Microsoft XBOX ONE (Test)

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Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 Euro

Microsofts neue Spielkonsole bietet außergewöhn­liche Extras wie die Einbindung des TV-Bildes in die Xbox-One-Menüoberfläche – leider mit ruckelnder 60-Hertz-Ausgabe.

Apps nur gegen Aufpreis

Wenn man bedenkt, dass Internet-Apps wie YouTube schon in 100-Euro-Blu-ray-Playern selbstverständlich sind, dürfte Microsofts Entscheidung, für den Zugang bei einer 500 Euro teuren Spiel­konsole Geld zu verlangen, bei nicht wenigen auf Unverständnis stoßen. Fairerweise muss man einräumen, dass das „Gold-Konto“, welches fünf Euro im Monat kostet, nicht nur den App-Zugang ermöglicht, sondern auch andere Vorteile bietet: Dazu gehören unter anderem Rabatte beim Spiele-Kauf oder die Möglichkeit, mit anderen Xbox-One-Besitzern über das Internet zu spielen. Außerdem bekommt man einen Programmführer für die TV-Funktion, die wegen des ruckelnden 60-Hertz-Bildes derzeit aber kaum Mehrwert bringt.

Die teuer erkauften Internet-Apps sind nicht besser als von Smart-TVs gewohnt: Neben You­Tube (immerhin in Full-HD), Skype, Zattoo und Watchever gibt es spezielle Microsoft-Apps wie den Internet-Browser Explorer, den Cloudspeicher-Dienst Skydrive sowie die On-Demand-Dienste Xbox Video und Xbox Music, für die allerdings weitere Kosten anfallen. Bevor sich Audio-CDs abspielen lassen, muss der Xbox CD-Player heruntergeladen werden, der mit einer hübschen Album-Coveranzeige verwöhnt. Die Konsole ist mit drei USB-Buchsen ausgerüstet, doch wie bei der PS4 kann man darüber keine Multimedia-Dateien abspielen. Das Laufwerk verweigert sich auch selbstgebrannten DVDs und Blu-rays sowie 3D-Blu-rays. Auch die Einbindung ins heimische Netzwerk via DLNA ist nicht möglich, zumindest soll das Musik-Streamen von PCs mit Windows 7 und 8 auf die Xbox One klappen. Trotzdem stand selten in unserer Bewertungstabelle so oft ein „nein“ wie bei der Xbox One.

Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €
Hübsch aber teuer: Den Zugang zu Filmen, Musik und
vielen Apps wie YouTube gibt es nur gegen Aufpreis.

Praxis und Bedienkomfort

Im Energiesparmodus dauert das Starten mit gut einer Minute unerträglich lange. Im Leerlaufbetrieb zieht die Xbox One bereits 73 und beim Abspielen einer Blu-ray knappe 100 Watt aus dem Stromnetz. Immerhin kühlt der Lüfter mit 27 Dezibel leiser als bei der Playstation 4 (30 Dezibel), wobei das Laufwerk gelegentlich Zirp-Geräusche von sich gibt. Das Menü-Design mit unterschiedlich großen Kacheln lehnt sich an Windows 8 an, was gar nicht mal schlecht ist. Mit dem kabellosen Gamepad lassen sich die bunten Rechtecke, die jeweils Funktionen starten, flott und bequem bedienen. Auf die Steuerung per Sprachbefehl kann man da getrost verzichten. DVDs und Blu-rays würden sich mit einer herkömmlichen Fernbedienung zwar bequemer steuern lassen, doch wenn man die Tastenbelegung des Controllers verinnerlicht hat, kommt man gut zurecht. Letzterer ist im Gegensatz zu dem der PS4 mit zwei Mignon-Batterien bestückt.

Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €
Klares Design: Die bunten Kacheln erinnern an das
Design von Microsofts PC-Betriebssystem Windows 8.

Geht der Strom zur Neige, kann man die Konsole mit Hilfe eines optional erhältlichen Micro-USB-Kabels auch bei leeren Batterien bedienen. Suchlauf und Kapitelsprünge gehen weniger flüssig als bei der Konkurrenz-Konsole aus Fernost von der Hand, und sogar der Layerwechsel macht sich wie bei früheren DVD-Playern durch ein kurzes Standbild und eine Ton-Unterbrechung bemerkbar. Dafür wartet Microsoft mit den besseren Infos auf. Während die Playstation nur Video- und Audiocodec verrät, blendet die Microsoft-Konsole auch Datenraten von DVDs und Blu-rays ein.

Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €
Die Info-Einblendung liefert unter anderem
Video- und Audioraten der eingelegten Blu-ray.

Völlig unverständlich ist hingegen, warum die Konsole die HD-Ton-Bitstream-Ausgabe nicht ermöglicht – etwas, das selbst billigste Blu-ray-Player seit vielen Jahren beherrschen. Stattdessen wandelt sie Dolby TrueHD und DTS-HD in PCM oder DTS. So kann es passieren, dass man beim Wechsel der Tonwiedergabe über den Fernseher und Receiver das Tonformat umschalten muss: Im Test führte die Einstellung PCM 7.1 dazu, dass bei Mehrkanal-Soundtracks der Fernseher nur den linken und rechten Frontkanal wiedergab, während die im Center gemischten Dialoge erst nach Umschaltung auf Stereo hörbar wurden.

Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €

HDMI-Tonoptionen: HD-Soundtracks gibt die Xbox im 7.1-PCM-Format
aus oder als 5.1- oder Stereo-Downmix.

Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €

Im Gegensatz zur Playstation 4 besitzt die Xbox One auch
einen HDMI-Eingang. Die drei USB-Ports (einer sitzt seitlich) lassen
sich derzeit nicht für die Mediawiedergabe nutzen.

 

 

Bildqualität Blu-ray und DVD

Kommentierte Testbilder zur Optimierung von Overscan, Helligkeit, Kontrast, Farbton und Farbsättigung zeigen, dass den Entwicklern gute Bildqualität am Herzen liegt. Bei 24p-Blu-rays gibt es an der Qualität auch nichts zu bemängeln: Schärfe, Farben und Durchzeichnung ultrasch­warzer und ultraweißer Bildinhalte gelingen einwandfrei. Die HDMI-Einstellungen fallen sparsamer als bei der PS4 aus: So fehlt die 1080i-Ausgabe, die gegen Bildaussetzer bei langen Kabeln hilft. Neben Auflösung (480p, 720p, 1080p) und Farbtiefe (24, 30, 36 bit) lässt sich der Wertebereich des HDMI-RGB-Signals (Begrenzt, Voll) einstellen. Bildregler sowie eine manuelle YCbCr/RGB-Umschaltung sind wie bei der PS4 Mangelware.

Größtes Bild-Manko ist aber die fehlende 50-Hertz-Ausgabe. Die Xbox One zeigt 50-Hertz-Material mit 60 Hertz, was zu Stottern in gleichmäßigen Bewegungen führt. Klingt schlimm, ist es auch – und die DVD-Wiedergabe eigentlich nutzlos. Auch Blu-rays mit 50-Hertz-Material (meist Konzerte oder Dokumentationen) stottern stark. Da ist es ein schwacher Trost, dass das De-Interlacing richtig gut klappt: Weder bei TV- noch Filmmaterial fallen Treppenstufen oder Ausfransungen auf, wobei das DVD-Bild der Xbox One insgesamt weicher als das der Playstation wirkt.

 

TV-Bild über die Xbox One ausgeben

Ein Vorteil der Xbox One gegenüber der Playstation 4 ist der HDMI-Eingang, der zum Anschluss einer Settopbox vorgesehen ist. Bild und Ton des TV-Empfängers lassen sich als Vollbild oder Bild-im-Bild darstellen. Zudem soll man per Controller oder Sprachsteuerung Progammwahl und Lautstärke von Fernseher, AV-Receiver und Settopbox steuern können, was im Test aber nicht reibungslos klappte. Dazu werden die Infrarot-Dioden der Kinect-Kamera genutzt, die dann zum TV beziehungsweise zur Settopbox zeigen muss.

Die Idee mit dem eingeblendeten TV-Bild ist pfiffig, so kann man sich während Werbepausen die Zeit mit Spielen vertreiben. Leider haben die Entwickler offenbar vergessen, dass es ganze Kontinente gibt, in denen das Fernsehprogramm mit 50 statt 60 Bildern pro Sekunde ausgestrahlt wird. Weil die XBox One das Bild nur in 24 oder 60 Hertz ausgibt, ist die Funktion „Xbox TV” hierzulande erstmal für die Katz: Sobald nämlich Börsenticker durchs Bild laufen, oder sich Skispringer die Schanze hinunterstürzen, ruckelt das Bild aufs Übelste. In unseren Tests stürzte die Anwendung zudem immer mal wieder ab − das TV-Bild ist dann schwarz, auch wenn der Receiver ein Bild ausgibt. Hier hilft nur ein Neustart der Konsole. Bleibt zu hoffen, dass Microsoft die 50-Hertz-Ausgabe schleunigst nachrüstet.

Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €
Das 50-Hertz-Signal der Settop-Box wandelt die Xbox nach 60 Hertz,
wodurch das Bild stottert.
Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €
In Werbepausen kann man das TV-Bild per Fenster-Darstellung
verfolgen und andere Anwendungen starten.

 

Sony Playstation 4 – Spielkonsole für 400 €

 

Fazit:

Wie die PS4 fällt auch die Xbox One im Heimkino-Check bei ihrer Premiere durch. Derzeit überzeugt sie weder als Blu-ray-/DVD-Player noch als Media­center. Hoffen wir, dass Microsoft die gröbsten Mängel bald per Firmware-Update beseitigt.   Florian Goisl

Technische Ausstattung und Bewertung


Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €

Microsoft Xbox One – Spielkonsole für 500 €

 

 

 

 

 

Der Testbericht Microsoft XBOX ONE (Gesamtwertung: 51, Preis/UVP: 500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2014 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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