Denon AVR-4310 (Test)

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Denon AVR-4310 – AV-Receiver für 2.000 Euro

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €Kann alles, kennt alles, spielt alles: Der neue AV-Receiver AVR-4310 von Denon bringt alle denkbaren Features, Anschlüsse und Tonformate mit.

Irgendwann muss bei AV-Receivern doch das Ende der Fahnenstange in Sachen Ausstattung und Features erreicht sein. Eigentlich dachten wir Tester von audiovision, es wäre allmählich so weit. Beim letzten Vergleichstest der Einsteiger- und Mittelklasse-Receiver ließ sich nämlich keine signifikante Mehrausstattung gegenüber den Geräten der vorhergehenden Generation feststellen.
Doch flugs belehrt uns Denon eines Besseren. Mit dem AVR-4310 schicken die Japaner nun einen AV-Receiver ins Rennen, der in der 2.000-Euro-Klasse alles bisher Dagewesene übertrifft. Wie das klappbare Multifunktionswerkzeug des US-Amerikaners Tim S. Leatherman zur Grundausstattung eines jeden Bastlers und Abenteurers gehört, so könnte der neue Denon zur Wunderwaffe im Heimkino avancieren, denn er bietet Anschlüsse für jedes denkbare Gerät und beherrscht das brandneue Toformat ProLogic 2z.

Ausstattung und Technik

Die sechs HDMI-Eingänge – einer davon auf der Front – und die beiden entsprechenden Ausgänge des Receivers stellen schon mal eine mehr als solide Basis für seinen Einsatz als alleskönnende Wunderwaffe dar. Dazu kommen selbstverständlich jede Menge herkömmlicher Anschlüsse, beispielsweise sieben S-Video-Eingänge und drei -Ausgänge oder je drei optische und koaxiale Eingänge für digitalen Ton. Als einer von ganz wenigen Receivern auf dem Markt bringt der Denon weiterhin eine Anschlussmöglichkeit für den guten alten Plattenspieler mit, womit er seinen Anspruch auf Vollständigkeit unterstreicht. Dass iPod und iPhone Anschluss finden, ist heutzutage in dieser Preisklasse hingegen eine Selbstverständlichkeit.
Das Gehäuse des Boliden präsentiert sich erstaunlich kompakt, doch im Inneren gibt es Neuerungen. So wurde Dolbys neues Tonformat ProLogic 2z mit seinen Höhenkanälen (audiovision 9-09, Seite 37) ebenso integriert wie das noch neuere Audyssey-System DSX. Es konkurriert in einigen Bereichen mit Dolby, versteht sich in anderer Hinsicht aber als Ergänzung (siehe Kasten rechts). 

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €

Auf der Touchscreen-Fernbedienung sind nur die Tasten in der unteren
Hälfte fest installiert, die Anzeige oben wechselt je nach
Betriebsart. Dem AVR-4310 liegt außerdem ein zweiter, einfacherer
Geber bei, der für die beiden Nebenzonen gedacht ist.

Videoverarbeitung

Das Ausstattungs-Feuerwerk des Denon geht aber noch weiter. Der integrierte Videoscaler kann sämtliche Video­signale, ob sie nun auf analogem oder auf digitalem Weg hereinkommen, wahlweise in 480p/576p, in 720p, in 1080i oder in 1080p wandeln und an die HDMI-Ausgänge weiterreichen. Dank seiner vollständigen Konvertierungsmöglichkeiten zwischen den analogen Video-Eingangstypen ist der Denon in der Lage, die Bildsignale so aufzubereiten, dass eine einzige Kabelverbindung zum Bildgeber reicht.
Zudem funktioniert die Videoverarbeitung des Receivers perfekt. Das kann angesichts der komplexen Technik gar nicht hoch genug bewertet werden; selbst speziell für diese Zwecke gebaute Standalone-Scaler schaffen das nur selten. Egal ob sauberes De-Interlacing von Video- oder Filmmaterial auf dem Programm steht oder einfaches Hoch­skalieren: Der Denon bringt stets ein einwandfreies, detailreiches Bild zustande, das sich für jeden Eingang getrennt einstellen lässt.
Um etwas ganz Besonderes handelt es sich bei der integrierten Möglichkeit, 60-Hertz-Filmmaterial per inversem Telecine wieder in die ursprünglichen, ruckelärmeren 24 Bilder pro Sekunde zurückzuverwandeln. Hier beseitigt der Receiver das 3:2-Pulldown-Ruckeln sowohl von DVDs im Format 480/60i als auch von HDTV-Kino im Format 1080/60i und stellt die originale Kinobildwechselfrequenz von 24 Bildern pro Sekunde her – ein tolles Feature für Heimcineasten mit vielen DVDs im NTSC-Format.

