Sony VPL-VW 90 ES (Test)

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Sony VPL-VW 80 – SXRD-Beamer für 6.500 Euro

Test Sony VPL-VW 80Brandneue Projektor-Technik: Schwarze Zwischenbilder lassen den Sony VPL-VW 80 zwar leicht flimmern, machen aber bewegte Bilder so scharf wie nie zuvor.

Wenn Sony einen neuen Video-Projektor der gehobenen Preisklasse vorstellt, kommt Spannung auf, denn die Japaner machten in den vergangenen Jahren immer wieder neue Technologien salonfähig. Dazu zählt die hauseigene SXRD-Technik auf Basis reflektierender LCD-Pixel (ähnlich D-ILA von JVC) genauso wie die Streulichtblende im Lichtweg, die auf den Bildinhalt reagiert und den Kontrast steigert. Während solche Kontrast-Tricks bei anderen Herstellern zu unangenehmen Helligkeitsschwankungen führen, schafft Sony das fast ohne sichtbare Nebeneffekte, und zwar durch eine entsprechend schnelle Schaltung und eine gleichzeitige Gammakorrektur. Zum guten Ton gehört bei Sonys SXRD-Projektoren außerdem die sehr flexible Aufstellung, bei der sich Bildversatz, Fokus und Zoom per Fernbedienung einstellen lassen.
Der jüngste in der SXRD-Runde ist der VW 80 und kostet 6.500 Euro. Sony stellte uns exklusiv ein Testgerät aus der Vorserie zur Verfügung, dessen Hardware aber bereits der Serie entspricht. Obwohl wir Tests von Vorserienmodellen an sich vermeiden, machten wir hier eine Ausnahme – angesichts der technischen Innovationen dieses Projektors konnten wir nicht widerstehen. Ein guter Entschluss, wie sich herausstellen sollte.
 

Ausstattung

Das wichtigste neue Ausstattungsmerkmal des VW  80 ist die "Motionflow dark frame insertion" (siehe Kasten), die den Projektor leicht flimmern lässt. Zusammen mit dem schnelleren Bildchip und einer leistungsfähigeren Video-Elektronik sorgt sie für schärfere Bilder bei Bewegung. Nicht minder wichtig sind natürlich die bereits aus vorherigen SXRD-Generationen mitgebrachten Kernkompetenzen wie die Dreichip-Technologie mit dem fein geregelten Konvergenzabgleich.


Test Sony VPL-VW 80

Sehr übersichtlich: Die Fernbedienung gefällt durch ihre großen und intuitiv
erreichbaren Tasten zur Steuerung der wichtigsten Funktionen.

Bedienung

Bei neuen Fernsehern und Blu-ray-Playern orientiert sich Sony heute am Menüdesign der Play­station 3. Dies­e moderne Optik hat es offenbar vielen Elektronikfans angetan. Je komplexer ein Gerät ist, desto weniger geeignet erscheint uns das Design jedoch; das lässt sich schon an der Playstation 3 selbst erkennen, bei der sich wichtige Heimkino-Optionen in verschachtelten Untermenüs verbergen. Zum Glück behielt Sony beim VW 80 das alte Menüdesign und die bewährte Fernbedienung bei; selbst damit ist es schon schwer genug, alle Einstellmöglichkeiten des Projektors zu durchblicken. Einige Optionen im Bildschirmmenü sind auf Anhieb nur schwer oder gar nicht zu verstehen, die wichtigsten Regler für Helligkeit, Kontrast und Bildschärfe dafür aber schnell zugänglich. Für den Alltag wichtige Funktionen finden sich zudem als Direkttasten auf der gut strukturierten und beleuchteten Fernbedienung.



Rausch-Koordinaten: Die MPEG-Rauschreduktion, vor allem interessant bei DVDs
und DVB-T mit geringer Datenrate, funktioniert effektiv und lässt sich regulieren.



Meisterhaft: Diese schwierige Szene von der Blu-ray "Antarctica Dreaming",
in der die Kamera dem Pinguin vor einem felsigen Hintergrund mit
vielen Details folgt,  bildet kein uns bekannter Projektor so scharf wie der VW 80 ab.



