Teufel Theater 200 (Test)

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Teufel Theater 200 – 5.1-Set für 900 Euro

Test Teufel Theater 200 - 5.1-Set für 900 EuroPassend zur Weihnachtszeit brachte Teufel ein Boxenset fürs Heimkino mit tollem Klang zum wahrhaft himmlischen Preis: Das brandneue Theater 200 kostet gerade mal 900 Euro.  

Technik

Mit der brandneuen Kombination Theater 200 folgt nun der nächste Streich. Diesmal zwar ohne THX-Zertifikat, dafür kostet das Set nur 900 Euro. Teufel verfuhr dabei nach bewährtem Rezept: Man nehme preiswerte Chassis-Technologie, allerdings nicht von der Stange, sondern mit eigenen Zutaten gewürzt und optimiert, und lasse sie von den haus­eigenen Entwicklern auf kleiner Flamme so lange garen, bis das Ergebnis mundet.
Im konkreten Fall heißt das für die neue Kombination Theater 200: Entwickler Andreas Guhde wählte für den Tieftonbereich ein günstiges 18-Zentimeter-Chassis mit einfachem Blechkorb und silbern lackierter Papiermembran, die kaum zu Eigenresonanzen neigt. So, wie der Antrieb bei Teufel angeliefert wurde, wies er allerdings noch reichlich Potenzial für Optimierungen auf. Er stellte nämlich deutlich zu wenig unverzerrten Hub zur Verfügung, weshalb seine Tiefbassfähigkeiten nicht zufriedenstellend ausfielen.
Genau für solche Problemstellungen befindet sich im Entwicklungslabor von Teufel ein Klippel-Messsystem. Es kann das Verhalten einer Membran über deren gesamten Hubweg analysieren und findet so schnell und genau heraus, an welchen Stellen eine Optimierung nötig und sinnvoll ist.
Als Magnetmaterial für den Tieftöner wählte Teufel-Entwickler Guhde übliches Ferrit. Anders verfuhr er beim Hochtöner mit seiner 25-Millimeter-Seidenkalotte. Dessen Antriebskraft wird von einem winzigen, aber starken Neodym-Magneten zur Verfügung gestellt, was eine kompakte Bauweise möglich macht und das Gewicht auf gerade einmal 63 Gramm reduziert. Zum Vergleich: Konventionell aufgebaute Hochtöner bringen es bei gleichen akustischen Kenndaten schnell mal auf das zehnfache Gewicht.

Test Teufel Theater 200 - 5.1-Set für 900 Euro
Fürs Heimkino völlig ausreichend ist das Bedien- und Anschlussfeld
des Teufel-Sub bestückt. Lobenswert: Das Tiefpass-Filter lässt sich deaktivieren.

In Sachen Gehäuse und Chassis-Anordnung ließen sich die Berliner ebenfalls einiges einfallen. So ist entgegen der üblichen Konstruktionsweise die Centerbox nicht mit zwei Tieftönern und einem dazwischen gesetzten Hochtöner aufgebaut, sondern weist nur ein Basschassis auf. Das sitzt mittig auf der hochglänzend lackierten Schallwand, der Hochtöner findet genau darüber in einem eigenen kleinen Gehäuse seinen Platz. So vermeidet Teufel weitgehend die sonst häufig auftretenden Einbrüche beim Rundstrahlverhalten im Mitteltonbereich, die seitlich sitzende Zuhörer um einen Teil des Hörgenusses bringen.
Auch die Frontboxen sind nur mit einem Bass­chassis ausgestattet. Bei ihnen sitzen der Tief- und der Hochtöner auf der Schallwand. Der Hochtöner wird dabei durch eine kleine Stufe um gut zwei Zentimeter nach hinten versetzt. Das soll sicherstellen, dass sein Schall gleichzeitig, also "zeitrichtig", mit dem des Tieftöners beim Zuhörer ankommt (siehe dazu auch Kasten rechts).
Für die Surroundkanäle liefert Teufel traditionsgemäß Dipol-Lautsprecher, die auf gegenüberliegenden Schallwänden je einen 13-Zentimeter-Bass und den schon erwähnten leichten Hochtöner tragen. Eine der beiden Seiten kann man mit einem Schalter am Anschlussterminal deaktivieren, was die Boxen zu normalen Direktstrahlern werden lässt. Gerade bei Mehrkanal-Musik gelingt so häufig das bessere Klangerlebnis.
In Sachen Subwoofer fährt Teufel echte Masse auf. Der voluminöse Quader wiegt 25 Kilo und beinhaltet ein Chassis mit 33 Zentimetern Durchmesser, das von einem Verstärker mit 250 Watt angetrieben wird. Das Tiefpassfilter des Subwoofers lässt sich deaktivieren, damit es dem des AV-Receivers nicht in die Quere kommt.

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Umschaltbar: Die Surroundboxen des Sets sind als Dipole aufgebaut. Mit dem
kleinen Schalter am Anschlussterminal lassen sie sich aber  einfach auf Monopol-Betrieb umstellen.

