Onkyo PR-SC 5509 / PA-MC 5500 (Test)

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Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 – Vor-End-Kombi für 4.300 €

Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €Wenn Onkyo eine neue AV-Vorstufe auf den Markt bringt, horcht die Heimkino-Szene auf – und audiovision genau hin.

Onkyo hat ein sicheres Näschen für den Trend. Vor zwei Jahren brachte die Firma, als erster Großserien-Hersteller nach langer Durststrecke, eine AV-Vorstufe im noch bezahlbaren Preissegment um 2.000 Euro auf den Markt. Die PR-SC 886 war schnell vergriffen, worauf Onkyo umgehend die ebenfalls höchst erfolgreiche Nachfolgerin PR-SC 5507 baute und ihr die ausgewachsene Neunkanal-Endstufe PA-MC 5500 zur Seite stellte. Allerdings: Die Weitergabe von 3D beherrschte diese Vorstufe noch nicht. Genau das – und mehr – kann jetzt die neue PR-SC 5508.

Ausstattung und Technik

Acht HDMI-Eingänge, davon einer auf der Front, lassen selbst bei üppigen Heimkinos den Gedanken an Engpässe gar nicht erst aufkommen. Dank zweier HDMI-Ausgänge eignet sich die Vorstufe auch für den gleichzeitigen Anschluss von Fernseher und Projektor. Die äußerst hochwertige Verarbeitung von 2D-Video mit Hilfe des Reon-VX-Prozessors der Firma IDT (die den ursprünglichen Hersteller Silicon Optix 2008 kaufte) behielten die Onkyo-Entwickler zum Glück unverändert bei: Die Vorstufe setzt alle analog eingehenden Video-Signale in die digitale Ebene um und skaliert sie, ebenso wie eingehende HDMI-Signale, auf bis zu 1080p/60 hoch. Die Filmmode-Erkennung bei Interlaced-Bildern beherrscht der Reon-Chip zudem nahezu perfekt. Die sehr umfangreichen Video-Einstellungen erlauben mit Hilfe von getrennten Kontrast- und Helligkeitsreglern für die Grundfarben sowie einer zehnstufigen Feineinstellung eine extrem genaue Justage. So gute Einstellmöglichkeiten finden sich selbst an hochwertigen Fernsehern und Projektoren nur selten, bei AV-Receivern und -Prozessoren haben sie Seltenheitswert. Der Reon-Prozessor beherrscht zudem "Inverse Telecine", kann also Progressive-Material mit 60 Hertz wieder auf die ursprüngliche 24 Hertz Bildwiederholfrequenz des Films zurückwandeln. Im Test funktionierte das zuverlässig.

Nicht nur auf Videoseite bei der PR-SC 5508 setzt Onkyo High-Tech ein, auch digitalem Audio spendierten die Entwickler eine geballte Ladung hochwertige Technik: So verpflanzten sie gleich drei DSPs von Texas Instruments in die Vorstufe, alle in der Lage, Signale mit bis zu 192 Kilohertz (kHz) und ungewöhnlichen 32 Bit zu verarbeiten. Dank der verwendeten 32 Bit-D-/A-Wandler wird die Vorstufe für SA-CD-Fans hochinteressant: Die Wandler können nämlich einen per HDMI hereinkommenden DSD-Datenstrom verarbeiten, was selbst erheblich teurere AV-Prozessoren nicht immer beherrschen.

In Sachen verfügbare Wiedergabemodi hat sich im Vergleich zur Vorgängerin nichts geändert. Die Vorstufe besitzt weiterhin die volle Bestückung an Tondecodern inklusive ProLogic 2z und den dafür nötigen Höhenkanälen. Sie lassen sich auch für Audyssey DSX nutzen; deren Seitenkanäle müssen sich aber die Anschlüsse mit den Höhenkanälen teilen. Die Vorstufe ist nach THX Ultra 2 Plus zertifiziert und bietet somit gleich drei unterschiedliche Verfahren, die den Frequenzgang an den aktuellen Abhörpegel und die Eigenschaften des menschlichen Gehörs anpassen können – dem Tüfteln und dem Spieltrieb sind hier kaum Grenzen gesetzt.Von der Vorgängerin übernahm die PR-SC 5508 auch ihre Multimedia-Funktionen. Per Netzwerk-Buchse greift sie auf DLNA-Musikserver im Heimnetzwerk zu, per vTuner gibt sie Internet-Radio wieder. Das Einklinken in die kostenpflichtigen Musikdienste Napster und LastFM ist ebenfalls möglich. 

Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €

Mit ihrem klaren, übersichtlichen Aufbau und der gut lesbaren
Beschriftung trägt die Onkyo-Fernbedienung ihren guten
  Teil zur einfachen Bedienung der Vorstufe bei. 

