Teufel Motiv 10 Set (Test)

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Teufel Motiv 10 – Boxenset für 1.200 Euro

Selbst für das Mini-Set Motiv 10 mit nur 15 Zentimeter großen Boxen verspricht Teufel ordentlichen Raumklang. Das klappt sogar – einige Details gilt es aber zu beachten.

Als Nachfolger des Kompakt-Sets Motiv 1 aus dem Jahr 2005 kommt nun das Motiv 10 von Teufel. Es bietet extravagante Optik und Verarbeitung, aber nur Mini-Maße. Hier ist das Know-How des renommierten Berliner Direktversenders besonders gefragt: Aus großen Boxen lässt sich relativ einfach guter Klang zaubern; dasselbe aus nur 1,9 Liter Volumen zu schaffen, ist hingegen ein Kunststück.

Technik

Die hervorragend verarbeiteten Satelliten prunken mit hochglänzenden Wangen aus dunklem Teak, das Gehäuse selbst besteht aus Aluminium-Strangguss. Das bringt akustische Vorteile, denn der dünnwandige Korpus verschenkt kein Volumen und ist steif und resonanzarm zugleich. In den drei identischen Frontboxen sitzen nur acht Zentimeter große Tief/­­­­­­Mitteltöner mit Aluminium-Membran und eine 25-Millimeter-Kalotte. Alle drei Chassis werden von winzigen, geschirmten Neodym-Mag­neten angetrieben. Auf der Rückseite findet sich eine Wandhalterung, außerdem legt Teufel für die Aufstellung im Regal selbstklebende Gummifüßchen bei; alternativ gibt es die eleganten Rauchglas-Ständer MP 10 mit Gewinde für je 100 Euro.
Bei den Surround-Satelliten M 10 D handelt es sich um Dipole mit gegenphasig abstrahlenden Treibern auf der Vorder- und Rückseite. Nur der nach hinten gerichtete Konustreiber wird mit tie­feren Frequenzen angesteuert, der vordere strahlt erst ab etwa 300 Hertz zusammen mit der Kalotte gegenphasig ab. Die mitgelieferte schwenkbare Wandhalterung erlaubt eine flexible Ausrichtung der Dipolsysteme für eine indirekte oder eher direkte Abstrahlung zum Hörer (siehe Kasten).
Im Bassbereich steigerte Teufel im Vergleich zum Motiv 1-Set die Sinusleistung des Subwoofers von 100 auf 250 Watt und spendierte dem 25-Zentimeter-Tieftöner ein größeres Einbauvolumen. Geblieben ist die dreieckige Grundfläche des Sub.



Aktiver Subwoofer: Wegen der kompakten Satelliten muss der Sub nicht nur Bässe, sondern
auch Grundtonanteile wiedergeben. Seine Tiefbassfrequenz lässt sich zwischen 40 und 240 Hertz regeln.


Gut: Bis zu einer Sitzposition von 20 Grad fallen die Frequenzgangeinbrüche der
Center-Box gering aus. Selbst bei höheren Winkeln treten keine kritischen Dellen auf.

Tonqualität Surround

Die optimale Grenzfrequenz und der korrekt aufgestellte Subwoofer sind entscheidend für den Klang, denn die kleinen Satelliten schaffen maximal eine untere Grenzfrequenz von 150 Hertz.
Im ersten Hördurchgang setzten wir am Test-Receiver Onkyo TX-NR 906 die Übernahmefrequenz für alle Kanäle zunächst auf 150 Hertz, der Subwoofer stand zwischen dem Center und einer Frontbox. Zwar mussten wir den Onkyo wegen des begrenzten Wirkungsgrads der Satelliten etwas lauter fahren als gewohnt, doch die Dynamik und der schnelle Antritt des Sets überzeugten auf Anhieb. Der krachende DTS-Soundtrack der DVD "Jurassic Park, the Lost World" im englischen Original bringt die richtige Mischung aus brachialem Saurier-Gestampfe und kreischenden T-Rex-Rufen zu Gehör. Die winzigen Konustreiber verkraften sogar  hohe Pegel, und der Bass schlägt sich bis zu satten 103 Dezibel stabil. Allerdings drangen im Test gelegentlich leicht röchelnde Luftgeräusche aus dem Reflexrohr. Längeres Hören brachte ans Tageslicht, dass der Grundton nicht ausgewogen ist: Die Satelliten tönen zu dünn und deshalb aggressiv. Mit dem actionreichen Kriegsfilm "U-571" gefällt deshalb zwar die angenehm diffuse Surround-Kulisse, die hinten explodierenden Wasserbomben klingen aber wie abgeschnürt, denn zum Subwoofer hin klafft eine Lücke. Der Grund: Zum ohnehin im Frequenzgang sichtbaren Pegelabfall unterhalb von 200 Hertz addiert sich noch der Hochpassfilter des AV-Receivers. Frequenzen unter 150 Hertz werden also doppelt steil abgeregelt.

