Avantgarde Acoustic 5.2-Set (Test)

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Avantgarde Acoustic – 5.2-Hornsystem für 60.900 Euro

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €Voice of the Theatre hieß ein historisches Hornlautsprecher-System fürs Kino.Heute baut Avantgarde Acoustic in Deutschland exklusive und extrem teure Hornsysteme – überwiegend für Musikwiedergabe, aber auch für hochklassige Heimkinos.  

Obwohl es die Firma Avantgarde Acoustic seit 17 Jahren gibt, finden sich ihre Produkte nur in wenigen Heimkinos, denn es handelt sich um extrem teure Hornlautsprecher. Die Firma bietet neun Satelliten an, von der koaxialen Solo für 7.900 Euro pro Paar bis zum riesigen Drei-Wege-Horn Trio Classico, das als Stereo-System in der größten Ausbaustufe mit sechs Basshörnern 99.000 Euro kostet. Kein System für jedermann, aber die Horntechnik macht neugierig. Um den Preis für ein 5.2-Heimkino halbwegs im Zaum zu halten, wählten wir in unserem Test für die Frontbeschallung die Zwei-Wege-Box Grosso (zusammen 25.000 Euro), für Center und Surrounds drei vollaktive Solo-Lautsprecher. Als Subwoofer dienen zwei große Basshörner für zusammen 24.000 Euro.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

Schwergewicht: Die riesigen Doppelmagnetsysteme des koaxialen 12-Zöllers
sorgen bei der Solo für hohen Wirkungsgrad, die Motional-
Feedback-Schaltung derAktiv-Elektronik kontrolliert die Basswiedergabe.

 

Aufbau und Technik

Bereits die kleinste Komponente des Sets, die Solo-Box, bringt 30 Kilogramm auf die Waage – kein Wunder angesichts der riesigen Doppelmagneten des koaxialen Zwölf-Zöllers. Zum Gewicht trägt auch die 150 Watt starke Aktiv-Elektronik bei, die über vier Gewindestangen auf Zug mit den Treibern verschraubt ist. Als echtes Horn agiert bei der Solo nur der axial angeordnete Ein-Zoll-Hochtöner, während der konusförmige Ring des Basstreibers eher wie eine leicht verstärkende Schalllinse wirkt. Filter erster Ordnung trennen die beiden hoch­ohmigen Treiber bei zwei Kilohertz ab, was zu einer guten Impulsdarstellung beiträgt. Auf der Rückseite steht ein symmetrisch oder asymmetrisch nutzbarer XLR-Eingang für AV-Vorverstärker bereit. Die Aktiv-Elektronik bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Anpassung an die Raumakustik. Ist sie als Centerbox hinter einer schalldurchlässigen Leinwand positioniert, stehen drei verschiedene Entzerrungen für den Hochton-Bereich zur Verfügung. Am Subsonic-Filter lässt sich zudem die Frequenz und am Bassregler der Pegel einstellen. Die beiden hinteren Bassreflexöffnungen kann man verschließen, um Phasendrehungen im Bass oder eine zu kräftige Tieftonwiedergabe zu vermeiden. In Kombination mit dem Subsonic-Filter zur Frequenzbeschränkung nach unten lassen sich so enorme Pegel erzielen.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €
Vollaktive Solo: Neben dem stufenlosen Subsonic-Filter bieten ein
Bassregler und drei Pegelstellungen für den Hochtonbereich
feine Anpassmöglichkeiten an die Akustik.

