Onkyo TX-NR 838 (Test)

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Onkyo TX-NR 838 – AV-Receiver für 1.200 €

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €Als erster Receiver bietet Onkyos neuer THX-Select-Receiver TX-NR 838 nicht nur HDMI 2.0, sondern akzeptiert den für UHD wichtigen Kopierschutz HDCP 2.2.

Der TX-NR 838 ist dank seiner innovativen HDCP-2.2-Unterstützung (Kasten rechts), wofür es von uns gleich mal das entsprechende Prädikat gibt, für die Ultra-HD-Zukunft besser gerüstet als sein Vorgänger (Test in audiovision 9-2013). An anderer Stelle bekommt der Käufer hingegen weniger: So fehlt der Audio-Equalizer, was wertvolle Punkte kostet.

Ausstattung & Praxis

Mit der sanft nach unten gleitenden Metallklappe erscheint die Front des in Schwarz und Silber erhältlichen Receivers edel und aufgeräumt. Nur das beleuchtete Volume-Rad dreht sich für unseren Geschmack etwas leichtgängig. Die Lautstärke lässt sich aber dank 200 Stufen feinfühlig dosieren. Bei den Anschlüssen verdienen der Phono-Eingang und die elf Boxen-Terminals Beachtung – maximal sieben Lautsprecher können gleichzeitig aufspielen. ProLogic IIz, DSP-Effekte und per im September erscheinendem Firmware-Update sogar Dolby Atmos (mehr auf Seite 51) erweitern den Filmton mit Effektkanälen. Bi-Amping und die unabhängige Beschallung eines zweiten Raums (mit analogen Audioquellen) sind ebenfalls möglich.

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 € 
Kompakt: Die Fernbedienung liegt gut in der Hand,
die Optik wirkt durch die vielen und
klein beschrifteten Tasten etwas unaufgeräumt.
 

An Technik-Highlights bietet der Onkyo diskret konstruierte Vor- und Endstufen, die von einem leisen 120-Millimeter-Lüfter gekühlt werden. Zwei 15.000 Mikrofarad-Glättungselkos und ein „Hochstromfähiger“-Trafo gewährleisten eine stabile Stromversorgung aller Komponenten. Im „Pure-Direct“-Modus werden analoge Quellen wie Schallplattenspieler ohne dazwischenliegende AD-Wandlung verstärkt. Die Basis für präzisen Surround-Klang stellt das feinschrittige Boxen­setup von einem halben Dezibel respektive drei Zentimetern sicher. Praktisch: Dank der umschaltbaren Subwoofer-Phase kann man vom Hörplatz aus kontrollieren, welche Einstellung den kräftigeren Bass liefert. Bei der Einmess-Automatik vertraut Onkyo nicht mehr wie beim Vorgänger auf Audyssey, sondern auf sein eigenes System namens AccuEQ, das sich neben den Grundeinstellungen um die Optimierung des Frequenzgangs kümmert. Zur Klang­anpassung stehen leider nur Bass/Höhen-Regler für die Frontboxen zur Verfügung.

Beim Bedienkomfort ist positiv anzumerken, dass sich alle Einstellungen auch über die Anzeige am Gerät durchführen lassen. Das Bildschirm­menü könnte etwas aufgeräumter sein und schneller reagieren. Außerdem wäre ein vollständiges Handbuch und nicht nur eine 22-seitige Kurzanleitung schön. 

 

Video und Multimedia

Wunschlos glücklich macht uns der Onkyo in Sachen Video, weil er sämtliche 4K-Signale in Empfang nimmt, niedriger aufgelöstes Video mit guter Qualität hochskaliert und als einer der ersten Receiver den neuen Kopierschutzstandard HDCP 2.2 beherrscht. Der Video-Equalizer ist außerdem ein echter Problemlöser: So gibt es fünf Bildformate, die sich als nützlich erweisen, wenn der TV bei 1080p-Zuspielung keine Formatumschaltung mitbringt. Die 100-stufige Anpassung von Helligkeit und Kontrast ist ebenfalls praktisch, falls zum Beispiel der Projektor kein Ultraweiß darstellen kann. In dem Fall kann man den Kontrast entsprechend reduzieren, so dass alle Details sauber durchgezeichnet werden. Eine Besonderheit sind die Ausgabeauflösungen von 1.680 x 720 und 2.560 x 1.080 für exotische 21:9-Displays.

