Yamaha RX-V 3900 (Test)

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Yamaha RX-V 3900 – AV-Receiver für 1.650 Euro

Test des Yamaha RX-V 3900 - AV-Receiver für 1.650 EuroModerne Talente für die gehobene Receiver-Klasse von Yamaha: Der neue RX-V 3900 punktet mit Netzwerkfunktionen sowie verbesserter Bild- und Tontechnik.

Eineinhalb Jahre Marktpräsenz sind für einen Receiver genug, weshalb sich Yamaha an die Neuauflage der gehobenen Mittelklasse machte. Optisch blieb alles beim Alten: Gewohnte Form, Farben, Bedienelemente und das gute Bildschirmmenü sorgen für hohen Wiedererkennungswert.

Ausstattung und Technik

Am Innenleben des brandneuen RX-V 3900 haben die Entwickler jedoch kräftig geschraubt und viel neue Technik eingebaut; der Receiver fungiert nun auch als Multimedia-Zentrale. Ein Ethernet-Anschluss sorgt zusammen mit der Internet-Datenbank vTuner für den Empfang von Web-Radiostationen und über den LAN-Anschluss gelingt der Zugriff auf Musikdateien von PCs im Heimnetzwerk. Dazu muss auf dem Rechner Microsofts Media Player 11 oder Windows Media 2.0 laufen. Dank DLNA-Kompatibilität klappte es aber auch mit dem Medienserver in unserem Labor, eine Netzwerkfestplatte mit Twonkymedia.
Normalerweise geben Yamaha-Receiver In Sachen Bedienung keine Rätsel auf, an einigen Details der Grundeinstellung hakt es aber. So versteckt sich die durchaus gut gemachte Matrix zur Zuweisung der Audio- und Videoeingänge nicht im Menü "Eingangswahl", sondern unter "Setup – Optionen". Das verrät die Bedienungsanleitung erst auf Seite 86. Und das Web-Interface, mit dem sich der Receiver übers Netzwerk bedienen und einstellen lassen soll, ist im Grunde sinnvoll, derzeit aber noch nicht ganz ausgereift.

Test des Yamaha RX-V 3900 - AV-Receiver für 1.650 Euro

Für die Bedienung in den Nebenräumen liegt noch ein weiterer, kompakterer Geber im Karton.

Test des Yamaha RX-V 3900 - AV-Receiver für 1.650 Euro

Videoverarbeitung

Die Videoverarbeitung des eingebauten Videoprozessors VR 2010 von Anchor Bay funktioniert hervorragend. Besonders die so genannte PReP-Funktion (siehe Kasten "Progressive Reprocessing") hat es in sich, denn sie verbessert Vollbilder, die mit minderwertigen De-Interlacern erzeugt wurden. Sowohl bei HDMI- als auch bei analoger Zuspielung klappt das eindrucksvoll. Bei analoger Zuspielung über Komponente dämpft der Yamaha hohe Frequenzen allerdings etwas, das Bild erscheint nicht so scharf und detailreich wie über HDMI. Ändern lässt sich das nicht, da es keine Bildregler gibt. Auch per YUV eingespielte Bilder in 720p wirken etwas weich, während 1080i-Signale mit perfekter Schärfe punkten. Gelangen die Bildsignale per HDMI in den Yamaha, gibt er sie ohne sichtbare Fehler wieder, in welchem Format auch immer sie ankommen.

Trotz ’nur‘ sieben eingebauten Endverstärkern besitzt der RX-V 3900 separate
Boxenanschlüsse für die Presence-Effektlautsprecher – eine Yamaha-
Spezialität – und für eine Multiroom-Zone. Welcher Anschluss
gerade aktiv ist und jeweils vom Surround Back-Kanal befeuert wird,
lässt sich im Bildschirmmenü einstellen.

Der Audio-Sektion widmete Yamaha viel Aufmerksamkeit. Die Digitalplatine und sogar die D/A-Wandler-Sektion bekamen eigene Netzteile, damit die analogen Audioschaltkreise ungestört arbeiten können. Gegen klangschädigenden Jitter bei digitalen Eingangssignalen wirkt ein System-Clock. Das bewährte Einmesssystem YPAO optimiert den Klang für bis zu acht Hörplätze.

Zusatzinfo: Progressive Reprocessing

Satelliten-Receiver und preiswerte DVD-Spieler lassen sich häufig nicht auf Halbbild-Ausgabe umschalten, setzen selbst aber die Halbbild-Signale in vielen Fällen nur unvollkommen in Vollbilder um. Das Ergebnis zeigt häufig sichtbare Artefakte, die besonders störend wirken, wenn das Bild für einen Flachbild-Fernseher oder gar einen Projektor vergrößert werden muss. Um dieses Problem zu lösen, hat sich die kalifornische Firma Achor Bay das PReP-Verfahren (Progressive Reprocessing) ausgedacht: Dieser Algorithmus macht das erfolgte De-Interlacing wieder rückgängig, dividiert also gleichsam die vorher zusammengefügten Halbbilder wieder auseinander.
Das hört sich einfacher an, als es ist, denn nur die wenigsten De-Interlacing-Schaltungen ändern den Inhalt der Halbbilder bei der Verarbeitung nicht. Vielmehr versuchen sie – mal mehr, meist weniger erfolgreich – Störungen wie Treppen-Effekte und Bewegungs-Artefakte zu verringern und modifizieren dadurch die Bildinhalte. Das muss der PReP-Prozessor erkennen und, so weit es geht, wieder rückgängig machen. Erst dann kann er das De-Interlacing mit erheblich artefaktärmeren Algorithmen erneut durchführen. In der Praxis funktionierte das im RX-V 3900 erstaunlich gut, und zwar nicht nur für SD-Video, sondern bis hinauf zu 1080p.

