Pioneer SC-LX 86 (Test)

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Pioneer SC-LX 85 – AV-Receiver für 2.500 Euro

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €Pioneers neues 3D-Receiver-Flaggschiff SC-LX 85 verwöhnt anspruchsvolle Musikhörer mit bestem Klang, verfügt über enorme Leistungsreserven und punktet mit umfangreicher Ausstattung.

Die Luft für Verbesserungen war dünn: Schon der Vorgänger SC-LX 83 (Test in audiovision 10-2010) glänzte mit hervorragendem Klang. Und doch gelang es Pioneer, das Niveau beim neuen AV-Receiver SC-LX 85 zu steigern – unter anderem mit aufwändigen Hörreihen.
 

Ausstattung und Technik

Ein Highlight des Neulings ist die Verstärker-Technik. Wie beim Vorgänger besteht sie aus Class D-Endstufen, allerdings nicht mehr vom dänischen High-Ender B&O, sondern vom US-Halbleiter-Experten International Rectifier. Die Endstufen in Direct-FET-Bauweise zeichnen sich laut Pioneer durch "bestes Impulsverhalten" aus und glänzen mit höchster Energie-Effizienz: Bei einer Ausgangsleis­tung von 5 x 5 Watt braucht der neue Pioneer ge­ra­de mal 95 Watt (Vorgänger 123 Watt); Receiver mit konventioneller Technik und geringerer Maximalleistung ziehen rund doppelt so viel Strom.

Statt sieben Leistungsverstärkern arbeiten im SC-LX 85 deren neun. So lassen sich Klangfeld-Erweiterungen mit Breiten- und Höhen-Effekt­kanälen umsetzen oder bis zu drei Räume individuell beschallen. Boxen-Setup und Klangregler erfüllen höchste Ansprüche: Für Pegel (0,5 Dezibel) und Distanz (ein Zentimeter) stehen feine Schrittweiten zur Verfügung. Die Einmess-Automatik "MCACC advanced" ermittelt Boxengröße, Pegel und Distanz und optimiert Frequenzgang und Gruppenlaufzeit. Frequenzabhängige Zeitverzögerungen des Musiksignals, die durch Equalizer und Frequenzweichen in den Boxen entstehen, werden minimiert, der Klang gewinnt an Präzision. Analyse-Menüs, Einstellungen und Speicher sorgen für Flexibilität.

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 € 

  Mächtig wirkt die kombinierte IR/Funk-Fernbedienung
mit OLED-Display.

Für manuelle Korrekturen gibt es leis­tungs­fähige Filter. Pro Kanal steht ein Neun-Band-Grafik-Equalizer bereit, ein mehrstufiger Präsenz/Höhendämpfungsfilter (X-Curve) entschärft den Klang bei hohem Pegel. Neu sind die umschaltbaren Charakteristika des DA-Ausgangsfilters, mit denen sich der Klang subtil ändert. Für ein sauberes Bass-Management sorgt "Phase Control+" (siehe Kasten rechts oben). Bassdröhnen durch Raum­moden bekämpft ein Drei-Band-Equalizer, getrennt für Subwoofer und Hauptkanäle regelbar. Hier steckt das einzige Manko des Pioneer: Die tiefste Einsatzfrequenz des Bass-EQ liegt bei 63 Hertz, tiefere Moden in großen Räumen werden nicht entschärft.


Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €
Perfekt: Bis zu elf Lautsprecher lassen sich an den Pioneer-Boliden anschließen.
Die Menge der zur Verfügung stehenden Video-, Audio- und Steuerbuchsen
deckt alle Eventualitäten ab.

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €
Vollgepackt: Den Vordergrund dominiert die massive Strom­versorgung. Die
hocheffiziente Leistungselektronik verbirgt sich
unter der Signalverarbeitungsplatine.
 

