standards für HDTV, was mit einer Punktlandung der Grund- und Mischfarben sowie minimalen Delta-E-Farbabweichungen einhergeht.

Unter dem Menüpukt „Farbskala“ finden sich auch das davon nur minimal abweichende Preset „EBU“ sowie der im Farbraum sichtbar eingeschränkte Modus „SMPTE-C“. Deutlich erweiterte Farben liefert schließlich der verwirrenderweise „natürlich“ bezeichnete Modus: Er lässt Lippen intensiv dunkelrot statt blass erscheinen und auch Magenta und Grün strahlen extrem satt. Gut gefällt uns diese Einstellung für knallige Animationsstreifen beziehungsweise ebenso farbenprächtige Fantasy-Filme wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“.

Vier Modi zur Wahl: Im erweiterten Bildmenü liefert nur der Modus „natürlich“ einen deutlich erweiterten Farbraum. Rot, Magenta und Grün wirken satter, intensiver und weniger blass, passend für den DCI-Standard.

Vier Modi zur Wahl: Im erweiterten Bildmenü liefert nur der Modus „natürlich“ einen deutlich erweiterten Farbraum. Rot, Magenta und Grün wirken satter, intensiver und weniger blass, passend für den DCI-Standard.

Soll der Effekt jedoch weniger plakativ ausfallen, empfehlen wir das normale Farbskala-Preset „Rec. 709“ und einen Besuch des Menüs „Farb-Remastering“. Neben dem farbintensiven Modus „Hoch“ (vergleichbar mit der Einstellung „Farbskala natürlich“) ermöglicht hier der Modus „Niedrig“ eine deutlich dezentere Wirkung mit nur leicht erweiterten Farben.

4.500 Euro: Der TX-65 CRW 854 ist das bislang teuerste 2015er-Modell von Panasonic. Entsprechend luxuriös präsentiert er sich optisch wie technisch. Im 55-Zoll-Format kostet das Curved-Flaggschiff 1.300 Euro weniger.

4.500 Euro: Der TX-65 CRW 854 ist das bislang teuerste 2015er-Modell von Panasonic. Entsprechend luxuriös
präsentiert er sich optisch wie technisch. Im 55-Zoll-Format kostet das Curved-Flaggschiff 1.300 Euro weniger.

PAN-ideal

Bildqualität

Wer sagt, dass ein Fernseher aufrecht stehen muss? Panasonic jedenfalls nicht, denn das Curved-Flaggschiff ist – anders als die günstigeren Brüder der Prime- und Next-Reihe – dezent nach hinten geneigt. Das beschert dem Zuschauer bei bodennaher Aufstellung zwar einen optimalen Blickwinkel, auf Augen­ebene oder höherer Position treten dafür leichte perspektivische Verzerrungen auf. Außerdem büßt das Bild bei dezentraler Betrachtung an Helligkeit ein. Selbstverständlich hat der 65-Zöller auch seine Stärken. Diese demonstriert er vor allem im Modus „Professionell 1“, der sich im Vergleich zu dem ebenfalls hervorragend abgestimmten „True Cinema“ durch noch neutralere Farbnuancen auszeichnet. Wie im Kasten erklärt, sollte man die zahlreichen Regler à la „Colour Management“ oder „Farb-Remastering“ mit Bedacht einsetzen beziehungsweise meiden.

Verkettet: Am Ende eines Menüs springt der Panasonic nicht wieder zurück an den Anfang, sondern direkt zum nächsten. Diese Navigation erfordert eine Eingewöhung.

Verkettet: Am Ende eines Menüs springt der Panasonic nicht wieder zurück an den Anfang, sondern direkt zum nächsten. Diese Navigation erfordert eine Eingewöhung.

Die Lichtreserven liegen mit 164 Candela standardmäßig auf passablem Niveau und können bei Bedarf verdoppelt werden; das (zu kühle) Dynamik-Preset gestattet in der Spitze sogar satte 531 Candela pro Quadratmeter. An der Ausleuchtung sollte Panasonic aber noch feilen: Einerseits dunkeln die Ecken ab, andererseits hellt sich das Bild oben und unten dezent auf. Dies deutet auf eine eher geringe Zahl an Local-Dimming-Zonen, wie wir beim eingangs erwähnten TX-65 AXW 904 herausgefunden haben. Auch beim CRW 854 klettert im schwarzen Testbild mit mittigem Zwei-Prozent-Weißfeld der Kontrast an den Seiten von 1.900:1 auf 3.750:1. Nichtsdestotrotz verbessert die adaptive Backlight-Steuerung die Differenzierung sichtbar und sorgt in düsteren Szenen für mehr Plastizität und Tiefe. Der ANSI- sowie EBU-Wert fällt mit 424:1 respektive 832:1 deutlich größer aus als bei den bisherigen Top-Modellen. Die Probleme mit der 24p- und Bewegungsdarstellung gehören seit dem CXW 704 (audiovision 5-2015) der Vergangenheit an.

Leider steht die Option „1080p: Punkt auf 4Punkt“, die den Schärfeeindruck erhöht, in der dritten Dimension nicht zur Verfügung. Folglich lässt das 3D-Bild einen gewissen Punch vermissen. Die Shutter-Brillen sind separat erhältlich.

Knapp bemessen: Panasonic spendiert dem CRW 854 nur drei HDMI-Eingänge, der DisplayPort wurde ersatzlos gestrichen. Die TV-Funktionen mit Sat-over-IP gefallen.

Knapp bemessen: Panasonic spendiert dem CRW 854 nur drei HDMI-Eingänge, der DisplayPort wurde ersatzlos gestrichen. Die TV-Funktionen mit Sat-over-IP gefallen.

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PAN-tabelle

Der Testbericht Panasonic TX-65 CRW 854 (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 4500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

84 sehr gut

Der Panasonic TX-65 CRW 854 empfiehlt sich dank seiner umfangreichen Empfangsmöglichkeiten vor allem für TV-Freunde. Das Bild wirkt in dunklen Bereichen zwar etwas fleckig, entschädigt aber mit erstklassigen Farben, sattem Kontrast und hoher Detailschärfe. Beim Klang gibt es Luft nach oben.

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