Harman/Kardon AVR 760 (Test)

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Harman/Kardon AVR 760 – AV-Receiver für 2.500 Euro

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 EuroIn Sachen Design und Klang gehören die AV-Receiver des US-Herstellers Harman/Kardon seit jeher zu den besonders interessanten Geräten. Das gilt auch für den neuen AVR 760.

Der US-Hersteller Harman/Kardon hat einen eigenen Stil: Statt auf die neuesten Tonformate und Features legt man bei AV-Receivern mehr Wert auf einen soliden Aufbau und hohe Klangqualität. Insofern überrascht das aktuelle Topmodell AVR 760 mit moderner Technik inklusive Dolby Volume. Andererseite fehlt ProLogic 2z, das etwa der neue Onkyo-Bolide bietet.

Ausstattung und Technik

Noch eine Tradition pflegt der Hersteller: Die Bedienung der Geräte ist immer etwas anders angelegt als bei der Japan-Konkurrenz, was den Umgang nicht immer erleichtert. Doch der AVR 760 gibt sich angenehm intuitiv. Im Gegensatz zu früheren Modellen lässt sich der Receiver dank übersichtlicher Bildschirmmenüs mühelos dazu bewegen, die gewünschte Aktion auszuführen. Die vorbildliche Fernbedienung trägt einen wichtigen Teil dazu bei. Trotz spiegelnder Hochglanz-Oberfläche kommt man mit ihr gut zurecht, da die Tasten sinnvoll angeordnet und kontrastreich beschriftet sind.
Bei der Bedienungsanleitung hingegen verlor der Hersteller offenbar die Lust. Erklärende Illustrationen sind – wenn überhaupt vorhanden – nur sehr klein und wenig hilfreich. Zudem beschränkt sich das mitgelieferte Heft auf die Basisfunktionen. Die Anleitung für weiterreichende Bedienschritte wie das manuelle Einrichten der Lautsprecher oder die Bildeinstellungen lässt sich zwar aus dem Internet herunterladen, doch leider nur in Englisch.
Die vier HDMI-Eingänge des AVR 760 lassen sich angesichts der Preisklasse nicht gerade üppig nennen, reichen aber für eine normale Heimkino-Anlage. Dafür wandelt der Receiver alle analogen Videosignale digital und skaliert sie per Faroudja-Scaler (siehe Kasten) auf bis zu 1080p hoch. Das macht er inklusive De-Interlacing sehr gut – vorausgesetzt, der Video-Modus "Benutzer" ist aktiviert und die Schärfe-Einstellung deutlich reduziert. Dann ergibt sich ein stabiles, flimmerfreies Bild, das nur bei besonders kritischem Material kurz aus dem Tritt gerät.

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 Euro

Die Hauptfernbedienung gefällt. Die Tasten-Anordnung ist durchdacht, die Beschriftung durchweg gut lesbar.

In Sachen Ton hat der AVR 760 viel zu bieten. Kein Wunder, schließlich ist Harman/Kardon seit den HiFi-Anfangszeiten im Geschäft. Die US-Entwickler legen viel Wert darauf, hohen Strom fließen lassen zu können, und geben für den Receiver einen Wert von maximal +/– 60 Ampere pro Endstufe an. Experten wissen: Das ist eine echte Hausnummer, die selbst anspruchsvollen Lautsprechern genügt.

Die Einmess-Automatik EzSet/EQ II stellt Pegel und Verzögerungszeiten für alle Kanäle und für zwei Hörplätze ein. Sogar der Frequenzgang von Lautsprechern und Raum lässt sich separat für alle Kanäle optimieren. Allerdings braucht es dafür mehr Aufwand als gemeinhin bei Einmess-Automatiken üblich, denn das Mikrofon muss im Laufe der Messung vor bestimmten Lautsprechern in exakt 60 Zentimetern Abstand stehen. Pegel und Verzögerungszeiten ermittelt das System korrekt und zuverlässig; die Frequenzgang-Anpassung produzierte im Test aber zu viel Bass und überzeugte im Mittel-/Hochtonbereich nicht vollends.

