Optoma HD 300 X (Test)

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Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 Euro

Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €Der Optoma HD 300 X erfüllt den Traum vom großen 3D-Kino zum kleinen Preis. Der Projektor glänzt mit guten Farben und ausgesprochen scharfen Bildern.

Der Preis von 1.400 Euro ist heiß, doch im Internet gibt es den Optoma HD 300 X sogar zu dreistelligen Kursen – kein anderer Full-HD-Projektor bietet dafür schon 3D. Nur die 3D-Brille muss man extra kaufen, etwa das hier getestete Funk-Set ZF 2100 für 99 Euro oder die einfachere Variante ZD 201 für 70 Euro. Einmalig in der Preisklasse ist die Bewegungstechnologie PureMotion4, die uns bereits beim 2.500 Euro teuren Optoma HD 83 gefiel (Test in audio­vision 12-2011).

Ausstattung und Bedienung

Im Vergleich zum HD 83 fehlen dem HD 300 X eine dynamische Iris, ein Lens-Shift sowie ein vollständiges Farbmanagement. Statt 280-Watt-Lampe mit 1,5-fach-Zoom begnügt er sich mit 230 Watt und 1,2-fachem Zoom. Die Optik ist sehr weitwinklig und liefert einen großen vertikalen Bildversatz, weshalb die Bilder deutlich oberhalb der Objektivachse auf der Leinwand landen. Für Flexibilität sorgen praktische Funktionen wie eine vierseitige Maskierung oder ein elektronisch einstellbarer Bildversatz, der allerdings nicht reicht, um ein 21:9-Bild mit Letterbox-Streifen bis an den unteren Rand einer 16:9-Leinwand zu schieben. Praktisch ist der feinstufige Bildbeschnitt, dem auch SDTV-Bilder ohne Overscan gelingen. Alle nötigten Bildformate lassen sich mit vier Direkttasten umschalten.

Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €

Übersichtlich: Die blau beleuchtete Fernbedienung bietet
viele Direkttasten, auch für alle Quellen und die vier Bildformate.

Im Expertenmenü gibt es fünf Gamma-Voreinstellungen und RGB-Regler für die Farbtemperatur. Eine PureColor-Schaltung verstärkt nicht voll ausgesteuerte Farben in fünf Stufen und hilft notfalls auch bei HDMI-Signalen im Farbmodus RGB weiter, denn der normale Farbsättigungsregler wirkt nur im Farbmodus YCbCr. Die PureMotion-Schaltung glättet Bewegungen in Kinofilmen in drei Stufen. Sie ist auch bei Camcordervideos mit 30 Hertz und bei 3D-Blu-rays mit 24 Bildern aktiv, nicht aber bei TV-Material mit 50 oder 60 Hertz. Für die fünf Bildquellen stehen fünf Bildmodi bereit, die auch Feineinstellungen von Gamma, Farbtemperatur und den RGB-Reglern speichern. Insgesamt wirkt die Software ausgereift, das Menü ist aufgeräumt. Das Lüftergeräusch bleibt in beiden Lampenmodi mit 29 respektive knapp 25 Dezibel erträglich. Aller­dings schluckt der Optoma 300 Watt, selbst im Sparmodus der Lampe sind es noch 255 Watt.

 


Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €

Großes Kino: Der Optoma bietet volle HDTV-Auflösung und 3D zum Kampfpreis,
nur die Brillen kosten extra.
Optomas Funk-Variante synchronisiert die 3D-Brillen ohne Sichtverbindung.

Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €

Doppelte HDMI-Eingänge: Der Optoma HD 300 X sucht sich die gerade
aktive Bildquelle automatisch oder kann über die RS-232-Buchse ferngesteuert werden.

Licht und Farbe

Die besten Farben gelingen im Modus "PureColor Aus", verbunden mit heller Lampe und warmer Farbtemperatur (siehe Kasten "Ide­ale Einstellungen"). Beim Kontrast probierten wir zahlreiche Möglichkeiten aus, wählten am Ende aber die  Werkseinstellung "0" – sie ist ein sinnvoller Kompromiss zwischen effektiver Lichtausbeute und leichten Farbflecken (Shading). So schafft der HD 300 X maximal 741 Lumen bei rund 6.700 Kelvin, nur hellstes Weiß wirkt mit 7.500 Kelvin eine Spur kühler. Während die zuletzt getesteten DLP-Projektoren Benq W 1060 und Acer K 750 (beide in audiovision 11-2012) ein gelbliches Grün zeigten, liefert der Optoma nicht nur intensives Rot, sondern auch satte Grüntöne bei leicht erweitertem Farbraum. Die Mischfarben gehen ebenfalls in Ordnung. Abzüge gibt es für die ungleichmäßige Ausleuchtung, die rechts sichtbar nachlässt, sowie für den bescheidenen Kontrastumfang. Der Im-Bild-Kontrast von 1.140:1 und der ANSI-Kontrast von 380:1 sind bestenfalls Durchschnitt. Vom Lampenmodus "Image AI", der den Kontrast steigern soll, raten wir ab: Mit ihm wechselt der Optoma in dunklen Szenen in den Lampensparmodus, regelt aber den Bildkontrast nicht nach, weshalb düstere Szenen nicht mit mehr Kontrast, sondern dunkler erscheinen. Zudem schwankt das Lüftergeräusch ständig. Bei 3D steht "Image AI" ohnehin nicht zur Verfügung, hier läuft der HD 300 X immer mit voller Lampenleistung.

Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €

 

 

 

Schärfe und Videoverarbeitung

Die Zoom-Optik fokussiert bis in die Ecken exakt, feinste Bildmuster erscheinen mit vollem Kontrast und ohne Farbsäume. Erhöht man die Schärfe auf 13 und die Detail­auflösung auf 1, zählt der Optoma zu den schärfsten Full-HD-Projektoren überhaupt. Auch die saubere Skalierung und Vollbildwandlung von SDTV-Material im Format 576i klappt, fast alle unsere Testsequenzen aus "Space Cowboys" oder "Sechs Tage, sieben Nächte" gelingen bestens. PureMotion überzeugt ebenfalls, die Bewegungsglättung arbeitet in Stellung "Niedrig" dezent. Bei TV-Material wirkt sie aber nicht, zudem zeigen 576i-Zuspielungen flimmernde Treppen an schrägen Übergängen. Unruhige Kanten treten auch bei HDTV-Videomaterial im Halbbildformat 1080i hervor, und Kinofilme flimmern mangels Filmmode-Erkennung. Ein HDTV-Receiver mit 1080p-Bildausgabe behebt das Problem in der Regel.

Unsere Testsequenzen aus "Casino Royale" spielten wir im Vollbildformat 24p im HDMI-Farbmodus YCbCr zu – dann ist der Farbregler aktiv. In der Schwarz-Weiß-Szene zu Beginn zeigt der Optoma das Filmkornrauschen ausgesprochen scharf und feinkörnig. Die hell glitzernden Konturen im dunklen Büro führen zu leichten Regenbogenblitzern des Farbrads, sofern man den Kopf oder die Augen schnell bewegt. Insgesamt jedoch entstehen satte Kontraste mit weitgehend neutraler Farbtemperatur, hellste Graustufen unten rechts verfärben aber. Bei einer Deckenmontage stört das, denn dann ist dieser Bereich öfters mit Himmel oder hellen Wolken belegt. Mit reduziertem Kontrast verschwinden die Verfärbungen, jedoch auf Kosten der Bilddynamik: Die düstere Montenegro-Szene säuft dann ab, sie entwickelt keine ausreichende Zeichnung der dunklen Büsche neben dem Bahngleis.

Helle Szenen wie am Strand auf den Bahamas gelingen sehr gut. Insbesondere die Farben gefallen: Der Optoma differenziert klar zwischen satten frischen und gelbgrünen Pflanzen, zeigt das türkise Meer sowie Hauttöne recht natürlich. Die Szene auf dem Markusplatz (Kapitel 15) erscheint knackscharf und präsentiert dem Betrachter eine Fülle an Details – schade, dass sie nur vier Sekunden dauert. Die tolle Bildschärfe lässt Naheinstellungen mit plakativer Tiefenschärfe zur Geltung kommen und Kamerafahrten geradezu dreidimensional wirken.

Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €
Menü PureEngine: Per Direkttaste kann man die Farben verstärken
oder die Bewegungsglättung PureMotion aktivieren. 


Die 3D-Bildqualität

Optomas aufladbare 3D-RF-Brille wiegt nur 38 Gramm und bietet ein weites Gesichtsfeld. Auf schmalen Köpfen sitzt sie aber seitlich zu locker und rutscht leicht nach vorne. Die Synchronisierung über den Funksender gelingt auch aus großer Entfernung sicher. Im 3D-Bildmodus erreicht der Optoma rund 90 Lumen, was rechnerisch nur für eine 1-Meter-Leinwand reicht. Nach kurzer Gewöhnung an die etwas dunklen 3D-Bilder ist der Eindruck aber positiv. Die Farben wirken ausgewogen und kräftig, wenn man die Farbsättigung im 3D-Bildmodus um zwölf Punkte anhebt oder alternativ die Stufe "PureColor 1" aktiviert. Die Farbtemperatur geht mit rund 7.000 Kelvin in Ordnung. Das Übersprechen von 80:1 reicht für eine zufriedenstellende Bildtrennung zwischen linkem und rechtem Auge.
Im 3D-Streifen "Avatar" lässt die niedrige Stufe der Bewe­gungsglättung "PureMotion" das Raumschiff traumhaft gleichmäßig über die Leinwand gleiten. Ohne die Schaltung kommt es zu leichtem 3:2-Pulldown-Ruckeln, da der Optoma 3D-Kinofilme von Blu-ray nicht mit 48, sondern 60 Hertz wiedergibt. Das hat wiederum den Vorteil, dass die hellen Wolken am Hubschrauber-Landeplatz nicht flackern. Optomas dezente Bewegungsglättung macht die ohnehin sehr scharfen 3D-Bilder bei allen Kamerafahrten noch plastischer, was auf der Leinwand weit mehr beeindruckt als auf einem vergleichsweise kleinen Flachbildschirm. In der zu hellen Gamma-Voreinstellung "Video" fällt der Kontrast etwas schwach aus, weshalb wir den Gammamodus "Standard" empfehlen. So erscheint das Bild zwar dunkler, dafür aber knackiger und mit leuchtenden Farben.

Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €

 

 

 

Fazit

Von Top-Projektoren trennen den Optoma der durchschnittliche Kontrast und die einfache Technik ohne Lens-Shift. Ansonsten punktet der HD 300 X mit bester Bildschärfe, sauberen Farben und ruckelfreien 3D-Filmen – und das bei einem Marktpreis von gerade mal 1.000 Euro.  Udo Ratai

Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €
 	Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung

 
Optoma HD 300 X – DLP-Projektor für 1.400 €

 

 

 

Der Testbericht Optoma HD 300 X (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 1400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2013 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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