 

 

 

Tonqualität Surround

Allerdings bleibt Yamaha vorsichtig. Wie bei den Vorgängern ist die Mehrkanal-Leistung an vier Ohm  knapp, wenn die Impedanzumschaltung, wie vorgeschrieben, auf 6 Ohm steht. Dann schlagen nur 52 Watt zu Buche. Erst in Stellung 8 Ohm, die wir ohne Probleme im Hörtest verwenden, nutzt der Receiver mit 146 Watt sein Potenzial.
Davon profitiert der Klang. Der RX-V 3900 tönt sehr harmonisch, luftig und sauber. Bei "Givin‘ It Up" von George Benson und Al Jarreau (DTS 5.1) stellt er Stimmen und Instrumente mit leichter Hand und doch fest umrissen in den Raum. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob die Signale über HDMI oder über die Digitalschnittstelle S/P-DIF hereinkommen. Selbst bei intensivem Vergleichen lässt sich allenfalls erahnen, dass der Receiver über HDMI feinste Details schneller verschluckt und Höhen einen Hauch rauer klingen. Die Mühe, die sich Yamaha mit der Bekämpfung des Jitters gemacht hat, zahlt sich aus.

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Mächtig was geboten: Im Inneren des Yamaha RX-V 3900 geht es trotz
geballter Technik sauber zu. Um Resonanzen der Kühlkörper zu verhindern,
setzt Yamaha unterschiedlich lange Kühlrippen ein.

Bei knallharter Heimkino-Action legt der RX-V 3900 hohe Qualitäten an den Tag: Den Blitzeinschlag zu Beginn von "Ratatouille" (englische Tonspur der Blu-ray in PCM 5.1) quittiert er mit einem satten Schlag, den man im Magen spürt; selbst bei hoher Lautstärke weicht der Ton nicht auf. Die folgenden Schrotflinten-Schüsse krachen ebenso nachdrücklich wie das Szenenfinale, wenn die Decke samt Rattenkolonie mit Mordsgetöse zu Boden donnert.
Im Vergleich mit dem Onkyo TX-NR 906 (2.000 Euro, Test in audiovision 12-08) überzeugt der Yamaha. Zwar spielt der Onkyo im Bass etwas impulsiver und mit ein wenig mehr Schub, löst aber feine Details nicht so akkurat auf und wirkt über HDMI immer einen Tick rauer. Die Rennautos in "Cars" drehen auf beiden mächtig und gut ortbar ihre Runden, der Yamaha schneidet aber weniger ins Ohr, und die Publikumskulisse im Stadion überträgt er etwas einhüllender und realistischer.

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Mehr Schein als Sein: Über das ansprechend gestaltete Web-Interface
lassen sich einige Einstellungen kontrollieren, aber leider nur wenige verändern.

Tonqualität Stereo

Einem AV-Receiver hochwertigen Stereoklang zu entlocken ist eine echte Herausforderung – schon wegen der großen Zahl unterschiedlichster Elektronik-Baugruppen, die sich gegenseitig beeinflussen können. Der RX-V 3900 meistert sie, indem er im "Pure Direct"-Modus sämtliche Schaltkreise, die für die Tonwiedergabe nicht nötig sind, deaktiviert. Der Lohn besteht in einem lockeren, harmonischen und farbstarken Klangbild. "Tiden Bara Gar" etwa ertönt ungemein glaubwürdig, sehr homogen und mit punktgenauer Räumlichkeit, Michael Ruff in "Speaking in Melodies" mit impulsivem Bass und natürlicher Stimme.

Test des Yamaha RX-V 3900 - AV-Receiver für 1.650 €

Gewohnt gut: Auf der Hauptfernbedienung des Yamaha findet man
sich bestens zurecht; dank Beleuchtung bietet sie selbst im abgedunkelten
Heimkino die nötige Übersicht.

 

Fazit

Üppige Ausstattung, praxisgerechte Video-Verar­beitung und ein toller Klang: Mit kaum einem Receiver bekommt man mehr für sein Geld als mit dem RX-V 3900 von Yamaha.             

Yamaha RX-V 3900 - AV-Receiver für 1.650 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Yamaha RX-V 3900 - AV-Receiver für 1.650 €

 

 

Der Testbericht Yamaha RX-V 3900 (Gesamtwertung: 93, Preis/UVP: 1650 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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