Sony VPL-HW 30 ES (Test)

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Sony VPL-HW 30 ES – 3D-Projektor für 3.500 Euro

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €Der neue VPL-HW 30 ES von Sony macht was her: Der relativ günstige 3D-Projektor basiert auf der bewährten SXRD-Technik des VW 90 und brilliert mit beeindruckend natürlichen Farben.

Nach dem VPL-VW 90 ES für 6.500 Euro (Test in audiovision 4-11) bringt Sony mit dem VPL-HW 30 ES einen 3D-Projektor zum halben Preis. Er ist mit den neuen HFR-Panels des VW 90 bestückt und kos­tet 3.300 Euro. Für 200 Euro mehr gibt es ihn im 3D-Set; dann liegen zwei Brillen vom Typ  TDG-PJ1 (Einzelpreis 100 Euro) und der 3D-IR-Transmitter TMR-PJ1 (Einzelpreis 70 Euro) bei. Nur im 3D-Set kann man den Beamer in Weiß ordern. Alles zur 3D-Qualität finden Sie im Kasten auf Seite 42. Der VW-90-Nachfolger VW 95 folgt im November für 5.500 Euro und nutzt wie der Testkandidat VPL-HW 30 ES eine dynamische Lampenansteuerung für mehr Helligkeit im 3D-Betrieb.

Ausstattung und Bedienung

Äußerlich ähnelt der HW 30 dem VW 90, verzichtet aber auf die motorische Steuerung von Objektiv und Lens-Shift. Separate Räder erledigen die manuelle Bildverschiebung zwar weniger elegant, aber zweckmäßig; und schließlich muss man diese Einstellungen, ebenso wie die Justage von Fokus und 1,6-fach-Zoom, in einem Heimkino mit fester Montage nur einmal machen. Konkurrenten mit DLP-Technik bieten meist keinen Lens-Shift, während LCD-Projektoren wie der Panasonic PT-AT 5000 ähnlich flexibel sind, aber mit einem etwas gröberen LCD-Pixelraster aufwarten. Sonys SXRD-Pixel liefern im Vergleich selbst auf einer sehr großen Leinwand eine filmisch feine Projektion ohne Fliegengittereffekt.

Aufgrund der Drei-Chip-Projektion können je nach Modell leichte Konvergenzabweichungen auftreten, denen man im Installationsmenü für jede Grundfarbe elektronisch beikommt. Hier findet sich auch ein Blanking-Menü, das unsaubere Ränder schwarz maskiert, der Overscan ist ebenfalls einstellbar. Dank beleuchteter Fernbedienung und großer Tasten findet man die vielen Direktfunktionen auch im dunklen Heimkino. Bei hochskaliertem SDTV-Material wechselt man mit der Taste "Wide Mode" direkt zwischen allen benötigten Bildformaten oder kann ein 21:9-Format für die Projektion mit Vorsatzlinsen aktivieren. Weitere Bildfunktionen wie "Black Level" und "Gamma Correction" sowie die automatische Blendenfunk­tion "Advanced Iris3" und Sonys Bewegungsverbesserung "Motionflow" lassen sich ebenfalls direkt umschalten. 2D-Filme laufen mit bis zu 120 Hertz, 3D-Filme mit 240 Hertz Bildwiederhol­frequenz.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €

Komfortabel: Auf der großen
Fernbedienung kann man alle wichtigen
Bildfunktionen mit Direkttasten umschalten.

Großes Lob verdient der neue HW 30 für die naturgetreuen Farben in den drei Kino-Bildmodi. Wählt man dazu die Farbtemperatur "niedrig" aus, erscheinen perfekte Farben und neutrales Weiß mit einer Farbtemperatur von 6.600 Kelvin. Das RCP-Farbmanagement braucht man im Grunde nicht; Tüftler werden aber ihre helle Freude daran haben.

