Mitsubishi HC 6800 (Test)

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Mitsubishi HC6800 – LCD-Projektor für 2.500 Euro

Test Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €Mit der Messeneuheit HC 6800 bringt Mitsubishi einen der lichtstärksten Full-HD-Projektoren überhaupt: Er macht das Formel 1-Rennen selbst im taghellen Wohnzimmer zum Hingucker.

Vom Kontrast zum Licht: Im letzten Jahr machte Mitsubishi mit dem HC7000 Furore (Test in audiovision 1-2009), einem der kontraststärksten LCD-Projektoren. Zur Internationalen Funkausstellung verlegen sich die Japaner nun aufs Licht und bringen den HC 6800 für 2.500 Euro. Er soll mit höchster Lichtstärke vor allem Heimkinos im hellen Wohnzimmer oder mit besonders breiter Leinwand bedienen.

Ausstattung und Bedienung

Laut Mitsubishi lassen die neuen D7-LCD-Panels des HC6800 satte 20 Prozent mehr Licht durch; zudem verzichteten die Entwickler auf eine zusätzliche Streulichtblende (Polarisationsfilter), denn sie schluckt reichlich Licht. Geblieben ist die regelbare Iris, die zwar bei dunklen Bildinhalten die Lichtausbeute begrenzt, aber für eine tiefere Schwarzdarstellung sorgt und störendes Restleuchten auf der Leinwand reduziert, das bei einer lichtstarken Projektion am Abend stören würde. Zugleich verhindert eine trickreiche Kontrastspreizung, dass das Bild selbst sich verdüstert.
Im übrigen gleicht der HC6800 in puncto Ausstattung und Bedienung dem Heimkinospezialisten HC 7000, dessen Preis inzwischen von 3.500 auf 3.000 Euro gesenkt wurde. Auch der Neue verfügt über den bewährten Reon VX-Chipsatz von Silicon Optix für die professionelle Videoverarbeitung (siehe Kasten Seite 36). Der komfortable 2-D-Lensshift bedeutet in dieser Preisklasse echten Luxus, zumal er ebenso wie Zoom und Focus motorisch gesteuert wird. Mit den Pfeiltasten der Fernbedienung lässt sich die Projektion um bis zu 75 Prozent der Bildhöhe nach oben oder unten verschieben, seitlich sind es rund fünf Prozent der Bildbreite. Damit gelingt eine flexible Aufstellung und Einrichtung im Heimkino, zumal der HC 6800 mit seiner großzügigen 1,6-fach-Zoomoptik aus kurzer wie weiter Distanz die passenden Bilder auf die Leinwand wirft. Nur die Schrittweite des Motor-Fokus könnte feiner sein, denn es verstellt die Schärfe etwas abrupt.

Test Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €

Flexibel: Neben den beiden HDMI-Eingängen gibt es eine vielseitige VGA-Buchse.
Sie verarbeitet neben PC-Signalen sogar ein zweite YUV-Bildquelle oder per Spezialadapter auch Scart-RGB-Video. 

Test Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €
Praktisch: Die Tasten der übersichtlich gestalteten Fernbedienung leuchten bei Berührung kurz auf.

Per Fernbedienung werden auch die wichtigsten Bildparameter direkt aufgerufen. Alle Einstellungen lassen sich für den jeweiligen Eingang speichern, einige sogar nur dem jeweiligen Videoformat zuordnen. Grundsätzlich eine praktische Einrichtung, die allerdings dazu führt, dass man den ab Werk auf 97 Prozent voreingestellten Overscan mehrmals manuell auf 100 Prozent umschalten muss, wenn der Blu-ray-Player per HDMI verschiedene Auflösungen (1080/50p, 1080/60p und 1080/24p) zuspielt. Für jeden Eingang speichert der Projektor auch die vierfach schaltbare Maskierung separat, was für saubere Ränder bei TV-Bildern sorgt. Darüberhinaus stehen drei frei programmierbare Speicherbänke zur Verfügung. Hier lassen sich für jede RGB-Farbe in drei Kontrastbereichen Gamma-Korrekturen ablegen. Tiefreichende Regler für das Farbmanagement oder Bildtechnologien zur Steigerung der Bewegungsschärfe gibt es aber nicht.