Als Zubehör gibt es eine kippbare Wandhalterung und sandbefüllte Ständer in zwei Höhen. Dank der drei recht weit verstellbaren Schraubfüße lässt sich eine unter der Leinwand platzierte Solo dezent nach oben zum Hörer ausrichten. Bei der teilaktiven Grosso handelt es sich um einen fast mannshohen Zwei-Wege-Hornsatelliten mit 95 Kilogramm Gewicht; allein ihr Aktivbass Sub 231 steuert dazu rund einen Zentner bei. Sein 670-Watt-Ringkerntrafo und zwei 250-Watt-Endstufen versorgen zwei massive 12-Zoll-Basstreiber großzügig mit Leistung. Beim passiv betriebenen 67-Zentimeter-Mitteltonhorn und dem 18-Zentimeter-Hochtonhorn handelt es sich um Kugelwellenhörner, die ein weiteres Abstrahlverhalten als Exponentialhörner zeigen. Um den Klirrfaktor zu reduzieren, bekam das Hochtonhorn gar keine und der Mitteltöner nur eine kleine Druckkammer.
Der Mitteltöner kommt ganz ohne Frequenzweiche aus und wird allein durch eine spezielle Beschichtung aus Faserflor gegen Partialschwingungen bedämpft. Beide Treiber für den linken und rechten Kanal sind exakt selektierte Pärchen mit rund 18 Ohm Impedanz, die dank der hochohmigen Schwingspule ohne den Einsatz klangmindernder Widerstände korrekte Pegel liefern. Nur im Signalweg der Hochtonhörner liegt noch ein Kondensator, der allerdings mittels CPC-Technik (Capacitor Polarisation Circuit) in eine Richtung polarisiert wird. Das verhindert ein Umdrehen der Feldpolarität durch das Musiksignal und damit verbundene Verzerrungen, die ein Hornsystem mit seiner hohen Auflösung hörbar machen würde.
Wie bei der Solo kontrolliert im Subwoofer der Grosso eine patentierte Regeltechnik den Tieftöner und erweitert deren Tiefbass. Optional lässt sich die Pegelfestigkeit durch das dreifach schaltbare Subsonic-Filter erhöhen. Auch die auf 180 Hertz voreingestellte Grenzfrequenz zum Mitteltonhorn kann man flexibel anpassen.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 € Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €
Links: Ohne Weiche: Der 6,5-Zoll-Treiber des Mittelton-Horns wird nur durch
eine mechanische Beschichtung mit Microfaser-Flor bedämpft.
Rechts: Das Hochton-Horn der Solo sitzt innerhalb der 100 Millimeter
großen Tieftönerschwingspule und erreicht rund 102 Dezibel Wirkungsgrad pro Watt.

Problemfall Tiefbass

Hornlautsprecher für den Bassbereich bietet Avantgarde Acoustics erst seit 2003 an, denn ihre Entwicklung ist schwierig. Selbst bei einem großen und schweren Basshorn endet die Hornwirkung bei rund 55 Hertz; eine simple elektronische Entzerrung würde einen unpräzisen Tiefbass nach sich ziehen. Das liegt daran, dass der Schall in den Hornmund zurückreflektiert und es zu Impedanzstörungen kommt. Avantgarde Acoustic löste das Problem mit einer patentierten Schaltung namens „Active Dynamic Radiation Impedance Control“ (ADRIC), die je nach Raumakustik und Anzahl der Basshörner Störungen automatisch erfasst und kompensiert. Dies soll eine trockene und schnelle Tiefbasswiedergabe bis hinab zu 18 Hertz ermöglichen.

Technisch basiert die Bestückung des Basshorns auf den bewährten Zwölf-Zoll-Treibern und Aktivmodulen aus dem Sub 231. Somit versammelt dieses 5.2-System 2.450 Watt Verstärkerleistung, die sich auf elf 30-Zentimeter-Tieftöner verteilen. Verwendet man gleich sechs Basshörner, steigern sich Hornwirkung und Pegelfestigkeit weiter.

Schon im ersten Jahr verkaufte Avantgarde Acoustic 150 Basshörner – ein großer Erfolg. Neben den klanglichen Qualitäten beeindruckt die Optik. Die geschwungene Holz-Kunststoff-Platte wird im Vakuum-Verfahren in Form gebracht und anschließend mit Metallfolie überzogen. Die Seitenwände sind aus Palisander- oder Ahorn furniert, andere Echtholzvarianten werden auf Wunsch gefertigt. Auch die Hörner aus ABS-Kunststoff liefert die Firma in jeder gewünschten Farbe. Besichtigen und Probehören lassen sich die direkt von Avantgarde Acoustic vertriebenen Systeme in zwei Vorführräumen, und zwar in Lautertal bei Darmstadt und in Bad Schussenried am Bodensee.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €
Die enormen Leistungsreserven des Aktivmoduls am Basshorn
werden nur im absoluten Tiefbass aktiviert.
Flexible Subsonic-Filter erlauben noch höhere Basspegel.

Zusatzinfo: Aufstellvarianten beim Basshorn

Der Subwoofer besteht bei Hornsystemen in der Regel aus mindestens zwei Basshörnern und ist für eine wand- oder besser ecknahe Aufstellung konzipiert. Durch eine Erweiterung auf vier oder sechs Basshörner lässt sich der Druckaufbau weiter steigern, wobei es grundsätzlich drei Aufstellungsvarianten gibt.