Dazu gibt’s je einen USB-Anschluss auf Front und Rückseite, an denen Speichermedien mit Musik Anschluss finden. An der Frontbuchse lässt sich sogar ein iPod betreiben; um dessen sämtliche Funktionen inklusive Video zu nutzen, braucht man aber zusätzlich eine Docking-Station, die dann über den rückseitigen "Universal Port" Kontakt aufnimmt.

Wer noch Vinyl in den Regalen hortet, liegt mit der Onkyo-Vorstufe ebenfalls richtig, denn sie bietet einen Phono-Eingang für den Plattenspieler, den die Entwickler sogar mit einem hochwertigen Cinch­buchsenpaar ausrüsteten. Ein identisches Paar kommt am CD-Eingang zum Einsatz. Der Anschluss-Luxus geht weiter, denn entsprechend gerüsteten Playern streckt die Vorstufe einen symmetrischen Eingang entgegen. Damit nicht genug, sämtliche Ausgänge sind als Cinchbuchsen und auch noch in symmetrischer Ausführung vorhanden. Symmetrische Verbindungen klingen zwar nicht zwingend besser, bieten aber auf langen Kabelstrecken eine größere Sicherheit gegen eingestreute Störungen und sind vorzuziehen, sobald Vorstufe und Endverstärker mehr als zwei Meter voneinander entfernt stehen.

Sinnvollerweise stellt auch die Endstufe PA-MC 5500 für jeden Kanal beide Anschlussvarianten zur Verfügung. Darüber hinaus hält sie eine Buchse für eine Zwölf-Volt Steuerspannung (Trigger) sowie zwei Umschalter bereit: Der eine dient zur Impedanzumschaltung, der andere sorgt dafür, dass sich die Endstufe nach spätestens drei Stunden selbsttätig in den Standby-Modus begibt, falls kein Trigger-Kabel angeschlossen ist. 

Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €
Schnörkellos, übersichtlich und funktionell: Das Menü ist klar gegliedert und gut strukturiert.

 

 

 

Tonqualität Surround

Beeindruckend schlägt sich die Endstufe im Messlabor: 7 x 120 Watt an sechs Ohm und 7 x 160 Watt an vier Ohm drückt sie in die Messwiderstände. Im Fünf- und Zweikanalbetrieb stellt sie noch deutlich mehr Power unter Beweis.

Glanzvoll verlief der Hörtest. So rockt Police auf der Blu-ray "Certifiable" (Dolby TrueHD) knackig, temperamentvoll und im Tieftonbereich sehr konturiert. Stings mächtig schiebender E-Bass ertönt sehr präzise und doch mit richtig Druck, das Schlagzeug von Stewart Copeland dynamisch und impulsiv. Da kann die Receiver-Referenz von audio­vision, der SC-LX 90 von Pioneer, nicht mithalten. Er baut nicht den Druck auf, zu dem die Onkyo-Kombi gerade bei hohen Lautstärken in der Lage ist, und spielt zudem die untersten Lagen nicht so präzise und auf den Punkt. Erst mit beschaulicheren Titeln wie "They Can’t Take that Away From Me" (Dolby TrueHD) von der Demo-Disc "The Sound of High Definition" rückt er dem Onkyo-Set dichter auf den Pelz: Stimmen bringt er schöner und runder, die Onkyos dafür fetziger und dynamischer – Geschmackssache.  

Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €

Geradezu überbordend mit Anschlüssen bestückt ist die Rückseite der Vorstufe
PR-SC 5508 (oben).  Sogar einenVGA-Videoeingang zum Anschluss eines PCs,
einen Phono-Eingang für den Plattenspieler sowie Subwoofer-Ausgänge für
die Multiroom-Nebenzonen bringt sie mit.

Ihren Meister findet die Onkyo-Kombi erst in der Statement D2v und der Statement P5 vom kanadischen Hersteller Anthem, der Referenz-Kombi von audio­vision. Der hörbare Unterschied fällt aber längst nicht so groß aus wie der preisliche – die Anthems kosten das Vierfache. Die Kanadier drücken noch mehr Bassenergie in den Raum und geben sich souveräner und räumlich präziser, etwa in der Abschlepp-Szene aus "Terminator – die Erlösung". Doch das japanische Duo spielt in Anbetracht seines Preises wirklich sensationell gut.  

 Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €

Breitschultrig und respekteinflößend präsentieren sich die Fronten
der Onkyo-Geräte – die machen richtig was her im Heimkino-Regal.

Tonqualität Stereo

Die Stereo-Abteilung der Onkyo-Geräte, so stellt der Test mit entsprechendem Material schnell klar, ist keinesfalls nur als Verlegenheitslösung oder zur Hintergrund-Beschallung gedacht. Vor allem bei aktiver "Pure Audio"-Funktion glänzt die Kombi bei Stereosound mit einem fein aufgelösten, präzisen und doch lockeren Klangbild, das Scheiben wie Michael Ruffs "Speaking in Melodies" oder "Falling in Between" von Toto zum echten Genuss werden lässt. Das japanische Duo wirkt dabei höchst engagiert und verleiht der Musik echten Charakter und wahre Emotion, was für derart mit modernster Technik vollgestopfte Geräte keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist.   