 

 

Video und Multimedia

Pioneers TruCinema-Videoscaler sorgt für die saubere Aufbereitung analoger und digitaler Video­signale mit HDMI-Ausgangsauflösungen bis 1080p. Lob verdient der Video-Equalizer mit Rauschfiltern, Bildreglern und Sidebar-Bildformat für hoch­ska­lier­te 4:3-Bildquellen. Wie beim Vorgänger gibt es eine gute Inverse-Telecine-Funktion: NTSC-Film-DVDs wandelt der Pioneer in sauberes 24p. Bei der HDMI-Weiterleitung im Standby verbraucht der Receiver nur sechs Watt – keine Selbstverständlichkeit. Einzig der marginale Schärfeverlust bei der HDMI-Umwandlung von analogem Komponenten-Video ist ein Schönheitsfehler.

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €

Raffiniert: Die Einmess-Automatik optimiert nicht nur den Frequenzgang,
sondern auch die zeitrichtige Wiedergabe aller Frequenzen ("Full Band Phase Control").

Zahlreiche Funktionen stehen für Musik aus dem Netzwerk und mobile Geräte zur Verfügung. So beschert vTuner tausende Webradio-Stationen, darunter viele Lokalsender samt Podcasts. Dank des mitgelieferten WLAN-Adapters gelingt der Netzwerkzugang drahtlos. Streamen von Musik von PCs und Apple-Mobilgeräten funktioniert dank Unterstützung der Windows 7-Funktion "Senden nach" und Apples AirPlay bequem. Der Kontakt zu Bluetooth-Geräten klappt über einen Adapter (AS-BT200, 33 Euro). Der Receiver lässt sich per Browserfenster (PC) oder der App iControl AV 2 für iPad, iPhone oder iPod touch fernsteuern.

Tonqualität Surround

Der Pioneer ist ein feingeistiger Musiker, könnte mit seiner Siebenkanal-Gesamtleistung von knapp 1.000 Watt aber auch manches Kino bestens beschallen. So viel Leistung braucht es natürlich selten, vielmehr kommen die Reserven der Dynamik und Präzision zugute, wie sich im Hörtest zeigt: Im 3 Doors Down-Konzert wuchtet der Pio­neer die Bass-Drums aus "Road I’m On" (DTS) knackig und mit sattem Fundament in den Hörraum. Im Direktvergleich zum hauseigenen 7.000-Euro-Boliden SC-LX 90 (Test in audiovison 9-2008) spielt der LX 85 ähnlich impulsiv und mit luftiger Räumlichkeit. Die Höhen wirken etwas dominanter, wobei der Klang bei hohen Pegeln aufgeräumt bleibt und nicht ins Aggressive umschlägt. Tiefbass-Attacken und die im Surround-Panorama verteilten Splitter-Effekte aus "The Day After Tomorrow" entfalten eine spektakuläre Wirkung. Ebenfalls sauber beherrscht der Pioneer leise, atmosphärische Szenen, wie in "Der Fuchs und das Mädchen": Das feine Knacken von Ästen und die einhüllenden Geräusche raschelnder Blätter löst er auch bei moderater Lautstärke sauber aus dem 7.1-DTS-HD-Soundtrack heraus. Der temperatur­geregelte Lüfter ist nur aus nächster Nähe wahrnehmbar und fällt in Verbindung mit einem Videoprojektor nicht weiter auf.

