Magnat Quantum 750-SERIE (Test)

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Magnat Quantum 750-Serie – 5.1-Boxenset für 3.700 Euro

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 €Sowohl im Heimkino als auch mit Musik legt die Quantum 750-Serie von Magnat einen spielfreudigen Auftritt hin – allerdings nur mit dem richtigen Receiver als Partner.


Zur letzten Funkausstellung in Berlin präsentierte der deutsche Boxenbauer Magnat die neuen Schallwandler der Quantum 750-Serie. Sie sind knapp unter der High-End-Serie Quantum 800 platziert, aber deutlich günstiger: So kosten die zwei Frontboxen 1.800 statt 2.600 Euro.

Das Stoffverdeck der neuen 750er verzichtet auf magnetische Halterungen und ist aufgesteckt, die Hochglanzoptik in Piano-Schwarz oder -Weiß bleibt den Front- und Bodenplatten vorbehalten. Bei den Seitenteilen kann man zwischen seidenmatter Oberfläche oder Echtholz "Mocca" wählen, das nach Kirsche aussieht. Die elegante Optik und die tolle Verarbeitungsqualität beeindrucken.

Technisch sind die Frontboxen 757, der Center 73 und die Surroundboxen 753 mit den edlen Aluminium-Keramik-Treibern und Hochtonkalotten aus Magnats Top-Serie bestückt. Die computeropti­mierten Treiber werden mit einer steilflankigen Weiche vierter Ordnung angesteuert. Für den Tiefbass sorgt der Aktiv-Subwoofer 731 A.

Technik

Die mit 19 Zentimetern recht schmale Frontbox lässt optisch kaum erahnen, dass sie einen halben Zentner auf die Waage bringt. Das Gewicht erklärt sich aus dem massiven Gehäuseaufbau mit bis zu 45 Millimeter dicken MDF-Frontplatten und zusätzlichen Versteifungsstreben. Deshalb fällt die 106 Zentimeter hohe Box nicht um, obwohl sie keine verbreiterte Bodenplatte hat. Sie steht wie die Surroundboxen auf runden Tellerfüßen mit rutschfesten Gummiringen oder auf den mitgelieferten Metallspikes. Kleine Hartgummi-Füße sorgen beim Center für eine niedrige Bauhöhe, was gut zu Flachbildschirmen passt. Der Klopftest mit dem Fingerrücken lässt bei allen Boxen des Ensembles die solide, akustisch tote Verarbeitungs­qualität spürbar werden. Edle Zierringe und Schrauben vorn sowie Bi-Wiring-Terminals und verschraubte Bassreflex-Trompeten hinten unterstreichen den hohen Fertigungsaufwand. Viele Details sind neu, etwa die strömungsoptimierten Aluguss-Körbe oder die zur Wärmeableitung schwarz eloxierten 35-Millimeter-Schwingspulen. Magnat nutzt Computerprogramme, die per Finite-Elemente-Methode die Membranform optimieren oder die Dispersion im Mittel- und Hochttonbereich steigern. Das lasergestützte Messsystem der deutschen Firma Klippel dient zur Feinabstimmung der Bassreflextechnik. Allerdings fällt die Impedanz der Standboxen mit 2,9 Ohm sehr niedrig aus: Stabile Endstufen (geeignet für 4 Ohm) sind nötig, damit im Grundtonbereich um 120 Hertz kein Spannungsabfall auftritt.

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 €
Das Terminal des Subwoofers bietet die üblichen Standardanschlüsse
und eine 180 Watt starke Aktiv-Elektronik.

 

Die Bassreflex-Trompete auf der Rückseite der Frontbox unterstützt die beiden 17er-Tieftöner bei einer tiefen Tuningfrequenz von 34 Hertz. Zu einer kernigen und sehr sauberen Impulsdarstellung trägt die hohe Verwindungssteifigkeit der mit Keramikpartikeln beschichteten Aluminium-Mem-branen bei. Nicht zu kurz kommt bei Magnat die Hochtonwiedergabe. Hier setzt der Hersteller auf die bewährte 25-Millimeter-Kalotte mit Gewebemembran aus Polyester-Epoxid-Verbindung sowie auf eine bedämpfte Volumenkammer hinter der Kalotte. Magnats APOC-Weiche regelt sie ab 2,5 Kilohertz steil ab. Beim Center übernehmen die beiden Konusse die Mitteltonwiedergabe, weshalb sie unter seitlichen Winkeln miteinander interferieren können (siehe Rundstrahldiagramm).