Test Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €
 

Licht und Farbe

Im Farbtemperatur-Modus "Erhöhte Helligkeit" erfüllt das Vorseriengerät mit 1.260 ANSI-Lumen tatsächlich knapp die Herstellerangabe von 1.300. Natürlicher wirken die Farben aber in der dunkleren Einstellung "Standard", die bei voller Lampenleistung 762 Lumen liefert. Im leiseren Sparmodus bleiben davon immer noch 555 Lumen übrig, wobei sich die Lebensdauer der Lampe dann von 2.000 auf 4.000 Stunden erhöhen soll.
Legt man für die Lichtstärke den Richtwert der Society of Motion Pictures and Television Engineers (SMPTE) von 16 Footlambert sowie eine neutral reflektierende Leinwand mit Gain 1 zugrunde, reicht der Stromsparmodus beim HC 6800 für eine 2,3 Meter breite Leinwand. Mit voller Lampenleistung können selbst 2,75 Meter breite Tücher heller als im Kino strahlen: Dort wird häufig nur eine Mindesthelligkeit von 12 Footlambert eingehalten.
Wie viele Mitsubishi-Modelle vor ihm liefert der HC 6800 recht ausgewogene Farben. Der Farb­raum schießt zwar bei Grün und etwas bei Rot über die Norm hinaus, wandert aber nicht zu unnatürlichen Bonbonfarben ab. Interessant: Im Lampensparmodus verlieren die Farben kaum Qualität, die Farbtemperatur liegt hier mit rund 6.800 Kelvin in hellen Bildbereichen sogar etwas besser als bei voller Lampenleistung (7.000 Kelvin).
Im voreingestellten Gamma-Modus "Auto" und im Modus "Kino" ändert sich die Farbtemperatur heller Bilder kaum. Allerdings driften die Farben zu dunklen Graustufen hin immer mehr Richtung Blaustich ab, im dunkleren Modus "Kino" (Gamma 2,5 statt 2,1) sogar stärker. Das liegt an der leicht bläulichen Schwarzdarstellung des Projektors, die besonders mit heller Lampeneinstellung und ohne Irisfunktion zu sehen ist.
Hohe Kontrastwerte wie beim HC 7000 mit 4.100:1 sind mit dem auf Lichtstärke getrimmten HC 6800 nicht drin, sein Im-Bild-Kontrast liegt bei 1.000:1. Deshalb bringen der etwas farbneutraler wirkende Gamma-Modus "Auto" und die ab Werk auf Stufe 3 aktivierte Iris die beste Bildqualität. Die Blende senkt das Restleuchten auf ein Fünftel, der Blaustich ist aufgrund der dunklen Projektion kaum noch wahrnehmbar. In der dunkelsten Stufe 1 erreicht der HC 6800 ein noch dunkleres Schwarz sowie einen dynamischen On-Off-Kontrast von gut 6.000:1 (siehe Kasten unten).

Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €
Gamma für jede Farbe: Die Feinjustage der Gamma­kennlinie ist in drei
Kontrastbereichen und sogar selektiv für jede Grundfarbe möglich.
Ein regelbares Farb­management bietet der HC 6800 aber nicht.

Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €

Leichter Farbsaum: Wie alle Drei-Chip-LCD-Projektoren zeigt auch der
Mitsubishi kleine Konvergenzfehler in ganz feinen Mustern.
Grauflächen wirken aber bis in den Randbereich der Projektion homogen
und weisen keinerlei durch Shading bedingten Farbstich auf.

 

Bildqualität Standardsignale

Dank des Silicon Optix-Videoprozessors holt der Mitsubishi selbst aus analogen Videoquellen ein Maximum an Bildqualität und wandelt Kinofilme und TV-Material sauber in flimmerfreie Vollbilder. Bildschärfe und Farbauflösung sind bereits per FBAS und S-Video einwandfrei, die besten Ergebnisse zeigen aber YUV- und RGB-Videoquellen. RGB speist der Projektor über seine VGA-Buchse ein; dazu ist ein im Fachhandel erhältlicher Scart-Adapter nötig. Auch HDMI-Video im Halbbildformat 576i profitiert von der ausgezeichneten Arbeit des Video­prozessors und dem selbst für SDTV-Quellen völlig abschaltbaren Bildbeschnitt (Overscan).

Der Schärferegler bewirkt in Voreinstellung 4  eine leichte Saumbildung. Stellt man ihn auf 0 zurück, wirken TV-Bilder und DVD-Kinostreifen trotz der superhellen Projektion fein und natürlich. Die Lichtstärke des Beamers passt bestens zur 2,65 Meter breiten Leinwand im Heimkino von audio­vision und sorgte dort für strahlend helle Bilder. Scharfe Details lassen sich ohne Anstrengung erkennen – allerdings auch ein zu helles und leicht blaustichiges Schwarz in düsteren Sequenzen.

