Pioneer SC-LX 76 (Test)

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Pioneer SC-LX 76 – AV-Receiver für 1.700 Euro

Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 €Der SC-LX 76 ist der zweitbeste AV-Receiver von Pioneer: Der Heimkinoverstärker mit neun Endstufen und THX-Siegel besticht durch feinste Technik sowie erstklassigen Klang. 

Die SC-Serie steht bei Pioneer für die Crème de la Crème des AV-Receiver-Programms: Der SC-LX 76 schließt die Lücke zwischen dem Top-Modell SC-LX 86 und dem SC-LX 56. Wie der große Bruder ist der Receiver "soundgetunt" – erkennbar am "air"-Logo auf der Front: Die Entwickler setzten sich dazu in den Air-Tonstudios zusammen und nahmen am Prototypen letzte Feinarbeiten vor.

Ausstattung und Technik

Eine Pioneer-Spezialität sind die "Direct Energy HD"-Endstufen, die sich gegenüber herkömmlichen Verstärkern durch verringerten Stromverbrauch auszeichnen. Dass sie deshalb keineswegs schlechter klingen müssen, hat der Hersteller schon bei den Vorgängermodellen bewiesen. Einzigartig ist die "Auto Phase Control+"-Schaltung, die bei Mehrkanal-Signalen permanent die Phasen­bezüge zwischen den Kanälen überwacht und bei Bedarf ausgleicht, wodurch Auslöschungen im Bass vermieden werden. Die Stärken der Einmess-Automatik liegen neben der Frequenzgangkorrektur in der Verbesserung der Gruppenlaufzeit: MCACC minimiert frequenzabhängige Zeitverzögerungen des Musiksignals, die typischerweise Lautsprecher-Frequenzweichen verursachen, wodurch der Klang je nach Lautsprecher an Transparenz gewinnt. Selbstredend kann der Nutzer den Klang auch flexibel von Hand einstellen: Herzstück ist der Grafik-Equalizer mit neun Bändern je Lautsprecher. Dröhnende Bässe lassen sich mit dem parametrischen Drei-Band-Equalizer bekämpfen, allerdings ist dessen minimale Einsatzfrequenz von 63 Hertz in vielen Fällen nicht ausreichend.

Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 € 
  Die beleuchtete Fernbedienung bietet viele Direktfunktionen.

 

Video und Multimedia

An den HDMI-Eingängen nimmt der Pioneer 4K-Signale entgegen; Scaling und Video-EQ stehen bei Ausgabe-Auflösungen bis 1080p bereit, wobei die Bildregler nur bei 2D funktionieren. Lob verdient das Zubehör, bestehend aus WLAN-Adapter sowie iPod- und HDMI-MHL-Kabel. Das Webradio besticht durch große Senderauswahl inklusive Podcasts. Der Audioplayer (USB, DLNA, Airplay) akzeptiert viele Dateiformate und beherrscht die nahtlose Wiedergabe. Etwas veraltet wirkt das träge Menü, das Bild und Ton unterbricht. Löblicherweise schadet dies dem Bedienkomfort nicht, da alle wichtigen Einstellungen per Fernbedienung umschaltbar sind.

Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 € 
  Schön: Sowohl Internetradio wie Mediaplayer zeigen Tonformat inklusive Bitrate an.

 


Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 €
Pralle Packung: Der Pioneer verfügt über Audio- und Videoanschlüsse
für alle Eventualitäten, einzig ein analoger Mehrkanal-Eingang fehlt. 


 

 

Tonqualität Surround

Der Pioneer ist angesichts der über 100 Watt pro Kanal selbst bei gleichzeitiger Auslastung von sieben Endstufen mit Leistung im Überfluss gesegnet. Im Hörtest legte sich der Receiver entsprechend ins Zeug und behielt selbst bei ohrenbetäubenden Pegeln, etwa bei der brachialen Verfolgungsjagd entlang des Gardasees zu Beginn von "Ein Quantum Trost" souverän die Übersicht: Gewehrschüsse, Motorengeräusche und bassgewaltige Explosionen reproduzierte er mit höchster Dynamik. Mit unseren Test-Musiksequenzen, unter anderem von "3 Doors Down", "Steely Dan" und dem Blu-ray-Sampler "Legends of Jazz", liefert der Pioneer einen konturierten und druckvollen Bass an unserem B&W-Lautsprecherset ohne Subwoofer, wenn die Phase-Control-Schaltung aktiv ist. Die Einmess-Automatik bereitete im Gegensatz zu den Modellen SC-LX 56 und 86 mit gleichem System diesmal Probleme: Sie detektierte den ordnungsgemäß angeschlossenen Center als verpolt, stellte ihn zu leise und den EQ-Trim zu laut ein, so dass für vernünftiges Hören erst einmal Nachregeln angesagt war. Nach den Korrekturen wirkte sich die Einmessung allerdings positiv aus: Durch die Angleichung der Gruppenlaufzeit (Full Band Phase Control) und die zentimetergenaue Distanz-Einstellung schälte der Receiver feine Klangdetails wie die Background Vocals auf dem Steely-Dan-Album "Two Against Nature" strukturierter heraus: Ortung und Tiefenstaffelung verbesserten sich, der Höreindruck war entspannter, das Klangbild aufgeräumter. Der Equalizer glich die unterschiedlichen Boxen einander an, betonte allerdings etwas die Mitten. Dadurch gewann der Klang an Transparenz, wirkte aber weniger spektakulär.

Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 €

Effektiv: Die Digital-Endstufen arbeiten effizient,
so dass der Pioneer keine großen Kühlkörper braucht.

 

Tonqualität Surround

Im Stereo-Betrieb fasziniert der Pioneer durch seinen präzisen, feinen Klang, den der Nutzer gezielt anpassen kann: Mit seinen umschaltbaren DAC-Filtern, die das Ein- und Ausschwingverhalten von Impulsen beeinflussen, klingt der Receiver je nach Wunsch eher sanft, abgerundet und fein (Stellung "Slow") oder in der Einstellung "Short" und "Sharp" etwas dynamischer und schneller, aber auch spitzer. Für weitere feinste Nuancen sorgt die 32-Bit-Skalierung, mit der Signale an der unteren Aussteuergrenze noch einen Tick feiner ausklingen.

 

 

Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 €
Gelungenes Design: Riesige Drehräder, ein großes Display und eine Blende
vor den zahlreichen Tasten lassen den auch in Sillber
erhältlichen Verstärker hochwertig wirken.

 

Tipps zur Einmessautomatik Advanced MCACC

Die Einmess-Automatik bietet für versierte Nutzer zahlreiche Eingriffsmöglichkeiten, das verschachtelte Menü mit bis zu fünf Unterebenen ist aber nicht gerade intuitiv zu bedienen. Die folgenden Zeilen geben Tipps zu den verfügbaren Optionen im MCACC-Menü:

Voll Auto MCACC optimiert alle Parameter wie Boxen­größe, Pegel, Distanz und Equalizer. Bevor die Einmessung startet, muss man Endstufenzuweisung, Zielkurve ("EQ-Typ"), Speicherplatz-Nummer und THX-Lautsprechersystem (Ja/Nein) festlegen. Voll Auto MCACC ist empfehlenswert, wenn nur eine Zielkurve ermittelt werden soll.

Automatisches MCACC erlaubt das Eingrenzen der Einmessung auf bestimmte Teilschritte. In Einstellung "All" werden alle Schritte inklusive der drei Zielkurven ermittelt und auf verschiedenen MCACC-Speicherplätzen abgelegt. Die Zielkurve "Symmetry" optimiert dabei die Gruppenlaufzeit, "All Ch Adj" den Frequenzgang und "Front Align" passt den Sound von Center sowie Surround an den der Frontboxen an.

Manuelles MCACC öffnet Dialogfelder zum manuellen Anpassen von Pegel und Distanz. Hinter "Stehende Wellen" und "EQ-Einstellungen" verbergen sich ein parametrischer und grafischer Equalizer. Ans Eingemachte geht es unter dem Menüpunkt "EQ Professional", der weitere Untermenüs öffnet: "Nachhall-Messung" ermittelt den Schallfeldaufbau mit und ohne Equalizer, die "Nachhall-Anzeige" stellt ihn vor und nach der Optimierung dar. Hinter "Erweiterter Equalizer" steckt ein zusätzliches Menü. Hier kann man mit "Time Position" die Arbeitsweise der EQ-Entzerrung anpassen: Pioneer empfiehlt bei normaler Akustik eine Voreinstellung von 30 bis 50 ms, größere Werte empfehlen sich für größere Räume mit längerem Nachhall und umgekehrt.


 

Fazit

Der Pioneer erfüllt die hochgesteckten Erwartungen mit Bravour: Der Neun-Kanal-Bolide punktet nicht nur durch umfassende Multimedia-Ausstattung und weitreichende Regler, sondern auch durch erstklassigen Klang, gepaart mit enormer Kraft und Dynamik. Schwächen leistet er sich beim in die Jahre gekommenen Menü und dem löblichen, aber nicht hinreichend tief einstellbaren Bass-EQ.  Florian Goisl

Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 €

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Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Pioneer SC-LX 76 - AV-Receiver für 1.700 €

 

 

 

 

 

Der Testbericht Pioneer SC-LX 76 (Gesamtwertung: 94, Preis/UVP: 1700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2013 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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