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Darf’s ein bisschen mehr sein? Die Rückseite des Denon bietet selbst
ausufernden Heimkino- und Stereo-Systemen mehr als genug Anschlussmöglichkeiten.

Zusatzinfo: Audyssey DSX

Audyssey hat sich parallel zu Dolby etwas einfallen lassen, um die Raumwiedergabe im Vergleich zu 7.1-Kanälen nochmals zu verbessern. Die Technik namens DSX kann ebenso wie ProLogic 2z (siehe Kasten auf der nächsten Seite) aus üblichem zwei,- fünf- oder siebenkanaligem Tonmaterial zwei zusätzliche Front-Höhenkanäle erzeugen.
Lieber noch möchte Audyssey aber das Heimkino mit seinen selbst er­dachten, so genannten Wide-Kanälen erweitern. Dabei sollen weitere Lautsprecher nach außen versetzt neben den Frontboxen aufgestellt werden. Damit, so die Entwickler, lasse sich ein noch beeindruckenderer, einhüllenderer Raumklang erzeugen als mit Höhen- oder Surround Back-Kanälen. Das DSX-System beherrscht zudem eine flexible Aufteilung von bis zu 9.1-Kanälen: Quellen mit 7.1-Kanälen können wahlweise zusätzliche Front- oder Wide-Kanäle erhalten, 5.1-Signale sogar beides, allerdings nur unter Verzicht auf die Surround-Backs.
Ob die neuen Systeme von Audyssey und Dolby tatsächlich mehr Hörgenuss bringen, können wir aus dem Stand nicht beantworten. Für einen aussagekräftigen Hörtest müssen wir erst zusätzliche Boxen organsieren, die klanglich zum restlichen Set passen, und zudem unseren Hörraum umbauen; das erfordert Vorbereitungszeit. Allerdings scheint es uns fraglich, ob viele Heimkino-Fans bereit sind, noch einmal zwei Lautsprecher mehr aufzustellen. Schon die letzte Erweiterung um Surround-Back-Kanäle wurde nur in wenigen Heimkinos vollzogen.

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €
Boxen, so weit das Auge reicht: Das neue Audyssey-System DSX
(hier ein Menübild des Denon) teilt bis zu 9.1-Kanäle auf.

 

 

Multimedia

In Sachen Heimvernetzung und Multimedia-Unterstützung gibt sich der AVR-4310 ebenfalls meisterlich. So kann er übers Netzwerk auf Tausende von Internet-Radiostationen zugreifen und außerdem Daten von DLNA-kompatiblen Musik-Servern streamen. Als i-Tüpfelchen bietet er sogar Zugriff auf Napsters Musik-Downloadplattform; die Kosten fürs Herunterladen gehen natürlich extra. Wer Musik nicht auf Servern ablegt, sondern mit USB-Sticks und externen Festplatten arbeitet, der findet am Denon ebenfalls die gewünschte Verbindung. Der USB-Eingang hinter der Frontklappe hat aber noch eine weitere Funktion: Hier lassen sich iPod oder iPhone mit dem Standard-Dockingkabel anschließen, Spezialkabel oder teure Dockingstations wie bei anderen Herstellern braucht man nicht. Trotz dieser genial-einfachen Lösung ist die Steuerung der Geräte komplett ins Menü des Receivers integriert und ermöglicht sogar die Cover-Darstellung von Alben.