Dem Trend zu Multimedia und Hausvernetzung kann sich auch ein Traditions-Hersteller wie Harman/Kardon nicht verschließen. So bringt der Receiver einen "The Bridge II" genannten Anschluss für Apples iPod oder iPhone mit. Zudem gibt es für die Beschallung eines Nebenraums Anschlüsse und Konfigurationsmöglichkeiten, sogar eine zweite Fernbedienung liegt bei (siehe Kasten nächste Seite). Über die Netzwerk-Buchse klappt der Kontakt mit DLNA-kompatiblen Musikservern und der Empfang von Internet-Radio. Dafür ist es hilfreich, sich unter www.radioharmankardon.com ein Benutzerkonto einzurichten, um den Internetdienst vTuner bequem am Computer zu programmieren. 

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 Euro
Die vier HDMI-Eingänge des Harman sind für die Preisklasse etwas knapp
bemessen, sollten aber für normale Heimkino-Anlagen ausreichen.
Ansonsten findet sich hier fast alles – bis auf einen Phono-Eingang.

Zusatzinfo: Die Videoverarbeitung mit Faroudja DCDi

Faroudja – der Name reicht, um technisch versierte Heimcineasten ins Schwärmen zu bringen, auch wenn die Zeiten nicht mehr ganz so golden sind wie vor zehn Jahren. Damals war Faroudja ein kleiner, aber feiner US-Hersteller, der die besten Scaler und De-Interlacer baute und zu hohen Preisen (bis über 15.000 Mark) verkaufte. Schon damals kam in der hauseigenen DCDi-Technologie (Directional Correlation De­Interlacing) das "inverse Telecine" zum Einsatz, um aus 60-Hertz-Halbbildern von Filmmaterial saubere Vollbilder ohne das typische NTSC-Stottern zur erzeugen. Als erste Firma entwickelte Faroudja eine funktionsfähige Filmmode-Erkennung. Tech­nische Pionierarbeit leistete man auch beim De-Interlacing von Video-Halbbildern, wo dank spezieller Algo­rithmen die treppenstufenartigen Störungen an schrägen Kanten weitgehend unterdrückt wurden. Später kaufte der Chiphersteller Genesis die Technologie DCDi und wurde dann selbst von ST Microelectronic geschluckt. Dieser Konzern verkauft heute eine ganze Anzahl an Videoprozessoren mit integrierter Faroudja-Technik für Fernseher, DVD-Spieler und AV-Receiver. Ein solcher Chip steckt auch im Harman/Kardon 760 und dessen gute Videoqualität beweist, dass Faroudjas DCDi trotz scharfer Konkurrenz durch Silicon Optix oder Anchor Bay auch heute noch mithalten kann

 

 

Tonqualität Surround

Im Messlabor zeigt sich, dass der AVR 760 ein stabiles Netzteil ohne große Strombegrenzung hat. Er liefert im Heimkinobetrieb 102 Watt an acht und sogar satte 151 Watt an vier Ohm. Auch bei Stereo überzeugt er mit 121 Watt an acht und 190 Watt an vier Ohm. Dank des eingebauten Lüfters bleibt der Receiver selbst bei solcher Leistungsabgabe recht cool: 42 Grad messen die Tester an der heißesten Stelle des Gehäuses. Allerdings gehört der Lüfter nicht gerade zu den flüsterleisen Modellen und schaltet sich selbst dann regelmäßig ein, wenn es gar kein Tonsignal zu verstärken gibt. Einzige Abhilfe: in den Standby-Modus schalten, wenn das Gerät nicht benötigt wird.
Im Hörraum stellt der Harman/Kardon seine Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Er spielt luftig und entspannt, ohne dabei auch nur im geringsten an Dynamik zu verlieren oder gar langweilig zu wirken. Bei der Verfolgungsjagd über den Dächern von Siena in "Ein Quantum Trost" (DTS-HD Master Audio) dröhnt die Glocke kräftig, die Kampfgeräusche schallen überzeugend und das Gerüst kracht mit Wucht zu Boden. Dabei löst der Receiver selbst feine Details auf, ohne sie überzubetonen. Hier ist er seinem Konkurrenten, dem Onkyo TX-NR 5007 (Seite 36),  leicht überlegen, der dafür aber etwas zupackender und explosiver agiert. Im Bass sind sich beide auf hohem Niveau ebenbürtig, sie lassen die Schrotflinte in "Ratatouille" (Mehrkanal-PCM) mit Nachdruck krachen und die Riesenwelle aus "The Day After Tomorrow" (DTS) mit Urgewalt durch unseren Hörraum rollen.
 

