JVC DLA-HD 350 (Test)

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JVC DLA-HD 35 – D-ILA-Projektor für 4.000 Euro

Der neue D-ILA-Projektor HD 350 von JVC liefert für  4.000 Euro viel Helligkeit, eine verbesserte Videotechnik und ein sattes Schwarz. Da muss sich die LCD-und DLP-Konkurrenz warm anziehen.

D-ILA-Projektoren erfreuen sich bei Großbildfans großer Beliebtheit, vor allem, weil ihr Kontrastumfang so hoch liegt wie bei keiner anderen Technik. Jetzt kommt ein neues Modell: der DLA-HD 350 von JVC. Er kostet mit 4.000 Euro nicht mal halb so viel wie sein Vorgänger DLA-HD 100 (Test in audiovision 3-2008) – und das, obwohl er diesen im Kontrastumfang übertrifft (22.590:1 gegen 19.240:1). Anders als bei LCD-Geräten wie dem Mitsubishi HC 7000 (Test Seite 72) wird der Wert nicht dynamisch durch eine Blenden- und Gamma-Automatik erreicht, sondern durch die Panel-Qualität. Die D-ILA-Technik übertrifft diesbezüglich Sonys SXRD-Projektor VPL-VW 80 und sogar teure DLP-Geräte wie den Marantz VP 15-S2. In Szenen, in denen viel Licht den Schwarzwert aufhellt, begrenzt jedoch Streulicht den ANSI-Kontrast des HD350 auf 310:1. Hier liegen Konkurrenten wie der Mitsubishi HC7000 mit 450:1 und der DLP von Marantz mit 530:1 weiterhin vorn.

Ausstattung und Bedienung

Durch die schmale Bauweise wirkt der HD 350 kompakter als der HD 100. Er bietet ebenfalls eine flexible Aufstellung, denn die motorische Bildverschiebung erlaubt nach oben oder unten einen Versatz von 80 Prozent, zur Seite von 34 Prozent. Auch der Fokus und das Zweifach-Zoom lassen sich per Fernbedienung justieren. Der Renon-VX-Videoprozessor der Marke HQV sorgt für eine ausgezeichnete Vollbildwandlung.
Bildwerte lassen sich für jeden Eingang separat einstellen. Das klappt aber nur über Bildmodi wie "Benutzer 1,2,3" oder "natürlich", denn der JVC speichert die Werte nicht auf den Eingang, sondern auf den Bildmodus bezogen.



Kein VGA: PC-Signale gelangen nur über die zwei "Deep Color"-kompatiblen HDMI-Eingänge
in den Projektor. Der YUV-Eingang lässt sich zusammen mit dem Composite-Eingang
optional für Scart-RGB-Signale konfigurieren.



Beleuchtet: Der Fernbedienung fehlen Direkttasten für die Eingangswahl. Die motorische
Steuerung von Optik und 2-D-Lensshift funktioniert dagegen äußerst komfortabel.

Licht und Farben

Respekt: Schon im sparsamen Lampenmodus "normal" übertrifft der HD 350 die Maximalhelligkeit des Vorgängers HD 100; im Modus "hoch" stehen gar satte 874 Lumen zur Verfügung. Das reicht bei voller Leistung für eine drei Meter breite Leinwand, im leiseren und sparsameren Modus immer noch für zweieinhalb Meter. Allerdings leistet sich der Projektor einen vergrößerten Farbraum, der vor allem bei Grün und Rot neben dem Standard liegt. So ergeben sich zwar plakative Farben, doch sie weichen von den definierten Abstimmungen der Filmemacher ab. Nach etwas Feinjustage lässt sich dieses Problem aber minimieren, so dass es im normalen Filmbetrieb kaum auffällt.
Lob verdienen die fast perfekte Graustufenlinearität und die Farbtemperatur von 6.300 Kelvin im Modus "natürlich". Praxisgerecht sind aufgrund des fantastischen Bildkontrasts aber dunklere Gamma-Kennlinien als der ab Werk eingestellte Wert von 2,2. Für jede Grundfarbe stehen weitreichende Gamma-Justagen zur Verfügung. Bequem ist die direkte Auswahlmöglichkeit für Werte zwischen 1,8 und 2,6. Wir entschieden uns für 2,4 (siehe Kas­ten "Ideale Einstellungen").

