Onkyo TX-NR 5007 (Test)

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Onkyo TX-NR 5007 – AV-Receiver für 2.500 Euro

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 EuroMit gleich neun vollwertigen Endstufen präsentiert sich der neue AV-Receiver TX-NR 5007 von Onkyo. Und weil auch der Klang stimmt, schafft er es in die Referenz-Klasse von audiovision.

Trotz seinem beeindruckend voluminösen Gehäuse platzt der Onkyo TX-NR 5007 schier aus den Nähten. Dieser Eindruck drängt sich zumindest nach der Lektüre seiner Ausstattungsliste auf: In ihm ist alles versammelt, was im Heimkino zählt und den Fans glänzende Augen beschert.

Ausstattung und Technik

Dass es sich um etwas Besonderes handelt, verrät schon die Typenbezeichnung des neuen Onkyo-Topmodells. Bislang bezeichnete der japanische Hersteller seine AV-Receiver nämlich nur mit drei Ziffern, nun sind es vier. Damit schlägt Onkyo zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen wissen Kenner sofort, dass es sich um eine brandneue Geräteserie handelt, zu der noch zwei preiswertere Receiver gehören, der TX-NR 3007 und der TX-NR 1007. Zum anderen weckt die Bezeichnung Erinnerungen an den TX-NR 5000E, Onkyos letzten und schon fast legendären Vollverstärker der Bolidenklasse.
Trotz dieser sentimentalen Anklänge liegt das neue Topmodell vor allem in puncto Ausstattung weit vorn. Der TX-NR 5007 bringt nämlich als erster AV-Receiver auf dem deutschen Markt neun  gleichwertige Endstufen mit. Damit lassen sich interessante Features wie ProLogic 2z und Audyssey DSX mit ihren zusätzlich erzeugten Höhen- beziehungsweise Seitenkanälen und ohne zusätzliche Geräte nutzen – vorausgesetzt, die entsprechenden Lautsprecher sind vorhanden. Dass die Entwickler aus dem Vollen schöpfen durften, zeigt sich auch daran, dass der Receiver mit Dolby Volume und Audyssey Dynamic Volume/Dynamic EQ zwei weitere Systeme mitbringt, deren Funktionen sich ähneln und die beide – wie der Hörtest zeigt – gut funktionieren, ohne die Klangqualität groß zu beeinflussen. Besonders Tüftler werden sich darüber freuen, denn sie können hier nach Herzenslust ausprobieren und spielen. Und danach dürfen sie gleich mit den THX-Einstellungen weitermachen, denn die befinden sich ebenfalls an Bord, und zwar in der exklusivsten Stufe Ultra2 Plus mit THX Loudness Plus, einem weiteren System zur Anpassung der Klangbalance (siehe Kasten "Loudness 2.0" rechts).

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 Euro

Die Fernbedienung ist übersichtlich, trotz spiegelnder Hochglanz-Optik bleiben ihre Tastenbezeichnungen gut lesbar.

In Sachen Technik lässt sich Onkyo ebenfalls nicht die Butter vom Brot nehmen. So übernimmt ein XXL-Ringkerntrafo die Stromversorgung der Endstufen und der analogen Audio-Schaltkreise. Um die digitale Bild- und Tonverarbeitung kümmern sich separate Spannungsumsetzer. Als D/A-Wandler setzt Onkyo Typen von Burr-Brown mit 192 Kilohertz Samplingfrequenz und einer Tiefe von sage und schreibe 32 Bit ein. Perfekt dazu passen die drei verwendeten DSPs von Texas Instruments, die ebenfalls mit diesen Spezifikationen arbeiten.
Dank seiner neun Endstufen und elf Lautsprecher-Anschlüsse lässt sich der Onkyo flexibler einsetzen als bisherige Receiver. Er kann beispielsweise die Frontlautsprecher per Bi-Amping antreiben oder je zwei der neun Endstufen in Brücke schalten und so besonders leistungshungrige Frontboxen adäquat versorgen. Selbst die Beschallung der Multi­room-Zonen 2 oder 3 ist per Lautsprecherkabel machbar; Höhen- und Front-Wide-Kanäle lassen sich so getrennt anschließen und per Audyssey DSX sogar betreiben, wenn man auf die Surround-Back-Lautsprecher verzichtet. Zugegeben, das hört sich alles recht kompliziert an. Und tatsächlich fordert der neue Onkyo von seinem stolzen Besitzer ein wenig Beschäftigung mit der Materie, so dieser alle Fähigkeiten und Möglichkeiten nutzen will. Doch echte Heimkino-Fans werden sich diese Zeit gern nehmen, vor allem wenn man gerade über 2.000 Euro für sein neues ‚Spielzeug‘ investiert hat.
Nebenbei spielt der TX-NR 5007 die Multimedia-Zentrale. Über seinen Netzwerk-Anschluss greift er auf die Musikdateien eines DLNA-PCs oder -Musikservers zu. Internet-Radio beherrscht er ebenfalls; dafür nutzt Onkyo den vTuner-Dienst aus dem Internet und bietet übersichtliche Such- und Auswahlmenüs. Außerdem lassen sich von Last.FM (siehe Kasten auf der nächsten Seite) Musikdaten empfangen, sofern man dort über ein – kostenloses – Benutzerkonto verfügt.

Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €
Die aufgeräumte Rückseite des Onkyo beeindruckt vor allem durch die große
Zahl der HDMI- und Lautsprecher-Anschlüsse.

Videoverarbeitung

Mit seinen acht HDMI-Eingängen, einem davon auf der Front, und den beiden Ausgängen bietet der Onkyo selbst umfangreichsten Anlagen genügend Anschlussmöglichkeiten. Die Videoverarbeitung ist ein Highlight für ambitionierte Heimkino-Besitzer: Dank des hervorragenden Reon-Videoprozessors von Silicon Optix gelingt dem Receiver das Upscaling analoger und digitaler Bildsignale auf sämtliche Auflösungen von 576p bis HDMI 1080/24p, zudem bringt er eine absolut fehlerfreie Vollbildwandlung ohne jegliches Zittern oder Flimmern zustande. Für jeden Eingang getrennt gibt es etliche Einstellmöglichkeiten wie Rausch- und MPEG-Filter sowie separate RGB-Regler für Helligkeit und Kontrast. Sie funktionieren sogar bei 1080p/24 – auch in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit. Auf Wunsch wandelt der Receiver NTSC-Bilder per "Inverse Telecine" auf 24 Hertz Bildwiederholfrequenz und sorgt so für eine ruckelarme Wiedergabe der Code-1-DVD-Sammlung. Eine fast perfekte Videoverarbeitung also – aber eben nur fast, ein kleines Manko fällt den peniblen Testern dann doch auf: Beim Wandeln von analogem Video auf digitales 1080p kommt es zu einem Schärfeverlust, was ihn zwei wertvolle Punkte kostet.

 

Tonqualität Surround

In bester Onkyo-Tradition zeigen sich die Messwerte des TX-NR 5007 über jeden Zweifel erhaben. Mit einer Ausnahme: In Sachen Mehrkanal-Verstärkerleistung muss der Receiver offenbar den zwei zusätzlichen Endstufen Tribut zollen. Mit 73 Watt an acht und 119 Watt an vier Ohm gelingen ihm für diese Preisklasse keine standesgemäßen Ergebnisse. Onkyos bisheriges Top-Modell, der 2.000 Euro teure TX 906 (Test in audiovision 12-2008), leistete merklich mehr.  Dass man nicht am Material sparte, sondern ein Strombegrenzer vor zu starker Erwärmung schützen soll, belegt die Stereo-Messung, denn hier leistet der Receiver an acht Ohm sogar mehr als an vier Ohm. Immerhin: Dank des Strombegrenzers und des eingebauten Lüfters, der im normalen Betrieb nicht zu hören ist, steigt die Gehäusetemperatur nur auf 47 Grad und nicht auf brandheiße 60 bis 70 Grad wie bei anderen Onkyo-Receivern.
Trotz der nicht optimalen Verstärkerleistung fällt im Hörtest kein Kraftmangel auf. Der Onkyo spielt selbst bei hohen Pegeln dynamisch und zupackend, Bassimpulse wie den Blitzschlag und die Schrotflinten-Schüsse aus "Ratatouille" (Mehrkanal-PCM) bringt er gut konturiert und mit voller Dynamik. Hier zeigt er sich dem Harman/Kardon AVR 760 (Test auf Seite 40) gleichwertig, beide legen sich richtig ins Zeug, ohne sich dabei zu verausgaben. Mit "On The Stage" von Three Doors Down (DTS) rockt der Onkyo richtig los und gibt das Konzert mit der passenden Aggressivität und Dynamik zum Besten. Nuancen im Gesang von Brad Arnold oder das Spiel am Becken von Drummer Daniel Adair arbeitet er dabei sehr schön heraus. Der Sound bleibt wie aus einem Guss und fährt einem direkt in die Magengrube.

Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €
 Im Inneren ist der Onkyo TX-NR 5007 prall gefüllt und trotzdem sauber verarbeitet. Im Vordergrund sind die beiden
kleineren Trafos für die Bild- und Tonsektion sowie der große Ringkerntrafo für den Verstärker zu sehen. 

Bei leiserer Gangart, beispielsweise mit Dave Matthews und Tim Reynolds (Dolby TrueHD), überzeugt der Onkyo ebenfalls: "Crash Into Me" bringt er luftig und räumlich, denn er zaubert die Publikums-Atmoshpäre glaubhaft in den Hörraum. Bei "Givin‘ It Up" von Al Jarreau und George Benson (DTS) beweist er, dass er mit Tonsignalen über HDMI sogar noch sorgsamer umgeht als über SP/DIF: Er klingt etwas feiner und spielt einen Hauch weniger rau und angestrengt.