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 €

 

Das Innen­leben des AVR 760 passt zur äußeren Erscheinung: Trotz viel Technik
wirkt es aufgeräumt. Der Trafo stellt auch im Mehrkanal-Betrieb genügend
Power zur Verfügung, um hungrige Boxen zu versorgen.

Mit Musik ist der AVR 760 erst recht in seinem Element: Feinen Jazz wie "They Can’t Take That Away From Me" (Dolby TrueHD) von John Pizzarelli und Jane Monheit sortiert er präzise und abbildungsscharf im Raum und zaubert dabei klangliche Feinheiten wie selbstverständlich hervor. Damit zieht er die Zuhörer regelrecht in seinen Bann. Ähnliches gelingt ihm bei einem anderen Genre, nämlich Rock: Three Doors Down spielen mit gro­ßer Wucht und satter Dynamik. Dabei beweist der Harman/Kardon jenen wohlabgewogenen Schuss Aggressivität, der zu dieser Musik nun einmal gehört, verrührt das Ganze jedoch nicht zu einem Klangbrei, sondern macht deutlich, dass hier vier Musiker mit ihrem jeweils eigenen Stil zu Werke gehen. So bereiten Live-Aufnahmen echtes Hörvergnügen. Das steigert der Receiver sogar, wenn er statt über SP/DIF über HDMI bedient wird – er spielt dann noch luftiger.

Tonqualität Stereo

Wie zu erwarten, änderte sich am Klangcharakter bei Fütterung mit Stereo-CDs nichts. So glänzt der Harman/Kardon bei "The Hunter" von Jennifer Warnes mit satter Tieftonwiedergabe, präziser Raumdarstellung und angenehmer Luftigkeit. Auch hier erweist sich HDMI als der qualitativ überlegene Eingang, wie beispielsweise George Benson und Al Jarreau mit "Givin It Up" enthüllen.

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Die glatte, einheitlich dunkle Glasfront fast ohne Bedienelemente
kennzeichnet die Harman/Kardon-Geräte seit Jahren.

Zusatzinfo: Multiroom mit dem AVR 760

Anschlüsse für Mehrraum-Konfigurationen finden sich an sehr vielen AV-Receivern. Nur reicht das meistens nicht, um ein sinnvolles, praxisgerechtes Multiroom-System auf die Beine zu stellen. Die Frage, wie man die Schaltzen­trale – den Receiver – vom Nebenraum aus bedient, muss oft der Käufer lösen. Nicht so beim Harman/Kardon AVR 760: Er bringt schon mal eine zweite, einfachere Fernbedienung mit, die alle Grundfunktionen des Geräts steuert. Damit sie funktioniert, muss im Nebenraum ein Infrarot-Sensor installiert werden; der liegt dem Receiver zwar nicht bei, ist aber für etwa 40 Euro im Fachhandel erhältlich, und den passenden Anschluss weist der Harman auf. Das reicht, um vom Nebenraum aus den Receiver aus- und einzuschalten, die Quelle zu wechseln und die Lautstärke einzustellen. Radio­hören ist über das integrierte Empfangsteil bequem möglich, zum Starten einer CD muss man normalerweise aber noch in den Hauptraum laufen. Doch selbst dafür bietet der Harman/Kardon eine Lösung: Das so genannte A-Bus-System macht die Lauferei überflüssig, einen kompatiblen CD-Player vorausgesetzt. Bei A-Bus handelt es sich um ein kleines Multiroom-System, das als Raum-zu-Raum-Verbindung ein einfaches CAT5-Netzwerk­kabel nutzt und so das Tonsignal und die Fernsteuerdaten weiterleitet. Für dieses System sind unter anderem kleine Verstärker-Einheiten  erhält­lich, die dann die Lautsprecher antreiben und Infrarot-Befehle entgegennehmen sowie übertragen können. Ein solches Modul, das AB 2, gibt es von Harman/Kardon für 250 Euro.

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 € Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 €
Pfiffige Lösung: Die Fernbedienung für den Nebenraum liegt bei,
das praktische Verstärkermodul gibt’s als Extra.

 

Fazit

Top-Messwerte, Top-Klang und eine sinnvolle Ausstattung hieven den Harman/Kardon auf 94 Punkte. Der beste Harman-Receiver den wir bislang im Test hatten und einer der schönsten.             

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 €

Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Test des Harman/Kardon AVR 760 - AV-Receiver für 2.500 €

 

 

Der Testbericht Harman/Kardon AVR 760 (Gesamtwertung: 94, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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