Per USB- und Netzwerk (DLNA) spielt der Receiver zahlreiche Audiodateiformate wie ALAC, AAC, DSD, FLAC, MP3, OGG, WAV und WMA ab. Außerdem gibt es Bluetooth für die drahtlose Audio­wiedergabe vom Handy. WLAN, diverse Musik­-Apps wie Spotify, Deezer und Aupeo (Kasten nächste Seite) sowie ein Internet-Radio (mehr dazu auf Seite 40) runden die Multimedia-Ausstattung ab. Einzig Apple-Nutzer gucken noch immer in die Röhre, da sie für AirPlay eine separate Dockingstation (DS-A5) erwerben müssen, die rund 180 Euro kostet.    
 

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 € 
  Flexibel: Der Onkyo gestattet individuelle Bass-Entlastungs-Einstellungen je Lautsprecherpaar.

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 € 
  Besonderheit: Beim Onkyo TX-NR 838 kann man den LFE-Pegel für jedes
Tonformat (Dolby TrueHD, DTS-HD Master Audio etc.) individuell einstellen.

 

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €
Der Info-Bildschirm liefert viele Details zu den ein- und ausgehenden HDMI-Signalen.

 

Auf neuestem Stand: 4k, 60p und hdcp 2.2

Wer einen neuen AV-Receiver von Onkyo kauft, darf sich in Sachen Ultra-HD beruhigt zurücklehnen: Die Modelle TX-NR 636, 737 und 838 sind nämlich die ersten AV-Receiver, die mit Silicon Image-Chips vom Typ Sil9679 bestückt sind. Nur diese verarbeiten HDMI-Sig­nale mit 4.096 x 2.160 Pixel bei 60 Hertz sowie HDCP 2.2. Die Onkyos sind somit für die in den nächsten Jahren kommenden 4K-Filme gerüstet. Egal, ob sie per Internet, Satellit oder Blu-ray nach Hause kommen, ohne den neuen Kopierschutzstandard wird wenig gehen. Die Konkurrenz kommt mit den ersten HDCP-2.2-Receivern voraussichtlich im Herbst auf den Markt. 

 

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 € 
 Volle Unterstützung für „UltraHD“ verspricht prominent ein Aufkleber an der Metallklappe des Onkyo.

 

 

Tonqualität Surround

Ein Stromsparer ist der Onkyo angesichts eines Leerlauf-Verbrauchs von knapp 90 Watt nicht, dafür punktet er mit Leistung satt und überflügelt seinen Vorgänger TX-NR 828. Am deutlichsten fällt das Leistungsplus bei Stereo aus: Der TX-NR 838 befeuert Vier-Ohm-Boxen mit jeweils 222 statt 176 Watt. Wenn fünf oder sieben Endstufen an vier Ohm unter Volldampf arbeiten, erzielt der Verstärker eine Gesamtpower von über 700 Watt. Das dann entfachte Akustik-Inferno dürfte nicht nur für mittelgroße Heimkinos gemäß „THX Select2 Plus“, sondern auch für die ganz großen Home Cinemas genügen. Mit dem tiefbassstarken Dolby True HD-Trailer „Spheres“ brachte der Receiver die Deckenplatten unserer Redaktionsräume jedenfalls ordentlich zum Klirren – und das ohne Unterstützung durch einen Aktiv-Subwoofer.

Der Onkyo ist  nicht nur stark, sondern leitet die Bassanteile des Subs sowie Center und Surround-Boxen auch korrekt auf die groß eingestellten Frontboxen um. Der zuschaltbare „Phase Matching Bass“-Effekt sorgt bei den meisten Discs und Tonspuren für einen spürbar satteren Bass. Der Klang wirkt dabei stets souverän, egal ob krawalliger Filmton á la „Iron Man 3“ oder diffizil arrangierte Stücke wie „Janie Runaway“ von Steely Dan auf dem Programm stehen. Im zweiten Hördurchgang lauschten wir mit Subwoofer und Einmessung. Wie beim kleineren 636 erschien der Sound erst zu bassbetont, weil nach der Einmessung der Sub zu laut aufspielte. Auf das richtige Maß reduziert, kommt vor allem mit dem „AccuEQ“ ein ausbalancierter und harmonischer Klang zustande: Surround und Center harmonieren besser mit den unbearbeiteten Frontboxen, wodurch sich eine einhüllende Surround-Wirkung entfaltet. Der EQ korrigiert dabei effektiv und lässt Sprache wie Musik natürlich klingen.     

