LG AF 115 (Test)

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LG AF 115 – SXRD-Projektor für 2.500 Euro

LG AF 115 seitlichLichtstark: Der neue Projektor AF 115 von LG mit SXRD-Technik leuchtet auch über drei Meter große Leinwände kräftig aus.

Als Hersteller von Heimkino-Projektoren ist LG bislang eher unauffällig in Erscheinung getreten. Das wollen die Südkoreaner nun ändern: mit dem Neuling AF 115, der großes Kino verheißt. Er arbeitet mit SXRD-Technik, die auf reflektierenden LCD-Pixeln basiert, und besitzt eine leistungsfähige HQV-Videoverabeitung sowie das "isf-ccc"-Logo, das eine professionelle Farbkalibrierung verspricht.

Ausstattung und Bedienung

Dank des großzügigen 1,8-fachen Zooms und des exakt einstellbaren Lens-Shift gelingt die Aufstellung problemlos. Ohne spürbaren Qualitätsverlust lässt sich das Bild um 20 Prozent nach oben und sogar um 100 Prozent nach unten verschieben. Das Menü wirkt übersichtlich, die Speicherlogik ist vernünftig: Sobald man an den Einstellungen etwas ändert, erscheint im Menü hinter dem jeweiligen Modus der Zusatz "User".

Macken offenbaren sich erst im Detail: Unausgegorene Übersetzungen ins Deutsche wie "Neuer Kontrast" brachten uns ins Grübeln, außerdem reagiert das Menü teils recht langsam. Das Format "Letterbox-Zoom" fehlt leider: Bringt die zuspielende Settop-Box keine entsprechende Format­umschaltung mit, so erscheint ein nicht anamorph ausgestrahlter Spielfilm mit einem schwarzen Trauerrand ringsum. Ansonsten finden sich am LG erfreulich viele Werkzeuge für das Bild, etwa ein fein einstellbarer Bildbeschnitt (Overscan), RGB-Gain/Offset-Regler zur Justage der Farbbalance und drei Gamma-Abstimmungen. Das Betriebsgeräusch liegt vergleichsweise hoch, fällt wegen seiner Gleichmäßigkeit vor allem bei fester Montage aber meist nicht störend auf. 


LG AF 115 hinten

Nicht ganz komplett: Die USB-Buchse dient Servicezwecken. Scart-RGB-Signale lassen sich
nur per Spezialkabel (optional) einspeisen. Ein Trigger-Ausgang zur Steuerung von Leinwänden fehlt.

LG AF 115 Fernbedienung

Funktional: Die Fernbedienung ist handlich,gut beleuchtet und bietet ein vernünftiges Tastenlayout.

Licht und Farben

Entgegen den Verheißungen des "isf"-Logos am Gerät stimmen die Farben nicht, jedenfalls nicht in den Werkseinstellungen. Am besten fürs Heimkino eignen sich noch "Kino" und "Expert", aber selbst hier schwankt die Farbtemperatur helligkeitsabhängig zwischen 8.000 und 16.000 Kelvin, die Gamma-Charakteristik liegt bei 1,8 statt den für die Voreinstellungen besser geeigneten 2,3. Daraus resultiert ein blaustichiges, aufgehelltes und flaches Bild, das nie filmisch wirkt. Grundsätzlich beherrscht der LG zwar gute Farben, aber dafür mussten wir ihn erst tunen (siehe Kasten rechts). Das setzt Punktabzug: Von einem Heimkino-Projektor erwarten wir ab Werk natürliche Farben und ein filmgerechtes Gamma. Dafür herrscht bei Großbild-Fans helle Freude. Wir kennen in dieser Preisklasse keinen anderen Heimkino-Projektor, der bei korrekter Farbdarstellung mit bärenstarken 1.100 Lumen auftrumpft – Licht genug für 3,3 Meter breite Bildwände. In Tele-Stellung und bei verringerter Lampenleistung reichen 620 Lumen noch für ein 2,5-Meter-Bild.

ideale Einstellungen

 

Bildqualität Standardsignale

Die Signalverarbeitung erfüllt hohe Ansprüche: Schon bei Zuspielung in 576i via HDMI zeigt der LG ein Bild mit voller DVD-Auflösung oh­ne Overscan. Film und Video beherrscht er gleichermaßen und liefert ein Vollbild ohne Kämme, Unschärfen oder Sägezähne – vorausgesetzt, passendes De-Interlacing ist eingestellt ("Real Cinema" bei Filmen). Schönheitsfehler: In den Vor­einstellungen für Helligkeit/Kontrast weichen die optimalen Werte je nach Farbraum (RGB/YUV) stark voneinander ab. Ferner bildet der LG bei YUV-Farbcodierung keine Ultraschwarz-Bereiche ab, mit denen sich die Hellig­keit per Testdisc exakt einstellen ließe.

