Teufel Columa 900 (Test)

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Teufel Columa 900 – Boxenset für 1.400 Euro

Test Teufel Columa 900 BoxensetDie Antwort von Boxen­bauer Teufel auf immer flachere Bildschirme: Das schlanke Design-System Columa 900 braucht wenig Platz und klingt trotzdem toll. 

Im Lauf von 30 Jahren hat sich der Boxenbauer Teufel dank günstiger Preise und guter Klangqualität zu Europas größtem Direktversender von Lautsprechern hochgearbeitet. Nun will der Berliner Spezialist mit Design-Ensembles wie dem Columa 900-Set die Wohnzimmer erobern, denn klobige Boxen passen nicht gut zu eleganten Flachbildschirmen. Teufels Set besteht aus einem kompakten Center und vier nur 8,3 Zentimeter tiefen Klangsäulen, für die Bässe sorgt der gut einen halben Meter hohe Subwoofer. Räume bis 50 Quadratmeter sollen diese Teufelskerle, für 1.400 Euro nicht mal teuer, mit perfektem Sound beschallen.

Technik

Die schönen Aluminiumsäulen sind extrem leicht und lassen mit nur zwei Millimetern Wandstärke den Lautsprechern viel Luft zum Atmen. Kleine Chassis sparen mit kompakten Neodym-Magnetsystemen Platz und Gewicht: Der Center mit zwei Tief-/Mitteltönern und einer schmalen Hochtonkalotte wiegt gerade mal zwei Kilogramm, die 110 Zentimeter hohen Satelliten kommen auf sechs Kilogramm. In allen fünf Boxen arbeiten zwei Zehn-Zentimeter-Konusse, in D’Apollito-Anordnung zentral um den Hochtöner positioniert. Wegen der kompakten Chassis tritt dabei aber keine unangenehm starke Schallbündelung auf (siehe Kasten). In den Säulen unterstützen zwei weitere Treiber die Basswiedergabe. Sie erhöhen den Wirkungsgrad im Vergleich zum Center um rund fünf Dezibel. Doch auch dieser schafft mit 110 Hertz die gleiche untere Grenzfrequenz wie die Säulen – angesichts seiner knappen Abmessungen erstaunlich.

Test Teufel Columa 900 Boxenset
Pegelfest: Für die vier in Zweieinhalb-Wege-Technik angesteuerten
Konusse gibt Teufel eine Impulsbelastbarkeit von 170 Watt an.

Dieser vergleichsweise gute Tiefgang erweist sich als klangbestimmend: Anders als bei Teufels Mini-Set Motiv 10 (Test in audiovision 12-2008) steigen hier alle Satellitenboxen ausreichend tief in den Grundton- und sogar den Bassbereich hinunter, was die homogene Anbindung des Subwoofers erleichtert. Dessen zwei 20-Zentimeter-Konusse dürfen sich im Wesentlichen auf die Tieftonarbeit beschränken. Optisch passt der Aktivwoofer mit seiner Alu-Haube perfekt zu den Satelliten. Er steht auf vier Gummifüßen, damit die beiden Bassreflexöffnungen problemlos nach unten abstrahlen können. Auf seiner Rückseite sitzen alle üblichen Anschlüsse, auch für den Betrieb über Endstufen sowie Tiefpass- und Phasenregler. Ein Class-D-Verstärker mit einer Sinusleistung von 250 Watt sorgt für gehörig Dampf: Bis zu 105 Dezibel Schalldruck sind möglich, das Einbauvolumen von 45 Litern bietet genügend Hubraum für echten Tiefgang bis hinunter zu 32 Hertz. Die Frequenzgänge der Satellitenboxen fallen im Labor mustergültig linear aus und belegen den neutralen Klangcharakter.

Test Teufel Columa 900 Boxenset
Klassenüblich: Am Anschlussterminal finden sich komplette Laustprecher- und
Cinchanschlüsse sowie Regler für Pegel,Tiefpassfrequenz und Phasenlage.

Tonqualität Surround

Bei Sub-Sat-Systemen mit einer Übernahmefrequenz oberhalb von 80 Hertz wie dem Teufel-Set empfiehlt es sich, den Subwoofer zwischen den Frontboxen und möglichst nahe am Center aufzustellen. Das garantiert eine lückenlose Bass- und Grundtonwiedergabe im wichtigen Dialogkanal.
Am AV-Receiver Pioneer LC-LX 90 ergab eine Übernahmefrequenz von 100 Hertz die beste Frequenzaufteilung; beim Einpegeln mussten wir allerdings den Centerkanal anheben. Kleiner Tipp aus unserer Trickkiste: Höhere Basspegel gelingen mit einem simplen Y-Adapter, der den Subwooferausgang des AV-Receivers auf den linken und den rechten Cincheingang des Teufel-Sub verteilt. So addieren sich die Pegel beider Kanäle und der Woofer spielt um sechs Dezibel lauter.

Test Teufel Columa 900
Edel: Die gebürsteten Alu-Profile der Satelliten im Teufel-System sind nur 8,3 Zentimeter
tief und passen gut zu Flachbild-TVs. Für kinogerechten Tiefbass sorgt
der vergleichsweise dicke, aber nicht weniger elegante Subwoofer.

