KEF Q SET (Test)

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Kef Q Set – 5.2-Boxenset für 4.500 Euro

Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 €Die aktuelle Q-Serie von Kef nutzt neu konzipierte Koaxialtreiber mit weiter verbessertem Abstrahlverhalten und erhöhter Belastbarkeit.

Seit nunmehr 50 Jahren entwickelt der britische Hersteller Kef innovative HiFi-Lautsprecher, seit 1980 baut er auch eigene Koaxialtreiber. In seiner neuen Q-Serie bietet der Hersteller verschiedene Front-, Center- und Surroundboxen, die alle mit den sogenannten Uni-Q-Treibern bestückt sind.

Für den Test wählten wir die jeweils hochwertigsten Modelle und gesellten zwei Subwoofer dazu. Im Einzelnen handelt es sich um die beiden Standboxen Q 900 für je 900 Euro, den Center Q 600c für 600 Euro und die Surround-Dipolboxen Q 800ds für paarweise 900 Euro. Für die Tiefton­unterstützung sorgen zwei der kompakten Subwoofer Q 400b; jeder steuert dafür 200-Watt-Class-D-Endstufen bei und kostet 600 Euro.

Technik

Die Chassis konventioneller Mehrwege-Lautsprecher löschen sich unter bestimmten Winkeln aus, was zu einem Energieverlust im Hallfeld führen kann. Dagegen nähern sich Koaxialtreiber, wie sie Kef verwendet, dem Ideal der Punktschallquelle an, erfordern aber einen hohen Konstruktionsaufwand (siehe Kas­ten). In der 106 Zentimeter hohen Standbox von Kef teilt sich der 20 Zentimeter große Uni-Q-Treiber den Platz und die Basswiedergabe mit einem weiteren Tieftöner. Beide nutzen zur Bassverstärkung eine ABR-Passivmembran, weshalb anders als bei Reflextechnik keine Luftgeräusche auftreten. Sie verstärken Bassfequenzen von 58 Hertz maximal und sorgen für einen hohen Wirkungsgrad, steuern aber weniger Druck im Tiefbass bei. Im Zentrum des neuen Q-Treibers übernimmt die 38 Millimeter große Aluminiumkalotte schon ab 1,8 Kilohertz den Mittel-/Hochtonbereich. Dank einer speziellen Schalllinse gelingt eine weiträumige und hochreichende Wiedergabe – laut Hersteller bis 40 Kilohertz.

Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 €
Zweischneidig: Um tiefer spielen zu können,
beschneidet das Tiefpassfilter in 40-Hertz-Stellung obere Bässe stark,
was 24 Dezibel an Wirkungsgrad kostet.
Besser klingt ein Setup mit 80 Hertz.
 

Der Uni-Q-Treiber im Center Q 600c hat eine 25 Millimeter große Hochtonkalotte und strahlt allein fast das gesamte Frequenzspektrum ab 100 Hertz ab; entsprechend vorbildlich fällt sein Rundstrahldiagramm aus. Für die erstaunlich tief reichenden Bässe steht ihm ein Duo aus Tieftöner und Passivmembran bei, das mit 54 Hertz sogar tiefer als bei den Frontboxen abgestimmt ist. Nur 13 Zentimeter messen die Uni-Q-Treiber der Surroundbox Q 800ds, die sich gegenüber liegen. Sie arbeiten oberhalb von rund 300 Hertz gegen­phasig, während Bässe überwiegend von einem Treiber abgestrahlt werden. Der tiefer angekoppelte Treiber lässt sich mit Hilfe einer 1,5 Volt Batterie identifizieren und bewegt sich, während der zweite Konus von der Weiche abgekoppelt ist. Unser Test zeigt, dass die Dipolboxen nicht spiegelsymmetrisch aufgebaut sind. Daher müsste man eine Dipolbox umgedreht betreiben, damit identisch angesteuerte Treiber zum Hörer zeigen. Dafür ist die integrierte Wandhalterung aber nicht ausgelegt.

Ohne Luftgeräusche agieren die beiden geschlossen verbauten 25er-Tieftöner im Subwoofer Q 400b. Damit er trotz des kleinen Einbauvolumens von 23 Litern tiefe Bässe produzieren kann, setzt Kef auf ein extrem tief einstellbares Tiefpassfilter. Es kappt allerdings die oberen Bässe und reduziert den Wirkungsgrad. Zwei Subwoofer, wie in unserem Test-Set, spielen zum Glück sechs Dezibel lauter. Zudem können 40-Hertz-Bässe um sechs oder zwölf Dezibel angehoben werden.

Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 €
Saubere Lösung: Öffnet man die Schraubverbinder zwischen den Bi-Wiring-Terminals,
wird auch die galvanische Verbindung zwischen den Buchsen gelöst und so ein
separates Ansteuern ermöglicht.
Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 €
Kein Energieverlust:  Das Rundstrahlverhalten des Centers ist vorbildlich.
Auch seitlich sitzende Zuhörer werden bestens versorgt, es kommt weder zu Einschnürungen
im Mitteltonbereich noch zu abfallenden Höhen.

 

Zusatzinfo: Uni-Q-Treiber von Kef

Das Abstrahlverhalten wird oft als Q-Faktor bezeichnet; Kef leitete daraus den Namen seiner Uni-Q-Treiber ab. Der neue 38 Millimeter große Hochtöner in der Standbox Q 900 beruht auf Entwicklungen für Kefs Konzeptlautsprecher Concept Blade. Die große, versteifte Aluminiumkalotte verschiebt Partialschwingungen außerhalb des Hörbereichs, ist tiefer einsetzbar und höher belastbar. Ihr Magnetsystem liegt innerhalb der 50 Millimeter großen Schwingspule des Tief-/Mitteltöners und nutzt eine zehnfach stärkere Neodym-Eisen-Bor-Verbindung. Zur Optimierung der Abstrahlcharakteristik und als Berührungsschutz dient eine aufwändige Schalllinse, von Kef "Tangerine-Waveguide" genannt. Auch die Membran­form des Tief-/Mitteltonkonus bestimmt die Abstrahlcharakteristik des innen sitzenden Hochtöners; sie wurde flach gehalten, weshalb selbst Hochtonfrequenzen breit abstrahlen. Das flache Design der "Z-Flex-Surround-Sicke" vermeidet Reflexionen vom Rand der Membran. Sie ermöglicht trotzdem hohe Auslenkungen, wie sie für tiefe Bässe erforderlich sind.

Das tolle Abstrahlverhalten von Kefs Uni-Q-Treibern zeigt sich auch im Rundstrahldiagramm des Centers Q 600c. Es unterscheidet sich für seitlich versetzt sitzende Zuhörer selbst bei Frequenzen um 20 Kilohertz kaum und kennt keine Auslöschungen im Mitteltonbereich, oft ein Problem vieler CenterBoxen. Der Vorteil im Heimkino: Die Schallanteile des Centers und der Frontboxen fügen sich homogen zusammen und ermöglichen ein Klangbild mit präziser räumlicher Staffelung.

Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 €
Auf­wändige Neukonzeption: Die Explosionsgrafik zeigt den enormen Konstruktionsaufwand.
Das Uni-Q-Chassis hat eine Schallverteilung mit Tangerine-Wave-Guide,
eine flache Z-Surround-Sicke und einen innen liegenden Hochtöner.


Tonqualität Surround

Schon beim Pegelabgleich mit Rosa Rauschen machen sich der hohe Wirkungsgrad und die auf den Punkt zeitrichtige Wiedergabe der Standbox bemerkbar. Sie lässt statistisch verteiltes Rauschen richtig prasseln, verschluckt keine Impulse und liefert eine famose Auflösung. Zudem gibt sie sich analytisch und klingt nicht brav wie vormals manche Briten-Box (auch von Kef) mit hochdämpfender Polypropylen-Membran. Allerdings ist bei tiefen Bässen bald Schluss und auch beim Subwoofer hilft nur die Sechs-Dezibel-Anhebung bei 40 Hertz, um die Gewichtung stärker Richtung Tiefbass zu verschieben. In der minimalen Tiefpass-Einstellung schafft der Sub zwar eine untere Grenzfrequenz von 20 Hertz, läuft dann aber ganze 24 Dezibel leiser, was nicht praxisgerecht ist. Besser klingt ein Setup mit 80 Hertz Tiefpassfrequenz, das auch die eher schlanken Dipolboxen nahezu bruchlos einbindet. Sie geben Surroundschall bei seitlicher Montage diffuser und wesentlich weiträumiger ab als direkt strahlende Boxen.