Knallbunt: Der VW 80 ist in der Farbraum­einstellung ‚wide‘ wirklich weit –
nämlich weit entfernt von natürlichen Farben. Insbesondere Grüntöne wirken sehr synthetisch.

Messwerte

Zu den wichtigsten Kennzeichen eines modernen Heimkino-Projektors gehört es, dass er Farben so darstellt, wie es die Studios bei der Filmproduktion im Sinn hatten. Weltweit einheitliche Produktionsstandards geben die Regeln dafür vor. Im Gegensatz zu einigen früheren Sony-Projektoren wie dem VPL-VW 60 (audiovision 01-08) beherrscht der VW 80 diese Regeln relativ gut. Unsere Messungen von Farbraum und Farbtemperatur ergaben nur geringe Abweichungen vom Ideal – zumindest, so lange der Farbraum auf ’normal‘ und die Farbtemperatur auf ’niedrig‘ gestellt war (siehe Kasten ‚ideale Einstellungen‘). Die Farbtemperaturen ‚hoch‘ (9.450 Kelvin) und ‚mittel‘ (8.200 Kelvin) liegen zu kühl. Schaltet man die Gammakorrektur ab, ergibt sich ein Wert von 2,2. In der Voreinstellung ‚Gamma 4‘ ändert er sich auf 2,4, was sich für dunkle Räume besser eignet.

Wie von früheren Modellen gewohnt, schöpft auch der VW 80 in Sachen Bildkontrast aus dem Vollen. Sein Maximalkontrast (schwarzes Bild im Vergleich zu einem weißen) von knapp 30.000:1 liegt auf Rekordniveau, selbst der ANSI-Kontrast von 350:1 fällt erstaunlich hoch aus. Einen Beweis für die hohe Kontrastleis­tung des Projektors liefert zudem der sehr hohe ‚Im-Bild-Kontrast‘, bei dem ein kleines Weißfeld vor einer schwarzen Fläche gemessen wird. Hier erreichte der Sony satte 6.000:1.

Gewohntes Bild: Die Anschlussbuchsen sind zwar etwas schwer zu erreichen,
verschandeln dafür aber die gelungene Optik des Projektors nicht.
Praktisch ist das Bedienfeld unter der seitlichen Klappe.

Die Streulichtblende im Lichtweg verrichtet ihre Arbeit gewohnt unauffällig und trägt wirksam zur Kontraststeigerung bei. Etwas dürftig fällt allerdings die Helligkeit des Projektors aus: Bei ordentlich eingestellten Farben kommt der Sony selbst mit einem grenzwertig hoch eingestellten Kontrast nicht über 600 ANSI-Lumen hinaus. Im Eco-Modus bleiben davon gerade mal gut 400 Lumen übrig. Nochmals deutlich dunkler wird das Gerät, sobald Schwarzbilder eingefügt werden (siehe Kasten unten). In seinem schärfsten Bildmodus schafft der Sony so nur noch knapp 200 Lumen; in diesem Fall sollte die verwendete Leinwand selbst in dunkler Umgebung nicht breiter als zwei Meter sein.

Info: Schärfer dank schwarzer Zwischenbilder

‚Motionflow dark frame insertion‘ heißt die Technologie, die nicht nur den VW 80, sondern auch aktuelle Fernseher von Sony flimmern lässt. Der Hersteller spricht dabei von 100-Hertz-Technik; im Grunde werden aber nur Schwarzbilder eingefügt, was die subjektive Wahrnehmung verbessert, und die SXRD-Chips genauer angesteuert, was die Bewegungsschärfe erhöht. Vereinfacht ausgedrückt lässt Sony das Bild künstlich flimmern, um der Darstellung der guten alten Bildröhre wieder ein Stück näher zu kommen.