Aufrechte Position
Wenn eine ecknahe Aufstellung aus Platzgründen nicht in Frage kommt, können die Basshörner aufrecht nebeneinander in die Raummitte gestellt werden. Die Endstufen zeigen nach oben.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €


Mittige Position

Hier liegen die Basshörner mittig und bauen so zueinander Druck auf. Wie bei der aufrechten Aufstellung liegt der Vorteil darin, das sich die Raumbreite für eine größere Stereobasis der Hornsatelliten nutzen lässt. Im Ideal führen sechs gestapelte Basshörner dazu, dass der Bassdruck zu keiner Raumachse hin entweichen kann und die Hornwirkung zu tieferen Bassfrequenzen erweitert wird.

Ecknahe Position
Bei einer Aufstellung in den Ecken zeigen die Anschlussterminals der Bass­hörner zur Raummitte. Auf der Oberseite befinden sich Vertiefungen, in die die Standfüße des jeweils darüberstehenden Moduls passen. Werden sechs Basshörner bis unter die Decke gestapelt, wirken alle Wandflächen im Raum als virtuelle Hornverlängerung und erhöhen den Wirkungsgrad im Tiefbass.

 

Aufbau und Anordnung

Um das Set aufzubauen, mussten wir erst mal den 40 Quadratmeter großen audiovision-Hörraum entleeren. Zwei unserer Fast-Audio-Absorber zur Optimierung der Raumakustik wanderten eine Etage höher, um Platz für die Eckaufstellung der 105 Zentimeter breiten Basshörner zu schaffen. Damit war die Fläche vor unserer knapp drei Meter breiten Leinwand schon fast belegt, sodass wir die beiden Grosso-Frontlautsprecher leicht versetzt vor den Basshörnern platzieren mussten. Wegen der bekannten Richtwirkung von Hornsystemen wurden Front, Center und Surrounds direkt auf den Hörplatz ausgerichtet. Um die Signalversorgung von Center, Surrounds und Basshörnern kümmerte sich die Vorstufe AV 8003 von Marantz mit ihren XLR-Anschlüssen, die Endstufe MM 8005 aus dem gleichen Haus steuerte lediglich die beiden Frontlautsprecher an, wobei wir das Subwoofer-Modul und die Hornsatelliten per Bi-Wiring betrieben.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

Die Übernahmefrequenz zum Mitteltonhorn und das Subsonic-Filter der
teilaktiven Grosso lassen sich einstellen. Die Remote-Buchse dient
einer sequentiell gesteuerten Ferneinschaltung der Systeme
und schützt die Haussicherung.

Tonqualität Surround

Für einen ersten Pegelabgleich definierten wir im Speaker-Setup große Lautsprecher für alle Kanäle bei annähernd identischen Distanzen zum Hörplatz. Schon das mittenbetonte Rauschsignal, das die Marantz-Vorstufe dafür zur Verfügung stellt, hörte sich ungewohnt direkt an. Ohne Verzug gingen wir zum Bond-Abenteuer "Casino Royale" über, mit dem eine wahrhaft opulente akustische Bühne entsteht. Die dynamikreiche Musik im Vorfeld der Verfolgungsszene auf der Baustelle baut eine knisternde Spannung auf, die sich furios entlädt: Die erschreckend heftige Explosion der Gasflasche wummert bis unter die Bauchdecke der Zuhörer, die rundum prasselnden Splitter und die wild herumschwirrenden Projektile klingen mitreißend authentisch. Hier kommen mit dem Hornsy­s­tem ungeahnte Details zu Gehör – der Unterschied zwischen ruhigen und actionreichen Szenen könnte größer nicht sein, Stimmen klingen sehr sonor. Vor allem die gro­ßen Mittel-/Hochtonhörner der Grosso wirken wie akustische Lupen und strahlen mit
enorm hohem Direktschallanteil auf die Ohren.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

Die koaxiale Chassis-Anordnung macht’s: Für einen Center mit Horntechnik
und großem Zwölf-Zoll-Bass fällt das Rundstrahlverhalten
der Solo erstaunlich gut aus.