LG AF 115 
Edel: Mit seinem Hochglanzfinish und dem schnörkellosen Design ist der 2.500 Euro
teure Heimkino-Projektor von LG fast zu schön, um ihn an die Decke zu hängen. 

Bildqualität HDTV

Gefüttert mit Blu-ray-Scheiben, überzeugt der LG mit einem knackig scharfen Bild. Pixelgroße Muster in voller HDTV-Auflösung bildet er klar und mit nur minimalem Kontrastverlust ab. Bei Testbildern zeigt sich in der unteren Bildhälfte ein maximal zwei Pixel breiter Farbversatz der Grundfarbe Blau, der bei realen Filmbildern aber nicht auffällt. Selbst feinste Details aus dem computeranimierten Vorspann von "Casino Royale" wirft der LG ohne Unschärfen an die Wand, wie der Direktvergleich mit einem perfekt abbildenden Ein-Chip-DLP-Projektor belegt. Die 24p-Darstellung klappt ohne Ruckeln oder sonstige Bildfehler. Bei HDTV-Dokus mit schneller Kameraführung wie "Antarctica Dreaming" verschmieren die Bilder leicht, Schaltungen zur Erhöhung der Bewegungsschärfe wie an Sonys SXRD-Beamer VW 80 fehlen. Bei aufgezoomtem Objektiv zeigen sich in den vielen weißen Bildern Farbwolken – rosa­farben links, cyanfarben rechts. Bei Weitwinkel-Projektion lieferte unser Testexemplar ein perfekt homogenes Bild.

Bei voller Leistung liefert die Lampe des LG-Projektors ein relativ ausgeglichenes
Farbspektrum (oben), das ein blütenreines Weiß garantiert.
Im Eco-Modus treten grüne und blaue Spitzen in den Vordergrund,
das Bild wirkt fahler.

Zum guten Heimkino gehört ein hoher Kontrast, denn nur mit sattem Schwarz und gleißenden Spitzlichtern wirkt ein Bild dreidimensional. Die mehrstufig schaltbare "Auto Iris"-Blende verschafft überwiegend dunklen Bildern mehr Schwärze, dämpft jedoch die Spitzlichter, weshalb der Kontrast nicht nennenswert steigt. Innerhalb eines Bildes ergibt  sich ein ordentlicher Kontrast­umfang von 2.400:1. Aber auch mit getunten Farbeinstellungen zeigt sich ein stark bläuliches Restlicht. Es irritiert vor allem bei Innenaufnahmen oder Schwarz-Weiß-Filmen wie "Casablanca" und schmälert subjektiv den Kontrast. 

Zusatzinfo: Nur mit Tuning: gute Farben am LG AF 115

Das Logo "isf" (imaging science foundation) auf dem LG-Projektor verheißt perfekte Farben – ab Werk ist davon jedoch nichts zu sehen, denn die Vor­einstellungen liegen daneben. Nur der Profi weiß, dass die Buchstabenfolge ccc am Projektor bedeutet: Gute Farben gibt es nur, wenn ein Profi mit der kostenpflichtigen Einstellung (Kalibrierung) beauftragt wird. Für uns völlig unverständlich, denn da die technischen Voraussetzungen stimmen, sollte es für LG ein Leichtes sein, gute Voreinstellungen zu liefern.

Weil der Projektor ansonsten mit Lichtfülle und hochwertiger Videoverarbeitung glänzt, entschlossen wir uns, seine Farben zu tunen und Ihnen das Ergebnis zu präsentieren. Im Kasten ‚Ideale Einstellungen‘ stehen die Werte, die bei unserem Exemplar zu optimalen Farben (Farbtemperatur 6.500 Kelvin) und passendem Gamma (2,3) führten, rechts sehen Sie das resultierende Farbsegel mit nahezu perfekten Grautönen. In dieser Einstellung gehen die Farben des LG bei vielen Filmen in die Richtung eines von Video-Papst Joe Kane kalibrierten Samsung-DLP-Projektor (SP-A 800 B), der in unserem Test-Heimkino als Farbreferenz dient. Konkurrieren kann er damit aber immer noch nicht: Bei Schwarz-Weiß-Filmen zeigt der LG auch getunt Schwächen wie bläuliches Restlicht und einen Braunstich in dunklen Graustufen. Mangels Regler bleibt es beim erweiterten Farbraum, der zu leicht synthetischen Grundfarben führt.



Mit optimierter Einstellung gelingen dem LG nahezu farbneutrale Grautöne.

   

 

Fazit

Der LG-Projektor AF 115 ist konkurrenzlos hell und schafft Bildgrößen jenseits der drei Meter. Ein ansprechendes Bild liefert er aber erst mit viel Tuning. Wer auf Riesenbilder steht, liegt mit dem LG richtig – die Farben ab Werk sind wenig faszinierend.

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

LG AF 115 Tabelle

 

 

Der Testbericht LG AF 115 (Gesamtwertung: 71, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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