Zusatzinfo: Technik – Das Innenleben  

  Auf den ersten Blick geht es im Innern von Onkyos Vorstufe PR-SC 5508 und des Neunkanal-Endverstärkers PA-MC 5500 eher luftig zu, vor allem, wenn man die beiden mit fast schon übervollen AV-Receivern vergleicht. Bei genauem Hinsehen zeigt sich aber schnell, dass die Entwickler keineswegs gespart haben. So fällt beispielsweise die Stromversorgung der Vorstufe üppig aus. Immerhin drei Trafos (oberes Bild oben quer angeordnet) garantieren eine saubere Trennung zwischen analogem Audio, digitalen Tönen und Video. Die Videoverarbeitung findet auf der sichtbaren Platine (links unten) statt, worauf schon der dank seiner silbernen Färbung optisch auffällige Videoprozessor-Chip Reon-VX hinweist.Auch die Endstufe kann sich über mangelnden Materialeinsatz nicht beschweren: Der dicke Ringkerntrafo (unten Mitte) beeindruckt durch üppige Abmessungen und die damit einhergehende Strom-Potenz. Ihn trennten die Entwickler mittels eines Kühlkörpers, der sich über die gesamte Breite des Geräts erstreckt, von den störanfälligen analogen Audio-Schaltkreisen.   

Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €
Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €
 Verglichen mit einem AV-Receiver sind Onkyos Vor- (oben) und Endstufe (unten) 
recht luftig aufgebaut, aber deshalb noch lange keine Mogelpackungen.
  Beide Heimkino-Komponenten bieten hochwertigste Technik und tollen Klang.  

Zusatzinfo: Technik – 32-Bit-Verarbeitung 

Die Werbung mit Zahlenwerten, meist je höher, desto besser, hat sich inzwischen auch im Bereich der Unterhaltungselek­tronik unangenehm breit gemacht. Gerade No-Name-Hersteller versuchen gern, die Kundschaft mit potenzierten Verstärkerleistungen oder millionenschweren Kontrastwerten zu überzeugen. Nutzen tut es meist nichts.

Nun könnte man auf den ersten Blick meinen, dass Produkte, die ihre interne Verarbeitung digitaler Audiosignale mit 32 oder mehr Bit preisen, in eine ähnliche Kategorie fallen. Schließlich arbeiten Aufnahme- und Mastering-Studios zur allseitigen Zufriedenheit "nur" mit 24 Bit – was also soll eine Verarbeitung mit 32 oder mehr Bit bringen?

Doch der Fall liegt anders, denn viel hilft hier tatsächlich viel. Bei den teilweise sehr umfangreichen Berechnungen, die AV-Vorstufen und -Receiver intern für die Decodierung und das Bassmanagement vornehmen, fallen sehr häufig Bit-Überläufe an. Aus 24 Bit werden dann 25, die in eine 24-Bit-Verarbeitungskette nicht hineinpassen und deshalb per Rundung wieder entfernt werden müssen. Bei einem einzigen Rechenschritt fallen auftretende Rundungsfehler kaum ins Gewicht. Da aber teilweise Hunderte von einzelnen Rechenschritten nötig sind, damit das Audiosignal die gewünschte Form annimmt, steigen die Rundungsfehler rasch an und können das Signal hörbar verfälschen.

Erweitert man nun die Verarbeitungskette auf 32 Bit, schafft man sozusagen Platz für Kalkulations-Überläufe. Zudem verschieben sich etwaige Rundungsfehler zu immer geringeren und für die Klangqualität damit irrelevanten Werten. Onkyo setzt hier noch einen drauf und verpasst sogar den Digital-/Analog-Wandlern 32 Bit. Damit lässt sich das komplett berechnete Signal aus den DSPs unverändert an die Wandler übergeben, ohne dass es vorher fehlerbehaftet auf die üblichen 24 Bit gekappt werden muss. Die D-/A-Wandler im Onkyo stammen übrigens vom renommierten Hersteller Burr-Brown, der bereits im Jahr 2000 von Texas Instruments übernommen wurde.

 

 

 

Fazit

4.300 Euro sind eine Stange Geld. Was Onkyos VorEnd-Kombi aus PA-MC 5500 und PR-SC 5508 dafür bietet, ist aber allererste Sahne. Um noch besseren Klang zu erleben, muss man erheblich tiefer in die Tasche greifen, bekommt dafür aber keinesfalls mehr Ausstattung. Ergo: Das Onkyo-Duo ist mit 95 Punkten unser derzeitiger Spitzenreiter.

Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €
Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €

    

Technische Ausstattung und Bewertung 

Onkyo PR-SC 5508/PA-MC 5500 - Vor-End-Kombi für 4.300 €

 

 

Der Testbericht Onkyo PR-SC 5509 / PA-MC 5500 (Gesamtwertung: 95, Preis/UVP: 4300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2011 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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