Im zweiten Hördurchgang mit Einmess-Automatik überzeugt sowohl die Präzision von Pegel- und Distanzeinstellung als auch der Equalizer. Er führt speziell in der "Symmetry"-Einstellung mit optimierter Gruppenlaufzeit zu einem deutlich verbesserten Klang. Panorama-Effekte zwischen Center und Stereo-Kanälen sind präziser ortbar, das Klangbild löst sich besser von den Boxen. Sanft reduzierte obere Mitten lassen den Klang organischer, angenehmer erscheinen, ohne das Temperament zu beschneiden. Leichte Unterschiede im Timbre der Front-, Center- und Surround-Boxen verringern sich. Als klangneutralste Wiedergabe empfiehlt sich der Direct-Mode, bei dem im Gegensatz zu Pure Direct sinnvolle Optionen wie die Phase Control aktiv bleiben: Sie sorgt für deutlich druckvollere Bässe bei Mehrkanal-Soundtracks und sollte immer im Einsatz sein. Löblich: Alle wichtigen Klangoptionen wie Phase Control, Grafik- und Bass-Equalizer lassen sich per Fernbedienung zu- und abschalten, ebenso wie die Feinkorrekturen an den Kanalpegeln. Wie üblich bringt der Pioneer eine ganze Reihe von Akustiksimulationen mit, die das Klangfeld mit künstlich generierten Kanälen und/oder Hall anreichern. Sie sind zwar gut gemacht, fallen unserer Meinung nach aber letztlich in die Rubrik Spielerei. Sehr sinnvoll finden wir dagegen das Kopfhörer-Surround-Programm. Es klingt auch bei impulsiver Musik präzise und macht das Hören entspannter, indem es die Ortung glaubwürdig vor dem Kopf platziert. Die unangenehme Ortung von Ping-Pong-Stereo-Effekten auf nur einem Ohr und die Im-Kopf-Abbildung von Mono-Signalen wird so verhindert.

Tonqualität Stereo

Bei Stereomusik überzeugt neben der druckvollen und sauberen Spielweise die stabile Raumabbildung. Emiliana Torrinis Stimme erhebt sich im Song "Me and Armini" so klar zwischen den Boxen, als wäre der Center aktiv. Selbst feine Details in Panorama- und Tiefenstaffelung löst der LX 85 auf, auch wenn der LX 90 impulsive Klangbestandteile wie Hi-Hats und Konsonanten im Gesang noch etwas feiner, präziser und selbstverständlicher hörbar macht. Im Vergleich zum optischen Eingang klingt die HDMI-Zuspielung bei Audio-CDs einen Tick höhenreicher. Subtil wirken sich die DA-Filtercharakteristiken aus: "Slow" klingt musikalisch, rund und angenehm, in den Einstellungen "Sharp" und "Short" gewinnt das Klangbild minimal an Präzision, die Höhen klingen einen Tick anspringender und prägnanter.

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €

Wachstum: Seinen Highend-Anspruch unterstreicht der Pioneer bereits durch sein
43,5 Zentimter breites und fast ebenso tiefes Gehäuse.

 

Zusatzinformation: Phase Control – Herausforderung Bass-Management

Laserdisc und DVD brachten Anfang der 90er-Jahre erstmals vollwertigen Mehrkanal-Sound ins Heimkino. Ein separater Tieftonkanal (LFE) sorgt bei den 5.1-Tonformaten für höchste Dynamikreserven. Mit der Vermehrung der Kanäle ergaben sich allerdings auch Probleme, speziell in Sachen Basswiedergabe. Eines davon betrifft die zur Erzeugung des Basskanals benötigten Tiefpass-Filter im Mischpult und Surround-Encoder, die das LFE-Signal mehr oder weniger stark verzögern. Sowohl die Hauptkanäle als auch der LFE-Kanal können korrelierte, also gleichartige, zusammenhängende Bassanteile enthalten, die für eine korrekte Wiedergabe zeitrichtig addiert werden müssen. Geschieht dies nicht, kommt es zu Auslöschungen. Ob und wie stark dieser Effekt zu hören ist, hängt von vielen Faktoren ab. Eine wichtige Rolle spielen verschiedene Lautsprecher-Konstellationen: Bei Sets mit bassschwachen Mini-Boxen müssen die Bassanteile der Hauptkanäle auf den Subwoofer umgeleitet werden. Bei Sets ohne Subwoofer muss wiederum der LFE-Kanal den Standboxen zeitrichtig zugemischt werden. Problematisch ist in erster Linie das Setup ohne Subwoofer, da es hier keine Regelmöglichkeit für die Lautstärke des resultierenden Basssignals gibt. In dieser Konstellation stellen wir bei unseren Receiver-Tests immer wieder Unterschiede fest.