Perfekt ortet man dagegen den Center Q 600c. Er liefert hohe Dynamik und Auflösung, klingt aber im Bereich einer leichten Mitteltonsenke bei 900 Hertz und der darauf folgenden Anhebung bei 1,5 Kilohertz nicht vollkommen verfärbungsfrei. Der leichte Schlenker verschwindet, wenn man den Center unter leichtem Winkel von 20 bis 30 Grad abstrahlen lässt, beispielsweise aus einer Position unter der Leinwand. Er prunkt mit hervorragender Sprachverständlichkeit auf allen Sitzplätzen. Wenn auf der DTS-DVD "Titan AE" die Raumschiff­besatzung im kosmischen Eisfeld gejagt wird, gelingt ihm zusammen mit den Frontboxen eine präzise räumliche Abbildung von Schallereignissen, auch im Übergang zwischen den Boxen. Im Vergleich dazu spannen die Dipolboxen eine diffusere und weit nach hinten und oben reichende Surroundkulisse auf. Das aus vielen Richtungen vernehmbare Knarzen und Scheuern bei der Kollision des Raumschiffs mit den Eiskristallen versetzt die Zuschauer direkt in die Handlung des animierten Science-Fiction-Streifens. Unglaublich hart und trocken intoniert das Set dazu brachiale Basssalven beim Krachen und Zersplittern der Kristalle, setzt allerdings den wabernden Tiefbassteppich etwas dezenter in Szene. Mit Dolby TrueHD-Ton auf Dolbys Demo-Blu-Ray kommen wiederum die dynamischen Fähigkeiten der Frontboxen zur Geltung. Beim Rocktitel "The Hand That Feeds" von Nine Inch Nails sorgen die pure Energie der Gitarren, das druckvoll treibende Schlagzeug und der intensive Gesang mit rundum präsentem Publikum für echte Live-Atmosphäre.

Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 €
Patentierte Koaxialtreiber: Die neue Q-Serie von Kef basiert auf drei verschieden
großen Treibern. Das Set ist in Eiche Schwarz, Kirsche und
Nussbaum erhältlich.

Tonqualität Stereo

Was vielen Mehrwege-Boxen schwerfällt, liegt der Standbox von Kef: Sie klingt bei Stimmen wie aus einem Guss und meistert anspruchsvolle Kost, etwa "Ich Liebe Dich" von Hermann Prey mit Klavier und Solostimme. Bei leisen Passagen in tieferen Lagen klingt Preys Tenor ebenso offen und frei wie bei kraftvollen hellen Spitzen. Auch zwischen fest gesetzten oder weich ausklingenden Klavieranschlägen unterscheiden Kefs Frontboxen virtuos. Viele konventionell aufgebaute Mehrwege-Lautsprecher klingen im Vergleich diffus; knackige Impulse von einer Snare oder hölzerne Xylophonanschläge können sie in der Regel nicht so konzentriert auf den Punkt spielen wie Kefs großer Uni-Q-Treiber. Ohne Subwoofer fehlt es den Standboxen beim Titel "Grandma’s Hands" mit Livingston Taylor aber an Tiefbass: Das Fingerschnippen und der Gesang klingen zwar ungemein lebensecht, doch vom tief mitschwingenden Holzboden, auf dem die Interpreten mit den Füßen wippen, ist wenig zu hören. Auch der Titel "The Cost of Freedom" mit Marla Glen klingt erst dann satt und kraftvoll im Bass, wenn man beide Subwoofer zuschaltet. Sie sorgen mit ihrer trockenen und präzisen Gangart bei derben Nummern wie "Rock Show" von Run DMC für stahlharte Synthesizer-Bässe, reproduzieren jedoch eine eigentlich weich und tief nachschwingende Bassdrum bei Blues- und Jazzmusik eher etwas nüchtern.


 

Fazit

Kefs 5.2-Set punktet mit toller Dynamik, präziser Raumaufteilung vorn und mit einer angenehm diffusen Surround-Kulisse. Die Impulstreue der Uni-Q-Treiber sorgt für Realismus, die gleichmäßige Abstrahlung für homogenen Klang von Stimmen und Instrumenten. Kleine Kritik gibt es nur am Tiefbass, der nicht ganz an die in den anderen Bereichen gebotene Spielfreude heranreicht.                            

       

Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 € 

 

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Kef Q Set - 5.2-Boxenset für 4.500 €

 

 

Der Testbericht KEF Q SET (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 4500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2012 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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