Abhilfe schafft hier die Aktivierung der Iris. In der stärksten Abblendstufe 1 begrenzt sie das Licht auf ein Siebtel, der Blaustich verschwindet. Dafür nimmt das Auge nun beim Wechsel von hellen auf dunkle Bilder gelegentlich eine leicht verzögerte Abblendwirkung der Iris wahr. In den helleren Iris-Stufen 3 oder 4 tritt diese Störung nicht mehr auf, sodass etwa im U-Boot-Drama "U-571" die Gesichter der Besatzung trotz des schummrigen Lichts an Bord gut durchgezeichnet, allerdings auch ein wenig plakativ wirken. Das liegt an der Kontrastspreizung, die mit der Iris gekoppelt ist. Sie wirkt in Stufe 4 am stärksten und in Stufe 1 am geringsten. Wenn die Unterwasserbomben zünden, blendet beim Schnitt auf die Wasseroberfläche die explodierende weiße Gischt geradezu. Taghelle Szenen wie diese beeindrucken durch schiere Strahlkraft, ordentliche Farben und klar gezeichnete Konturen. 

Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €
Große Klappe: Die wichtigsten Funktionen lassen sich auch direkt am Projektor bedienen.

Zusatzinfo: dynamische Iris

Die dynamische Iris des Mitsubishi HC6800 hat zweierlei Auswirkungen: In dunklen Bildern reduziert sie einerseits die Lichtleistung, andererseits werden nicht voll ausgesteuerte Bilder im Videokontrast gespreizt. Die Kontrastspreizung geht mit einer Anhebung der Farbsättigung einher und wirkt in der Stufe 4 der Blendenregelung am stärksten; allerdings können hier Spitzlichter bereits überstrahlen. In den Stufen 3, 2 und 1 wird die Kontrastspreizung schrittweise verringert, gleichzeitig nimmt die Abblendwirkung der Iris zu. In der Iris-Stufe 1 reduziert sich die Bildhelligkeit auf 17 Prozent der Ausgangshelligkeit, allerdings nur in dunklen Szenen. Die Stufe 5 der Iris entspricht exakt der Stufe 3, führt also keine andere Bildwirkung herbei und wurde deshalb im Diagramm unten weggelassen.

Test Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €

Die dynamische Iris erhöht den On/Off-Kontrast von rund 800:1 auf bis zu 6.100:1.
Aufgrund der Absenkung der Bildhelligkeit bleibt der Im-Bild-Kontrast aber auf
Werte knapp unter 1.000:1 begrenzt.
   

 

Bildqualität HDTV

Leider zeigt der Mitsubishi über HDMI keine ultraschwarzen Bildinhalte, was die korrekte Justierung der Helligkeit erschwert: Die einfache und präzise Einstellung anhand des ultraschwarzen Balkens in einem Pluge-Testbild lässt sich so nicht vornehmen. Mit messerscharf aufgelösten HDTV-Testbildern tritt zudem an sehr feinen Mustern eine leicht rötliche Einfärbung auf. Das kommt im Prinzip durch leichte Konvergenzabweichungen bei allen Drei-Chip-LCD-Projektoren vor und mindert den Schärfeeindruck.
Bei Kinofilmen auf Blu-ray-Disc nehmen aber selbst die geübten Adleraugen von Testern bei normalem Sehabstand keine störenden Farbsäume mehr in der Projektion des HC 6800 wahr. Darüberhinaus arbeitet die Videosektion des Mitsubishi fehlerfrei und zeigt keine weiteren Artefakte oder Fehler in der HDTV-Vollbildwandlung. Selbst  1080i-Bilder von HDTV-Sat-Receivern wandelt sie perfekt in Vollbilder um (wichtig für zukünftige HD-Ausstrahlungen von RTL, SAT1, ProSieben und VOX).

Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €
Fast ein Zwilling: Optisch gleicht der Mitsubishi HC 6800 dem HC 7000,
nur die Lackierung ist matt statt glänzend.