Denn die moderne SXRD-Technik führt zu verschmierten Bewegungen, wie beispielsweise der Test des VW 60 (audio­vision 01-08) zeigte. Im neuen VW 80 sitzt nun ein neuer SXRD-Chip, der schneller reagiert (Herstellerangabe: 2,5 ms), dazu kommt eine verbesserte Bravia 2 Engine. Gemeinsam zeichnen sie für die neue Bildoption ‚Film projection‘ verantwortlich, die ab Werk ausgeschaltet ist. Bei Aktivierung erhielten wir das schärfste Bild im ‚Modus 1‘, der jedoch so viele Schwarzbilder einfügt, dass sich die Bildhelligkeit um mehr als die Hälfte reduziert und es gerade bei vollflächigen Bildern manchmal zu starkem Flimmern kommt. ‚Modus 2‘ gibt sich mit rund 75 Prozent der maximalen Bildhelligkeit deutlich heller und überzeugte uns insbesondere dann, wenn zusätzlich die Bildoption ‚Bewegungskorrektur‘ eingeschaltet ist. Pendel, Laufschrift und schwierige Filmszenen sehen hier sehr sauber aus. ‚Modus 3‘ oder ‚aus‘ gefielen uns trotz höherer Helligkeit im Vergleich nicht so gut.
 

Wichtige Option: Ein superscharfes Bild zeigt sich erst im ‚Modus 1‘.


Entlarvend: Das schwingende Pendel von Peter Finzels Testdisc (hier zu sehen im Original)
verschmiert ohne die Zwischenbilder deutlich.


Schwierig: Scharfe Laufschriften in unterschiedlichen Geschwindigkeiten
erfordern eine gute Videoverarbeitung und schnelle Projektions-Chips.

Bildqualität Standardsignale

Die Verarbeitung von Bildsignalen in Standard-Auflösung gehört nicht zu den Stärken des VW 80. Ähnlich wie bei früheren Modellen mangelt es dem skalierten Bild an Qualität. Im Test spielten wir auch Signale über eine HDTV-Settop-Box von Clarke-Tech zu, die nach unserer Erfahrung zu den besseren Kandidaten gehört, wenn es um das Up­scaling von Standard-Signalen geht. In HDTV-Auflösung zugespielt, sah das Bild von normalen Fernsehsendern auf dem Sony gut aus. Bei Zuspielung im nativen 576i-Format ließ die Qualität hingegen zu wünschen übrig. Das Bild wird hier vom Sony nämlich einerseits weich gezeichnet, andererseits überbetont – besonders gilt das für Artefakte. Zu Gute halten muss man dem Projektor, dass er mit seiner mächtigen Rauschreduzierung und Schärfeanhebung wieder einiges herausholt und das Bild ansehnlich macht. Genau deswegen kommt der Sony in unserer Sehtest-Bewertung noch recht gut davon. Wann immer es geht, sollte man die Zuspielung in Standard-Auflösung trotzdem vermeiden.

 

Bildqualität HDTV

Bei relativ kleinflächiger Projektion mit den richtigen Einstellungen und gutem HD-Material begeistert der VW 80. Die Darstellung von 24p-Sig­nalen gelingt ihm besser als jedem bislang getes­teten Projektor. Den Bond-Vorspann mit den fliegenden Karten stellt er im Flimmermodus 1 – der heißt natürlich eigentlich ‚Film Projection Modus 1‘, so viel Ketzerei sei erlaubt – scharf wie kein anderer dar. Das leichte Flimmern sieht man ihm da gern nach. Einen spektakulären Beweis für die Bewegungsschärfe liefert die Pinguinszene (7:41) auf der Blu-ray "Antarctica Dreaming". Trotz Kameraschwenk, vieler Details und fein differenzierter Helligkeit auf den Steinen im Hintergrund bleibt das komplette Bild gestochen scharf und völlig artefaktfrei – faszinierend! Selbst deutlich teurere DLP-Projektoren können da nicht mithalten, denn bei ihnen tritt Dithering in Form von falschen Konturen auf.