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €
Wie bei der iPod/iPhone-Wiedergabe zeigt der
Denon auch beim Streaming übers Netzwerk Coverbilder.

Neben DSX verfügt der Receiver über eine weitere Audyssey-Technik, nämlich die bewährte Einmess-Automatik der kalifornischen Technikschmiede in ihrer ausgefeiltesten Form MultEQ XT. Sie beinhaltet die gehörrichtige Lautstärke-Regelung Dynamic EQ sowie Dynamic Volume, das Heilmittel gegen Pegelsprünge. Das Ergebnis dieser automatischen Einmessung kann sich wie erwartet hören lassen: Es bewirkt deutliche Steigerungen in Sachen Neutralität und Räumlichkeit.

In Bezug auf die Bedienung kristallisieren sich gegenüber dem Vorgängermodell nur wenige Änderungen heraus. Das gelungene und zudem optisch ansprechende Bildschirmmenü ist noch übersichtlicher geworden und einfacher zu bedienen. Bei den beiden beigelegten Fernbedienungen – eine fürs Heimkino, die andere für die Multiroom-Nebenzonen zwei und drei – handelt es sich um die bewährten, angenehm zu bedienenden Geber der letzten Generation.

Tonqualität Surround

Angesichts dieser Technik-Highlights und des ausgeklügelten Aufbaus des Geräts liegen die Erwartungen hoch. Die perfekte Vorstellung des Denon im Messlabor beeindruckt. Nicht ein Pünktchen lässt sich der AVR-4310 abnehmen; das gelingt selbst Receivern in teureren Preisklassen nicht oft.
Im praktischen Hörtest knüpft der Denon erfreulich nahtlos an seine Laborergebnisse an. Sein Klangbild bleibt bis in hohe Lautstärken präzise und dabei durchaus angenehm. Die Dialoge aus "Sechs Tage, Sieben Nächte" (Dolby Digital) ertönen kristallklar und detailliert, selbst wenn die Protagonisten über die Insel jagen und dabei von lautstarkem Gewehr- und Pistolenfeuer unter Beschuss genommen werden. Eine übersichtliche Raumabbildung beweist der Denon bei "Cars" (Dolby Digital), wenn die Autos durch das Rennstrecken-Oval donnern. Die Rennwagen röhren dabei durchgehend und ohne jede Unterbrechung durch den Hörraum und springen nicht etwa, wie das mit manch anderem Receiver passiert, von Lautsprecher zu Lautsprecher  – genau so soll es sein. Auch die Soundkulisse des begeistert mitgehenden Publikums ertönt glaubwürdig und einhüllend.

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Geballte Technikladung: Im Denon AVR-4310 geht es dicht gedrängt zu.
Da hier im Gegensatz zum Pioneer SC-LX 82 herkömmliche
Verstärkertechnik zum Einsatz kommt, braucht es auch einen großen Kühlkörper.

Mit 5 x 121 Watt an acht und 5 x 169 Watt an vier Ohm geht der Denon praktisch jedes Dynamik-Tempo mit. Das stellt er unter anderem bei unserer altbekannten und immer wieder gern zu Testzwecken verwendeten Eingangsszene aus "Ratatouille" (Mehrkanal-PCM) unter Beweis. Der Blitzschlag fegt die Ratten mit sattem Krachen vom Dach, die rabiate alte Dame ballert unter großem Getöse mit ihrer Schrotflinte gegen die Decke. Das macht riesigen Spaß, erst recht, wenn die Lautstärke weit jenseits aller vernünftigen Grenzen liegt. Der Denon quittiert das schlicht mit mehr Pegel und ohne Verzerrungen oder Kompressionseffekte.
Im direkten Vergleich mit dem 300 Euro teureren Pioneer-Receiver SC-LX-82 (Test auf Seite 38) kann der Denon mehr als nur mithalten, spielt aber im Bass häufig etwas schlanker; hier dürfte er gern noch mehr Druck aufbauen. Im Mittel-/Hochtonbereich tönt der Denon etwas zackiger und detaillierter als der Pioneer, allerdings manchmal auch einen Tick unbeteiligt. Wann immer möglich, sollte man dem Denon die Tonsignale via HDMI einspeisen. Dann klingt er nämlich luftiger als über S/P-DIF; er zieht dann gleichsam einen Schleier von der Wiedergabe.