Diese sagenhaft dynamische und analytische Gangart ist nichts für schwache Nerven und erfordert einen besonderen Aufwand bei der Feinabstimmung.
Im ersten Hördurchgang klangen die Solos rund und voll, die Grossos jedoch wirkten im Mittel-/Hochtonbereich zu aufdringlich und nicht ganz homogen. Für ein weniger direktes Klanggeschehen versetzten wir den Hörplatz deshalb etwas zurück und überprüften nochmals alle Einstellmöglichkeiten der Aktiv-Elektronik mit breitbandigem Rauschen. Dabei muss man beachten, dass aufgrund der hohen Richtwirkung beide Hörner in größerer Entfernung kaum leiser werden. Daher erhöhten wir Übernahmefrequenz und Pegel des bis 180 Hertz spielenden Subwoofers, was die tonale Homogenität spürbar steigerte. Für mehr Pegelfes­tigkeit sorgte die Erhöhung des Subsonic-Filters beim Basshorn auf 30 Hertz, während die stabil agierenden Aktivsubwoofer in der 20 Hertz-Stellung weiterarbeiten durften. Im 40 Quadratmeter großen und 2,8 Meter hohen Hörraum schaffte die Kombi dann Tiefbasspegel jenseits von 110 Dezibel. Gerade die Flughafenszene von "Casino Royale", in der die Boing 747 mit unglaublich tief bollernden Triebwerken durchstartet, beeindruckte nachhaltig. In der nun größer gewählten Hördistanz spannten die Hornsysteme nach wie vor eine riesige Bühne auf, die weit auseinander liegenden Treiber der Grossos und die Solos spielten jetzt aber entspann­ter und homogener zusammen.
Sanfte Töne beherrscht die Kombi ebenfalls bestens; in den Konzertaufnahmen von der Dolby Blu-ray-Disc "The Sound of High Definition" beeindrucken auch die leisen Passagen. Der TrueHD-Titel "They can’t take that away from we" mit Jazz­legende Ramsey Lewis rückt den Hörer unmittelbar an die Akteure heran, ohne aggressiv zu klingen. Wenn die Qualität der Aufnahmetechnik Höchstform erreicht, wie bei Aaron Coplands "Appalachian spring" mit dem San Francisco Symphony Orchester, ertönen die Streicher trotz der akustischen Lupenwirkung der Hörner warm und unaufdringlich. Auch die Symphonie Nr. 4 von Mendelssohn Bartholdy auf der DVD "Multichannel Universe" stellt das Set präzise gestaffelt in den Raum. Bei dieser Aufnahme hingen die Mikrofone in größerer Distanz vom Orchester von der Decke und fingen die Akustik daher besonders glaubwürdig ein.

 

Zusatzinfo: Hörner und Klangtreue

Hornlautsprecher setzen auf Wirkungsgrad und Dynamik mit großen Membranflächen, erreichen aber selten die extrem linearen Frequenzgänge konventioneller Hifi-Lautsprecher. Bei der 2-Wege-Box Solo muss der 30 Zentimeter große Bass bis in den Hochtonbereich mitspielen und das Hochtonhorn aus der Mitte seiner Schwingspule heraus abstrahlen. Dadurch ergibt sich messtechnisch eine leichte Welligkeit von plus/minus fünf Dezibel. Sie wirkt sich in unserem Punkteschema für Center- und Surround-Frequenzgänge nachteilig aus, obwohl die Solo subjektiv trotz der leichten Welligkeit tonal ausgewogen klingt. Die Grosso ist dagegen sogar erstaunlich linear.

 

 

 

Tonqualität Stereo

Nur wenige hochanalytische Lautsprecher enthüllen die Qualität der Aufnahme derart gnadenlos und zeigen dabei auf, wie die Mikrofone angeordnet waren. Standen sie direkt vor den Instrumenten, macht sich die akustische Lupenwirkung der Hornsysteme bemerkbar. High Hats und Becken vom Schlagzeug des Treya Quartetts erscheinen beim Titel "Fauré Pavane" übernatürlich groß. Die Hörner entfalten eine riesige akus­tische Bühne, wobei Streicher und Stimmen aber gelegentlich aufdringlich wirken. Der Titel "Rock Show" von Run DMC dagegen scheint wie für das Horn­ensemble geschaffen, das die satten Bassdrums und die fetten High-Gain-Gittarrensounds mit souveräner Leichtigkeit in den Raum wirft. Packend intoniert das Set auch Keith Jarretts Klavier beim "Köln Concert": Nur wenige Lautsprecher schaffen es, die Anstrengung des Künstlers und die mal seidenweich, mal forciert gesetzten Klavieranschläge derart authentisch zu übertragen.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

Der mehr als zwölf Kilogramm schwere Aktivblock der Grosso beherbergt
zwei 250-Watt-Endstufen, die von einem 670-Watt-Ringkerntrafo versorgt werden.