Tonqualität Surround

Unser Messlabor attestiert Teufels Entwicklern saubere Arbeit. Mit 33 Hertz unterer Grenzfrequenz und einem Maximalpegel von 108 Dezibel lässt der Subwoofer eine Menge Tiefton-Energie erwarten. Die Frequenzgänge von Frontboxen, Center und Surrounds wirken ausgeglichen und weisen nur geringfügige Welligkeiten auf, die allerdings so gut wie nicht hörbar sind. Denn im Hörraum spielten die Teufel-Schallwandler ausgewogen auf, Al Jarreaus Stimme in "Givin‘ It Up" bringen sie unverfärbt und natürlich zu Gehör. Dabei beweist das Set Temperament und knallt Impulse knackig in den Raum. Insbesondere der Bass weiß zu begeistern: In "Ratatouille" (PCM 5.1 von Blu-ray) kommen der mächtige Blitzschlag und die Schrotflintenschüsse ansatzlos und mit Wucht und Schub von ganz unten. Selbst bei weit aufgedrehtem Lautstärkeregler lässt sich keine nennenswerte Kompression wahrnehmen, von Verzerrungen ganz zu schweigen. Das gilt in ähnlicher Form auch für den Mittel- und Hochtonbereich, wie der bleihaltige Überfall auf den Army-Konvoy zu Beginn von "Iron Man" (DTS-HD Master Audio von Blu-ray) eindrucksvoll demonstrierte. Bei modernen Krachbumm-Soundtracks schafft das Teufel-Set Maximalpegel, die für diese  Preisklasse sensationell sind.

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So muss das Rundstrahlverhalten eines Center-Lautsprechers aussehen:
Es gibt keinerlei Einbrüche, was ungetrübten Klanggenuss auch für jene Zuhörer
bedeutet, die seitlich der Lautsprecher-Abstrahlachse sitzen.

Angesichts dieser Vorstellung verzeiht man kleine Mankos, etwa wenn das Set bei Pat Metheneys "Overture" aus "The Way Up" feine Details glattschmirgelt und sie nicht mit der von teureren Lautsprechern gewohnten Genauigkeit und Feinauflösung wiedergibt. Trotzdem wirkt das Klangbild immer wie aus einem Guss und schön luftig. Selbst bei langen Hörsitzungen nervt das Theater 200 nie. Auch die räumliche Wiedergabe überzeugt: Die Surround-Boxen gliedern sich sowohl im Monopol- als auch im Dipolmodus sauber ins Gesamtbild ein und spannen fast bei jedem Stück einen weiten, einhüllenden Raum auf.

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Die Schallwände des Theater 200-Sets sind mit schwarzer Hochglanzfarbe lackiert.
Die Gehäuseoberflächen beschichten die Berliner mit dunkel gemaserter Folie.

Tonqualität Stereo

Den luftigen, impulsiven und natürlichen Charakter der 5.1-Film-Wiedergabe behält die Kombi auch im Stereo-Betrieb bei. Michael Ruffs "Speaking In Melodies" ertönt dynamisch und mit sattem Bass, "Jazz At The Pawnshop" bekommt eine gemütliche Live-Clubatmosphäre mit glaubwürdiger räumlicher Tiefe.

 

Zusatzinfo: zeitrichtige Lautsprecher

Ein in High-End-Kreisen höchst umstrittenes Thema ist, ob Lautsprecher "zeitrichtig" konstruiert werden müssen oder ob das sogenannte Groupdelay vernachlässigbar ist. Zeitrichtig bedeutet dabei, dass der Schall sämtlicher beteiligter Chassis – bei Zweiweg-Boxen also der Schall von Tief- und Hochtöner – möglichst gleichzeitig beim Zuhörer ankommen soll. Gelingt das, so gestalten sich laut den Verfechtern dieser Theorie vor allem die Impulswiedergabe präziser und die Räumlichkeit natürlicher.
Bisher ließ sich aber selbst in ausführlichen wissenschaftlichen Experimenten nicht nachweisen, dass das menschliche Gehör überhaupt Unterschiede zwischen einem zeitrichtig ankommenden und einem minimal zeitversetzten Schall wahrnimmt. Dazu kommt, dass sich diese Zeitrichtigkeit bei getrennt angeordneten Chassis nur für eine Ebene im Raum, also eine bestimmte Ohrhöhe, herstellen lässt. Ober- oder unterhalb  dieser Ebene ändern sich die Abstände zu den Chassis und damit verschieben sich auch die Laufzeiten. Funktionieren würde die Theorie von der Zeitrichtigkeit daher nur mit Koaxial-Lautsprechern, bei denen der Hochtöner im Zentrum des Tieftöners angeordnet ist; bei ihnen sind die Laufzeit-Differenzen unter jedem Abhörwinkel gleich. Aber selbst wenn der Nachweis fehlt, dass unser Gehör die Zeitrichtigkeit als besser wahrnimmt und sich das Klangerlebnis steigert, verkehrt kann es nicht sein. Schließlich ist es so in der Natur.

 

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Die so genannte Sprungantwort (step response) zeigt die Laufzeit-Unterschiede
eines Mehrwege-Lautsprechers: Die erste "Nadel" steht für das
Signal des Hochtöners, die zweite, weniger steile für das des Tieftöners.
Verschmelzen beide, arbeitet der Lautsprecher zeitrichtig.

 

Fazit

Das Konzept von Teufel geht auf: Mit unspektakulärer, aber optimierter Technik präsentiert der Berliner Hersteller mit dem Theater 200 ein richtig gutes Lautsprecher-Set fürs Heimkino. Und das zu einem himmlischen Preis, der die Konkurrenz mit Sicherheit schlucken lässt.

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Technische Ausstattung und Bewertung 

Test Teufel Theater 200 - 5.1-Set für 900 €

 

 

Der Testbericht Teufel Theater 200 (Gesamtwertung: 82, Preis/UVP: 900 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2010 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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