Boston VS-Set (Test)

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Boston Acoustics VS – Boxenset für 5.900 Euro

Die brandneue VS-Serie von Boston Acoustics besticht mit ihrer harmonischen Wellenform und emotionalem Klang.

Der US-Boxenbauer Boston Acoustics  wurde vor einiger Zeit von der Holding D&M übernommen, zu der auch Denon und Marantz gehören. Als erstes Produkt unter neuer Leitung brachte Boston die Boxenserie Horizon, die technisch aber nichts Neues bietet. Anders die brandneue VS-Serie: Sie wartet mit pfiffigen Technik-Details auf.

Die Technik

Seiten, Böden und Deckel der VS-Boxen sind wellenförmig geschwungen. Das sieht gut aus und fördert die Akustik, denn im Gehäuse gibt es wenige parallele Flächen. Etwaige Hohlraum-Resonanzen verteilen sich über einen weiten Frequenzbereich und können so dem Klang kaum schaden.




Das Anschlussfeld des Boston-Subwoofers findet sich auf der Unterseite der Box, die Bedienelemente sitzen im Deckel.

Sämtliche Chassis wurden neu entwickelt. Bemerkenswert ist der Hochtöner, dessen Optik uns beim Auspacken der ersten Box einen Defekt vermuten ließ – die Kalotten-Membran schien in der Mitte eingedrückt. Weit gefehlt: Es handelt sich nicht um eine übliche Kalotte, bei der die gesamte Membranfläche schwingt, sondern um einen Ringstrahler, bei dem nur ein ringförmiger Abschnitt der Membran schwingt. Da die Kalotte im Zentrum fixiert ist, wird sie steifer und vermeidet so Auslöschungen bei höchsten Frequenzen.

 

Das vergoldete Anschluss-Terminal lässt sich für Bi-Wiring einsetzen und eignet sich auch für größere Kabelquerschnitte.

Tief- und Mitteltöner bekamen eine Mem­bran aus organischen Faserstoffen, die laut Boston eine resonanzarme und lineare Arbeitsweise fördern. Frontboxen und Center sind als Dreiweg-Lautsprecher aufgebaut. Die Bestückung mit Tieftönern fällt großzügig aus: zwei 13er im Center, drei 16er in den Frontboxen, einer mit elf Zentimetern in den Surrounds. Der Subwoofer weist ein 25er-Chassis und eine gleich große Passivmembran auf, welche die Energie in Schall umsetzt – ähnlich wie ein Bassreflexrohr, aber ohne Strömungsgeräusche oder Rohrresonanzen. Angetrieben wird der Sub von einer digitalen Endstufe mit 500 Watt.  

Tonqualität Surround

Der Sub beeindruckte im Messlabor trotz seines kompakten Gehäuses. Er schaffte eine sehr niedrige Grenzfrequenz von 23 Hertz und einen Maximalpegel von 103 Dezibel. Weniger gut gefiel den Testern, dass Front-, Center- und Surroundboxen allesamt zu niedrige Minimalimpedanzen aufwiesen. Normale AV-Receiver sind daher kaum die richtigen Spielpartner für das Set; da muss schon ein Verstärker aus der Bolidenklasse oder eine ausgewachsene Vor/End-Kombi ran.
So befeuert, zeigte das Boston-Set viel Charakter – allerdings erst, nachdem es die Tester zwei Nächte lang mit Rauschen eingespielt hatten, denn zuvor tönten die Mitten harsch und das gesamte Klangbild eher unangenehm. Danach präsentierte sich das Set jedoch in Bestform. Die Stimmen von Gandalf und Bilbo Beutlin zu Beginn des ersten "Herr der Ringe"-Films ertönen gut verständlich. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in der Mitte des Sofas sitzt oder auf einem der billigen Plätze am Rand: Das hervorragende Rundstrahlverhalten des Centers (Note 1,08) sorgt für gleichen Klang über einen großen Winkel.

 

Form und Funktion: Die Wellenform der Boxen kommt der Akustik zugute. Der 1,17  Meter hohe Front-Lautsprecher weist außerdem drei Tieftöner auf.

Heftige Impulse wie die Autobombe aus "Iron Man" gelingen sogar bei den ganz tiefen Tönen mit Wucht und großer Durchsetzungskraft. Anders als viele Konkurrenten bezahlt der Subwoofer seinen enormen Tiefgang nicht mit mangelnder Präzision; er bleibt selbst bei hohen Pegeln knackig, konturiert und arm an Verzerrungen. Die weiteren Boxen passen sich diesem hohen Niveau an. "Away From the Sun" der US-Rock-Truppe Three Doors Down ertönt mit viel Temperament und glaubwürdiger Live-Atmosphäre. Besonders begeisterte die Tester, dass die Boston-Kombi bei aller Präzision und messerscharf abgebildeter Räumlichkeit die Emotionen nicht vergisst: So hautnah ans Klanggeschehen kommt man nur mit wenigen Boxensets.
Die fantastische Auflösung der HD-Audio-Aufnahme "They Can’t Take That Away From Me" mit Jane Monheit und John Pizarelli bringt das Set mit großer Selbstverständlichkeit. Insbesondere beeindruckt, dass Stimmen und Instrumente nicht nur in der Breite, sondern auch in der Tiefe äußerst stabil und präzise wirken. Obwohl wir bei den Messungen der Frequenzgänge eine Senke um vier Kilohertz und einen deutlichen Anstieg zu hohen Frequenzen hin festgestellt hatten, ergaben sich in der Praxis keine nennenswerten Klangverfärbungen.



Gutes Rundstrahlverhalten: Der Center strahlt rundum gleichförmig ab. Somit kommen auch seitlich sitzende Zuschauer in den Genuss eines homogenen Klangbilds und bester Sprachverständlichkeit. Boston Acoustics erreicht das durch den Aufbau des Centers als Drei-Wege-Box, bei dem Mittel- und Hochtöner  übereinander zwischen den beiden Tieftönern sitzen.

Tonqualität Stereo

Unterschiede zum Fünfkanal-Klang gibt es kaum: Michael Ruffs "Speaking in Melodies" klingt dynamisch, kraftvoll und emotional. Bei "Crystal" von Friend ’n Fellow bilden die Boxen Instrumente und Stimmen gewohnt präzise und dreidimensional ab.



Edel: Das Boston-Set ist hervorragend verarbeitet und in Hochglanz-Schwarz lackiert. Gegen Aufpreis gibt es das Set auch in Weiß, Rot und mit Ebenholz- oder Ahorn-Furnier.

 

Fazit

Mit der VS-Serie gelingt Boston Acoustics der Einstand in der Upper-Class der Boxenbauer. Allerdings benötigt das Set einen potenten Mehrkanal-Verstärker als Spielpartner – dann jedoch ist der Klang über jeden Zweifel erhaben.

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

 

 

Der Testbericht Boston VS-Set (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 5900 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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