Anthem MRX-700 (Test)

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Anthem MRX 700 – AV-Receiver für 2.200 Euro

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 EuroBekannt ist die Marke Anthem für ihre Vor-/End-Kombis der Extraklasse. Mit dem MRX-700 offeriert der Hersteller aus Kanada nun auch einen AV-Receiver.

Teuer, aber extrem leistungsstark und erstklassig im Klang – so urteilten die Tester in audiovision 6-2009 über die Vor-/End-Kombi von Anthem für 14.100 Euro. Den AV-Receiver der Firma gibt es nun erheblich günstiger: Für gerade mal 2.200 Euro wildert das Siebenkanal-Gerät in der Preisklasse bezahlbarer Luxus-AV-Receiver. Vertrieben wird es in Deutschland und Österreich von ATR-Audio Trade in Mühlheim.

Ausstattung und Technik

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 Euro 

Die Fernbedienung ist beleuchtet und liegt gut in der Hand. Für die Bedienung
"zwischendurch" liefert Anthem eine Zweitfernbedienung mit den wichtigsten Tasten mit.

Der Receiver nimmt analoge und HDMI-Video­signale entgegen und wandelt sie in HDMI-Signale bis 1080p um. Ein Video-Equalizer erlaubt Korrekturen am Bild. Die Bildqualität liegt grundsätzlich hoch, nur bei der Digitalwandlung von YUV-576i zeigen sich Schwächen: Der Kontrast übersteuert, es flimmert während Kamera­schwenks. In puncto Multimedia gibt es einen USB-Mediaplayer, der sich auf verlustfreie Musik-Dateiformate wie WAV und WMA lossless versteht. Ein weiteres Extra ist das Internetradio vTuner, das mit rund 1.100 deutschsprachigen Stationen eine große Auswahl bietet. In Entwicklung ist eine Dockingstation zum Abspielen von Musik aus dem iPhone.
Das übersichtliche Lautsprecher-Setup bietet alle wichtigen Funktionen, allerdings fallen die Schrittweiten zur Korrektur von Pegel und Boxen-Entfernung mit einem Dezibel und 30 Zentimetern grob aus. Zudem vermissen wir eine Option, die den Subwoofer bei Stereo-Wiedergabe und Vollbereichsboxen mitlaufen lässt. Die im 5.1-Betrieb brachliegenden Endstufen lassen sich zur Beschallung eines zweiten Raums oder für Toneffekte von oben (ProLogic IIz) verwenden.

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 Euro
Übersichtlich: Der Receiver verfügt über eine ausreichende Anzahl von Anschlüssen.
Die Ausgänge sind durch den weißen Hintergrund auf den ersten Blick erkennbar.

Zusatzinfo: Für Profis – das Einmess-System von Anthem

An gängigen AV-Receivern kann man in der Regel kaum Einfluss darauf nehmen, wie die Einmess-Automatik den Klang optimiert. Meist gibt es zwei oder drei feste Voreinstellungen, nur in manchen Fällen lässt sich der Klang mit nachgelagerten Filtern noch etwas weiter anpassen.
Bei der "Anthem Room Correction" (ARC) ist das anders. Sie prüft die Lautsprecher auf ihre Basswiedergabe, misst die Frequenzgänge am Hörplatz und schlägt dann Einstellungen vor. Ist- und Soll-Frequenzgang zeigt sie dabei für jeden Kanal inklusive Subwoofer einzeln in professionellen, übersichtlichen Computer-Diagrammen. Wie sich verschiedene Bassfilter-Einstellungen auf den Frequenzgang auswirken, lässt sich so auf einen Blick erkennen. Ganz nach Wunsch kann man das Boxen-Setup eher auf optimalen Tiefbass oder in Richtung maximale Pegelfestigkeit trimmen. Zusätzlich lässt sich mit dem Regler "Max EQ" der Arbeitsfrequenzbereich festlegen, sodass beispielsweise nur die Bässe korrigiert werden.
Das Ergebnis überzeugt in der Praxis, da der Equalizer-Einsatz im kritischen Mittel- und Hochtonbereich nur mit Bedacht erfolgt. Frei von Nachteilen ist das Anthem-System allerdings nicht, denn zur Bedienung braucht man einen PC, der mit zwei USB-Ports oder einer USB- und einer RS-232-Schnittstelle ausgerüstet ist. Außerdem kümmert sich die Automatik nicht um die richtige Delay-Einstellung, weshalb man die Boxenabstände selbst messen muss. Mit tieffrequenten Testtönen verursachte der ARC-Equalizer in unserem Test zudem hörbares Rauschen, während bei Musik keine Nebengeräusche auffielen.