 

Aus einem Guß: Schon optisch ist das Set ein Genuss.
Bei richtiger Aufstellung leistet es auch im Klang Erstaunliches.

Eine klanglich deutlich bessere Konstellation ergab sich, als wir die Übernahmefrequenz der Stereo- und Surround-Kanäle schrittweise auf 120 und schließlich auf 80 Hertz senkten. Das brachte ein kleines, aber entscheidendes Plus an Wärme und Grundton zu den vier Satelliten. Der Subwoofer wurde außerdem direkt zum Center in die Mitte geschoben. Da sich beim Onkyo die Übernahmefrequenz für jeden Kanal separat justieren lässt, stellten wir sie für den Center auf ideale 150 Hertz. Zur besseren Unterfütterung der vier anderen Satelliten wurde der Basspegel außerdem leicht angehoben.
In diesem Setup lief "U-571" nochmals vom Stapel. Und siehe da: Die Dialoge lassen sich nun aufgrund der kompakten Anordnung von Subwoofer und Center zentral orten, Stimmen erklingen sonor. Gleichzeitig tönen die Stereo- und Surround-Boxen hörbar wärmer und integrieren sich besser in die Klangkulisse. Selbst die hinten explodierenden Wasserbomben entwickeln jetzt leichten Druck und gehen eine zarte Verbindung zum zentral spielenden Subwoofer ein. In dieser Konfiguration liefert Teufels Ensemble die für entspannte Kino­abende erforderliche Homogenität.

Tonqualität Stereo

Auch mit Musik gilt: Bei seitlicher Platzierung des Subwoofers wandern Stimmen mit ihm aus der akustischen Mitte. Steht er hingegen zentral zwischen den Frontboxen, so singt Hubert von Goisern den "Kokain Blues" in vollem Brustton, aufgrund der tiefen Abstrahlposition des Tieftöners klingt er aber etwas schwammig. Tipp: Den Subwoofer leicht erhöht auf einen kleinen Schemel stellen, dann stimmt der Grundton. Wer diese Kleinigkeiten bei der Aufstellung beachtet, wird mit einem verblüffend sauberen und druckvollen Klang belohnt.

Zusatzinfo: Aufstellung Dipol-Boxen

Um eine weitgehend diffuse Surroundkulisse mit nur zwei Rear-Boxen zu erzielen, empfiehlt sich im Heimkino der Einsatz von Dipolen. In der klassischen Aufstellungsvariante hängen die Dipole, die nach vorne und hinten gegenphasig abstrahlen, seitlich neben dem Hörer etwas erhöht an der Wand. Aufgrund der gegenphasigen Ansteuerung wird der Großteil der Schallenergie nach vorn und hinten abgestrahlt. Dadurch erreichen Hintergrundgeräusche aus den rückwärtigen Kanälen den Hörer überwiegend diffus über Wandreflexionen. Die Anordnung ermöglicht ein relativ weiträumiges Klangbild, allerdings leidet die Präzision unter der indirekten Abstrahlung.
Eine interessante Alternative besteht darin, die Dipole schräg hinter dem Hörer in einer angewinkelten Ausrichtung anzubringen: Die eine Seite des Dipols strahlt schräg nach vorne über die Seitenwand zum Hörer, die andere über die Rückwand. Auf diese Weise verteilen die beiden Dipole den Surround­klang mittels Wandreflexionen auf vier virtuelle Schallquellen. Dank der schwenkbaren Wandhalterung der Teufel-Dipole kann man auch andere Varianten ausprobieren, beispielsweise eine Kombination aus einer direkt und einer indirekt zum Hörer ausgerichteten Dipol-Box. Die beste Einstellung ist dabei Geschmackssache – erlaubt ist, was gefällt.



Dipole schräg hinter dem Hörer: Der Surroundklang
wird über Reflexionen der Wände auf vier virtuelle
Schallquellen verteilt.

 

Fazit

Bei Teufels Motiv 10-Set stehen Retro-Design und extrem kompakte Maße im Vordergrund. Als Nebenwirkung klingen die Satelliten ein wenig dünn. Deshalb muss der aktive Subwoofer genau zwischen ihnen stehen – dann aber spielt das Mini-Set erstaunlich stimmig und pegelfest.

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

 

 

Der Testbericht Teufel Motiv 10 Set (Gesamtwertung: 71, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2008 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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