Tonqualität Stereo

Wer glaubt, ein derart mit Features und digitaler Elektronik vollgestopfter Receiver könne bei Stereo-Musik nicht sauber klingen, der irrt, und das gewaltig: Auf "Pure Audio" gesetzt, stellt der Onkyo TX-SR 5007 bei "Jazz At The Pawnshop" die Instrumente wie festgenagelt auf die Bühne und verleiht ihnen klare Umrisse. Dabei tönt er engagiert und zupackend. Allenfalls einen Tick mehr Luftigkeit, wie sie teure, reine Stereogeräte an den Tag legen, lässt er vermissen. Doch das gilt auch für die anderen AV-Receiver in dieser Preisklasse.

Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €
Das voluminöse Gehäuse des Onkyo birgt jede Menge Ausstattung, die kantige Front wirkt allerdings arg martialisch.

Zusatzinfo: Loudness 2.0

Die gute alte Loudness-Taste hatte durchaus ihren Sinn: Das menschliche Ohr ist bei niedrigen Pegeln für tiefe und hohe Frequenzen weniger empfänglich als bei gro­ßer Lautstärke. Genau dieses Defizit versuchte die Loud­ness-Funktion auszugleichen, indem sie tiefe und hohe Frequenzen anhob. Das Ergebnis fiel allerdings nur mäßig aus, denn damit die Taste funktioniert, muss immer bekannt sein, mit welchen Pegeln das gehörte Material aufgezeichnet und wiedergegeben wird. Und das ist bei normalem Stereo nicht der Fall.
Anders liegt der Fall im Heimkino, wo über die gesamte Kette von der Aufnahme bis zur Wiedergabe die Pegel feststehen – vorausgesetzt, der AV-Receiver ist korrekt eingepegelt, doch dafür sorgt heute in der Regel die Einmess-Automatik. Davon profitieren drei Systeme, die der Onkyo TX-NR 5007 allesamt mitbringt: Dynamic EQ von Audyssey, Dolby Volume sowie THX Loudness Plus als Bestandteil von THX Ultra2 Plus und THX Select2 Plus. Sie errechnen in Echtzeit, wie stark Bässe und Höhen für den jeweiligen Abhörpegel angehoben werden müssen. Das funktioniert in unseren Praxistests erstaunlich gut; selbst Klangpuristen erkennen hier eine echte Verbesserung.

Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €

 

Diese Kurven zeigen, welche gemessenen Schalldrücke bei verschiedenen
Frequenzen und Pegeln als gleich laut wahrgenommen werden.

 

Fazit

Der TX-NR 5007 paart eine unglaublich komplette Ausstattung mit Top-Klang. Zwar verliert er bei der Verstärkerleistung ein paar Punkte, in die Referenzklasse schafft er es dennoch anstandslos.       

Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €

Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 €

 
 
 

Zusatzinfo: Internet-Radio mit dem Onkyo TX-NR 5007

Dank seiner Netzwerkfähigkeit kann der TX-NR 5007 auch Internet-Radiostationen wiedergeben. Um den Umgang damit übersichtlich zu gestalten, hat Onkyo sich mit dem Inter­net-Dienst vTuner zusammengetan. Der ermöglicht zwar nicht den Zugriff auf alle verfügbaren Sender, doch deren 13.000 dürften erst mal genügen. Sie bietet der Onkyo über sein Menü schön geordnet nach Genres, Ländern und einigen anderen Parametern an, was eine schnelle Suche nach der gewünschten Station oder Musikrichtung erlaubt.

Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €
 

Ebenfalls pfiffig ist der Dienst Last.FM, auf den der Onkyo zugreifen kann. Dazu muss man sich zunächst kostenlos bei www.lastfm.de regis­trieren. Genial an diesem Dienst ist, dass er sich die vom Anwender gehörten Musiktitel merkt und selbstständig andere Titel, die er als ähnlich bewertet, vorschlägt. Über den Onkyo kann Last.FM natürlich nur Musik wiedergeben, bei der keine Lizenzgebühren fällig werden, aber das sind erheblich  mehr, als man gemeinhin glaubt. Zwar ist die Klangqualität vieler Titel übers Internet wegen starker Datenreduktion eingeschränkt, trotzdem macht es Spaß, sich von Last.FM mit immer neuen Musikstücken überraschen zu lassen.

 Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €

Per vTuner und Last.FM bringt der Onkyo TX-NR 5007 eine riesige Vielfalt an Musik ins Heimkino.

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Onkyo TX-NR 5007 - AV-Receiver für 2.500 €

 

 

Der Testbericht Onkyo TX-NR 5007 (Gesamtwertung: 91, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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