Tonqualität Stereo

Im Stereo-Betrieb musiziert der Onkyo ausgewogen und neutral, egal ob man CDs per HDMI oder optischen Eingang lauscht. Für korrekte Räumlichkeit und stabile Stereo-Mitte ist aber wichtig, dass für Links und Rechts identische Distanzwerte eingestellt sind. Der EQ darf anbleiben, da er die Frontboxen ohnehin nicht bearbeitet. Für Sub-Sat-Nutzer empfehlen wir den Hörmodus „Stereo“. Bei klassischen Stereo-Boxen entfalten „Direct“ und „Pure Audio“ die beste Wirkung. 

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €
1.200 Euro: Onkyo AV-Receiver TX-NR 838.

 

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €
Volles Haus: Obwohl der Onkyo nur über sieben Endstufen verfügt,
kann man elf Lautsprecher an die Schraub­terminals anschließen.
Vier HDMI-Eingänge sind 4K-tauglich, einer versteht zudem den Kopierschutz HDCP 2.2.

Mit Aupeo auf musikalischer Weltreise

Besitzer eines Onkyo-Receivers kommen via Internet in den Genuss einer schier grenzenlosen Musikauswahl – und das zum Teil sogar gratis. Während man für die Musikstreaming-Dienste Spotify und Deezer zahlen muss, ist „Aupeo! Personal Radio“ kostenlos. Aupeo unterscheidet sich von einem Internet-Radio wie TuneIn dahin gehend, dass keine Sender oder Podcasts zur Auswahl stehen, sondern die Musik selbst mit Hilfe verschiedener Verfahren kategorisiert wird.

Bei der Artist Station etwa gibt man den Namen des Künstlers ein, für den man sich interessiert. Aupeo spielt dann ein zufällig ausgewähltes Stück des Künstlers vor. Am Bildschirm bekommt man neben dem Songtitel Albumname und Coverbild zu sehen. Mit der Skip-Taste kann man zum nächsten Lied springen, das von einem musikalisch ähnlich eingeordneten Künstler kommt. Bei der Mood Station erfolgt die Auswahl anhand von Attributen wie „Happy“, „Fun“ oder „Dramatic“. Wahlweise kann man die Vorschläge mittels Stilrichtungen weiter eingrenzen oder allein nach Genres (Aupeo Station) suchen. Schlauerweise lassen sich widersprechende Filter wie „Aggressive“ und „Schlager“ nicht kombinieren.

Im Praxistest passten die Vorschläge oft erstaunlich gut zu den Vorlieben des Nutzers. Eigenen Angaben zufolge setzt Aupeo zur Katalogisierung nicht nur auf die Personalisierung durch den Hörer, sondern auch auf einen vom Fraunhofer-Institut entwickelten Algorithmus. Dieser analysiert verschiedenste Kriterien wie Tempo und Klangfarben des Musikstücks, kombiniert sie mit Meta-Informationen und gewinnt so vollautomatisch neue, musikalisch relevante Daten.

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €

Musikvielfalt: Neben dem Webradio TuneIn bietet der Onkyo verschiedene Musikapps.
Spotify und Deezer sind kostenpflichtige Angebote, Aupeo funktioniert dagegen
ohne Anmeldung. Pandora funktioniert hierzulande nicht.


 

Fazit

Mit der Unterstützung von HDCP 2.2 und dem neuen Dolby-Atmos-Tonformat markiert der Onkyo TX-NR 838 derzeit die technologische Speerspitze bei den AV-Receivern. Darüber hinaus klingt er auch verdammt gut. In den Kategorien „Praxis“ und „Ausstattung“ ist hingegen noch Luft nach oben.   Florian Goisl

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Onkyo TX-NR 838 - AV-Receiver für 1.200 €

 

 

 

 

 

Der Testbericht Onkyo TX-NR 838 (Gesamtwertung: 82, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2014 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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