Im Vergleich zu manchen Mitbewerbern verzichtet Magnat auf akustische Tuning-Elemente wie Bassreflex-Stopfen oder Pegelsteller für den Hochtonbereich. Je nach Raumakustik und Geschmack können Klangtüftler allerdings das Bi-Wiring-Terminal nutzen, um etwa die Hochton­wiedergabe mit Hilfe eines kleinen Vorwiderstands dezent zu dämpfen (siehe Kasten Seite 50). Beim Aktiv-Subwoofer finden sich die wichtigsten Regler sowie ein Phasenschalter, aber keine Extras wie eine schaltbare Tiefbassentzerrung oder Raumkompensation. Der 30er-Langhub-Tieftöner strahlt mit seiner gehärteten Papiermembran nach unten, während hinten zwei strömungsoptimierte Bass­reflexrohre den Tiefbass verstärken.

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 €
Leichte Einbrüche: Unterhalb der Hochton-Trennfrequenz von 2.500 Hertz
treten beim Center Einschnürungen für seitlich versetzt sitzende Hörer auf.

 

 

Tonqualität Surround

Rosa Rauschen von der DVD "Multichannel Universe" diente uns dazu, gleiche Pegel einzustellen und alle Kanäle zu überprüfen. Im Vergleich zu den recht neutral abgestimmten Frontboxen klingen die beiden kompakten Surrounds und der Center etwas heller. Bei den Surroundboxen hilft eine weniger direkte Ausrichtung weiter, was beim meist direkt zum Hörer gerichteten Center kaum in Frage kommt. In unserem Hörraum klingt der Center deshalb mit kleinem 1,5-Ohm-Widerstand vor dem Hochtöner stimmiger. Andererseits sorgt die fantastische Hochtonauflösung des Centers in der originalen Abstimmung bei "Werner 3" für ein Maximum an Artikulation und Sprachverständlichkeit. Frauenstimmen erklingen klar wie selten, mit blitzsauber aufgelösten Zischlauten. Das Motorrad knattert besonders stabil und direkt aus der Raummitte, Dialoge lassen sich auch im größten Getümmel mit Leichtigkeit verfolgen. Der Soundtrack zu "Faszination Natur 2" zeigt hohe Präzision und löst die Percussion-Instrumente sowohl hinten als auch vorn glasklar auf.

Damit bei der Dokumentation "Arktis Nordost" die Eisplatten mit Wucht bersten, empfiehlt es sich, den Subwoofer mit invertierter Phase zu betreiben. Tiefste Basswellen haben wir bei "Iron Man" zwar schon druckvoller gehört, Explosionen aber selten so dynamisch und trocken. Magnats Subwoofer steckt sogar Spitzenpegel von 108 Dezibel locker und unverzerrt weg! Im Zusammenspiel mit einem stromstabilen AV-Receiver lässt das Set die Pistolenschüsse beim Überfall auf den Militärkonvoi in realistischer Live-Dynamik regelrecht durch den Hörraum pfeifen, feine Details wie herumkullernde Patronenhülsen gelingen besonders klar.

Die impulsgenaue Darstellung beeindruckt auch beim in der Radio City Music Hall eingespiel­ten Titel "Lie In Our Graves" von Dave Matthews und Tim Reynolds. Die akustischen Gitarren klingen fest und kraftvoll, von hinten sorgt das Publikum  für starke Live-Atmosphäre. Etwas mehr Wärme würde dem Jazz-Titel "They Can’t Take That Away from Me" guttun. Jane Monheits Gesang und das Klavier tönen zwar deutlich und präzise, dürften aber etwas körperhafter und voller klingen.

 

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 €

 

Schlank und rank: Das Hochglanzfinish der weiß
oder schwarz lackierten Boxen der Quantum 750-Serie
von Magnat erfüllt hohe Ansprüche. Die abgebildete Version mit
Seitenteilen in "Mocca Furnier" kostet je Box 100 Euro Aufpreis.