Das Rauschsignal aus dem Testtongenerator klingt auf allen fünf Kanälen sehr homogen und ausgewogen, auch der kompakte Center hält bestens mit. Im Werner-Kultfilm "Volles Rooäää!!!" ertönen Stimmen authentisch und selbst bei höheren Pegeln ohne jede Aggressivität. Das Teufel-Set trifft die tonale Balance sehr gut und leistet sich keinen aufgeblähten Grundton – andere Kompaktboxen kaschieren so oft den fehlenden Bassbereich. Der röhrende Motorrad-Sound ist fast körperlich spürbar, die Fehlzündungen knallen auch von hinten mit präzise hörbarem Hallanteil und bilden eine weit aufgespannte Surroundkulisse.

Die explodierenden Wasserbomben im U-Boot-Drama "U-571" nähren die Illusion, vor einem großen Surround-Set zu sitzen: Auch bei hoher Lautstärke bleibt der Subwoofer gelassen und verzerrt kaum. Nur wenn er auf seiner Tuningfrequenz von 32 Hertz den größten Luftdurchsatz aus den Reflexöffnungen presst, sind leise Geräusche zu vernehmen. Nicht weniger beeindruckt die fantastische Sprachqualität des Sets, etwa bei "Titan A.E." in der englischen DTS-Originalfassung. Eine weitere Stärke des Ensembles ist die stressfreie und weiträumige Abstrahlung, hörbar mit Dave Matthews und Tim Reynolds auf der Blu-ray "The Sound of High Definition". Die Dynamik kann hier nicht mit den großen THX-Systemen aus gleichem Hauses mithalten, die einen höheren Wirkungsgrad mit einer stärker auf den Hörer gerichteten Schallabstrahlung kombinieren. Das Columa-Set klingt im Vergleich weniger spektakulär, bildet dafür die akustischen Gitarren nicht übergroß, sondern in natürlichen Proportionen ab. Weiträumig wird die beeindruckende Kulisse des Live-Konzerts in der Radio City Music Hall aufgespannt, einzelne Rufe oder hinten ortbares Klatschen aus dem Publikum vermitteln Live-Feeling.

Tonqualität Stereo

Mit Musik bleiben der stressfreie Charakter und die feine Abbildung erhalten: Hermann Preys strahlender Tenor in Beethovens "Ich liebe dich", extrem anspruchsvolle Kost für den Hochtöner, ertönt ohne Aggressivität, solange man nicht übermäßig laut aufdreht. Im 40 Quadratmeter großen audiovision-Hörraum bringen Vivaldis "Vier Jahreszeiten" aber doch kleine Schwächen ans Licht, vor allem bei einer Aufstellung mit breiter Stereo­basis: Die gezupften Bratschen sind weit rechts positioniert und klingen im Vergleich zu potenten Vollbereichsboxen etwas dünn. Auch beim Titel "Jazz Variants" der The O-zone Percussion Group wirken die links und rechts abgemischten Percussionschläge nicht so druckvoll wie die tiefe Kesselpauke aus der Mitte, die allein der Subwoofer überträgt. Hier machen sich minimale Ortungseffekte bemerkbar.
Mit leicht reduzierter Basisbreite hört sich die Kombi deshalb stimmiger und kompakter an. Dank ihrer weiten seitlichen Abstrahlung nutzen die Klangsäulen dann immer noch die Wände für eine sehr räumliche Wiedergabe. Livingston Tyler pfeift und singt in"Isn’t She Lovely" fest und klar aus der Mitte, während die Gitarren von links und rechts die Breite und der feine Hall die Höhe und Tiefe des Aufnahmeraums überzeugend imitieren.

Technik-Info: D`Apollito-Anordnung beim Center

Lautsprecher mit D`Apollito-Anordnung nutzen zwei identisch angesteuerte Mitteltöner, die bei der Centerbox links und rechts vom Hochtöner sitzen. Sie bündeln den Schall, der deshalb bei Zuhörern, die seitlich sitzen, oft nicht gut ankommt. Beim Teufel-Center ist das dank der kompakten Bauweise und einer geschickten Hochtonabstimmung jedoch nicht der Fall; auch auf seitlich versetzten Hörplätzen sind Dialoge stets gut zu verstehen. Die Dämpfung im obersten Hochtonbereich ist unkritisch und physikalisch bedingt; sie tritt auch bei Centern mit senkrecht montierten Mittel-/Hochtönern auf. Die­se strahlen grundsätzlich weiträumiger ab, benötigen aber im Vergleich mehr Bauhöhe. Teufels pfiffiger Center misst inklusive Standfuß nur 17 Zentimeter, verdeckt also in der Regel nicht das Bild des Flachbild-Fernsehers.

Rundstrahlverhalten Teufel Columa 900
Ordentliches Rundstrahlverhalten: Im für die Sprachverständlichkeit wichtigen
Mitteltonbereich treten beim Teufel-Center seitlich keine massiven Pegeleinbrüche auf.

 

Fazit

Nur haarscharf verfehlt Teufels Design-Ensemble Columa 900 die Gesamtnote "Sehr gut". Wie von Teufel versprochen, beschallt das optisch und klanglich höchst ansprechende Surroundsystem selbst große Räume pegelfest und bassgewaltig. Dazu gesellt sich ein erstaunlich homogener und sonorer Klang, den andere, vergleichbar kompakte Design-Lautsprecher nur sehr selten erreichen.             

  

Technische Ausstattung und Bewertung 

 

 

Der Testbericht Teufel Columa 900 (Gesamtwertung: 79, Preis/UVP: 1400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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