Pioneer-Receiver mit Phase-Control-Schaltung zeichnen sich durch kraftvollen Bass bei Sets ohne Subwoofer aus, denn Phase Control sorgt für die zeitrichtige Umlenkung der Bässe und damit für satten Klang. Bei der neuesten Variante "Phase Control +" lässt sich der Bass anhand einer zusätzlich regelbaren Verzögerungsstufe weiter optimieren: Je nach Produktionsweise der Disc können bei sonst identischem Setup unterschiedliche Einstellwerte zu optimalem Bass führen. Beim Pioneer liegt der Regelbereich zwischen 0 und 16 Millisekunden, eingestellt werden kann das Delay mit der Audio-Taste der Fernbedienung, sofern ein Mehrkanalsignal anliegt.

Interview: "Das beste Messinstrument ist immer noch das Ohr"

Pioneer lässt seine besten AV-Receiver in den renommierten Londoner Air-Studios zertifizieren. Hier werden viele Blockbuster abgemischt, von den letzten sieben "James Bond"-Streifen bis zu "Iron Man 2". Auch bekannte Musiker wie George Michael, Peter Gabriel und Coldplay arbeiten dort.

Für die Zertifizierung eines Receivers sind Optimierungsarbeiten nötig, die sich über sechs bis neun Monate erstrecken. Verschiedene Prototypen werden gehört und immer weiter optimiert. Ein- bis zweimal fliegt während dieser Zeit ein Pioneer-Entwicklungsingenieur mit Bauteilen nach London und nimmt nach jedem Hörtest Änderungen vor. 

Bei einer Klangtuning-Phase des Receivers SC-LX 85 war audiovision-Testchef Florian Friedrich dabei. Er sprach mit Jürgen Timm, Product Manager für Receiver bei Pio­neer, über die Arbeit in den Air-Studios:

audiovision: Wie funktioniert der klangliche Abstimmungsprozess eines AV-Receivers in den Air-Studios?

Timm: Man kann den Prototpyen eines AV-Receivers mit einem ungeschliffenen Rohdiamant vergleichen. Wir von Pioneer setzen dann zusammen mit den Air-Studios den klanglichen Feinschliff an und bringen das Produkt zur Marktreife.

audiovision: Welche Klangparameter ändern sich im Lauf der Zusammenarbeit in London?

Timm: Das sind unterschiedliche Parameter, die die klangliche Abbildung betreffen. Dazu gehört das Staging, also die Abbildung der klanglichen Bühne mit ihrer gesamten Tiefe und Räumlichkeit. Aber auch die klangliche Balance zwischen Mitten, Hoch- und Tiefton profitiert.

audiovision: Warum ist dieser Prozess nötig?

Timm: Nun, es gibt eine ganze Menge elektronischer Schaltkreise und auch mechanische Einflüsse seitens des Chassis. Viele Dinge lassen sich zwar auf der Messbank simulieren, aber das beste Messinstrument ist aus unserer Sicht immer noch das Ohr. Von daher ist der Prozess unvermeidlich.

audiovision: Warum setzt Pioneer auf digitale Receiver, also Class-D-Endstufen?

Timm: Wir benutzen Class D derzeit nur im oberen Ende unseres Sortimentes, versuchen aber, die Technologie möglichst schnell in die Mittelklasse zu überführen. Class D hat mehrere Vorteile. Zunächst einmal der wesentlich effektivere Einsatz unserer Ökoressourcen, der Stromverbrauch eines Class-D-Verstärkers ist wesentlich effektiver als der klassischer Class-AB-Verstärker. Zudem gibt es entsprechende EU-Richtlinien, die die weitere Verbreitung von Class-D-Verstärkern sicherlich fördern werden. Die klangliche Effizienz eines Class-D-Verstärkers ist ebenfalls unbestritten.

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €
Jürgen Timm, Product-Manager bei Pioneer. 

 

Fazit

Mit dem SC-LX 85 ist Pioneer ein großer Wurf gelungen. Er punktet durch viel Leistung, hervorragenden Klang und beste Ausstattung – und führt mit 94 Punkten unser Receiver-Ranking an.   

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €

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Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Pioneer SC-LX 85 - AV-Receiver für 2.500 €

 

 

Der Testbericht Pioneer SC-LX 86 (Gesamtwertung: 95, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2012 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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