Tonqualität Stereo

Die Stereo-Wiedergabe gelingt dem Denon ebenfalls mit schier traumwandlerischer Sicherheit. Auch hier gibt die Zuspielung per HDMI seiner Vorstellung den letzten Kick. Mit aktiviertem Pure Direct-Modus musiziert er dann besonders schön luftig. Die Live-Aufnahme"Jazz at the Pawnshop" beispielsweise schickt er mit präziser räumlicher Wiedergabe an die Boxen. Das macht in dieser Preisklasse keiner besser.

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €
Denons neues Multitalent präsentiert sich im gewohnten Design:
mit leicht gerundeten Formen und sinnvoll
angeordneten, gut bedienbaren Tasten.

Zusatzinfo: ProLogic 2z

Sound allerorten: Das neue Tonformat ProLogic 2z fügt den drei Frontkanälen und den zwei (5.1-Setup) bzw. vier (7.1-Setup) Surroundkanälen zwei Höhenkanäle hinzu, die dem Klang eine zusätzliche Dimension nach oben verleihen sollen. Wie alle bisherigen ProLogic-Versionen arbeitet das System mit der aktiven Steuerung bestimmter Tonanteile auf einzelnen Kanälen. Für die Höhenlautsprecher sucht der Prozessor nach Geräuschen, die auf den ursprünglichen Kanälen der Quelle mehr oder weniger gleichmäßig vorhanden sind, und dirigiert sie nach oben; meist handelt es sich dabei um Hallanteile. Ausdrücklich blockiert werden direktionale Schallereignisse wie Stimmen oder Schritte.
Laut Dolby ist auch eine spezielle Höhen-Codierung möglich. Sie besteht aus phasengedrehten Anteilen der beiden Surroundkanäle eines 5.1-Soundtracks. Die Hollywood-Studios bekunden derzeit aber wenig Interesse an dieser neuen Möglichkeit. Selbst 6.1-Abmischungen mit Surround-Back-Anteilen scheinen im Kino aus der Mode gekommen zu sein.
Obwohl unser Testraum noch nicht für Deckenlautsprecher optimiert ist, unterzogen wir das neue Tonformat einem Klangcheck. Wirklich begeistern konnte uns ProLogic 2z jedoch nicht. Bei Zuspielung von 5.1-Ton in TrueHD-Qualität enthalten die Höhenkanäle leicht mit Hall versehene Anteile der Surroundkanäle, die das dominierende Klangbild der 5.1-Boxen nur dezent in Richtung eines räumlicheren Klangbilds ergänzen. Hinten ortbare Effekte wandern aber mehr nach vorn. Stereo­musik klingt mit dem 2z-Klangprogramm sogar weniger präzise, da leichte Pumpeffekte auftreten, die gute Stereoaufnahmen verwaschener erscheinen lassen.

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €
Mehr Aufgaben: Die Lautsprecher-Konfiguration beim Denon berücksichtigt
auch die neuen Dolby-Höhenkanäle.

 

Fazit

Der AVR-4310 besticht mit feinster Technik und für diese Preisklasse schier überbordenden Features – hier findet jeder Zuspieler die passende Buchse. Weil der AVR-4310 auch noch toll klingt, spielt er sich nicht nur in Cineasten-Herzen, sondern auch in die Referenzklasse von audiovision.             

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Test des Denon AVR-4310 - AV-Receiver für 2.000 €

 

 

Der Testbericht Denon AVR-4310 (Gesamtwertung: 95, Preis/UVP: 2000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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