Fazit

Die formidablen Hornlautsprecher von Avantgarde Acoustic erfordern viel Sorgfalt bei der akustischen Abstimmung und klingen in kleineren Räumen schnell aufdringlich oder zu direkt – was aber oft an der mangelnden Qualität der Aufnahme liegt. Mit guten Aufnahmen in großen Räumen faszinieren dagegen die mühelose Dynamik, die mitreißende Auflösung und die enorme Impulsschnelligkeit der gewaltigen Basshörner.  

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

 

Zusatzinfo: Geschichte und Technik des Hornlautsprechers

Am Anfang der Schallaufzeichnung stand vor über 100 Jahren der Edison Phonograph: Schallschwingungen wurden von einer Membran mit Hilfe eines Trichters verstärkt und über einen Stichel in das weiche Wachs einer drehbaren Walze übertragen. Bald löste das Trichter-Grammophon den Phonographen als Aufnahme- und Wiedergabegerät ab, und in den 20er Jahren wurden die ersten elektrischen Verstärker entwickelt. In den Lichtspielhäusern bestaunte das Publikum damals die ersten Tonfilme, doch weil die historischen Röhren-Endstufen leistungsschwach waren, brauchte man schallverstärkende Hornlautsprecher, um den Ton im ganzen Saal hörbar zu machen.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

Verstärken ohne Strom: Die
schallverstärkende Wirkung von Hörnern wurde schon
vor über 100 Jahren beim Trichter-Grammophon genutzt.

Heute gibt es natürlich leistungsstarke Endstufen, und Hornlautsprecher sind keine zwingende Notwendigkeit mehr. Dennoch haben sie nichts von ihrer Faszination verloren, denn ihre Technik ist einmalig: Das Horn-Prinzip ermöglicht Schallwandler, die bis zu 80 Prozent der Verstärkerleistung in Schall­energie umsetzen; übliche HiFi-Lautsprecher hingegen wandeln 99 Prozent der Leistung in Wärme um und nutzen gerade mal ein Prozent zur Schallerzeugung. Die enorme Effizienz der Hornlautsprecher liegt in ihrer dem menschlichen Ohr ähnlichen Form und Funktion begründet: Auch hier erfährt der Schall auf dem Weg über Ohrmuschel und Gehörgang eine kontinuierliche Druckzunahme bis zum Trommelfell. Hält man die Handflächen an die Ohrmuscheln, so lässt sich der Schalldruck weiter erhöhen, allerdings nur bis etwa 1.000 Hertz, was zu hörbaren tonalen Verfärbungen führt. Sollen Hornsysteme auch bei tiefen Frequenzen gut klingen, müssen sie deshalb sehr groß sein.

Bildlich gesehen kann die Luft der Membranbewegung im Horn nicht ausweichen und wird zum größten Teil in Schallenergie umgewandelt. Gleichzeitig wird die Membran-Auslenkung durch den Staudruck bedämpft und die Belastbarkeit erhöht. Technisch gesehen handelt es sich beim Horn-Prinzip um eine Anpassung der Schall-Kennimpedanz zwischen der Lautsprechermembran und der Luft.

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

Kino-Hornsystem: Dieses 1950 von Altec Lansing gebaute
Zwei-Wege-Horn hieß „Voice of the Theatre“
– passend zum Einsatz in Lichtspielhäusern.

 

Ein Problem stellen ganz tiefe Bassfrequenzen dar, denn um sie zu verstärken, benötigt man Mundöffnungen in der Größe einer Doppelgarage. Wände in Raumecken können aber die Hornöffnung virtuell erhöhen und den Tiefgang erweitern. Unterhalb der durch den Hornmund definierten Größe  fällt der Schalldruck mit 18 Dezibel pro Oktave ab.

Je nach Hornverlauf unterscheidet man zwischen Exponential­hörnern mit 90 Grad Öffnungswinkel oder sphärischen Hörnern mit bis zu 180 Grad Öffnungswinkel. Außerdem gibt es Systeme mit oder ohne schallverstärkende Druckkammer. Je nach Bauform ergeben sich Unterschiede im Wirkungsgrad, im Abstrahlverhalten und im Klirrfaktor.

Technische Ausstattung und Bewertung 

Avantgarde Acoustic - 5.2-Hornsystem für 60.900 €

 

 

Der Testbericht Avantgarde Acoustic 5.2-Set (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 60900 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2008 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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