Mit den im Vollbildformat 720p ausgestrahlten HDTV-Bildern der Leichathletik-WM in Berlin hatte der HC 6800 ohnehin keine Mühe. Er zeigte von den vormittags und nachmittags übertragenen Vorläufen prächtige Bilder. Hauttöne der Sportler wirkten warm und natürlich rosig, und auch der grüne Rasen im Stadion wies keine unnatürliche Färbung auf. Beim Test in einem Wohnzimmer mit zugezogenen Vorhängen kam tatsächlich auch tagsüber die Atmosphäre im Berliner WM-Stadion mitreißend rüber; selbst ohne satten Schwarzwert auf der Leinwand machte das viel Spaß. In solchen Situationen hat die an die Iris-Funktion gekoppelte Kontrastspreizung auch in dunkleren Einstellungen sinnvolle Auswirkungen und sorgt für eine sichtbar gesteigerte Durchzeichnung. Schnelle Bewegungen verschmieren aber aufgrund der konventionellen LCD-Ansteuerung immer noch leicht.
Anders als bei taghellen Sportevents liefert der HC6800 bei düsteren Filmstreifen wie dem Ritter-Epos "Königreich der Himmel" nicht ganz so eindrucksvolle Bilder. Mit aktiver Iris erscheinen dunk­le Szenen zwar mit erstaunlich scharfen Konturen und plakativ, jedoch nicht so elegant und filmisch wie mit unserem Referenz-Projektor Samsung SP-A 800 B (audiovision 9-09). Schaltet man die Iris aus, verliert das Schwarz an Tiefe, die schwachen Farben in den dunklen Gesichtern der Kreuzritter verblassen. An die plastische Bildwirkung des Heimkinospezialisten HC 7000 reicht der neue HC6800 also nicht heran, liefert dafür aber fast die doppelte Projektionshelligkeit.

Fazit

Großbildfans werden sich über die hellen wie scharfen Bilder freuen, die der HC6800 auch tagsüber im leicht verdunkelten Wohnzimmer projiziert. Pluspunkte sammelt er zudem mit seiner flexiblen Ausstattung und der einfachen Bedienung. Cineasten mit professionell abgedunkeltem Heimkino sind aber mit kontraststärkeren Projektoren wie dem hauseigenen HC 7000 besser bedient.   

JVC Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €

Zusatzinfo: Reon VX-Videoprozessor von Silicon Optix

Der US-amerikanische Halbleiter-Spezialist Silicon Optix hat sich in den Bereichen Bildbearbeitung und pixelexakte Echtzeitbearbeitung von HDTV-Video weltweit einen Namen gemacht. Mittlerweile bedienen sich viele renommierte Hersteller beim Know-how von Silicon Optix.

Mit den Videoprozessoren der Reon-VX-Serie werden die Erfahrungen, die man im Broadcast-Bereich oder bei Hollywood-Filmproduktionen gewonnen hat, dem Heimkinomarkt zugänglich gemacht. Dafür wurde das Kürzel HQV etabliert, das für "Hollywood Quality Video" steht.

Der Realta-Chip des Prozessors garantiert mit einer Milliarde Rechenoperationen pro Sekunde die nötige Zehn-Bit-Verarbeitungsgeschwindigkeit. Vor allem die SD/HD-Vollbildwandlung liefert herausragende Qualität, wie wir schon beim Mitsubishi HC 6000, dem ersten Projektor mit diesem Chipsatz (Test in audiovision 12-07), konstatierten. Dabei werden durch die Analyse von jeweils vier Halbbildern Kinofilme und TV-Produktionen bewegungsadaptiv in flimmerfreie Vollbilder gewandelt. So lassen sich hässliche Flimmerstörungen und Treppenstufen an schrägen Bildkanten vermeiden. Der jetzt getestete HC 6800 meistert SD- und HDTV-Material mit 50 und 60 Hertz gleichermaßen. Nur eine spezielle Zuspielung von HDTV-Material, produziert im Format 1080/30p, konnte er noch nicht perfekt konvertieren.

Komfortabel am Reon VX-Videoprozessor ist, dass der Projektor ohne lästiges manuelles Umschalten die beiden Varianten "Film" und "TV-Material" automatisch erkennt. Für die Blu-ray-Wiedergabe spielt die gute Vollbildwandlung zwar kaum eine Rolle, da die Zuspielung in aller Regel progressiv im Format 1080/24p erfolgt. Beim TV-Empfang von HDTV-Satelliten-Fernsehen wird sie dafür umso dringender benötigt, da heutige Receiver Kinofilme und Dokumentationen sowohl aus SD- als auch aus HD-Produktion maximal im Halbbildformat 1080/50i ausgeben.

Bürgt für Qualität: Der Reon VX-Videoprozessor von Silicon Optix ist
beim Mitsubishi HC 6800 für das SD/HDTV-De-Interlacing und die pixelexakte Zehn-Bit-Bildverarbeitung zuständig.

Technische Ausstattung und Bewertung

Test Mitsubishi HC6800 - LCD-Projektor für 2.500 €

 

 

 

Der Testbericht Mitsubishi HC 6800 (Gesamtwertung: 80, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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