Blu-ray-Test: Hellboy 2 – Die goldene Armee

0

CoverDes einen Leid ist des anderen Freud: Als 2006 die Produzenten des ersten "Hellboy"-Abenteuers pleitegingen, sicherte sich Universal die Rechte am roten Comic-Helden – und bewies den richtigen Riecher. Denn das Sequel spielte mit 160 Millionen Dollar nicht nur das Doppelte seiner Produktionskosten, sondern auch 60 Millionen mehr als der Vorgänger ein.

Ein Grund für den Erfolg: Statt Altbekanntes aufzuwärmen, verbesserte Regisseur Guillermo del Toro die Franchise-Fortsetzung an allen Ecken und Enden. Das fängt bei komplexeren Charakteren an, setzt sich mit ausgereifteren Computereffekten fort und gipfelt in einem Produktionsdesign, das an Ideenreichtum kaum zu übertreffen ist. Und wenn Hellboy mit coolen Sprüchen (im Original wie der Synchro gleichermaßen) augenzwinkernd durch die zugegeben etwas comichaft-schematische Handlung trampelt, muss man ihn einfach ins Herz schließen.

Diesmal bekommt es die gehörnte Rothaut (Ron Perlman) mit dem Elfenprinz Nuada zu tun. Der royale Hitzkopf will eine sagenumwobene Goldene Armee von Roboter-Soldaten unter seine Kontrolle bringen, um die Menschheit auszulöschen. Einzig Hellboy, seine Liebste Liz (Selma Blair), Fischmensch Abe und der protoplasmische Agent Johann Kraus können Nuada Einhalt gebieten.



Gemeinsam mit seinen Mutanten-Kollegen soll Hellboy (Ron Perlman)
einem rachsüchtigen Elfenprinzen Einhalt gebieten.

Die Extras
Im Vorwort zur Bonussektion verspricht Regisseur Guillermo del Toro, die Filmentstehung so präzise wie möglich zu zeigen. Und er hält Wort, denn das Making-of (leider nicht in HD) ist mit 155 Minuten länger als der Film und informiert über jeden Aspekt der Produktion. Im Mittelpunkt stehen die Computereffekte sowie die Fantasykreaturen, die dank animatronischer Köpfe mit integrierten Servo-Motoren selbst komplexe Gesichtsausdrücke nachahmen konnten. Auch das spektakuläre Make-up wird ausgiebig gewürdigt. Nebendarsteller Luke Goss hat daran jedoch sicher keine so guten Erinnerungen: Er musste nachts um 0:15 Uhr in der Maske antreten, um morgens kurz nach acht zum Drehbegin auf dem Set zu sein. 
Del Toro selbst gibt in einem Regiekommentar bereitwillig Auskunft über künstlerische Absichten und Einflüsse und weist auf versteckte Symbolik im Film hin. Ferner würdigt der Mexikaner in einer zwölfminütigen Tour über das Set eines Trollmarktes den großen Detailreichtum des Produktionsdesigns und gesteht, dass das meiste davon im Film nicht ausreichend zur Geltung kommt. Auch bei den entfallenen Szenen und dem Storyboard-Film-Vergleich lässt er es sich nicht nehmen, einleitende Worte an den Zuschauer zu richten.



Hinter dem Menüpunkt "Produktions-Workshop" verbirgt sich ein
Storyboard-Filmvergleich der Anfangsszene.

Blu-ray-Boni
An HD-spezifischen Boni birgt die Blu-ray eine Comic-Werkstatt, in der man Screenshots ausgewählter Szenen mit vorgegebenen Sprechblasen-Texten zu einem Comicheft-Layout kombinieren und via BD-Live mit Freunden teilen kann (Bild unten links). Apropos BD-Live: Zum Testzeitpunkt befanden sich im Universal BD-Live-Center lediglich zwei animierte Kurz-Comics über die Geschichte von Trollen.



Zum Testzeitpunkt offerierte der BD-Live-Zugang an filmspezifischen Boni
nur zwei zweiminütige Beiträge über Trolle.

Ebenfalls Blu-ray-exklusiv ist das U-Control-Feature mit vier Bild-in-Bild-Optionen. Der Szenen-Explorer zeigt einem nach Tastenklick Multi-An­gle-Einstellungen der Computeranimationen (Bild unten rechts) in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, die Concept-Art-Galerie birgt zahlreiche Design-Entwürfe, die Besuche am Set zeigen B-Roll-Material und das Notizbuch des Regisseurs hält weitere szenenspezifische Erläuterungen del Toros bereit. Mehr Hellboy geht nicht. (ce)

 



Das U-Control-Feature "Szenen-Explorer" zeigt die aufwändigen
Computeranimationen in verschiedenen Entwicklungsstadien.



In der "Comic-Werkstatt" kann man aus Screenshots ein
Comic-Heft erstellen und es per BD-Live an Freunde versenden.

                                              
Bildqualität: Das hohe HD-Niveau des ersten Teils (audiovision 8-2007) kann das Sequel halten. Schärfe und Plastizität begeistern, vor allem Nahaufnahmen zeigen umwerfend detailreiche Texturen (Hellboys Brust bei 29:54, Gesicht bei 65:50 oder Oberarm bei 70:55). Ferner sind die CGI-Effekte weniger weichgezeichnet als im ersten Teil. Ganz dicke fünf Punkte.

Tonqualität: Wie beim Vorgänger verdient sich der 5.1-Mix (O-Ton-Fans bekommen gar 7.1-Sound) dank präziser Surroundeffekte im Sekundentakt – von tröpfelndem Wasser (7:33) bis zum hektischen Markttreiben (46:06) ist alles dabei – die Höchstwertung. Besonderen Spaß macht der Bass, der bei brüllenden Monstern (11:05, 13:25), zerberstendem Asphalt (58:06) oder einem wütenden Waldgott (59:23) die Wände wackeln lässt.     

Extras: Disc 1: Audiokommentar von Guillermo del Toro, Audiokommentar der Darsteller, Comic-Werkstatt, U-Control, BD-Live.
Disc 2 (DVD): Vorwort des Regisseurs (0:23), "Hellboy: Im Dienste des Dämons" (154:50), "Trollmarktbesuch mit Guillermo del Toro" (12:22), Storyboard-Film-Vergleich (4:43, mit Einleitung des Regisseurs) entfallene Szenen (optional mit Regiekommentar, 5:03), animierter Comic (5:15), Bildergalerien.              

Fazit: Dank tollem Produktionsdesign, fantasievoller Bildersprache und augen­zwinkerndem Humor werden auch am zweiten "Hellboy"-Abenteuer nicht nur Comic-Fans ihren Spaß haben.      

Die Wertung   
Film 5 von 6 Punkten
Bildqualität 5 von 6 Punkten
Tonqualität 6 von 6 Punkten
Bonusmaterial 6 von 6 Punkten
   
Die technischen Daten  
Anbieter Universal
Originaltitel Hellboy II: The Golden Army
Laufzeit 120  Minuten
FSK ab 12 Jahren
Bildformat 1,85:1 (1080p/24Hz)
Ton Deutsch DTS 5.1
Ton Englisch DTS-HD Master Audio 7.1
Erhältlich ja

 
Dieser und viele weitere Blu-ray- und DVD-Tests sind in der audiovision 3/2009 erschienen.  

Diesen Artikel teilen

Antworten

[pro_ad_display_adzone id=25883]