Der HW 30 speichert für sieben Bildmodi separate Einstellungen für 2D- und 3D-Filme, sodass beim Wechsel automatisch die passenden Bildwerte vorliegen. Neu ist die dynamische 3D-Lampensteuerung "Dynamic Power Control": Sie wechselt mit hoher Taktfrequenz zwischen einer reduzierten Lampenleistung bei geschlossener und einem Boost-Modus bei geöffneter Shutter­brille. Das steigert die Lichtausbeute bei 3D, trotzdem bleibt der Lüfter selbst im hellen Modus leise. Eine gute Idee ist die RJ-45-Buchse für den 3D-Transmitter, an die jedes LAN-Kabel oder eine vorhandene Netzwerkverkabelung passt. Die neuen, verbesserten 3D-Brillen verfügen über integrierte Polarisationsfolien; bei den Modellen zum VW 90 wurden sie noch aufgesteckt. Zudem muss man sich nicht mehr über leere Batterien ärgern: Die Brillen-Akkus lassen sich per USB-Netzteil in knapp einer Stunde aufladen, der Saft soll für 30 Stunden reichen.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €

Sonderausführung: Im 3D-Set mit Transmitter und zwei Brillen gibt es den
Sony VPL-HW 30 ES auch in Weiß.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €
  Gute Idee: Neben den PC-, Video- und HDMI-Eingängen gibt es eine RJ-45-Buchse,
die die Verbindung zum 3D-IR-Transmitter herstellt. Dafür lassen sich handelsübliche
LAN-Kabel oder ein im Haus verlegtes Netzwerk benutzen.

Licht und Farbe

Im Expertenmenü oder per Direkttaste "Color Space" schaltet der Sony auf drei Wide-Modi. Sie liefern intensives Grün und Rot mit erweitertem Farbraum. Um natürliche Farben zu erhalten, sollte man den Modus "Normal" aktivieren. Grün, Blau und sämtliche Mischfarben treffen nur im Kino-Modus den EBU-Farbraum, Rot erscheint nur minimal erweitert. Schwarz-Weiß-Filme wie "Casablanca" sehen mit der Farbtemperatur "Niedrig 1" weitgehend neutral und unverfärbt aus. Nur die untersten Graustufen wandern leicht in Richtung Blauviolett, was sich aber in fünf Benutzerspeichern mittels separater RGB-Regler für dunkle Bildinhalte ausgleichen lässt. In einem Weißbild sind leichte durch Shading bedingte Farbabweichungen erkennbar, die im 3D-Betrieb mit Shutterbrille zunehmen.

Bei besten Farben steigert der HW 30 die Lichtausbeute im Vergleich zum VW 90 von 680 auf 840 Lumen, was für 2,9 Meter breite Leinwände reicht. In Telestellung bleiben 730 Lumen. An das tiefe Schwarz des VW 90 kommt der neue Sony aber nicht heran. Sein Im-Bild-Kontrast erreicht mit 3.100:1 nur rund 40 Prozent der Dynamik des gro­ßen Bruders, die Werte liegen zudem geringfügig niedriger als beim LCD-Konkurrenten Panasonic PT-AT 5000. Mit Hilfe der manuellen Iris lässt sich der Kontrast zwar auf Werte von 5.000 bis 7.500:1 steigern, was aber bis zu zwei Drittel der Lichtleistung kostet. Noch stärker wirkt die Iris in den beiden Automatik-Modi, die völlig schwarze Testbilder dynamisch auf rund ein Achtel der Ausgangshelligkeit absenken. Der Iris-Modus "Auto 2" reduziert die Bildhelligkeit allerdings in düsteren Szenen unnötig stark, während "Auto 1" eine sehenswerte Alternative zur Projektion ohne Blendenfunktion ist.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €

Bildqualität Standardsignale

An der Leistung des Videoprozessors gibt es wenig auszusetzen, die Vollbildwandlung erkennt Kinofilme auf DVD schnell und zuverlässig. Die Strandszene aus "Sechs Tage, sieben Nächte" meis­tert der HW 30 ohne Zucken und in "Space Cowboys" rastet der Filmmode nach einer Sekunde ein und beseitigt Flimmern in der Rummelplatzszene. Nur mit TV-Material arbeitet die Kantenglättung bei schrägen Konturen wenig effektiv, was leichte Treppenstufen hervorruft. Sportübertragungen zeigt der Sony mit aktiviertem "Motionflow" sehr bewegungsscharf, wobei sich beide Stufen bei TV-Material gleich verhalten und nur auf Kinofilme auswirken. Bei der Überprüfung mit scharfen Testbildern auf DVD umsäumt allerdings ein Blaustich feinste Linienpaare, der sich auch mit verschiedenen Schärfeeinstellungen nicht beseitigen lässt.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €
Minimal weicher: Feine Muster in HDTV-Testbildern stellt der Sony mit reduziertem Kontrast dar,
in manchen Testbildern treten leichte Farbsäume auf. In realen Kinofilmen fällt das aber kaum auf.