Bildqualität Standardsignale

Bei YUV-Zuspielung treten leichte Skalierungsmus­ter auf, die verschwinden, wenn die Einstellung für den Bildbeschnitt (Overscan) auf "gering" steht. Bei HDMI-Zuspielung tritt das Problem nie auf. Doch egal ob man 576i analog oder digital zuspielt – dank ausgezeichneter Vollbildwandlung reichen Schärfe und Feinzeichnung selbst für ganz große Bildwände. Die schnelle Filmmode-Erkennung unterbindet Flimmern zuverlässig.
Selbst in Düsterszenen wirkt die Projektion dreidimensional. Wenn Russel Crowe in "Gladiator" nachts am Feuer sitzt, lodern die Flammen vor dem rabenschwarzen Hintergrund intensiver als mit dem Mitsubishi HC 7000. Trotz höherer Projektionshelligkeit verschwinden die schwarzen Streifen des 21:9-Films auf der Leinwand fast komplett. Der mit einem kleinen Weißfeld gemessene native Kontrast erreicht 9.600:1 – gut das Doppelte des HC 7000.



Flexibles Gamma: Angesichts des nativen Kontrasts von über 22.000:1 sind dunklere
Gamma-Kennlinien von 2,4 und mehr beim JVC sinnvoll. Sie steigern die Kontrast-
und Tiefenwirkung der Projektion weiter.

Bildqualität HDTV

Der Trailer zu "Der unglaubliche Hulk" auf der "Iron Man"-Blu-ray wirkt bei aller Bilddynamik und Brillanz zu bunt. Ein Teil der Schuld gebührt dem JVC, ein Teil der knalligen Farbgestaltung des Trailers. Der nach normalen Standards transferierte Hauptfilm sieht weit besser aus, auch wenn die Lippen von Superheld Tony Stark gelegentlich etwas zu rötlich erscheinen und fast wie gemalt wirken. Wenn man die Farbsättigung leicht reduziert, verschwinden die zu intensiven Rot-und Grüntöne, dafür erscheinen Mischfarben wie Hauttöne weniger stark gesättigt.
Wegen der neutralen Graustufenwiedergabe des JVC mit blütenreinem Weiß wirken Bilder stets natürlich. Dank seiner Kontraststärke arbeitet der Projektor selbst in dunklen Schattierungen feine farbige Nuancen heraus, beispielsweise im Morgenrot zu Beginn von "Der Fuchs und das Mädchen". Eingeblendete weiße Titel erscheinen mit filigranem Schriftbild und unglaublichem Kontrast, ohne jegliches sichtbares Pixelraster. Hier gelingt dem JVC eine feine und sehr filmisch wirkende Darstellung. Auch ruckelarmes 24p-Kino begeistert, denn hier ergibt sich ein sichtbarer Zugewinn an Plastizität und Tiefenwirkung. Bewegte Kamerafahrten vermitteln einen dreidimensionalen Eindruck.
Obwohl der JVC auf Schaltungen zur Bewegungsverbesserung verzichtet, verschmiert er weniger als aktuelle LCD-Projektoren. Dank seiner Drei-Chip-Technik vermeidet er Artefakte wie Regen­bogen-Blitzer oder Mehrfachkonturen. Auch die Vollbildwandlung bei 1080i-Zuspielung arbeitet tadellos.

Zusatzinfo:

Die dreistufige Blende des JVC reduziert vor allem die Helligkeit, was die gelbe Linie im Diagramm belegt. Den ANSI-Kontrast verbessert sie nicht, er fällt sogar leicht ab; überprüft wird das anhand eines schachbrettartigen Testbilds mit acht schwarzen und acht weißen Flächen. Dank der Blende schafft der JVC hier zwar ein dunkleres Schwarz, kann damit aber den gleichzeitigen Verlust an Helligkeit nicht ausgleichen. Eine durchweg positive Wirkung der Blende ergibt sich nur mit komplett schwarzen Testbildern. Hier erhöht sich der in der Bildmitte gemessene Ein-Aus-Kontrast (lila Kurve) in Stufe 1 auf 35.000:1, in Stufe 3 sind es 24.500:1. Der in der nebenstehenden Tabelle angegebene Kontrastumfang liegt mit 22.590:1 etwas niedriger, da er über neun Messfelder gemittelt wurde – dennoch ein sensationeller Wert! Noch besser schnitt bisher nur der Pioneer KRF-9000 FD ab, der ebenfalls auf D-ILA-Technik von JVC basiert; er schaffte 23.190:1.

 

Fazit

Der HD 350 von JVC kostet nicht nur weniger als der Vorgänger HD 100, er ist auch besser und bekommt entsprechend mehr Punkte. Die Kombination aus großer Lichtstärke und enormem Kontrast macht ihm so schnell keiner nach. Entsprechend faszinierende Bilder zaubert er selbst auf sehr große Leinwände. Ein starkes Teil!

Technische Ausstattung und Bewertung 

 

 

Der Testbericht JVC DLA-HD 350 (Gesamtwertung: 87, Preis/UVP: 4000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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