Tonqualität Stereo

Die Frontboxen lassen sogar Tiefbass unter 30 Hertz dezent und klirrfrei spürbar werden, können dem lauteren Mittel-/Hochtonbereich aber nicht ganz Paroli bieten. Das gilt insbesondere im Team mit einem schwachbrüstigen AV-Verstärker, der die niedrige Impedanz der Box im Grundtonbereich schlecht verkraftet, weshalb Musik an Kraft und Wärme verliert. Kaum zum Zusammenspiel eignen sich außerdem AV-Receiver ohne einen "Stereo plus Sub"-Modus, wie der Sony STR-DA 3700 ES (audiovision 11-2012): Er lässt den Subwoofer bei Musik außen vor. Mit Receivern wie dem Pioneer SC-LX 86 hingegen klappt die Darbietung bestens: Jetzt stehen den glasklar aufgelösten Mitten und Höhen der Frontboxen die mächtigen Bässe des Sub zur Seite. Beim Titel "Boom Boom Pow" der Black Eyed Peas haut das 5.1-Set harte wie tiefe Bassdrum-Schläge knochentrocken in den Hörraum. Gesang und Percussion sind dann trotz der famosen Dynamik und Auflösung ein integraler, und kein vordergründiger Bestandteil der Darbietung.

Hochtonanpassung am Bi-Wiring-Terminal

Die Surroundbox 753 und der Center 73 der Quantum-Serie brillieren mit herausragender Auflösung im Mittel-/Hochtonbereich, klingen aber heller als die Standlautsprecher Quantum 757. Je nach Raumakustik und persönlichem Geschmack kann die Abstimmung eine Spur zu analytisch wirken. Da alle Boxen über Bi-Wiring-Anschlüsse verfügen, lässt sich die tonale Balance jedoch recht einfach mit Hilfe eines kleinen Vorwiderstands vor dem Hochton-Terminal dosieren. Entsprechende frequenzlineare Keramik-Widerstände mit fünf oder zehn Watt Belastbarkeit gibt es im Elektronikfachhandel für wenig Geld.

Wir ersetzten bei der Surroundbox und beim Center eine Bi-Wiring-Brücke durch einen 1,5-Ohm-Widerstand. Aber Achtung: Beim Center werden die beiden Tieftöner oben und der Hochtöner unten angesteuert. Deshalb muss man die Kabel des Verstärkers an den oberen Schraubklemmen anschließen. Zwischen dem oberen Pluspol und dem unteren Pluspol für den Hochtöner ersetzt dann der Vorwiderstand die Blechbrücke. Bei Magnats Surroundbox steuern dagegen nach üblicher Machart die unteren Schraubklemmen den Tieftöner an, also gehören die Lautsprecherkabel vom Verstärker hier nach unten.

Mit Vorwiderstand werden die Höhen bei beiden Lautsprechern zwischen 2,5 und 20 Kilohertz um rund zwei Dezibel abgesenkt, siehe Frequenzgangschrieb. Die zuvor minimal helle Charakteristik wirkt nun sehr neutral, die Höhen klingen fast zurückhaltend. Werte von einem Ohm oder 0,5 Ohm liefern eine zwischen beiden Kurven liegende Charakteristik und erlauben eine feine Dosierung der Tonalität ganz nach Geschmack.

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 €

Kleines Klangtuning: Ein Vorwiderstand von rund einem Ohm kann die Klangcharakteristik
der Centerbox an die der Frontboxen anpassen. Der Center tönt dann
weniger prägnant, aber ausgewogener.

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 €

 

 

Fazit

Optik und Verarbeitungsqualität des Quantum 750-Sets von Magnat sind ein Traum. Die Frontboxen sind allerdings recht niederohmig, weshalb man einen stromstabilen AV-Receiver braucht. Dann aber schafft das Set eine herausragende Auflösung und Raumdarstellung und punktet mit enorm pegelfesten Bässen.       Udo Ratai

       

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 € 

 

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Magnat Quantum 750-Serie - 5.1-Boxenset für 3.700 €

 

 

 

 

 

 

Der Testbericht Magnat Quantum 750-SERIE (Gesamtwertung: 82, Preis/UVP: 3700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2013 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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