 

 

 

Bildqualität HDTV

Testbilder und Fotos bildet Sonys Drei-Chip-Technik nicht ganz so scharf ab wie die besten DLP-Projektoren, dafür entfallen typische DLP-Artefakte wie Farbradblitzer. Muster im Testbild "Pixel Phase" erscheinen leicht gefiltert und in Testbildern mit fein zulaufenden Linienpaaren zeigen sich gelegentlich leichte Blaufärbungen. In echten Bildern ist davon aber kaum etwas zu sehen. Bei Zuspielung von 1080-Material entfaltet der Sony viele Talente, da er neben klassischem TV- und Kinomaterial auch seltene HDTV-Formate (1080/30p) flimmerfrei auf die Leinwand wirft. Kinofilme zeigt er stets ruckelarm im originalen 24-Hertz-Modus, selbst wenn sie mit 60 Hertz zugespielt werden (Inverse Telecine). Mit Hilfe der Motionflow-Schaltung lassen sich Kino­filme in Stufe 2 fließend wie eine TV-Produk­tion darstellen, was auch bei sehr schnellen Motiven funktioniert. In "Casino Royale" bauen sich bei der Verfolgungsjagd auf der Baustelle leichte Pixelwolken um den fliehenden Schuft auf. Die meisten Szenen am Baukran gleiten perfekt vorbei, nur in einer Sequenz mit fliegender Kamera gerät der Sony ins Stottern. In Stufe 1 wechselt die Bewegungsdarstellung öfters zwischen Gleiten, einem dezent geglätteten Bild und der originalen 24p-Darstellung. Wahre Cineasten werden bei Kino­filmen aber "Motionflow Aus" wählen, denn die 24p-Darstellung des Sony sieht sauber und originalgetreu aus. So projiziert er die Speichen der rotierenden Rouletteräder im Bond-Intro mit klarer Doppelkante wie bei 35-Millimeter-Film. Auch die Detailschärfe überzeugt, selbst wenn feinste Maschen in der Laufkatze des Baukrans minimal weich wirken.

Wirklich beeindruckend ist, mit welcher Fülle, Feinheit und Natürlichkeit der HW 30 Farben jeder Art zeigt. Vom intensiven Ferrari-Rot eines Sportwagens bis zu feinsten Pastelltönen oder Hautfarben – die Projektion besticht durch natürliche Farbenpracht. Diese Qualität ist bei anderen Projektoren oft gar nicht oder erst nach langwierigen Optimierungen zu haben, wobei die Optimierung in der Regel nur Experten mit digitaler Farbmesstechnik gelingt, während der Sony aus dem Stand brilliert. Dafür und für das schon ohne Auto-Iris satte Schwarz verdient sich der neue Projektor ein dickes Lob. Nur in manchen düsteren Einstellungen bei "Krabat" sind gelegentlich leichte violette Farbabweichungen zu den Ecken hin erkennbar. Aktiviert man den Iris-Modus "Auto 1", werden sie aber in ganz dunklen Einstellungen gesenkt.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €
Speicher für 2D und 3D: Abweichende Parameter der Bildmodi speichert der Sony für 2D-Filme
und für 3D-Filme getrennt, weshalb man später nicht mehr umschalten muss.
 

3D-Bildqualität des Sony

Mittels Hochfrequenz-Lampenmodulation steigert Sony erfolgreich die Lichtleistung im 3D-Betrieb: Der Projektor liefert mit Brille nun 80 Lumen, beim wesentlich teureren VW 90 waren es nur 60. Auch 80 Lumen sind für gängige Bildbreiten von zwei Metern allerdings immer noch zu wenig, sofern man die vom Kino gewohnte Helligkeit als Maßstab heranzieht. Im Praxistest ergibt sich entsprechend ein eher düsteres, nach Gewöhnung aber dennoch überzeugendes Bild: Der Tiefeneffekt ist gut, die Feinzeichnung in schwierigen Passagen wie dem Tempeldach zu Anfang der Imax-Doku "Mumien 3D" makellos. Die Farben wirken glaubwürdig, auch wenn sie etwas kühler als beim normalen Blu-ray-Bild ausfallen (Farbtemperatur 7.700 statt 6.600 Kelvin).