Gut ausgelagert: Im Expertenmenü des  Sony VW 80 haben tatsächlich
nur Experten etwas zu suchen. Die Funktion zur Darstellung des
xvYCC-Farbraums (Sony nennt sie "x.v.Color") gefiel uns nicht.
Mit einem entsprechenden Camcorder erschienen die Farben nämlich zu bunt.

Nicht perfekt gelangen dem Sony manche Testbilder, speziell jene, bei denen es um die Maximalauflösung ging (siehe Kasten unten). Ganz anders fällt seine Vorstellung bei Filmen aus: Mit Disneys Blu-ray "Verwünscht" besticht er sowohl in den realen als auch in den animierten Szenen durch Kontrastreichtum, akkurate Farben und scharfe Bilder. Auch die Verfolgungsjagd in den Häuserschluchten von "Spiderman 3" wirkt fulminant.

Störungen im Rand ausblenden: Selbst bei HDTV-Signalen kommt es gelegentlich vor,
dass sich im oberen Bildbereich Störungen zeigen. Die professionellste
Lösung ist dann das Blanking, also das Schwarz-Schalten dieser Zeilen.
Im Gegensatz zum Overscan muss das Bild hierbei nämlich nicht skaliert werden.
 

Info: Die Sache mit der Auflösung

Von einem modernen Full-HD-Projektor erwarten wir natürlich, dass er einzelne Pixel im HDTV-Signal perfekt abbilden kann. Allerdings treten in der Praxis immer wieder Probleme auf, die eine klar abgegrenzte Darstellung verhindern. Im Einzelnen lassen sich diese Probleme auf folgende mögliche Technik-Ursachen zurückführen:
• Konvergenzfehler durch die Optik oder die Projektions-Chips (bei Drei-Chip-Projektoren)
• Overscan und die damit verbundene Skalierung des Bildes
• digitale Trapezkorrektur und die damit verbundene Skalierung des Bildes
• aktive Filter in der Videoverarbeitung zur Rauschreduktion oder Schärfeanhebung

Ob ein Projektor einzelne Pixel perfekt darstellen kann, erkennt man entweder mit einem angeschlossenen PC, der in nativer Auflösung zuspielt, oder mit speziellen Testbildern  – in unserem Fall einem Schachbrettmuster aus einzelnen Pixeln. Der VW 80 ist zwar in der Lage, dieses Testbild so darzustellen, dass sich einzelne Pixel erkennen lassen; so gut wie Einchip-DLP-Projekoren agiert er dabei aber nicht. Mit Vorsicht zu genießen ist in diesem Zusammenhang die eigentlich pfiffige Möglichkeit des Sony, die digitale Konvergenz zu korrigieren (Panelabgleich im Installationsmenü): Der Bildversatz lässt sich damit zwar genau einstellen, aber die Korrektur zieht zwangsläufig Skalierungsartefakte nach sich. Der Effekt: Farbsäume reduzieren sich, doch die Auflösung feiner Bilddetails leidet.



So soll es eigentlich aussehen: Das Testbild zeigt ein  Schachbrettmuster,
das aus einzelnen Pixeln besteht. Jeder Pixel ist zu erkennen.



Das macht der VW 80 daraus: Er zeigt deutlich weniger Detailkontrast als
das Original, aber die Struktur lässt sich noch gut erkennen.



Nach der Konvergenzkorrektur: Die einzelnen Pixel lassen sich nun kaum
noch unterscheiden, und die Fläche wirkt insgesamt eingefärbt.

 

Fazit

Mit seinen vielen interessanten Technologien zur Bildoptimierung macht der Sony VW 80 besonders echten Heimkino-Enthusias­ten Spaß. Schwenks und schnelle Bewegungen zeigt der Projektor dank seiner Schwarzbild-Einflechtung so gestochen scharf wie kein anderer. Kritikpunkte am VW 80 betreffen die begrenzte Helligkeit, das leichte Flimmern und die manchmal etwas bunten Farben. Insgesamt aber überzeugen Ausstattung und Bild.


Technische Ausstattung und Bewertung

 

 

Der Testbericht Sony VPL-VW 90 ES (Gesamtwertung: , Preis/UVP: 6500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2010 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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