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 Euro
Präzise und flexibel: Die PC-basierte Einmessautomatik
korrigiert Nasen im Frequenzgang wirkungsvoll. Das
Klangverhalten im Bassbereich lässt sich einstellen.

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 Euro

 

 

Tonqualität Surround

Ob actionreicher Filmton wie die Verfolgungssequenz rund um den Gardasee in "Ein Quantum Trost" oder ein Live-Konzert der Band "Three Doors Down" – der Anthem schlägt sich im Vergleich zum leistungsstärkeren Denon gut. In Dialogen wahrt er klare Verständlichkeit, das Konzert ertönt stressfrei und dynamisch. Drückt man bei hohen Pegeln aber die Pause-Taste, hört man kurz den Lüfter nachlaufen. Leichte Klangunterschiede lassen sich bei Stücken wie "The Panther" von der Blu-ray "Legends of Jazz" ausmachen: Hier schiebt der Anthem den E-Bass von Marcus Miller nicht ganz so druckvoll in den Hörraum wie der Denon. Dafür klingt die Live-Darbietung des Dolby TrueHD-Soundtracks ein wenig räumlicher und luftiger.
Per Einmess-Automatik können Kenner tiefer ins Klanggeschehen eingreifen als üblich (siehe auf der vorherigen Seite) – und werden bei richtiger Einstellung mit präziser Basswiedergabe und einem unaufdringlichen Klang belohnt, der sich nur subtil vom Klang ohne Einmessung unterscheidet. Insofern lässt sich das Fehlen eines klassischen, manuellen Equalizers verschmerzen. Für die Wiedergabe von Kopfhörer-Surround steht bewährte Dolby Headphone-Technik zur Verfügung.

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 € 
Aufgeräumt: Bei der
Innenansicht des Verstärkers fällt  der mächtige und geschirmte Ringkerntrafo auf.
 

Tonqualität Stereo

Eine Stärke bei stereophoner Wiedergabe ist der hohe Grad an Räumlichkeit, den der Anthem im Direktvergleich mit dem Denon vermittelt. Die Stimme von Carly Simon in "Nobody Does It Better" ertönt bei beiden klar umrissen aus der Mitte, doch die reich arrangierte Begleitung löst sich mit dem Anthem besser von den Boxen als mit dem Denon. Bei klanglich hellen Aufnahmen sollte man am Anthem statt HDMI die optische Sig­nalzuspielung einsetzen, denn sie klingt einen Hauch fülliger.

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 €
Techno-Design: Alle Bedienelemente sind sichtbar, das blaue 32-Zeichen
Matrix-Display lässt sich gut ablesen. Die Fernbedienung ist
beleuchtet und liegt gut in der Hand. Für die Bedienung "zwischendurch"
liefert Anthem eine Zweitfernbedienung mit den wichtigsten Tasten mit.

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 €
Aktive Kühlung: Ein temperaturgesteuerter Lüfter schützt die Elektronik vor
Überhitzung. In der Aufnahme unserer Wärmebildkamera sieht
man anhand des roten Rings, dass die Abwärme rechts ausgeblasen wird.

 

Fazit

Der Anthem bringt für seine Preisklasse wenig Ausstattung mit, lässt sich dafür aber leicht bedienen. Er eignet sich speziell für Musik- und Filmfreunde, die einen puristischen AV-Receiver suchen, der für Individualität und High-End-Image steht. Der luftige und zugleich kräftige Klang ist über alle Zweifel erhaben.  

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Anthem MRX 700 - AV-Receiver für 2.200 €

 

 

Der Testbericht Anthem MRX-700 (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 2200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2011 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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