Störender sind Verfärbungen innerhalb des Bildes. Sie hängen von der Kopfhaltung ab und sind in hellen, einfarbigen Motiven wie den Sanddünen zu Anfang der Imax-Doku sichtbar. Geisterbilder durch Übersprechen treten nur gelegentlich an kontrastreichen Motiven auf, stören aber selbst bei hellster Einstellung der Brille nur marginal. Die Bewegungsschärfe überzeugt, Motive werden auch während flotter Kamera­schwenks klar abgebildet. Wahlweise zeigt der Sony ein originales 24p-Bild mit Judder oder glättet Bewegungen in beiden Motionflow-Einstellungen. Das künstlich generierte 3D-Bild wirkt in Details ein wenig weich, wie Full-HD-Testbilder aufzeigen. Die neuen, wiederaufladbaren Shutter-Brillen vom Typ TDG-PJ1 kommen ohne kratz- und verschmutzungsempfindliche Aufsteckfolien aus, wovon die Bildqualität profitiert – das 3D-Bild wirkt schärfer und kontrastreicher.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €
Die 3D-Menüs zeigen sich erst bei eingestecktem Transmitter. Der Projektor unterstützt,
abhängig von Auflösung und Bildwiederholrate, die Formate 3D-Blu-ray, 3D-Konvertierung,
Side by Side und Top/Bottom.

 


Zusatzinformation: Das Farbmanagement des Sony

Sonys 3D-Videoprojektor zeichnet sich in der Voreinstellung Kino 1 durch eine vortreffliche Farbdarstellung aus. Im Menü lassen sich darüber hinaus drei zusätzliche, erweiterte Farb­umfänge anwählen, sodass man sich der detaillierten Einstellmöglichkeiten im "Real Color Processing"-Menü (RCP) gar nicht bedienen muss. Als Spielwiese für Experimente ist dieses Menü dennoch erwähnenswert, da es über die üblichen Möglichkeiten gängiger Farbmanagement-Einstellungen hinausreicht: Bei den meisten Farbmanagement-Menüs kann man Ton, Sättigung und Helligkeit der sechs Primär- und Sekundärfarben ändern. Keinen Einfluss hat man aber in aller Regel darauf, wie selektiv die Korrektur erfolgt, ob also zum Beispiel nur gesättigtes Rot oder auch Hauttöne geändert werden oder ob beispielsweise statt der Rottöne gezielt nur Orange-Töne bearbeitet werden.

Beides geht beim Sony: Mit dem Menüpunkt "Position" wählt man die zu bearbeitende Farbe anhand eines Farbkreis-zeigers aus, mit "Bereich" lässt sich der Sektorwinkel vergrößern oder verkleinern. Bei größerem Winkel werden zunehmend benachbarte Farben korrigiert, bei einem kleinerem Winkel nur die ausgewählte Farbe. Zum schnellen Vergleich zwischen unterschiedlichen Einstellungen sind drei Speicher vorhanden. Solange man mit den Reglern Farbenwahl, Position und Bereich die zu bearbeitenden Nuancen auswählt, werden alle von der Korrektur unbetroffenen Bildbereiche grau dargestellt – von der Farbskala in der Bildschirmabbildung sind entsprechend nur die roten Motive zu sehen. Sobald man per Farbe, Farbton und Helligkeit Änderungen vornimmt, bekommt man wieder ein normales, farbiges Bild zu sehen. Auf diese Weise lassen sich die Auswirkungen der Farbkorrektur optimal erkennen.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €

Spielwiese: Farbmanagement mit Auswahlvorschau, bei der alle unbearbeiteten Farbnuancen
grau dargestellt werden. 
 


 

 

 

Fazit

Die guten Anlagen des VW 90 kommen auch beim deutlich günstigeren VPL-HW 30 ES von Sony zum Tragen. Er punktet mit tollen Farben, bester Bewegungsschärfe und gesteigerter Helligkeit bei 2D- wie 3D-Projektion. Die Ausstattung mit intelligenter Videoverarbeitung und flexibler Installation gefällt ebenso wie die neue, aufladbare 3D-Brille. Kritikwürdig sind nur Kleinigkeiten wie leichte Farbflecken durch Shading, die man in Filmen aber nur selten wahrnimmt.

Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung

 
Sony VPL-HW 30 ES - 3D-Projektor für 3.500 €

 

 

 

Der Testbericht Sony VPL-HW 30 ES (Gesamtwertung: 82, Preis/UVP: 3500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2011 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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